1. Tag        Sonntag, 13.10.2019                     Flug nach Halifax
  2. Tag        Montag, 14.10.2019                      Halifax/Fahrt nach New Germany
  3. Tag        Dienstag, 15.10.2019                    Bridgewater/La Have
  4. Tag        Mittwoch, 16.10.2019                   Kejimkujik Nationalpark
  5. Tag        Donnerstag, 17.10.2019               Shopping in Halifax
  6. Tag        Freitag, 18.10.2019                        Mahone Bay
  7. Tag        Samstag, 19.10.2019                    Kejimkujik Seaside Adjunct
  8. Tag        Sonntag, 20.10.2019                     Digby Neck/Balancing Rock
  9. Tag        Montag, 21.10.2019                      Hirtle Beach
  10. Tag        Dienstag, 22.10.2019                    Kejimkujik Nationalpark
  11. Tag        Mittwoch, 23.10.2019                   Regentag/ Bridgewater
  12. Tag        Donnerstag, 24.10.2019               Halifax/Heimflug

Wir hatten gedacht, wir würden ein Jahr ohne Kanada auskommen…Nachdem wir im Sommer tatsächlich einmal nicht im Flugzeug nach Kanada saßen, machte sich Ende August die große Sehnsucht breit und der Indian Summer stand ja auch schon eine ganze Weile auf unserer Must-See-Liste. Und dann gab es da ein unschlagbares Angebot bei den Flugpreisen- also zugeschlagen und doch wieder drei Flüge von Frankfurt nach Halifax gebucht. Dazu das Hotel für die erste Nacht, ein Auto und ein Häuschen am See. Die Kombination hörte sich richtig gut an. Bis zur Pleitemeldung von Thomas Cook. Da wir die Flüge mit Condor gebucht hatten, saßen wir ein paar Tage auf heißen Kohlen, doch 14 Tage vor Abflug stand fest: Condor fliegt. Also auf in unseren ersten Kanadaurlaub ohne Wohnmobil und mit dickeren Jacken.

  1. Tag        Sonntag, 13.10.2019       Flug nach Halifax

Am zweiten Tag der Herbstferien können wir nochmal in Ruhe ausschlafen. Ohne, dass der Wecker uns aus dem Bett wirft und nach einem ordentlichen Frühstück sammeln wir die letzten Siebensachen zusammen, der Müll muss noch raus und dann geht es mittags Richtung Frankfurt. Scheinbar sind die Baustellen auf der A45 weniger geworden, auf jeden Fall kommen wir schneller vorwärts als erwartet und sind schon eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Eintreffen am Parkhaus in Hoechst. Von hier aus bringt uns ein Airportshuttle-Service in ein paar Minuten zum Terminal 1. Das Gepäck werden wir schnell los aber die Wartezeit bis zum Boarding zieht sich ziemlich in die Länge. Unerwartet unproblematisch kommen wir alle drei durch die Sicherheitskontrollen und heute muss mal keiner von uns zum extra Abtasten oder zum Sprengstofftest. Glück gehabt. Die Zeit bis zum Boarding vertreiben wir uns mit ein paar Runden Uno und pünktlich um 17:25 Uhr  sitzen alle abflugfertig im Flieger. Der rollt rückwärts, fährt in Richtung Startbahn und dann…tut sich erstmal nichts mehr. Nach einer knappen halben Stunde teilt uns der freundliche Pilot mit, dass vorne im Cockpit irgendeine Fehlermeldung sagt, dass sich eine der vielen Klappen nicht richtig schließen will. Und so möchte er dann doch nicht losfliegen. Die Mechaniker wären verständigt und so rollen wir wieder zurück zur Startposition. Die Türen gehen auf, die Türen gehen zu, Männer und Frauen kommen an Bord und verlassen uns wieder. Die erste Runde Getränke wird ausgegeben, danach kommen die Müsliriegel. Zum Glück können die Mechaniker den Fehler beheben und so verlassen wir mit zwei Stunden Verspätung  deutschen Boden Richtung Kanada. Laut Ansage des Piloten würde es draußen auf dem Atlantik ziemlich unruhig werden, was meine Flugangst, die sich heute andauernd und ziemlich stark in den Vordergrund drängt, nur noch mehr verstärkt. Eigentlich kann ich mit solchen Ansagen ganz gut umgehen, dann weiß ich wenigstens woher das Gewackel kommt, doch heute wäre ich am liebsten wieder ausgestiegen. Der Start ist immer das allerschlimmste und als wir endlich Flughöhe erreicht haben, hätten in meinen Händen Fische leben können. Zum Glück verläuft der ganze Rest des Fluges bis auf wenige Momente  ausgesprochen ruhig und so schaffe selbst ich es, die siebeneinhalb Stunden recht entspannt über die Bühne zu bringen. Das einzig nervende war der dauerhustende ältere Mann neben uns. Der hustet doch tatsächlich die gesamten guten sieben Stunden ununterbrochen durch. Und nix mit Hand vor den Mund halten- der beglückt alle Reihen um ihn herum mit seinem fiesen Husten.   Um kurz nach 22 Uhr Ortszeit landen wir in Halifax, das Gepäck kommt  schnell und um kurz nach  23 Uhr haben wir unser Auto unterm Hintern. Jetzt ab nach Downtown ins Hotel, Zähne putzen und ab ins Bett. Gefühlt ist es ja schon fast wieder Zeit zum Aufstehen, als wir hier gegen 01:00 Uhr einschlafen.

2. Tag        Montag, 14.10.2019                       Halifax/Fahrt nach New Germany

Die Nacht ist irgendwie unruhig. Ständig werde ich wach, suche nach einer bequemen Position, schlaf wieder kurz ein und bin dann doch um 05:00 Uhr wach.  Zwar nach 4 Stunden Schlaf nicht ausgeschlafen aber wach. Maya nebenan scheint es nicht besser zu gehen, denn im Dunkeln sehe ich den Schein ihres Handys. Naja, zu Hause sind ja auch schon alle wach, da findet sich immer jemand zum Schreiben.  Anderthalb Stunden schaffe ich es noch liegen zu bleiben, dann ist Zeit für die Dusche und danach geht’s ab zum Frühstück. Ich hoffe, es gibt was Ordentliches, denn heute ist Thanksgiving in Kanada. Das bedeutet, alle, ja wirklich alle Läden sind zu und durch unsere Verspätung bin ich gestern Abend nicht mehr zum Einkaufen gekommen. Mal sehen, wie wir essenstechnisch so durch den Tag kommen. Das Frühstück im Hotel wird auch jedes Jahr spartanischer und so begnügen wir uns heute Morgen mit Toast, Ei, Erdnussbutter, Joghurt, Obst, Tee und Kaffee. Macht auch satt. Danach geht’s nochmal kurz hoch aufs Zimmer und dann runter ans Wasser.

Die Promenade, die sonst im Sommer von Menschen geradezu überquillt, ist heute wie leergefegt.

Die bunten Holzbuden haben fast alle zu- closed for season- und so bummeln wir einfach ein bisschen am Wasser entlang und genießen die frische, kühle Luft. Einige Ecken sind wunderschön herbstlich dekoriert mit Strohballen, Kürbissen und bunten Crysanthemen. Sooo schön.

Vor unserem Anstieg bergauf zum Hotel statten wir Tim Hortons den ersten Besuch ab. Da wir heute tagsüber wahrscheinlich nichts zu essen bekommen, nehmen wir zur Sicherheit lieber ein paar Donuts und Timbits mit. Um 13 Uhr checken wir in Halifax aus und machen uns auf den Weg, die Küste entlang Richtung Süden nach Peggy´s Cove. Der Ort ist berühmt für seinen weiß-roten Leuchtturm, Peggy´s Point, der auf kahlen Felsen direkt oberhalb der Brandung steht. Obwohl der Leuchtturm heute nicht mehr im aktiven Dienst steht, ist er der meist fotografierte Leuchtturm in Atlantik- Kanada. Wir parken das Auto am Visitors Center und laufen bergauf Richtung Wasserkante. Direkt gegenüber vom Parkplatz liegt das alte Fischerhaus samt Galerie des Künstlers William deGarthe mit einer riesigen, 30 Meter breiten Granitskulptur im Garten. Diese Skulptur, „Fishermen´s Monument“, hat deGarthe zu Ehren der Fischer Nova Scotias geschaffen und mit Szenen aus dem Fischereialltag versehen.

In diesem winzigen Örtchen mit den superengen Straßen werden wir mehrfach von riesigen Reisebussen überholt.

Auch die wollen alle ihre Fracht am Leuchtturm loswerden. Und so laufen auf den Klippen viele, viele Menschen unterschiedlichster Herkunftsländer herum und es ist unmöglich, ein Foto ohne Fritz oder Frieda mit drauf zu machen. Ich will gar nicht wissen, wie das hier im Sommer in der Hochsaison aussieht. Der Leuchtturm ist ganz schön, rot-weiß gestrichen und liegt spektakulär am Wasser.

Damit haben wir auch schon genug gesehen und fahren weiter  die Küste entlang nach Lunenburg. Diese Stadt ist heute völlig ausgestorben. Kein Restaurant hat geöffnet, alle Souvenirläden sind geschlossen und auf der Straße ist nicht eine Menschenseele unterwegs. Die sind ja alle in Peggy´s Cove. Wir machen eine kleine Runde durch den Ort, sehen uns kurz die bunten Holzhäuschen an und beschließen dann, weiter nach Bridgewater zu fahren. Hier gibt es wieder einen Tim Hortons und die haben neben dem ganzen Süßkram auch Herzhaftes zu essen. Mittlerweile ist es 17 Uhr und der Hunger macht sich breit. Außerdem gibt es bei Tim Hortons immer freies und ziemlich zügiges WLAN. Das freut vor allem die Tochter. Unser Abendessen an Thanksgiving besteht aus Tomatensuppe, Chili con Carne und Käsesandwich. Satt machen wir uns auf die letzten Kilometer zu unserem Ferienhaus. Das liegt landeinwärts etwa eine halbe Stunde von Bridgewater entfernt mitten im Wald. Wie gut, dass wir einen Geländewagen gemietet haben, denn die Zufahrt auf den letzten Kilometern ist eine reine Schotterstrecke. Als wir ankommen, ist es bereits dunkel. Das Hausverwalterehepaar erwartet uns bereits, zeigt uns dieses und jenes im kleinen Cottage und dann sind wir allein. Mitten im Wald. Allein. Ist schon ganz schön Unheimlich hier. Nach der sehr kurzen letzten Nacht  sind wir totmüde und um 20 Uhr liegen wir alle drei im Bett. Noch kurz was Rumdaddeln und um halb neun schlafen wir alle tief und fest.

3. Tag        Dienstag, 15.10.2019                      Bridgewater, La Have

Die Betten sind superbequem und trotzdem sind wir wieder um kurz nach 5 wach. Viel zu früh. Aber wer so früh schlafen geht…selber schuld. Irgendwie kommen wir dieses Mal nicht in den Tritt, sonst geht das hier rüber immer sofort. Draußen ist es noch stockdunkel und so bleiben wir noch bis sieben Uhr im Bett liegen, dann geht’s unter die heiße Dusche und zum Glück gibt es im Schrank noch Kaffee und Tee. Der tut fürs erste Frühstück schon mal ziemlich gut. Jetzt, da es draußen heller wird, erkennen wir erst, in was für einer traumhaften Lage wir uns hier befinden. Die Aussicht aus dem Wohnzimmer und von der Terrasse direkt auf den See ist atemberaubend schön.

Da wir jetzt alle soweit wach sind, kann es ja losgehen nach Bridgewater. Die kleine Stadt ist etwa 30 Minuten von uns entfernt und hat alles, was wir für unsere Vollausstattung brauchen. Zuerst zieht es uns aber schon wieder zu Tim Hortons, denn irgendwas Festes im Magen wäre nicht schlecht. Während wir unsere Breakfast-Sandwiches knabbern beschließen wir, nach dem Frühstück zuerst den La Have River entlang zu fahren und erst später auf dem Rückweg einkaufen zu gehen. Wir setzen uns also ins Auto und fahren die Straße am Fluss für etwa eine Stunde entlang.

Ziel ist der Crescent Beach, ein weißer Sandstrand, auf den man sogar mit seinem Auto fahren darf. Das wollen wir dann aber doch nicht, stellen das Auto lieber auf dem Parkplatz ab und laufen bei kühlem Wind und immer wieder durch die Wolken scheinender Sonne am Meer entlang. Der Atlantik ist heute ziemlich ruhig und die Wellen schwappen mit regelmäßigem Klatschen an den Strand. Diesem Geräusch kann ich ewig zuhören.

Wir laufen eine ganze Weile an der Wasserkante entlang und begegnen nur einer Handvoll Menschen. So leer, so ruhig, so friedlich ist es hier. Direkt um die Ecke- ja auch für kanadische Verhältnisse direkt um die Ecke- gibt es einen kleinen Provincialpark direkt am Meer. Das Navi im Auto sagt was von 900 Meter Entfernung, die hätten wir eigentlich auch direkt zu Fuß gehen können. Wir parken das Auto also nur kurz um und schauen uns am Rissers Beach um.

Auch hier ist es wunderschön. Es gibt sogar einen kleinen Campingplatz mit Stellplätzen direkt am Wasser und einer wundervollen Aussicht aufs Meer. Der Weg führt uns zuerst durch einen kleinen Wald und dann über ein Sumpfgebiet hinweg zum Strand. Der ist hier wesentlich breiter als am Crescent Beach und sogar noch schöner.

Als wir zum Auto zurückkehren ist es bereits später Mittag und wir sind ganz schön durchgefroren. Auf dem Hinweg haben wir in La Have direkt an der Straße ein kleines Cafe gesehen, da soll es jetzt hingehen. Im Inneren ist es sehr urig und super gemütlich. Es gibt hausgebackene Kuchen und kleine Törtchen, selbstgemachte Suppen, belegte Brote und Salate. Wir nehmen sowohl herzhaft als auch süß und teilen alles untereinander auf.  Schmeckt alles sehr lecker. Nebenbei schreiben wir den Einkaufszettel für den ersten Einkauf. Der ist ja erfahrungsgemäß immer etwas größer. Zurück in Bridgewater wollen wir vor dem Lebensmitteleinkauf noch in die kleine Mall. Hier gibt es einen Winners, der sich immer zum Stöbern lohnt, einen kleinen aber feinen Buchladen und noch andere Geschäfte.

Zum Glück werden wir nicht direkt fündig und so geht’s weiter zum Atlantic Superstore. Der ist heute Nachmittag schon ganz schön geplündert und ich krieg gar nicht alles. Also weiter zum Walmart, um die noch fehlenden Dinge einzukaufen.

Mit vielen, vielen Taschen kommen wir zurück zum Auto und später landen Getränke, Obst, Gemüse, Milch, Joghurt, Brot, Erdnussbutter, Eier, Speck  und andere Dinge im Kühlschrank. Draußen wird es schon wieder dunkel und wir werden müde. Zum Abendessen gibt es eine Asiapfanne mit Reis und dann ist bereits um 21 Uhr der Tag wieder zu Ende.

4. Tag        Mittwoch, 16.10.2019                   Kejimkujik Nationalpark

Die Nacht war sternenklar und dementsprechend eisig. Als wir mit Sonnenaufgang wach werden, ist draußen alles knackig kalt gefroren. Aber je kälter die Nächte umso schöner die Farben des Indian Summer und so begrüßt uns dieser Morgen mit den wunderschönsten Herbstfarben bei Sonnenschein und blauem Himmel. Da wir ja keine Nachbarn haben, ziehen wir uns die Jacken über den Schlafanzug und gehen erstmal die paar Schritte zum Seeufer runter. Geheimnisvoll wabert der Nebel über die Wasseroberfläche während die Sonne langsam immer höher steigt und den Tag endgültig erhellt. So eine Stimmung haben wir noch nirgendwo vorher erlebt- wunderschön und fast schon magisch.

Als die Sonne den Nebel endgültig weggebraten hat, gehen wir nacheinander unter die heiße Dusche um uns wieder aufzuwärmen und danach gibt’s Frühstück: Bananen-Zimt-Pancakes, Obst und Tee. Warm und satt machen wir uns daran, die Tagesrucksäcke zu packen, denn wir wollen das tolle Wetter im Kejimkujik-Nationalpark genießen. Der liegt ca. 40 Minuten von uns entfernt und wir kennen ihn bisher nur aus den Sommerurlauben. Wie in allen kanadischen Nationalparks kommen wir zuerst an ein kleines Häuschen, an dem uns eine Dame auf nette Art und Weise das Eintrittsgeld abknöpft, ein bisschen Smalltalk betreibt und uns eine Karte des Parks mit auf den Weg gibt, in der alle Wanderwege verzeichnet sind. Direkt hinter dem Häuschen rechts befindet sich das Visitor Center, das wir zuerst ansteuern, denn hier gibt es Toiletten und der Tee vom Morgen macht sich bemerkbar. Für den ersten kleinen Spaziergang lassen wir den Wagen direkt auf dem Parkplatz dort stehen und gehen am Visitor Center vorbei am Fluss entlang in den Wald.

Der Wanderweg heißt Mills Falls und kommt an ein paar Stromschnellen und einem kleinen Wasserfall vorbei. Im Sommer nutzen wir diesen Fluss immer zum Schwimmen, doch heute ist es dafür eindeutig zu kalt. Das Wasser spiegelt die leuchtenden Farben der Bäume drum herum und macht sie doppelt so schön.

Außer uns sind nur ein paar wenige Menschen hier und wir genießen es sehr, die Natur fast für uns allein zu haben. Im Wald ist es doch empfindlich kalt und wir hätten uns besser die dickeren Jacken angezogen. Maya und ich frieren langsam, also ab zurück zum Auto. Das hat in der Sonne gestanden und ist wunderbar warm. Außerdem hat dieses Auto überall Sitzheizung und so sind wir schnell wieder aufgetaut. Als nächstes wollen wir den Hemlock and Hartwoods–  Wanderweg abwandern, doch noch vor dem Parkplatz ist mit einer Schranke die Zufahrt versperrt. Hurricane Dorian hat auch hier ein paar Wochen zuvor enorme Schäden hinterlassen und manche Bereiche des Parks unpassierbar gemacht. An vielen Ecken wird noch immer geholzt und Wege werden wieder passierbar gemacht, doch zu unserem Wanderweg kommen wir heute nicht mehr. Dann weichen wir doch einfach nach Jake´s Landing aus. Ein paar Kilometer weiter die Straße entlang kommen wir zu der Stelle, an der in den Sommermonaten Kanus und Kajaks verliehen werden, mit denen man den riesigen Kejimkujik lake befahren kann. Heute stehen auf dem Parkplatz nur eine Handvoll Autos, der Verleihkiosk ist bereits geschlossen, aber die kleinen Holzstege sind noch da.

Wir setzen uns in die Sonne und schauen aufs Wasser. Optisch fehlt uns irgendwas, denn auch die Brücke, die den Campingplatz mit dem Kanuverleih verbindet ist Dorian zum Opfer gefallen und wurde abgebaut.  Nur einen kleinen Spaziergang durch den Wald entfernt gibt es einen Aussichtsturm. Zu dem gehen wir jetzt hin und schauen uns die herbstlichen Farben von oben an. Auch wieder wunder-, wunderschön.

Mittlerweile ist es später Mittag und wir überlegen, wo wir unser mitgebrachtes Picknick essen könnten. Der beste Platz dafür scheint uns Merrymakedge Beach zu sein, ein kleiner Sandstrand am See mit Tischen und Bänken. Außer uns sind noch ein paar Leute hier, die in der Sonne ihr Essen genießen. Wir packen unsere Möhren, Bananen und Cookies aus und suchen uns einen Platz direkt am See.

In der Sonne ist es so warm, dass wir die Jacken ausziehen und eine ganze Weile nur im Pullover draußen sitzen. Hier gibt es auch freies WLAN, was besonders Maya sehr freut. Wir sitzen fast eine ganze Stunde hier rum, dann wird des Zeit zum Weiterziehen. Unser nächster Halt ist der Wanderweg Flowing Waters, ein 1,1 Kilometer langer Rundweg. Auch hier sind die Farben der Bäume wieder traumhaft schön.

Erst am Nachmittag können wir uns hier losreißen und machen und auf den Weg nach Hause. Im winzigen Ort Caledonia gibt es einen kleinen Lebensmittelladen und wir halten noch an, um Sachen zum Grillen zu holen. Da es heute noch nicht dunkel sein wird, wenn wir wieder am Haus ankommen, wollen wir noch den Grill auf der Terrasse anschmeißen. So landen Hackfleisch, Burgerbrötchen und Ketchup im Wagen und später in Form leckerer Burger auf unseren Tellern.

5. Tag        Donnerstag, 17.10.2019               Shopping in Halifax

Seit Tagen waren sich die Wettervorhersagen einig und sie sollten Recht behalten: Pünktlich um 10 Uhr fängt es an zu schütten. Nicht ein bisschen Regen sondern wahre Wassermassen gießen sich über uns aus. Der Regen prasselt gegen die Fenster und rauscht vom Dach, die Bäume biegen sich im  Wind und der sonst so ruhige See bekommt weiße Schaumkronen auf den Wellen. Bis zum späten Nachmittag soll das so weitergehen und an rausgehen ist so nicht zu denken. Unser Plan für heute ist ein Shopping-Ausflug nach Halifax. Die Stadt liegt anderthalb Fahrstunden von uns entfernt und mit dem tollten Auto, was wir hier haben kann man schon ein bisschen rumfahren. Auf dem Highway angekommen wird der Regen sogar nochmal stärker. Die Scheibenwischer wirbeln über die Frontscheibe und trotzdem kann man seinen Fordermann fast nicht erkennen. Die ausgefahrenen Spurrillen tun ihr Übriges und sorgen für ein angenehmes Aquaplaning. So schleichen wir also vor uns hin und kommen dann doch gegen 13 Uhr am Halifax Shopping Center an. Zum Glück stehen wir im Parkhaus trocken und kommen fast ganz ohne weitere Tropfen in den Geschäften an. Zuerst muss ich mich wieder um neue Duftkerzen kümmern. Ich bin ja sonst kein Freund von künstlich und aufdringlich riechenden Kerzen aber von den Kerzen von „Bath&Bodyworks“ kann ich nicht genug bekommen. Maya und ich schnüffeln uns durchs Sortiment und gehen mit drei großen, einer mittleren und drei kleinen Kerzen wieder raus. Da kann der Winter zu Hause ja kommen. Als nächstes sind diverse Klamottenläden dran, doch so richtig ist nichts dabei. Zum Glück gibt’s hier auch eine Apotheke, denn Mike und ich husten wie die Weltmeister. Also noch eben Nasenspray und Hustensaft geholt und ab in die nächsten Läden. Mike deckt sich noch im Alkohol-Store ein  und Maya und ich stöbern durch „Winners“. Aber auch hier werden wir nicht wirklich fündig. Ohne weitere Ausbeute geht’s zurück zum Auto. Ein paar Fahrminuten vom Halifax Shopping Centre entfernt gibt es noch eine riesige, ja wirklich riiiesige Ansammlung verschiedenster Läden- den Bayers Lake Business Park. Hier reihen sich direkt neben der Abfahrt vom Highway so ziemlich alle mehr oder weniger bekannten Läden, Marken und Restaurants aneinander. Das Areal ist riesig und ohne Auto kommt man gar nicht die langen Straßen entlang. Mal eben von einem Laden zum anderen gehen ist aufgrund der Entfernungen kaum möglich. Zum Glück liegen zwei meiner Lieblingsläden direkt nebeneinander, so dass wir den Wagen zuerst nur einmal abstellen müssen. Zuerst stürmen wir „Michaels“. Dieser Laden hat alles, was das DIY-Herz begehrt: Bastelkram, Deko,  Backartikel, Planer, Stifte… und die ersten Weihnachtssachen.

Da leuchten die Augen. Meine zumindest- Mike kann sich gerade noch zurückhalten. Zum Glück haben wir nicht mehr so viel Platz im Koffer, sonst könnte ich hier tatsächlich so viel Kram mitnehmen, dass ich kaum ungesehen an den Zollbeamten vorbei käme. Unter den gegebenen Umständen darf zumindest ein Weihnachtsbaumanhänger mit uns zusammen den Laden verlassen. Direkt nebenan liegt „Old Navy“. Auch hier könnte ich bergeweise Kleidung aus dem Laden tragen, doch ich beschränke mich heute nur auf ein neues T-Shirt und einen Pullover. Zum Glück waren die weihnachtlichen Schlafanzüge noch nicht in den Regalen- da wäre ich bestimmt schwach geworden. Nach so viel shopping wird’s Zeit für was in den Magen. Wir alle drei lieben „Jack Astor´s“, eine kanadische Restaurantkette, in der man hervorragend Burger, Nudeln oder Bowls essen kann. Wir werden sehr freundlich begrüßt, kriegen einen Tisch zugewiesen und die nette Bedienung hält ein wenig Smalltalk. Was uns dieses Mal wundert, ist die doch sehr körperbetonte, knappe Kleidung der jungen Kellnerinnen. Bei den sonst so prüden Kanadiern und in einem Familienrestaurant hätten wir damit nicht gerechnet. Wir bestellen einen Burger mit Süsskartoffelpommes und zwei Bowls. Alles ist wieder sehr, sehr lecker.

Wie in Nordamerika üblich, darf man den Bedienungen nicht zu schnell zeigen, dass man aufgegessen hat, denn sobald der Teller leer ist, wird er mit einem freundlichen Lächeln regelrecht vom Tisch gerissen und stattdessen gegen die Rechnung getauscht. Wozu auch noch was sitzen bleiben, wenn der Teller doch leer ist? Zwischenzeitlich hat der Regen aufgehört und die Sonne ist wieder rausgekommen und nachdem wir satt und zufrieden das Restaurant verlassen müssen wir doch wieder an Essen denken: Uns fehlen Lebensmittel und so laufen wir noch eine Runde durch Walmart. Hier stehen bereits sooo schöne Weihnachtstassen in den Regalen. Leider landen auch hier nur die wirklich benötigten Sachen im Kofferraum. Mittlerweile ist es später Nachmittag und wir haben ja auch noch anderthalb Stunden Fahrt vor uns, also machen wir uns auf den Heimweg. Der verläuft ruhig, die Landschaft zieht an uns vorbei und gegen 18 Uhr kommen wir wieder in unserem Häuschen an. Die Sonne ist bereits untergegangen und die Dunkelheit versetzt uns in Schlafmodus. Da wir noch immer ziemlich satt sind, fällt das Abendessen heute aus. Wir spielen noch eine Weile Karten, danach geht’s ins Bett. So schnell vergehen hier die Tage.

6. Tag        Freitag, 18.10.2019         Mahone Bay

Der heutige Tag beginnt mit Regen. Hinter dicken, grauen Wolken versteckt sich die Sonne so gut sie kann. Wir sind mal wieder seit 6 Uhr wach und da wir es überhaupt nicht eilig haben, faulenzen wir im Bett einfach vor uns hin: Lesen, Hörbuch hören, mit den Freunden schreiben, wieder eindösen. So kann man die Zeit in den Ferien auch verbringen. Gegen 10 Uhr, wir haben gerade gefrühstückt, scheint auch die Sonne ein bisschen die Augen aufzumachen und kommt langsam und zaghaft hinter den Wolken hervor. Und es hört auf zu regnen.

Was machen wir also heute? Mike hat in einem Reiseführer einen kleinen Provincialpark gefunden, der wohl schöne Wanderwege haben soll. Die Fahrzeit ist mit einer guten Stunde angegeben- also nichts wie los. Die Wanderschuhe und Regenjacken verschwinden im Kofferraum und wir auf den Sitzen. Über die holprigen Straßen Nova Scotias geht es durch die Wildnis immer weiter ins Niemandsland. Links und rechts tauchen immer mal wieder vereinzelte Häuser auf, die weit und breit keinen Nachbarn haben. Im Winter muss es hier ganz schön einsam sein. Jetzt im Oktober ist das Laub der Bäume wunderschön gefärbt. Die letzten roten Ahornblätter stechen zwischen den vielen gelb-orangen Blättern drum herum wie Farbklekse ins Auge und wir können uns wiedermal nicht satt sehen. Hier explodieren die Farben der Natur regelrecht.

Nach einer guten Stunde Fahrzeit kommen wir an unserem Ziel an und- stehen vor einer geschlossenen Schranke. „Closed for season.“ Na super, da hatten wir nicht mit gerechnet. Was also jetzt? Nach kurzem Überlegen sagt der Blick aufs Navi, dass Mahone Bay gar nicht soo weit weg ist und uns gefiel der kleine Ort beim letzten Durchfahren ganz gut. Ok, dann dahin. Es ist bereits mitten am Nachmittag als wir in Mahone Bay ankommen. Das Örtchen liegt wunderschön direkt am Wasser und ist berühmt für seine drei nebeneinanderliegenden Kirchen.

Bunte Holzhäuser bestimmen das Stadtbild und überall kann man Selbstgemachtes kaufen: Kleidung, Bilder, Schmuck… ein echtes Künstler-Städtchen. Wir bummeln eine Weile durch die Straßen und drehen noch schnell eine Runde durch den kleinen Supermarkt um unser Abendessen zu sichern.

Da der Hunger sich auch jetzt schon meldet und Mahone Bay über einen Tim Hortons verfügt zieht es uns zu heißem Kaffee, Kakao und kleinem Süsskram. Hmmm, lecker. Und warm. Ich huste ja schon seit ein paar Tagen ordentlich aber heute scheint die Erkältung auch bei Mike zuzuschlagen. Der wird immer ruhiger, schlappt nur hinter Maya und mir her und drückt mir für die Rückfahrt wortlos den Autoschlüssel in die Hand. Ich darf fahren? Ohne betteln? Juhuuu! Es dämmert bereits als wir uns auf den Heimweg machen und am Cottage angekommen ist es stockduster. Den Abend verbringt Mike auf dem Sofa, Maya liest und ich mach schnell Abendessen. Danach geht’s ab ins Bett.

7. Tag        Samstag, 19.10.2019                      Kejimkujik Seaside Adjunct

Die Nacht war ziemlich unruhig. Mike und ich haben abwechselnd so viel gehustet, dass sogar Maya bei den dünnen Pappwänden wach geworden ist. Morgens geht es aber wieder besser, wir sind nicht mehr ganz so k.o., die Sonne scheint und nach einer heißen Dusche kann der Tag beginnen. Zum Frühstück gibt es Pancakes mit Bananen, Zimt und Honig. Da die Wettervorhersage den ganzen Tag gutes Wetter verspricht, wollen wir heute zum am Atlantik gelegenen Teilstück des Kejimkujik-Parks, dem Kejimkujik-Seaside Adjunct. Neben Wanderschuhen und dicken Jacken landen noch die restlichen Pancakes vom Frühstück, kleine Möhren samt Hummus und unsere Wasserflaschen im Kofferraum. Jetzt kann es losgehen. Nach anderthalb Stunden Fahrt  stellen wir unser Auto auf dem Parkplatz am Nationalpark ab.

Allzu viel scheint hier heute nicht los zu sein, außer uns stehen nur  drei weitere Wagen hier. Wir tauschen die Schuhe gegen die Wanderschuhe, ziehen die dicken Jacken an und der Rucksack kommt auf den Rücken. Vom Parkplatz aus führen zwei Wege durch die Heidelandschaft Richtung Meer, wobei uns die Entscheidung, welchen Weg wir nehmen wollen heute abgenommen wird. Aufgrund der Schäden durch Hurricane Dorian ist nur einer der Wege geöffnet und begehbar. Schon am Eingang wurde vor Kojoten gewarnt und bei den ganzen auf dem Weg liegenden Tretminen sind hier wohl ziemlich viele Kojoten unterwegs. Vor denen habe ich echt Respekt- hoffentlich begegnen wir keinem. Die Häufchen reichen mir völlig. Die Landschaft hier ist wunderschön und die Heide herbstlich rot gefärbt, doch auch auf diesem Weg hat Dorian seine Spuren hinterlassen: Mehrere umgekippte oder abgebrochene Bäume liegen am Rand und der Weg ist streckenweise stark ausgewaschen und uneben.

Nach etwa 15 Minuten geht es bergab Richtung Strand. Ein langer, weißer Sandstrand erwartet uns mit angrenzenden Salzwiesen und vereinzelten Felsen. Was ist das schön hier. Sand unter den Füßen ist immer gut und so laufen wir den Strand ein paar Kilometer entlang und genießen die frische, kalte Seeluft.

Zwischendrin entdecken wir wieder die an besonders schönen Stellen in Kanada aufgestellten red chairs, diese Mal mit einem fantastischen Blick aufs Meer.

Wir machen eine Pause und freuen uns über das mitgenommene Essen. Wäre es nicht doch etwas kühl, könnte ich hier ewig sitzen bleiben. So aber eben nicht, also geht’s weiter am Strand entlang. Nach einer guten Stunde drehen wir um, der Rückweg will ja auch noch geschafft werden. Und was auf dem Hinweg bergab ging, geht jetzt bergauf. Da wird sogar die Jacke zu viel. Den Kanadiern, die uns entgegen kommen, scheint auch zu warm zu sein- die sind mit kurzer Hose und Hemd unterwegs. Sind halt nicht alles so Weicheier wie wir mit unseren Übergangsjacken. Gegen 16 Uhr sind wir zurück am Auto und machen uns auf den Heimweg. Die untergehende Sonne verwöhnt uns mit fantastischem Licht.

In Bridgewater drehen wir noch schnell eine Runde durch Walmart. Mike und ich kaufen ein und Maya nutzt das in allen Walmarts vorhandene freie WLAN. Zu Hause angekommen müssen schnell noch ein paar Fotos vom Seeufergemacht werden, um das tolle Abendlicht einzufangen.

Zum Abendessen gibt es Chilli con Carne und Cesars Salad und wir fallen regelrecht darüber her. Der Weg heute war doch ganz schön lang und der Hunger ist dementsprechend groß. Schnell noch abspülen und dann ist wieder Zeit fürs Karten spielen, bis wir alle drei in die Betten fallen.

8. Tag        Sonntag, 20.10.2019                       Digby Neck/Balancing Rock

Heute Nacht muss es eiskalt gewesen sein. Als wir wieder viel zu früh wach werden, ist draußen alles fest gefroren und die Terrasse ist mit einer Eisschicht überzogen. Unter dem sternenklaren Himmel erscheint ganz langsam die Morgenröte und etwas später geht die Sonne wunderschön über dem See auf. Geheimnisvoll wabert der Nebel über das Wasser und zaubert eine fantastische Stimmung. Mike zieht sich schnell Jacke und Schuhe an und versucht, möglichst viel dieser Stimmung auf die Speicherkarte zu bekommen.

Ich gehe nur kurz auf die Terrasse, es ist doch seeehr frisch da draußen. Den Rest des wunderschönen Sonnenaufgangs gucke ich mir lieber vom Warmen aus an. Als die Sonne den Nebel weggebraten hat wird es langsam Zeit für die Dusche, heißen Tee und leckeres Frühstück. Da das Wetter den ganzen Tag so gut und sonnig bleiben soll, beschließen wir, heute nach Digby Neck zu fahren und uns den Balancing Rock anzusehen. Wir waren zwar schon zweimal mit dem Wohnmobil in der Richtung unterwegs, haben uns aber nie getraut, mit dem langen Überhang des Wohnmobils auf die steil abfallende Fähre zu fahren. Jetzt, mit unserem tollen Auto, ist das ja kein Problem. Ich packe mal wieder Getränke und Proviant für unterwegs ein, denn der Weg ist weit und vor heute Abend werden wir nicht wieder zurück sein. Wir fahren zuerst eine Stunde bis nach Digby und biegen dann Richtung der Landzunge Digby Neck ab. Diese Landzunge besteht aus drei einzelnen Teilstücken, die mit zwei Fähren untereinander verbunden sind. Eine direkte Durchfahrtsmöglichkeit gibt es nicht. Der Balancing Rock befindet sich auf dem zweiten Teilstück, so dass wir in Tiverton auf die Fähre fahren. Schwupps, kaum drauf sind wir auch schon wieder runter. Die Überfahrt dauert etwa 5 Minuten. Weiter geht die Fahrt entlang der Küstenlinie. Hier und da tauchen vereinzelte Häuser auf und es ist schon interessant, dass hier bereits drei einsame Häuser ein Ortschild und einen eigenen Ortsnamen wert sind. Immer wieder gibt die Straße den Blick auf die Buchten und Strände der Bay of Fundy frei und da gerade Ebbe ist, hat sich das Wasser weit zurück gezogen. Die Boote haben kein Wasser mehr unter dem Kiel und liegen auf dem rötlichen Schlick des Meeresbodens. Bis zu 16 Meter beträgt der Tidenhub in der Bay of Fundy und so sieht die Landschaft mit Ebbe und Flut völlig unterschiedlich aus. Nach einer weiteren Stunde Fahrt kommen wir am Parkplatz des Balancing Rocks an. Mit uns stehen noch mehrere andere Autos auf dem Parkplatz, einige Leute kommen gerade vom Wandern zurück, andere brechen gerade erst auf. Wir tauschen wieder die Schuhe und als ich die dicken Jacken aus dem Kofferraum hole, ruft mir eine Dame aus einem davonfahrenden Auto zu, dass wir die wohl nicht brauchen würden. Auf dem Wanderweg wäre es ganz schön warm. Naja, hier auf dem Parkplatz weht ein ganz schön kühler Wind und wir sind Festlandeuropäer und die üblichen kanadischen Winter nicht gewohnt. Also kommen die Jacken mit. Der Wanderweg zum Balancing Rock ist ziemlich schmal, so dass wir drei hintereinander herlaufen müssen. Zuerst geht es über einen Holzsteg, danach folgt ein Anstieg über Steine und Wurzeln. Kinderwagengeeignet ist definitiv anders. Ich muss schon genau gucken, um nicht über eine der Wurzeln oder einen dicken Stein zu stolpern.

Danach geht es oberhalb des Meeres einfach durch den Wald geradeaus. Die Dame hatte übrigens recht: Hier, wo keinerlei Wind weht, wird es beim Laufen ganz schön warm und die Jacken landen ziemlich schnell überm Arm. Hätten wir die wohl doch besser im Auto gelassen. Aber warum auf die Einheimischen hören, wenn wir Touristen doch alles besser wissen. Jetzt schwitzen wir halt. Selber schuld. Irgendwann öffnet sich der Wald zum Meer hin und eine steile Treppe taucht auf. Seehr, seehr viele Stufen führen von hier oben abwärts bis auf Meereshöhe. Und da steht er dann: Der Balancing Rock- Eine irgendwann mal vom restlichen Felsen abgebrochene Felsnadel, die jetzt auf einer kleinen Fläche senkrecht über dem Meer steht und so aussieht, als müsste sie jeden Moment zur Seite fallen. Wir haben wohl riesiges Glück, diesen Felsen bei blauem Himmel und Sonnenschein zu sehen, denn oft herrscht hier Seenebel, der die Sicht stark einschränkt.

Um den Balancing Rock herum sind Schautafeln mit Erklärungen angebracht, die wir uns erstmal durchlesen. Nachdem wir alle Informationen aufgesaugt und den Felsen ausgiebig bestaunt haben, setzen wir uns noch eine Zeitlang auf eine der Bänke und schauen aufs Wasser raus. Ganz ruhig und spiegelglatt liegt die Bay of Fundy in ihrer ganzen Größe vor uns, hier und da schreien ein paar Möwen und es ist einfach nur wunderschön. Ich könnt ewig hier sitzen bleiben, doch leider schreien irgendwann nicht nur die Möwen sondern auch weitere Besucher und schon verliert die Idylle ihren Reiz der Einsamkeit. Wir machen uns auf den Rückweg und die vielen Stufen, die gerade noch bergab gingen, wollen jetzt alle wieder hochgestiegen werden. Wieder werden die Jacken, die gerade am Wasser noch richtig angenehm waren, zu warm und müssen weg. Während Maya die Stufen in null komma nix hochgerannt ist, keuche ich regelrecht hinterher. Da macht sich doch das Alter bemerkbar. Oder sind es die paar Kilos zu viel? Egal, irgendwann komm auch ich oben an und der Rest des Weges ist zügig abgewandert. Zurück am Auto freue ich mich über die Wasserflasche und eine Sitzmöglichkeit. Es ist bereits Nachmittag, als wir uns wieder auf den Rückweg machen. Um 17 Uhr nehmen wir die Fähre zurück aufs Festland und in Digby schauen wir noch schnell bei Walmart vorbei. Mittlerweile ist es dunkel und der Rest des Rückweges wenig spektakulär. Wir hören uns durch verschiedene Playlists und kommen gegen 20 Uhr am Cottage an. Mike räumt das Auto aus, ich mach Abendessen und danach gibt es noch die übliche Kartenrunde. Mehr ist heute nicht mehr drin. Gute Nacht.

9. Tag        Montag, 21.10.2019                        Hirtle Beach

Nach einer mehr oder weniger hustenfreien und somit wieder etwas erholsameren Nacht beginnt auch die neue Woche mit strahlendem Sonnenschein.  Der See zeigt sich in seiner ganzen Pracht und wie jeden Morgen können wir gar nicht anders, als diese Landschaft erstmal zu bewundern. Was ist das hier für ein wunderschönes Fleckchen Erde.

Nach der Dusche gibt es Frühstück und schönen heißen Tee.  Danach wird gespült und die Küche aufgeräumt- Morgenroutine eben. Im Internet hatten wir von einem schönen Strand gelesen, der auch „nur“ anderthalb Fahrstunden von uns weg ist: Hirtle Beach. Der soll unser Ziel für heute werden und gegen 11 Uhr machen wir uns auf den Weg. Zuerst wieder Richtung Bridgewater, dann immer schön am La Have River entlang. Die Straße führt recht kurvenreich immer direkt am Flussufer entlang und am Straßenrand stehen bildschöne Häuser mit tollen Gärten und einem traumhaften Blick direkt aufs Wasser. Also sollten wir mal im Lotto gewinnen: So ein Haus könnte ich mir auch gefallen lassen. Allein dieser Anblick ist die weite Fahrt schon wert. Nach ein paarmal abbiegen und weiteren wunderschönen kleinen Ortschaften kommen wir zum Parkplatz am Hirtle Beach. Der Tee von heute Morgen macht sich bemerkbar aber die Kanadier denken ja zum Glück mit. Sehr zu meiner Freude gibt es am Parkplatz Toiletten. Weniger Freude macht allerdings der 2. Blick: Es sind Plumpsklos… Lange Rede, kurzer Sinn: Die Blase gewinnt immer! Zum Glück haben wir immer Feuchttücher im Auto liegen. Jetzt kanns aber losgehen.  Wie üblich tauschen wir erstmal unsere Schuhe gegen Wanderschuhe und die dickeren Jacken werden übergezogen. Direkt vom Parkplatz aus geht es über einen kleinen Holzsteg an den Strand.

Der Hirtle Beach ist kein Sandstrand sondern besteht aus mehr oder weniger großen, runden Kieselsteinen. Man hört jedes Mal ein Klackern und Gluggern, wenn die Wellen über die Steine hinwegrauschen und diese wieder hin und her schmeißen. Ich empfinde das Laufen auf diesem Untergrund heute als extrem anstrengend, knicke ständig weg und finde keinen richtigen Halt. Mike und Maya laufen schon bald weit vor mir her und ich krieche missmutig hinterher.  Am Eingang zum Strand war ein Rundweg ausgeschildert, doch allein der Hinweg dorthin sind 1,5 Kilometer auf diesem wackeligen Untergrund.

Ich laufe noch eine Weile mit den beiden mit und dann gebe ich zum ersten Mal auf. Heute setzt mir die Erkältung so zu, dass mir das Ganze viel zu anstrengend ist. Da ich den beiden anderen nicht ihre Tour verderben will, mach ich mich auf den Rückweg zum Parkplatz und Mike und Maya gehen weiter. Noch ein paarmal umgeknickt und ich bin zurück beim Auto. Ich setze mich auf den Vordersitz, schau direkt aufs Wasser und genieße die Wärme. War doch ganz schön kühl draußen. Ich beobachte das Kommen und Gehen der Leute auf dem Parkplatz und genieße ansonsten die Ruhe. Und während ich so genieße schlafe ich fast ein. Mir fallen regelrecht die Augen zu und da ich vermeiden will, dass ein netter Kanadier die Scheibe einschlägt weil er denkt, ich wäre ohnmächtig, geh ich doch besser nochmal an die frische Luft. Ich laufe noch einmal bis vorne an die Wasserkante und höre ein bisschen den Wellen und den Steinen zu, dann drehe ich um und setze mich auf eine der Bänke am kleinen Dünenrand. Einfach nur rumsitzen ohne sich zu bewegen wird allerdings schnell kalt und da kommt wieder das Auto ins Spiel… Nach gut anderthalb Stunden kommen Mike und Maya zurück- denen ist natürlich überhaupt nicht kalt, denn sie sind mit ordentlich Tempo gegangen, um mich nicht so lange warten zu lassen. Der Rundweg, so lass ich mir sagen, führt zuerst durch Wald und Moor und von oben aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf die umliegende Landschaft und die Bucht. Außerdem haben sie eine kleine Schlange gesehen. Auch hier ist der Weg teils noch durch umgeknickte Bäume von Dorian versperrt und man muss immer mal klettern, um weiter zu kommen. Hat sich aber wohl gelohnt.

Der Rückweg geht wieder an den schönen, kleinen Ortschaften mit den traumhaften Häusern vorbei, die jetzt bei der niedrig stehenden Sonne noch mehr in ihren Farben leuchten. Die Sonne senkt sich tiefer und tiefer und es ist mal wieder fast dunkel, als wir zu Hause ankommen.

Jetzt noch zu Abend essen und dann ist wieder Zeit für Uno. Das können wir über Stunden spielen. Heute aber nicht so lange, dann sind wir müde genug fürs Bett.

10. Tag        Dienstag, 22.10.2019                      Kejimkujik Nationalpark

Über Nacht sind die ersten Wolken aufgezogen und die Sonne versteckt sich hinter einer  Menge Grau. Es soll aber den ganzen Tag noch trocken bleiben, daher überlegen wir, nach dem Frühstück noch einmal in den Kejimkujik Nationalpark zu fahren. Ich packe wieder Proviant ein und auf geht’s Richtung Wildnis. Ohne Sonne wirken die Farben der Bäume heute deutlich weniger spektakulär. Außerdem merken wir, dass wir definitiv am Ende des Indian Summer angekommen sind: Immer mehr Bäume verlieren ihr Laub und aus dem fantastischen Rot und dem leuchtenden Gelb wird immer mehr ein einheitliches Braun. Ist auch nicht hässlich aber eben nicht mehr so atemberaubend schön. Wir hören wieder unsere Playlists hoch und runter, dann sind wir auch schon angekommen. Zuerst halten wir wieder kurz hinter dem Visitor Center an und machen uns an den ersten Wanderweg für heute, den Hemlock and Hardwoods Trail. Der Wanderweg ist immer noch abgesperrt und so lassen wir das Auto vor der Schranke stehen und machen uns auf den Weg. Zuerst geht es am Fluss entlang und später über einen hölzernen Steg durch niedrige Heidelandschaft. Mittendrin steht ein Aussichtsturm mit einem kleinen Geheimnis.

Nach diesem ersten Wanderweg fahren wir den Highway des Parks ziemlich weit durch bis zum Grafton Woods Trail. Hier stellen wir das Auto auf dem Parkplatz ab und gehen in den Wald. Birken, wohin das Auge reicht mit einem schönen gelb-orangen Blätterteppich auf dem Boden.

Der Wanderweg ist recht unspektakulär und mit 1,6 Kilometern auch nicht sehr lang. Nach einer halben Stunde stehen wir schon wieder am Auto. Irgendwie haben wir heute kaum Lust zu laufen, vielleicht war es gestern aber auch doch zu anstrengend.

Wir fahren zurück zum Merrymakedge Beach, nehmen unsere Leckereien mit und setzen uns wieder auf eine der Bänke.

Außer uns ist nur noch ein älteres Ehepaar hier, doch die packen auch schnell zusammen, so dass wir hier völlig alleine sitzen. Wir genießen eine Weile den Blick aufs Wasser, das heute schon deutlich unruhiger und welliger ist als noch vor ein paar Tagen. Das schlechte Wetter kündigt sich auch hier an. Am frühen Nachmittag packen wir zusammen und machen uns auf den Heimweg, wo wir schon gegen vier Uhr ankommen. So früh waren wir noch nie zurück.  Es ist noch hell und hier ist das Wetter tatsächlich auch etwas besser. Mike und Maya haben schnell eine Lösung zum Zeit totschlagen gefunden: Sie wollen mit dem Kanu auf den See rausfahren. Gesagt, getan. Schwimmwesten an, Paddel dazu und das Kanu zu Wasser gelassen: Los geht’s. Mir ist es doch schon etwas zu windig und zu wellig da draußen, ich bleibe lieber am Haus und guck mir die Sache vom Ufer aus an. Die beiden paddeln zunächst in Richtung der kleinen Insel, die man von der Terrasse aus sehen kann, umrunden diese und kommen dann doch zurück. Der Wind und die Strömung sind ziemlich stark und so bleiben sie lieber in Ufernähe.  Neben unserem Cottage gibt es in dieser Erschließung noch weitere Häuser, die von der Landseite her  kaum auffallen, die man sich aber vom Wasser aus gut angucken kann. Sind wohl richtig schöne Dinger dabei. Die Paddelrunde dauert heute nicht sehr lange, dann verstauen wir das Kanu schon wieder sicher am Ufer.

Auf der Terrasse steht eine Feuerschale mit Holz und es wäre doch eine Schande, das schöne Holz einfach hier liegen zu lassen. So zündet Mike mit einsetzender Dämmerung ein Feuerchen an, eine Flasche Bier findet auch noch den Weg ans Feuer- was will man mehr.

Erst als es richtig dunkel und auch richtig kalt ist, zieht es uns rein ins Haus. Und dann auch bald ins Bett. Gute Nacht.

11. Tag        Mittwoch, 23.10.2019                    Regentag/ Bridgewater

Schon die ganze Nacht über hat es geschüttet und gestürmt und es soll heute auch nicht besser werden.

Der Regen peitscht ums Haus und der Wind rüttelt an den Fenstern. Kein Grund also, früh aus dem Bett zu steigen. Wir haben heute absolut nichts vor und so faulenzen wir uns durch den Vormittag. Wir bleiben lange liegen und frühstücken spät. Danach wird es bei Mike und mir nicht produktiver. Maya schreibt direkt wenn wir nach Hause kommen eine Mathe-Klausur und hat sich Sachen zum Lernen mitgenommen. Sie sitzt also den halben Tag fleißig vor ihren Unterlagen, während ich am Laptop spiele und Mike auf dem Sofa liegt. Am Nachmittag fange ich an, die ersten Sachen zusammen zu packen. Morgen geht es ja schon wieder zurück nach Deutschland. Bereits nach dem Hinflug war der Reißverschluss meiner durchsichtigen Handgepäcks-Kulturtasche gerissen also muss jetzt wohl alles in den Koffer. Da komm ich dann aber während des Fluges nicht dran. Also muss ein neues, handgepäckstaugliches Täschlein her. Da ich ja heute sowieso nur nutzlos rumhänge überlege ich, nach Bridgewater zu fahren und bei Shoppers Drugmart ein neues Täschlein zu besorgen. Die haben so ziemlich alles, da gibt es bestimmt auch eine neue Tasche für mich. Meine beiden Mitbewohner möchten auch mal raus und wollen mit, also machen wir uns alle drei ein letztes Mal auf den Weg nach Bridgewater. Es schüttet immer noch wie aus Eimern und der Weg vom Parkplatz in den Laden reicht, um richtig nass zu werden. Neben Zahnbüsten, Shampoos oder Duschgel finde ich in den endlosen Regalreihen dieses riesigen Ladens auch das, was ich suche und bin jetzt wieder stolze Besitzerin einer kleinen, durchsichtigen, zolltauglichen Kosmetiktasche mit funktionierendem Reißverschluss. Zur Sicherheit nimmt Mike sich lieber auch direkt eine neue mit, denn auch seine sieht nicht mehr so ganz Vertrauenserweckend aus. Wer weiß, ob die den Rückflug überlebt. Unsere Erledigungen sind zügig beendet und wir wieder auf dem Weg zurück ins Häuschen. Ganz schön viel Fahrerei für so wenig Einkauf. Damit es sich lohnt, holen wir schnell bei Walmart noch ein paar Leckerchen für Deutschland raus. Wieder zurück müssen wir jetzt wirklich packen wenn wir das nicht heute Nacht erledigen wollen. Morgen Vormittag müssen wir um 11 Uhr die Schlüssel abgeben. So geht der Abend mit zusammenpacken, sauber machen und Abendessen viel zu schnell vorbei und schon verschwinden wir zum letzten Mal in den bequemen Betten unseres kleinen Cottages mitten im Nichts.

12. Tag        Donnerstag, 24.10.2019                Halifax/Heimflug

Die letzte Nacht war erholsam, der Husten lässt scheinbar nach. Um 11 Uhr erwarten wir das Vermieterehepaar zur Haus- und Schlüsselübergabe, also bleiben wir nicht allzu lange liegen. Duschen, Reste verfrühstücken, spülen, Siebensachen einpacken…schon stehen die Hausverwalter vor der Tür. Nach einem kurzen Blick durch die Räume und ein bisschen Smalltalk geben wir etwas widerwillig den Schlüssel ab, setzten uns ins Auto und machen uns auf den Weg Richtung Halifax. Da unser Flug erst um 21 Uhr heute Abend geht, wir also erst um 18 Uhr am Flughafen sein müssen, haben wir noch jede Menge Zeit. Wir fahren Richtung Bridgewater und von dort aus Richtung Atlantikküste. Hier gibt es so viele schöne Örtchen, da weiß man gar nicht, wo man überall halten und gucken soll. Eine längere Pause machen wir in Chester, denn hier gefällt es uns so richtig gut. Der Ort liegt in einer kleinen Bucht und empfängt uns mit blauem Himmel und dem Geruch von Salzwasser in der Luft. Kleine Häuser mit gepflegten Vorgärten, enge Straßen, auf dem Wasser dümpelnde Boote und ein kleiner Sandstrand machen die Idylle perfekt. Also hier könnte ich auch wohnen. Wir stellen den Wagen auf einem Parkplatz mit Blick aufs Wasser ab und bummeln ein bisschen durch diesen wunderschönen Ort.

Die Luft ist kalt und klar und wir genießen sie noch, bevor es nachher ins stickige Flugzeug geht. Im Kofferraum warten Möhrchen, Cookies und Getränke darauf, aufgegessen zu werden. Erst am frühen Nachmittag können wir uns hier losreißen und fahren jetzt direkt durch nach Halifax. Wir parken das Auto unten an der Waterfront und bummeln noch einmal am Wasser entlang.

Waren die Straßen vor 10 Tagen noch für Thanksgiving geschmückt, gruselt es jetzt hinter jeder Ecke für Halloween.

Bevor wir zum Flughafen fahren, steuern wir noch einmal Jack Astors an. Eine letzte Bowl, ein letzter Burger, ein letztes Mal die übermotovierten Bedienungen. Beim Zahlen fragt sie uns nach unseren Plänen für den Abend und als ich sage, dass wir nach Hause fliegen müssten, fragt sie, wo wir denn herkämen. Ach, aus Deutschland?! Da käme die Verwandtschaft ihres Freundes auch her und Deutschland sei ja klein- vielleicht kennen wir ja seine Familie? Der Nachname sagt uns aber nichts und sie ist ein bisschen enttäuscht. Tut uns leid.

Unser nächster Halt ist die  Autorückgabe bei Alamo direkt am Flughafen. Das geht super schnell und unkompliziert: Einfach in die Haltespuren fahren und während wir unsere Koffer ausladen kommt bereits ein Mitarbeiter, schaut einmal kurz ums Auto (und das ist leider wirklich schmutzig geworden), liest den Kilometerstand ab, schnell eine Unterschrift auf dem Tablet und das wars. Wir sind noch nicht im Terminal, da hat Mike bereits die Bestätigung der Rückgabe auf seinem Handy.

Jetzt kommt der langweilige Teil des heutigen Tages: Warten, Koffer abgeben, warten, Security-Check, warten, Boarding. Irgendwas haben wir bei der Buchung echt falsch gemacht. Für den Hinflug am Tag die Premium Economy und für den Nachtflug nur die Holzklasse- nächstes Mal besser umgekehrt. Wir drei quetschen uns in die Sitze und obwohl wir alle drei keine Riesen sind ist es echt eng an den Beinen. Ans Zurückstellen der Rückenlehnen ist überhaupt nicht zu denken, da liegt man ja seinem rückwärtigen Nachbarn auf dem Schoss. Naja, die sechs Stunden werden wir wohl rumkriegen. Pünktlich um 21:30 Uhr verlassen wir kanadischen Boden und der Flug ist genauso ereignislos, wie ich ihn liebe. An das Gerüttel über Neufundland habe ich mich mittlerweile gewöhnt und als wir Flughöhe erreicht haben, döse ich langsam ein. Leider ist Maya wieder ziemlich schlecht dran und nach den Reisetabletten ist ihr zwar nicht mehr übel, aber sie hängt schlafend mit ihrem Kopf auf meiner Schulter. Tief schlafend. Und jede Mutter weiß, dass wenn es dem Kind damit besser geht, man sich bloß nicht mehr bewegt.  So vergehen die Stunden in recht unbequemer Haltung, bis wir um 8:30 Uhr in Frankfurt landen. Unser Pilot hat ganz gut Gas gegeben und so sind wir vor der vereinbarten Ankunftszeit gelandet, doch jetzt ist kein Parkplatz für uns frei. Wir fahren ewig lange über den Frankfurter Flughafen, ich wusste gar nicht wie riesengroß der ist, und irgendwann bleiben wir stehen. Zeit zum Aussteigen. Ich bin hundemüde und kann kaum die Augen aufhalten und wir haben noch zwei Stunden Heimfahrt vor uns. Zum Glück scheint Mike etwas wacher zu sein und ich bin dankbar, dass er erstmal fährt. Wir können ja später tauschen. Noch vor der Autobahnauffahrt schlafen Maya und ich tief und fest und ich werde erst nach anderthalb Stunden wieder wach. Nächte so ganz ohne Schlaf sind nicht meins. Zum Glück bringt uns der Mann sicher bis vor die Haustür. Jetzt erstmal ab unter die Dusche, dann die erste Ladung Wäsche in die Maschine, kurz Einkaufen. Mehr ist heute nicht mehr drin und um 19 Uhr liegen wir tief schlafend in den heimischen Betten. Wieder ist ein Urlaub in Kanada vorbei, wieder war es wunderschön und wieder war es nicht das letzte Mal. Die Flüge für Juni sind bereits gebucht. We´ll be back next year, Canada.

Kanada 2015- In 14 Tagen um die Georgian Bay

 

1.    Tag, 28.06.15                       Flug von Frankfurt nach Toronto

2.    Tag, 29.06.15                       Fahrt nach Midland

3.    Tag, 30.06.15                       Fahrt in den Algonquin Nationalpark

4.    Tag, 01.07.15                       Algonquin Nationalpark

5.    Tag, 02.07.15                       Algonquin Nationalpark

6.    Tag, 03.07.15                       Fahrt nach Parry Sound

7.    Tag, 04.07.15                       Fahrt nach Manitoulin Island

8.    Tag, 05.07.15                       Manitoulin Island

9.    Tag, 06.07.15                       Manitoulin Island

10. Tag, 07.07.15                       Fahrt nach Wiarton

11. Tag, 08.07.15                       Farmers Market in St. Jacobs/ Fahrt nach Niagara Falls

12. Tag, 09.07.15                       Niagara Falls

13. Tag, 10.07.15                       Fahrt nach Toronto/Sightseeing Toronto

14. Tag, 11.07.15                       Nicolston Dam

15. Tag, 12.07.15                       Rückflug von Toronto nach Frankfurt

 

1.    Tag,    28.06.2015

Obwohl unser Flieger erst um 17 Uhr in Frankfurt abheben soll, sind wir viel zu früh auf den Beinen. So haben wir noch Zeit, in Ruhe zu frühstücken, die letzten Reste sauber zu machen und dann in aller Ruhe los zu ziehen. Mit zwei Autos, fünf Personen und viel Gepäck geht es ab zum Frankfurter Flughafen. Die Fahrt dauert durch einige Staus etwas länger und kurz vor zwei stehen wir am vorab gebuchten Flughafenparkhaus. Ein Shuttle-Service bringt uns zügig zum Terminal und schon stehen wir am Schalter von Air Canada. Hier werden wir unser Gepäck los und können uns nun noch eine ganze Zeit lang im Flughafen umsehen. Wir bummeln noch etwas durch die riesigen Hallen, sehen uns in den verschiedenen Geschäften um und besorgen ein paar Zeitschriften für den Flug. Der Security-Check verläuft  schnell und unkompliziert und pünktlich sitzen wir in einer großen Boeing 777 Richtung Toronto.

Auf Grund eines Sturmfeldes müssen wir die Route etwas ändern und fliegen nördlich über Schottland nach Island, Grönland, Neufundland und an der Ostküste südlich Richtung New York nach Toronto. Nach neun Stunden Film gucken, essen, Toilette gehen, lesen und etwas langweilen landen wir im Regen in Toronto. Obwohl wir uns nach einer Durchsage des Co-Piloten auf eine ruppige Landung wegen einer Gewitterzelle gefasst machen sollten, setzen wir um kurz nach 20Uhr Ortszeit butterweich und fast unbemerkt auf kanadischem Boden auf.

Der erste Weg führt uns zur immigration control, wo wir viele Fragen zu uns, unserem Gepäck und unserem Vorhaben in Kanada beantworten müssen. Der Herr in seinem Glaskasten ist etwas mürrisch, aber nachdem wir ihm versichert hatten, Kanada auch wieder zu verlassen, dort nicht arbeiten zu wollen und auch niemanden zu heiraten, stempelt er unsere Pässe ab und wir dürfen rein in das riesige Land jenseits des Atlantik.

 

 

 

 

Unser Gepäck braucht noch etwas länger als wir und so verlassen wir nach knapp zwei Stunden den Flughafen. Der Airport-Shuttle bringt uns zu unserem Hotel für die erste Nacht und hier fallen wir nur noch in die Betten. Morgen werden wir dann den Camper von Fraserway übernehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.    Tag,    29.06.2015

Durch die Zeitverschiebung bin ich bereits vor sechs Uhr wach und beschliesse, mich noch eine Runde in die Badewanne zu legen. Nach einem langen Flug habe ich immer das Gefühl, ich müsste mich erst mal frisch renovieren und da tut die Badewanne sooo gut. Eine ganze Weile weiche ich mich im frischen, warmen Wasser ein, dann ist der Rest der Familie dran mit Badezimmer. Maya hat sich gerade frisches Wasser einlaufen lassen, da klingelt das Telefon: Die Rezeption teilt uns mit, dass der Fahrer von Fraserway unten auf uns warten würde. Man hatte wohl vergessen, uns gestern die Abholzeit mitzuteilen. Es ist kurz vor acht und wir sind natürlich noch nicht fertig. So heißt es jetzt: sehr schnell waschen für Mike und Maya, schnell zusammenräumen und dann zügig nach unten. Der nette Herr von Fraserway hat geduldig auf uns gewartet, verstaut nun unsere Taschen im Auto und los geht’s. Bei der Einweisung in unser rollendes Heim werden uns sämtliche Knöpfe, Hebel und Anschlüsse erklärt und so dauert es eine ganze Weile, bis wir von Hof rollen können.

Da der Kühlschrank ebenso leer ist wie unsere Mägen, fragen wir vorher noch nach einer Möglichkeit, an Frühstück zu kommen. Die Erklärung des Mitarbeiters vor Ort war: Die Straße immer geradeaus und an der nächsten Kreuzung rechts abbiegen. Gesagt, getan. Nun fahren wir aber schon bestimmt eine halbe Stunde geradeaus und es ist immer noch keine Kreuzung in Sicht. Endlich sehen wir eine Ampel und hier kann man tatsächlich rechts abbiegen. So landen wir bei „Cora´s“, einem wirklich schönen Frühstückslokal. Hier gibt es nichts, was es nicht zum Frühstück gibt: Spiegeleier (3,4 oder 5?), Toast, Pancakes, Speck, Würstchen, Bratkartoffeln, Marmelade, Ahornsirup, frisches Obst, Orangensaft und Kaffee. Das alles in Massen. Supersatt machen wir uns auf den Weg zum nächsten Supermarkt, um jetzt auch unseren Kühlschrank zu füttern und die Vorräte aufzufüllen.

 

 

 

 

 

 

In Kanada gibt es an jeder größeren Straße mindestens einen Einkaufsladen und so landen wir ziemlich schnell bei Walmart. Der erste Einkauf dauert immer etwas länger und so landen nach fast anderthalb Stunden allerlei Dinge in den verschiedenen Fächern des Wohnmobils.

 

Unser Ziel für heute ist Midland, ein kleiner Ort direkt an der Georgian Bay. Nach etwa zwei Stunden Fahrt haben wir bereits den Campingplatz erreicht und richten uns häuslich ein. Wir haben drei Stellplätze nebeneinander mit ein bisschen Sicht aufs Wasser in einer herrlichen, ruhigen Lage. Als ertes inspizieren wir die Toiletten- und Waschhäuschen. OK, morgen keine Dusche, waschen reicht bestimmt auch.

Als wir von den Toiletten kommen, treffen wir auf unseren ersten Biber. Im Laufe des Abends werden es noch einige mehr, sogar kleine Biber-Babys sind dabei. Wir können uns gar nicht satt sehen und beobachten die Biber eine ganze Zeit lang.

Der Campingplatz hat einen kleinen Strand und da wir alle bereits am frühen Abend müde sind, gehen wir heute nur noch ans Wasser, freuen uns über das glasklare Wasser der Georgian Bay und beobachten langsam den Sonnenuntergang. Währenddessen macht Mikes Vater bereits den Grill für alle an und so sitzen wir bald bei Steaks, Maiskolben und Kartoffeln zusammen, reden noch eine Zeitlang und fallen dann in die Betten.

 

3.    Tag,    30.06.15

Nach einer ruhigen Nacht und einem Frühstück draussen fahren wir am nächsten Morgen zum Freilichtmuseum „Saint Marie among the Hurons“.  Hier wird in einer originalgetreuen Rekonstruktion das Leben christlicher Missionare sowie deren Zusammenleben mit den Huronen erklärt. Mitarbeiter in originaler Kleidung erklären die Lebensweise der Menschen damals, zeigen Handwerk und Ackerbau und man kann sich viele Gebäude auch von innen ansehen.

Wir schauen uns her circa zwei Stunden um, dann geht es weiter in Algonquin Park. Über lange, gerade Straßen fahren wir nach Huntsville, dem westlichen Eingang in den Nationalpark.

Da wir für die nächsten Tage nicht einkaufen können, besorgen wir in Huntsville noch schnell ein paar Kleinigkeiten. Jetzt sind es noch etwa 70 Kilometer bis zum Pog Lake Campground. Im Algonquin Park gibt es entlang des Highway 60 mehrere Campingplätze und wir hatten uns schon zu Hause für diesen entschieden, da es hier Plätze mit Strom- und Wasserversorgung gibt. Wunderschön im Wald gelegen auf einem Bett aus Kiefernnadeln stellen wir unseren Wagen ab und schließen ihn an die Anschlüsse an. Die einzelnen Stellplätze sind sehr groß und gegenüber den Nachbarn durch Bäume und Sträucher gut abgetrennt.

Da es mittlerweile später Nachmittag ist, erkunden wir noch ein bisschen den Platz und gehen zum kleinen Sandstrand. Hier unten am Wasser ist es absolut ruhig, nur die Rufe der Loons sind zu hören. So haben wir uns kanadische Nationalparks immer vorgestellt: Einen Platz im Wald unter Bäumen, Ruhe, Tiere,… und dazu ein Lagerfeuer. Das gibt es heute Abend auch noch, doch leider fängt es an zu nieseln und so essen wir schnell und verziehen uns dann nach drinnen. Im Bett hören wir den Regentropfen zu, wie sie aufs Dach prasseln und es ist trotz- oder gerade wegen- des Regens unglaublich gemütlich. Wir lesen noch eine Weile und schlafen dann schnell ein.

 

4.    Tag,    01.07.15

Leider ist das Wetter über Nacht eher schlechter wie besser geworden und so muss ich heute Morgen auf dem Weg zu den Duschen einmal ums Wohnmobil rumgehen, um nicht in riesige Pfützen zu treten. Die Duschen hier sind sauber und heiß und werden erst mal ausgiebig genutzt. Da wir es heute nicht eilig haben, frühstücken wir in aller Ruhe und überlegen dann, was wir heute machen können. Wir beschließen, zum Lookout-Trail zu fahren, einem Wanderweg, der gar nicht weit weg von unserem Stellplatz liegt. Nach 15 Minuten Fahrt sind wir schon dort und da es immer noch nieselt, ziehen wir uns erst mal unsere Regensachen an. Die werden sich später noch als ziemlich nützlich erweisen.

Über einen kleinen Eingang geht es immer tiefer in den Wald. Links und rechts am Weg finden sich riesige Findlinge aus der letzten Eiszeit, es geht über Holzstege und durch kleinere Bachläufe.

Der Weg ist wunderschön, doch leider verderben uns die Mücken ein wenig den Spaß und da wir ständig um uns schlagen müssen, werden wir immer schneller und kommen zügig an einen tollen Aussichtspunkt. Von hier oben kann man über die unendlichen Weiten der kanadischen Wälder schauen und man fühlt  sich hier unendlich klein gegenüber der riesigen Landschaft. 

Da uns die Mücken auch hierher gefolgt sind, ziehen wir die Kapuzen der Regenjacken tief über den Kopf und machen und auf den Rest des Weges. Den laufen wir nachher ziemlich schnell ab und sind froh, als wir wieder am mückensicheren Wagen sind. So viele Mücken hatten wir bisher noch nicht. Da wir jetzt nur etwa eine Stunde unterwegs waren, fahren  wir weiter zum Lake oft wo rivers.  Mitten im Wald gibt es einen kleinen Parkplatz und es ist eine „Beacharea“ ausgeschildert. Da wollen wir hin. Nach ein paar Metern durch den Wald stehen wir vor einem winzigen Kieselstrand an einem riesigen See. Durch das schlechte Wetter haben sich richtige Wellen gebildet und der See ist bleigrau. Es ist fast ein bisschen unheimlich und faszinierend zugleich. Wir gehen ein bisschen den kleinen Strand entlang und treffen auf eine Entenmutter mit ihren Küken. Die sind so gut getarnt, die hätten wir fast übersehen.  

Auf den Rückweg zum Campground stehen mit einem Mal mehrere Autos und Menschen am Straßenrand und winken jedem Vorbeifahrendem wild zu. Also halten wir an. Am Straßenrand steht ein Elch und während wir ihn noch beobachten, halten weitere Fahrzeuge an und es entwickelt sich ein regelrechter Stau mitten im Nichts. Neben dem Elch sehen wir heute noch weitere Tiere, wenn auch nur auf dem Schild am Eingang des Campgrounds: Zwei Bärenmütter sind mit ihren Kleinen im Bereich des Campingplatzes unterwegs und wir sollen vorsichtig sein und ihnen nicht zu nah kommen. Leider sehen wir die Bären nicht mehr. Den Abend verbringen wir wieder am Lagenfeuer. Mittlerweile ist es trockener geworden und wir sitzen noch draußen, hören den Vögeln zu und genießen ansonsten die Ruhe hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5.    Tag,    02.07.2015

In Kanada wechselt das Wetter schnell und im Gegensatz zu gestern scheint heute Morgen die Sonne vom blauen Himmel. Nach der üblichen Dusche frühstücken wir draußen, packen dann zusammen und fahren noch mal zum Lake of two rivers. Heute halten wir an der Picknick-Area am Highway. Der See sieht bei gutem Wetter gleich ganz anders aus, obwohl auch das schlechte Wetter seinen Reiz hatte. Den Tagverbringen wir mit viel faulenzen, etwas spazieren gehen, lesen, spielen und grillen.

 

6.    Tag,    03.07.2015

Der Weg führt uns heute wieder raus aus dem Algonquin Park und nach Parry Sound an der Georgian Bay. Entlang wunderschöner Natur und auf schnurgraden Straßen fahren wir knapp drei Stunden bis zum KOA Campground in Parry Sound. Bevor wir den Wagen endgültig abstellen, halten wir noch an einem der vielen kleinen Seen. Es ist ziemlich warm heute und so setzen wir uns eine Zeit lang auf einen Steg, halten die Füße ins Wasser und genießen den Ausblick und die Ruhe.

Danach geht es endgültig zum Campingplatz. Der ist relativ klein, sauber und hat einen großen Pool. Hier müssen Maya und ich natürlich erst mal rein. Mittlerweile ist es früher Abend und der Hunger macht sich bemerkbar. Während wir draußen zu Abend essen, kommen immer wieder kleine Streifenhörnchen vorbei, in der Hoffnung, dass etwas vom Essen für sie abfällt. Unsere Stellplatznachbarin hat bemerkt, wie begeistert wir von diesen kleinen Tierchen sind und holt kurzerhand eine Tüte Erdnüsse raus.

Jetzt flitzen die Streifenhörnchen so richtig los und holen sich die Erdnüsse sogar bei uns aus der Hand. Eine gute Stunde dauert der Spaß, dann haben die Tierchen wohl keine Lust mehr und ziehen sich zurück. Wir sitzen noch eine Weile draußen, reden, lesen und beobachten die Leute um uns herum.  Da es morgen direkt weiter geht, gehen wir nicht allzu spät ins Bett.

 

7.    Tag,    04.07.2015

Neuer Tag, neuer Weg. Unserer  führt uns heute entlang der Georgian Bay über Sudbury nach Manitoulin Island. Diese Insel ist die weltweit größte Insel in einem Binnensee und  hier wollen wir drei Tage bleiben. Die Fahrt ist recht unspektakulär, die Landschaft wenig abwechslungsreich und Sudbury als Industriestadt sogar ziemlich hässlich. Mit der Überfahrt nach Manitoulin Island ändert sich die Landschaft wieder und es wird zunehmend schöner. Unser Campingplatz liegt am untersten Ende der Insel, so dass wir sie heute einmal komplett durchfahren.

Es gibt auffallend wenig Wald, dafür umso mehr Wiesen und Felder, kleinere Orte und verlassene Bauernhöfe. Richtig schön ist es hier. Gegen Nachmittag kommen wir am Campingplatz an und haben heute eigentlich gar nichts Weiteres vor. Ich muss Wäsche waschen und während diese läuft, genießen wir den tollen Ausblick auf den See, denn unser Stellplatz liegt wunderschön direkt am Ufer. Später leihen wir uns noch ein Tretboot und schippern damit in Ufernähe rum, als Maya im flachen Wasser einen Golfball entdeckt. Auf ihren Ausruf: „ Da unten liegt ein Golfball!“ ruft vom Ufer eine ältere Frau zurück: „Oh, da spricht ja jemand Deutsch.“ Die ältere Dame und ihr Mann warten auf uns, bis wir wieder zurück geschippert sind und wir unterhalten uns den halben Abend. Sie kommt ursprünglich aus Kiel und ihr Mann aus München und beiden haben sich, nachdem ihre Familien nach dem Krieg nach Kanada ausgewandert waren, dort kennen gelernt, geheiratet, sind zusammen alt geworden und befahren nun Kanada mit ihrem kleinen Wohnmobil. Während sie noch ganz gut Deutsch spricht, hat er schon viel davon verlernt und hat einen herrlichen Akzent. Wir reden miteinander, bis es dunkel wird. Das Seeufer ist tagsüber wunderschön, doch abends kommen die Mücken hervor und so verschwinden wir erst mal im Wohnmobil. Erst als es richtig dunkel ist, verziehen sich die Mücken wieder und wir genießen eine laue Sommernacht bei Lagerfeuer und dem Gequake der Frösche. Auch als wir ins Bett gehen, quaken uns die Frösche in den Schlaf.

 

8.    Tag,    05.07.2015

Unser Kühlschrank ist ziemlich leer und so überlegen wir, uns heute etwas die Insel anzusehen und auf dem Weg auch gleich einkaufen zu gehen. In Providence Bay soll es einen sehr schönen Strand geben und da der sowieso auf unserer Route liegt, halten wir hier zuerst an. Heute ist es ziemlich heiß und so sind wir hier natürlich nicht alleine. Viele Menschen genießen den warmen Sand, das sehr kalte Wasser, den Fitnessbereich und den wunderschönen Weg am Ufer entlang.

Unser Weg führt uns weiter nach Mindemoya, einer kleinen Stadt, in der wir schnell bei Foodland einkaufen. Danach schlendern wir über den kleinen Farmers Market, der fast ausschließlich von Menoniten betrieben wird. Hier kaufen wir das beste Popcorn, das wir je gegessen haben- salziges Toffepopcorn in der 1,5 Kilo Tüte. Als wir zum geparkten Wohnmobil zurück wollen, wundern wir uns über die plötzlich abgesperrten Straßen. Viele Menschen stehen am Straßenrand scheinen auf irgendetwas zu warten.  Wir warten einfach mal mit und mit einem Mal taucht eine Art Parade auf, die fast ein bisschen wie ein Karnevalsumzug aussieht. Hinter den Personen fahren größere und kleinere Gefährte mit lauter Musik durch die Straßen, die Menschen am Rand winken und klatschen und alle haben ziemliche viel Spaß.

So dauert es natürlich seine Zeit, bis wir weiter kommen. Wir wollen noch zum alten Leuchtturm nach Manitowaning. Das Navi sagt was von 80 Kilometern aber der Highway ist eigentlich nur ein besserer Feldweg und so dauert es etwas länger, bis wir am Ziel sind. Außerdem haben sich durch die ganze Rüttelei einige Gläser im Schrank zerschlagen.

Am Leuchtturm stellen wir den Wagen erst mal auf dem Parkplatz ab, dann schauen wir uns weiter um: Der alte Leuchtturm sieht auch ganz schön alt aus und ist ziemlich baufällig. Die Farbe blättert überall von Dach und Wänden und er ist ganz ordentlich zugewuchert. Trotzdem hat er seinen ganz eigenen Charme und es lohnt sich auf jeden Fall, dort einmal vorbei zu schauen.

Am Leuchtturm vorbei führt ein kleiner, schmaler Weg durch die Büsche und dahinter verbirgt sich eine grandiose Landschaft. Große, schwarze Felsblöcke fallen steil zum Wasser hin ab und mittendrin gibt es eine kleine Bucht mit Kieselsteinen. Es ist wunderschön hier und wir genießen den frühen Abend auf den warmen Steinen. Außer uns hat sich nur eine Handvoll Menschen hierher verirrt, die  Fotos machen, die Sonne genießen oder Wasservögel beobachten. 

Erst, als die Sonne schon ziemlich tief steht, machen wir uns wieder auf den Weg nach South Baymouth. Hier werfen wir noch den Grill an, essen schon fast im Dunkeln und verschwinden dann im Bett.

 

9.    Tag,    06.07.2015

Heute brauchen wir einen reinen Ruhetag. Wir schlafen aus,  frühstücken am See, leihen uns ein Tretboot, ich wasch die Wäsche und so geht der Tag vorbei. Am Abend wollen wir noch ein bisschen spazieren gehen und suchen uns den Weg zum Hafen aus. Der ist keine drei Kilometer lang und wir gehen bei schönstem Sonnenuntergang immer am Randstreifen des kleinen Highways entlang. Am Hafen angekommen, schauen wir uns die Segelschiffe im Yachthafen an und schlendern ein wenig die Holzstege des winzigen Hafens hoch und runter. Auf dem Rückweg zum Campingplatz treffen wir völlig unvorbereitet auf einen kleinen Fuchs, der genauso erschrocken zu sein scheint, uns zu sehen. Einen Augenblick schauen wir uns gegenseitig an, dann verschwindet der kleine Fuchs wieder in den Sträuchern.

Da wir morgen ganz früh raus müssen, gehen wir, als es draußen dunkel ist, in unsere Betten und schlafen schnell ein.

 

10. Tag,    07.07.2015

Heute heißt es Abschied nehmen von Manitoulin Island. Um 7 Uhr stehen wir bereits am Fähranleger, der zum Glück keine 10 Minuten vom Campingplatz entfernt ist. Nachdem die großen Wagen im Inneren des Schiffes verstaut sind, machen wir uns auf den Weg nach oben ans Deck. Die Luft ist heute Morgen ganz klar und frisch und so bleiben wir erst mal eine Weile draußen an Deck stehen und freuen uns über den tollen Ausblick beim Auslaufen der Fähre. Maya ist noch ziemlich müde und so gehen wir bald in einen der Aufenthaltsräume und suche uns ein bequemes Plätzchen. Die Überfahrt dauert knapp drei Stunden, also bleibt noch was Zeit zum Schlafen. 

In Tobermory legt die Fähre wieder an und wir rollen von Bord. Da wir ja wie üblich wieder nicht alles sehen können, lassen wir den nahe gelegenen Provincialpark aus und fahren nach Lions Head. Das ist ein hübscher, kleiner Ort mit einem kleinen Hafen, einem kleinen Sandstrand und kleinen Straßen mit verschiedenen Cafes und Restaurants.

Da wir heute Morgen nur schnell was am Fähranleger gefrühstückt hatten, haben wir langsam Hunger und machen uns auf die Suche nach was Essbarem. Das finden wir in einem tollen Diner mit einer mückendichten Terrasse. Also nichts wie draußen hingesetzt und die Karte studiert. Auf unseren Tisch kommen eine selbstgemachte Fish Chowder und zwei Burger mit Pommes. Alles ist sehr reichlich und super lecker. Satt und zufrieden machen wir uns wieder auf den Weg. Der führt uns nach Wiarton, wo wir für eine Nacht einen Stellplatz reserviert hatten. Im ersten Moment bin ich total erschrocken: Der Campingplatz liegt unterhalb der Durchgangsstraße und grenzt direkt an einen Supermarktparkplatz. Die Duschen sind dreckig und die Toiletten- naja, für eine Nacht wird’s schon gehen. Als wir den Wagen erst einmal fest gemacht haben, erkunden wir den Platz etwas mehr. Nach vorne raus sieht´s schon viel besser aus. Hier gibt es einen Fitnessparcours mit Geräten (gestiftet vom Nuclear Waste Managemant) und über einen schwimmenden Steg einen direkten Zugang zum Wasser. Maya entdeckt einen SUP- Verleih und muss das Ganze natürlich sofort ausprobieren. So schleppen wir das schwere Board zum Wasser und während Maya auf dem Board herumschippert, setzen Mike und ich uns auf den Steg und halten die Füße ins Wasser. Nach einer Stunde muss das Board wieder zurück und wir bereiten unser Abendessen vor. Auch hier hat wieder jeder Stellplatz seinen eigenen Grill und den nutzen wir natürlich auch. Es gibt Steaks und Krautsalat, den wir im angrenzenden Foodland finden. Da der richtig lecker ist, holen wir später noch mehr für die nächsten Tage. Unser Stellplatznachbar  ist ein Schweizer, der vor 50 Jahren nach Kanada ausgewandert ist und mit dem unterhalten wir uns noch, bis es dunkel wird. Dann geht’s ins Bett.

 

11.    Tag,    08.07.2015

Wider Erwarten ist die Nacht ruhig und nach einem Frühstück draußen fahren wir früh weiter. Ziel für heute ist Niagara Falls aber auf dem Weg dorthin wollen wir uns in St. Jacobs den berühmten Farmers Market angucken. Der liegt so ziemlich mittig auf der Strecke und nach anderthalb Stunden sind wir dort. Unterwegs hat es angefangen,  fürchterlich zu regnen. Das ist nicht nur Regen sondern eine regelrechte Sintflut. Als wir auf den Parkplatz vom Farmers Market fahren, steht dort schon das Wasser knöchelhoch. Bis zum Eingang müssen wir den ganzen riesigen Parkplatz überqueren und versuchen dabei, möglichst nicht in die tiefsten Pfützen zu treten, was aber ziemlich erfolglos ist. 

Der Markt ist riesig und rund um die Markthalle sind unzählige Stände und Buden aufgebaut, in denen die Bauern aus der Umgebung ihre Waren verkaufen. Die Markthalle selbst ist zweistöckig und hier gibt es von frischem Obst und Gemüse über Fleisch und Käse, Blumen, Wolle und Selbstgenähtem bis hin zu Birkenstocksandalen so ziemlich alles, was Feld und Tiere hergeben. Neben dem eigentlichen Verkauf gibt es eine regelrechte Fressmeile, auf der es die verschiedensten Dinge gibt: Samosas, Laugenbrezeln, frisches Gebäck und gefüllte Teigfladen. Alles sieht frisch und lecker aus. Während es draußen weiter wie aus Eimern schüttet, schauen wir uns hier im Trockenen in aller Seelenruhe um. Nur den Bereich außen ums Haupthaus herum kriegen wir nicht mehr mit.  Die Bauern packen bei dem ganzen Regen zügig zusammen und verstauen ihre Waren wieder im Trocknen. Als wir genug gesehen haben, wollen wir zurück zu unserem Wohnmobil, doch das ist leichter gesagt, als getan. Auf den Parkplatz steht das Wasser mittlerweile so hoch, dass unsere Reifen bis zur Hälfte verschwunden sind. Uns bleibt nichts anderes übrig, als mit patschnassen Schuhen wieder am Wohnmobil anzukommen.

Auf der Fahrt nach Niagara Falls regnet und gewittert es weiter. Wir kommen nur langsam voran aber am späten Nachmittag haben wir es geschafft und schließen unseren Wagen auf dem KOA Campground Niagara Falls an. Der Platz liegt etwas abseits der großen Touristenangebote und ist schön ruhig und super sauber. Der Regen hat aufgehört und es ist ganz schön schwül geworden.

Nach einer kurzen Ruhepause überlegen wir, heute Abend noch zu den Niagarafällen zu fahren. Direkt vor dem Campingplatz fährt der Bus ab und da wir zwei Tage bleiben wollen, kaufen wir eine 48Stunden Karte. Mit der können wir jetzt einfach überall ein- und aussteigen und müssen nicht ständig an irgendwelchen Tarifzonen und weiteren Karten überlegen. Hier wurde echt gut mitgedacht.

Der Bus fährt eine knappe halbe Stunde und als wir uns Niagara Falls nähern, sieht man sofort, wie touristisch geprägt die Stadt ist: Überall blinken Lichter in verschiedensten Farben, es ist laut, voll und heiß. Die Stadt sieht aus wie ein großer Freizeitpark mit Karussells, Riesenrad, Geisterbahnen, Bars, Casinos, Hotels und eben den eigentlichen Wasserfällen. Die sind echt faszinierend und man glaubt gar nicht, welche Wassermassen dort direkt neben einem runter kommen. Obwohl es mittlerweile nicht mehr regnet, sind hier Luft und Boden durch den Wassernebel richtig nass und man selber wird von dem Sprühnebel eingehüllt. Das macht bei der Wärme heute Abend aber gar nicht und wir laufen noch eine ganze Zeit lang durch diese faszinierende, andere Welt. Es ist fast Mitternacht, als wir wieder am Campingplatz ankommen und da wir den ganzen Tag auf den Beinen waren, geht´s jetzt sofort ins Bett.

12.    Tag,    09.07.2015

Die Nacht war super ruhig und erholsam und nach dem Frühstück sitzen wir schon wieder im Bus Richtung Stadtzentrum. Eigentlich wollten wir eine Tour mit einem der Hornblower-Booten direkt an die Niagarafälle machen, doch der nette Herr am Schalter sagt uns, dass für die nächsten Stunden alle Touren ausgebucht wären. So entschließen wir uns kurzerhand, heute Abend noch mal hierher zu kommen, um dann eine Tour im Dunkeln und mit beleuchteten Wasserfällen zu machen. Da wir jetzt aber schon mal hier sind und das Angebot für Touristen fast unerschöpflich ist, nehmen wir zumindest einen Teil davon auch wahr. Zuerst beobachten wir die Schiffe, die jetzt schon unterwegs sind, dann machen wir einen Spaziergang entlang des Wasserlaufs. Später gehen wir zurück zum Visitor Centre und buchen dort eine „Journey behind the falls“. Mit vielen anderen Personen stehen wir erst mal eine Zeit lang an, werden dann alle in gelbe Regencapes verpackt und starten unsere Tour hinter die Kulissen der riesigen Niagarafälle. In den unterirdischen Gängen wird auf Schautafeln die Energiegewinnung durch die Wasserfälle erklärt und man kann an verschiedenen Stellen durch größere Steintore direkt hinter das herabschießende Wasser sehen. Natürlich wird man ganz schön nass, aber das hat eine Menge Wasser nun mal so an sich. Zuletzt geht es auf eine Aussichtsplattform direkt am Fuß der Niagarafälle.

Am späten Mittag haben wir erst mal genug gesehen und bummeln durch die Stadt zurück zu einer Bushaltestelle. Wieder am Campground zurück, ruhen wir uns für den Abend aus, lesen, spielen Minigolf und beobachten das fette Eichhörnchen, das kopfüber am Baum neben unserem Camper hängt. Dieses Tier hat die Ausmaße von einem Waschbär und sollte definitiv weniger gefüttert werden.

Am Abend steigen wir mal wieder in den Bus, der uns  direkt am Bootsanlegesteg absetzt. Wir besorgen unsere Karten, kriegen wieder einen modischen Regencape- diesmal in rot- und leuchtende Styroporstangen, die in wechselndem Licht blinken. Das Schiff füllt sich schnell und schon bald legen wir ab. Die Niagarafälle sind ja von Land aus schon faszinierend, wenn man jedoch mit dem Schiff fast in sie hereinfährt, sind sie unglaublich beeindruckend. Viel zu schnell vergeht die Zeit und das Schiff dreht schon wieder ab und fährt zum Anleger zurück. Wir schauen uns noch eine Weile die Beleuchtung der Wasserfälle an und gegen Mitternacht geht’s dann zurück zum Campingplatz.

 

13.    Tag,    10.07.2015

Unsere Reise neigt sich dem Ende zu und so führt uns unser Weg heute nach Toronto. Für eine Nacht haben wir auf dem stadtnächsten Campground eingecheckt und da wir mit dem Wohnmobil weder nach Downtown Toronto fahren dürfen noch wollen, bringt uns nun ein bestelltes Taxi dorthin. Der nette Inder verhandelt mit uns direkt auch wieder Zeit und Ort zum Abholen und so spazieren wir los. Natürlich haben wir auch heute wieder nicht genügend Zeit, um uns alles anzusehen. Auf den CN-Tower wollen wir aber auf jeden Fall, also geht es dort zuerst hin. Nach einem Sicherheitscheck wie am Flughafen dürfen wir rauf und sind fasziniert vom tollen Ausblick über die Stadt. Obwohl  es heute etwas diesig ist und man nicht soo weit gucken kann, bekommen wir doch einen Eindruck von der Größe Torontos. Natürlich trauen wir uns auch noch auf den gläsernen Fußboden und bestaunen von dort das Treiben unter uns.

Ein Aufzug an der Außenseite des CN-Towers bringt uns wieder nach unten und hier stehen wir scheinbar so planlos rum, dass sofort eine Mitarbeiterin der Tourist Information zu uns kommt und fragt, wie sie uns weiterhelfen kann. Auf einer Karte kreuzt sie uns alle möglichen Sehenswürdigkeiten an und markiert uns auch gleich noch den Weg dorthin. Auch hier wird uns wieder einmal die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Kanadier bewusst und wir freuen uns mittlerweile jedes Jahr darüber. Durch die Straßen laufen wir zum Eaton Centre, dem größten Einkaufszentrum Torontos. Maya möchte dort einmal durchbummeln und Mike und ich bestaunen auf dem Weg dorthin die verschiedenen Fassaden der Stadt. Bevor uns unser bestelltes Taxi wieder abholt, bleibt noch ein kleines bisschen Zeit, um einen Blick auf die Waterfront Torontos zu werfen. Hier reihen sich Straßencafes und Restaurants aneinander, die jetzt am Abend gut gefüllt sind. Obwohl Toronto eine Weltmetropole mit vielen, vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen ist, liegt über der Stadt eine unglaublich gelassene Stimmung. Jeder scheint jeden zu akzeptieren und der Umgang untereinander ist freundlich und super hilfsbereit. Wenn wir noch mal die Möglichkeit haben, würden wir uns Toronto gerne noch länger und genauer anschauen.

Da es mittlerweile aber schon fast dunkel ist, bringt uns unser Taxifahrer wieder zurück zum Campground.  Wir sitzen noch eine Zeit lang draußen und reden über unsere Eindrücke von dieser tollen Stadt, dann fallen wir totmüde in die Betten.

 

14.    Tag,    11.07.2015

Heute steuern wir unseren letzten Campingplatz an. Im nördlichen Stadtgebiet von Toronto liegt der Nicolston Dam Campground und wir genießen noch einen letzten Ruhetag, packen alles zusammen, gehen im Pool schwimmen, spielen Minigolf und essen abends alle Reste, die der Kühlschrank noch hergibt. Dann schlafen wir die letzte Nacht im Wohnmobil, bevor wir es morgen früh wieder abgeben müssen.

 

15. Tag,    12.07.2015

Nach einer ruhigen Nacht machen wir uns auf den Weg zu Fraserway. Da die Vermietstation nicht weit von Campingplatz entfernt liegt, haben wir noch Zeit für ein ausgiebiges Frühstück bei „Hotstacks“. Das unscheinbare, kleine Restaurant liegt direkt an der Straße und wir hätten es fast übersehen. Wer hier nicht zum Frühstück findet, ist selber schuld. Es gibt sämtliche Variationen eines kanadischen Frühstücks mit Eiern, Toast, Speck und Würstchen, Pancakes mit Ahornsirup, Bratkartoffeln, Obst, Marmelade, Orangensaft und natürlich Kaffee. Das alles in riesigen Portionen und so verlassen wir eine gute Stunde später und bestimmt fünf Kilo schwerer das Restaurant und bringen unser Wohnmobil zurück zu seinem Besitzer. Die Abgabe verläuft schnell und unproblematisch, die Papiere sind zügig ausgefüllt und wir wären abfahrbereit. Leider ist erst mal kein Fahrer für uns bereit, deshalb schauen wir uns noch die verschiedenen Wohnmobile an. Hier gibt es vom faltbaren Zeltwagen bis hin zur fahrenden Drei-Zimmer-Wohnung alles. In jeder Größe und jeder Preisklasse. Zum Mieten oder auch zum Kaufen. So ein eigenes Wohnmobil wäre ja schon was Schönes!

Nun heißt es aber endgültig Abschied nehmen. Ein Fahrer von Fraserway bringt uns zum Flughafen, wir checken ein und warten dann ziemlich lange. Unser Flug geht erst um 21 Uhr und als wir dann endlich einsteigen, sind wir alle hundemüde. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für einen Nachtflug. Trotzdem schaffe ich es nicht, auch nur eine Minute die Augen zu zumachen. Mike schläft, Maya guckt Filme und kann auch nicht schlafen. Vielleicht wirbeln uns auch noch zu viele Gedanken und Eindrücke durch den Kopf. Um 13 Uhr am nächsten Morgen landen wir in Frankfurt, holen dort zuerst unser Gepäck und dann das Auto. Wir sind noch nicht auf der Autobahn, da schläft Maya bereits mit dem Kopf an der Autoscheib tief und fest. Mike und ich halten uns tapfer wach und sind dann doch froh, als wir nicht mehr fahren müssen und zurück zu Hause sind. Den Rest des Tages versuchen wir irgendwie, die Augen offen zu halten und fallen dann um 18 Uhr in die eigenen Betten.

Eins wissen wir aber bestimmt: Das war nicht unser letzter Urlaub in Kanada und wir kommen ganz bestimmt wieder.

Juli/August 2018 – Fünf Wochen im Wohnmobil den St. Lorenz-Strom entlang

 

1. Tag, 14.07.18            Flug Frankfurt-Halifax
2. Tag, 15.07.18            Halifax
3. Tag, 16.07.18            Abholung Wohnmobil- Fahrt zum Kejimkujik Nationalpark
4. Tag, 17.07.18            Kejimkujik Nationalpark
5. Tag, 18.07.18            Kejimkujik Nationalpark
6. Tag, 19.07.18            Whale-Watching in Tiverton
7. Tag, 20.07.18            Annapolis Royal
8. Tag, 21.07.17            Fahrt nach Amherst/Tidal Bore Rafting
9. Tag, 22.07.18            Kouchibouguac Nationalpark
10. Tag, 23.07.18          New Richmond
11. Tag, 24.07.18          Fahrt zum Forillon Nationalpark
12. Tag, 25.07.18          Forillon Nationalpark
13. Tag, 26.07.18          Forillon Nationalpark
14. Tag, 27.07.18          La Martre
15. Tag, 28.07.18          Früher nach Quebec
16. Tag, 29.07.18          Quebec
17. Tag, 30.07.18          Quebec
18. Tag, 31.07.18          Unplanmäßiger Halt in Montreal
19. Tag, 01.08.18          La Mauricie Nationalpark
20. Tag, 02.08.18          La Mauricie Nationalpark
21. Tag, 03.08.18          Montreal
22. Tag, 04.08.18          Montreal
23. Tag, 05.08.18          Fahrt in den Algonquin Nationalpark
24. Tag, 06.08.18          Algonquin Nationalpark
25. Tag, 07.08.18          Algonquin Nationalpark
26. Tag, 08.08.18          Farmers Market in Kitchener
27. Tag, 09.08.18          Fahrt nach Niagara Falls
28. Tag, 10.08.18          Niagara Falls
29. Tag, 11.08.18          Niagara Falls
30. Tag, 12.08.18          Fahrt nach Toronto
31. Tag, 13.08.18          Rückgabe Wohnmobil/ Wohnung Toronto
32. Tag, 14.08.18          Toronto
33. Tag, 15.08.18          Toronto
34. Tag, 16.08.18          Toronto/ Rückflug nach Frankfurt

 

14.07.2018         

Diesen Sommer sollte es zu dritt losgehen. Neben Mike und mir wollte Mayas beste Freundin Liz mit nach Kanada kommen und da wir der Meinung sind, dass es einfacher ist, mit zwei 16-jährigen unterwegs zu sein, anstatt nur mit einer, waren wir einverstanden, als Liz´ Eltern uns im September 2017 fragten, ob wir ihre Tochter mit nach Kanada nehmen würden.

So schellt heute Morgen also um halb sieben der Wecker, um uns am ersten Tag der Sommerferien aus dem Bett zu schmeißen. Aufstehen, fertig machen, die letzten Sachen wegräumen- um kurz vor acht sind wir abfahrbereit. Zuerst holen wir Liz ab, die nur 10 Minuten von uns entfernt wohnt. Mit ihr ist das Auto jetzt auch bis an die Oberkante voll: Neben unserem üblichen Gepäck schleppen wir dieses Mal zwei zusätzliche Koffer mit, was bedeutet, dass jetzt vier Personen, sechs Koffer und vier Handgepäckstücke im Wagen verstaut sind. In den beiden zusätzlichen Koffern habe ich Bettzeug, Kissen und Handtücher für uns vier eingepackt, da die Bewertungen von Cruise Canada im Internet nicht zu viel Gutes erahnen ließen, was die Versorgung mit eben diesen Sachen angeht.

Über die noch leere A45 geht es Richtung Frankfurt und wider Erwarten stehen wir in keinem einzigen Stau und erreichen das Parkhaus bereits eine halbe Stunde früher, wie abgemacht. Um  halb elf stehen wir bereits mit unserem Gepäck vor dem Shuttleservice, der uns bis 11 Uhr zum Terminal 2 bringt. Hier soll um 14 Uhr unser Flieger Richtung Reykjavik  und nach einem kurzen Zwischenstopp von anderthalb Stunden der Anschlussflug nach Halifax gehen.

Der Check-In ist schon geöffnet, die Schlange ist noch nicht allzu lang und so sind wir unser sperriges Gepäck schnell los. Jetzt haben wir noch drei Stunden Zeit. Da es in Terminal 2 nicht allzu viele Dinge zu sehen gibt, drehen wir noch eine Runde an den Zeitschriften vorbei und setzten uns danach zu Mc Donalds. Hier gibt’s neben Kaffee und Pommes freie Sitzplätze und WLAN. Wir kommunizieren noch etwas mit den Zuhausgebliebenen  und kriegen von dort die Aufforderung, doch viele Bilder in die Familiengruppe zu schicken, damit der Rest auch etwas an unserem Urlaub teilhaben kann. Die Zeit vergeht schnell und der Security-Check naht. Erstaunlicherweise läuft dieses Mal alles ohne Piepen und extra abtasten ab und wir können unsere Siebensachen hinter dem grauen Kasten wieder in Empfang nehmen. 

Da wir immer noch eine gute Stunde Zeit bis zum Abflug haben, suchen wir uns ein freies Plätzchen in der Nähe des Icelandair-Schalters und lassen uns dort nieder. Viele Andere denken genauso und es wird langsam voll auf unserem Flur. Auf unseren Bordkarten steht was von 13:15 Uhr als Beginn des Boardings, doch um diese Uhrzeit ist der Flieger aus Reykjavik noch nicht mal in Frankfurt gelandet.  Auf den Anzeigetafeln wird die Abflugzeit 40 Minuten nach hinten gesetzt. Ok, wir warten weiter. Nach den 40 Minuten ist der Schalter immer noch verwaist, weit und breit ist niemand zusehen, der uns einchecken könnte. Irgendwann  erscheinen zwei nette Damen, unser Flug wird ausgerufen und mit anderthalb Stunden Verspätung verlassen wir endlich deutschen Boden. Mike rechnet schon mal durch, ob das mit unserem Anschlussflug noch hinhaut- scheint gerade noch zu klappen. Als wir um 17 Uhr Ortszeit in Reykjavik landen, bleiben uns genau 25 Minuten, um zum nächsten Flugzeug zu kommen. Andere hatten nicht so viel Glück- die Flüge nach Washington und Denver sind bereits weg und so stehen eine Menge missmutige, hektische Menschen am Flughafen in Reykjavik. Wir sehen zu, dass wir zügig durch die Menschenmenge Richtung passendem Gate kommen, dort wieder einchecken und in die bereits wartenden Busse zum auf dem Rollfeld stehenden Flugzeug springen.

So, geschafft, alle sitzen.

Der Flug verläuft ruhig und über Grönland haben wir zum ersten Mal ohne Wolken eine wunderschöne Aussicht auf Eis und Gletscher.

 

 

Nach gut vier Stunden landen wir sicher in Halifax und stellen uns auf einen Fragemarathon durch die immigration control ein. Schließlich haben wir ein fremdes Kind dabei und da können die Befragungen, wieso und weshalb man denn anderer Leutes Kind mit nach Kanada bringt, schon mal länger ausfallen. Wir haben aber Glück, die Dame am Schalter will kaum was von uns wissen und schon stehen wir am Gepäckband und warten auf unsere Unmengen an Koffern. Die werden alle vollzählig und zügig ausgespuckt und so geht’s zum Taxistand. Wir hatten schon so eine Ahnung, dass es schwierig werden könnte, vier Personen samt viel Gepäck in ein Taxi zu bekommen aber die Kanadier wären ja nicht die Kanadier, wenn nicht irgendjemand freundlich eine Lösung organisieren würde. Ein Wachmann telefoniert schnell rum und schon steht ein großer Van für uns vor der Tür, um uns nach Downtown zu bringen. Nach gut 30 Minuten erreichen wir unser übliches Hotel, checken schnell ein und beziehen unsere zwei Zimmer. Da sich langsam aber sicher die Müdigkeit breit macht, geht’s auch schnell in die Betten. Der Tag war lang genug und vor uns liegen noch knapp fünf Wochen Sommer in Kanada.
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15.07.2018                         

Halifax begrüßt uns heute Morgen grau und verhangen. Da die Wettervorhersage aber was von Besserung im Lauf des Tages gesagt hatte, lassen wir den Tag ruhig angehen. Viel zu früh sind wir mal wieder wach und ich liege bereits um sechs Uhr in der Badewanne. Nach einem Langstreckenflug habe ich immer das Gefühl, mich erst einmal etwas renovieren zu müssen und da kommt so eine heiße Wanne echt gelegen. Nachdem ich das Bad geräumt habe, kann Mike rein und um kurz nach sieben sitzen wir beide beim Frühstück. Die beiden Mädels scheinen noch zu schlafen und kommen dann einfach später nach. Bei Kaffee, Tee, Porridge, Obst, Ei und Toast mit Marmelade gucken wir einen Rückblick auf die Fußball-WM, die auch hier live übertragen wird. Als Mike und ich eigentlich fertig sind, tauchen Maya und Liz auf und wollen frühstücken. Ok, dann gibt’s für uns die zweite Runde Tee.

Nach dem Frühstück ist es draußen immer noch grau aber wir sind hellwach und wollen was unternehmen. Liz ist zu ersten Mal in Kanada und wir wollen ihr natürlich möglichst viel zeigen. Zuerst geht’s wie üblich hoch zur Zitadelle.

Wir kriegen eine kleine Führung durch die aufgebauten Schützengräben und wissen am Ende, wie die Soldaten im 1. Weltkrieg dort ge- und überlebt haben. Nachdem wir eine Runde über die Mauer der Zitadelle gedreht haben, zieht es uns runter ans Wasser. Steil bergab gehen wir zur Waterfront und schlendern dort die Promenade entlang. Es ist zehn Uhr und die kleinen Touristenbuden öffnen pünktlich für uns. Wir stöbern eine Weile in den Läden, schauen uns die verschiedenen Buden an und suchen nach Krimskrams, den wir eigentlich nicht brauchen. Am frühen Mittag sind wir schon wieder so müde, dass wir uns nochmal in die Betten legen und faulenzen, bis uns der Hunger wieder raus treibt. Unten an der Waterfront gibt es viele verschiedene Buden, an denen man sich etwas zu essen holen kann. Die Auswahl ist groß und wer hier nichts findet, ist selber schuld. Wir entscheiden uns für Burger, Wraps und zwei Salate und freuen uns über einen freien Tisch direkt am Wasser.

Nach dem Essen schlendern wir noch etwas durch die Straßen und Maya will Liz unbedingt die Bücherei zeigen. Also geht’s wieder bergauf. Das imposante, moderne Gebäude mit seinem großen Glasvorbau ist schon von weitem erkennbar und wir stöbern uns durch mehrere Etagen Bücher, Zeitschriften, Filme und Spiele. Am frühen Abend setzen wir uns auf die tolle Dachterrasse des Hotels und spielen „Wizzard“, ein neues Kartenspiel, das Liz Maya zum Geburtstag geschenkt hat und spielen, bis es stockdunkel ist. Danach geht’s ab in die Betten.

 

16.07.2018                         

Auch die zweite Nacht in Kanada ist früh vorbei. Bereits um sieben sitzen wir beim Frühstück und genießen das nordamerikanisch-fettige Essen  am frühen Morgen. Gegen acht packen wir unsere Siebensachen zusammen, denn das Taxi, das Cruise Canada als Shuttle zum Hotel geschickt hat, wartet vor der Tür auf uns. Zügig geht es durch den Stadtverkehr zur Vermietstation, die etwas außerhalb von Halifax liegt. Hier wartet bereits unser riesiges Wohnmobil auf uns. Ich war im Vorfeld etwas skeptisch, da Cruise Canada im Internet oft schlecht bewertet wird, doch der erste Eindruck ist in Ordnung. Ok, sauberer hätte der Wagen sein können, doch technisch ist alles in Ordnung und so rollen wir nach einer guten halben Stunde Übergabe vom Hof.

 

 

Unser erster Stopp ist eine Art Shoppingbereich mit Walmart, Dollarama und Michaels. Hier toben wir uns richtig aus und vor allem bei Dollarama lassen wir richtig Geld. In den Beschreibungen von Cruise Canada wird ja schon gesagt, dass die Wohnmobile nur mit dem Nötigsten ausgestattet sind und das trifft es ganz gut. Wir kaufen noch einige Dinge von A, wie Axt über T, wie Toaster bis Z, wie Zündhölzer, plündern dann Walmart für die grundlegende Nahrungsmittelversorgung und stöbern abschließend durch Michaels, wo Maya und ich uns neue Jahresplaner gönnen.  Nach gut zwei Stunden, es ist mittlerweile Mittag und ziemlich warm, machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Halt: Wie in den letzten Jahren auch, zieht es uns erst einmal in den Kejimkujik- Provincialpark. Wie bei allen kanadischen Parks befindet sich am Eingang ein Visitor Center, an dem auch wir erstmal anhalten. Da wir es in den letzten beiden Jahren nicht geschafft haben, an der Petroglyphen-Tour teilzunehmen, melden wir uns für übermorgen früh hierfür an. Die Wetterprognose verspricht zwei weitere warme, trockene Tage, danach soll es regnerischer werden. So entschließen wir uns, heute direkt am nächsten Parkplatz an der Straße zu halten und im Fluss schwimmen zu gehen. Diesen Platz haben wir letztes Jahr durch Zufall entdeckt und auch heute zieht uns das Wasser hier magisch an. Die Abkühlung tut gut und wir alle genießen die Erfrischung. Außer uns sind heute nur wenige Leute hier und so haben wir den Fluss und den Wasserfall fast für uns alleine.

Nach gut einer Stunde wird es im Wasser doch kühl, wir ziehen uns um und fahren die letzten Meter zum ersten Campground für diesen Urlaub, Jeremy´s Bay. Da das Duschgebäude zentral liegt und zu Fuß doch weiter von unserem Stellplatz weg ist, halten wir auf dem Weg direkt dort an und stellen uns alle kurz unter die Dusche. Abgekühlt und sauber richten wir uns nun auf unserem Stellplatz für die nächsten drei Tage ein. Es ist gar nicht so einfach, das Wohnmobil mit seinen über 9 Metern Länge auf dem Stellplatz zu positionieren, doch nach ein paarmal vor und zurück passts. Der Strom wird angeschlossen, Wasser gibt’s hier nicht. Da es mittlerweile früher Abend ist und wir den ganzen Tag außer dem Frühstück  bisher nichts gegessen haben, macht sich der große Hunger breit. Mike ist für das Feuer zuständig, die Mädels schnippeln Gemüse und ich deck den Tisch und bereite das Fleisch vor. Der erste Abend am Feuer ist immer was ganz besonderes. Der Stress der letzten Tage fällt von einem ab und es setzt sich eine wohltuende, innere Ruhe durch, die uns in unseren Wochen durch Kanada immer begleitet. Nach dem Essen räume ich alles ordentlich weg, um weder Waschbären noch ihren größeren Brüdern einen Grund zu geben, an unseren Stellplatz zu kommen. Die Mädels sind schon zum kleinen Strand am See gegangen und Maya zeigt Liz die Schönheit der kanadischen Campgrounds.

Mike und ich kommen etwas später auch zum Strand, an dem sich heute Abend mehrere Leute versammelt haben, um sich den Sonnenuntergang anzusehen. Ein paar Kinder sind noch im Wasser, die Leute unterhalten sich und als die Sonne untergegangen ist, hört man vom gegenüberliegenden Seeufer die Kojoten heulen.  Am liebsten würde ich die Zeit anhalten und ewig hier stehen bleiben, doch der Jetlag fordert hartnäckig Tribut und so geht’s zurück zum Wohnmobil und ab in die frisch bezogenen Betten.

 

17.07.2018                         

Ich bin heute Nacht einmal wach geworden und habe versucht, draußen irgendetwas zu hören- vergeblich. Die Nächte hier in den National- oder Provincialparks Nova Scotias sind so sagenhaft ruhig. Man hört absolut nichts. Gar nichts. Wunderschön.

Nach einer also ruhigen Nacht wachen wir am Morgen ausgeschlafen und erholt auf. Der Weg zum Toilettenhäuschen ist kurz, die Wäsche heute auch, denn wir wollen sowieso noch ins Wasser. Frühstück gibt’s draußen und in freier Natur schmecken Toast mit Erdnussbutter und Himbeermarmelade, Obstsalat, Kaffee und Tee nochmal so gut. Da es in so einem Wohnmobil, und sei es auch noch so groß, immer eng ist, räumen wir morgens alle Sachen ordentlich in die Schränke und Schubladen, nur um sie im Laufe des Tages wieder hervor zu kramen und neu zu verteilen. Jedenfalls ist jetzt nach dem Spülen die Küche wieder ordentlich, der Tisch ist frei und die Betten sind gemacht. Der Tag kann also anfangen.

Wir überlegen, am Ufer des Kejimkujik Lakes nach Jake´s Landing zu laufen. Das sind pro Strecke etwa vier Kilometer und dort angekommen wollen wir dann überlegen, ob wir uns Kanus oder Kajaks ausleihen und noch eine Runde über den See drehen.  Da es heute Morgen bereits ziemlich warm ist, nehmen wir jeder eine Flasche Wasser mit  und machen uns auf den Weg. Immer am Ufer entlang schlängelt sich der Weg durch den Wald, bis er sich kurz vor dem Ziel in einer großen Farn- und Wiesenlichtung öffnet. Jetzt noch über die kleine Brücke und wir sind am Bootsverleih. Wir setzen uns auf einen der schwimmenden Stege, ziehen sie Schuhe aus und halten die Füße ins kalte Wasser. Tut das gut! Jetzt sitzen wir hier einmal so gemütlich und gucken dem Treiben um uns herum zu, da haben wir heute gar keine Lust, noch selbst ins Boot zu steigen und belassen es beim Rumsitzen auf dem Steg. Den Rückweg treten wir ganz in Ruhe an und bummeln ganz gemütlich am Ufer zurück. Da der Weg neben Fußgängern auch von Fahrradfahrern genutzt wird, müssen wir immer mal wieder Platz für ebendiese machen und kurz stehen bleiben, um sie durch zu lassen. Bis wir wieder am Stellplatz sind, ist es bereits später Mittag und wir machen erst einmal eine Pause von unserer anstrengenden Tour.

Mit verschiedenen Spielen setzen wir uns nach draußen, nehmen viel zu Trinken mit und spielen uns durch die nächsten zwei Stunden. Danach lesen wir und faulenzen, bis die beiden Mädels wieder Bewegungsdrang verspüren und Hummeln im Hintern haben. Da beide zu Hause viel Sport machen und für ihre jeweiligen Handballmannschaften Laufnachweise erbringen müssen, wollen beide heute noch joggen gehen. Aufgrund der Wärme hatte ich bisher Einspruch erhoben aber jetzt, gegen Abend wird es etwas kühler und die beiden machen sich auf den Weg. In der nächsten Stunde müssen Mike und ich nicht mit den beiden rechnen und so machen wir uns auf den Weg zum Strand, setzten uns da auf eine der Bänke und genießen den Blick übers Wasser. Die Sonne steht immer noch hoch am Himmel aber es kommt ein bisschen Wind auf, der für ein wenig Abkühlung sorgt. Das Seeufer wird von vielen Familien bevölkert, die mit Decken, Handtüchern und allerlei aufblasbarem Getier im und am Wasser unterwegs sind.  Bis Maya und Liz wieder zurück sind, vergehen fast anderthalb Stunden und beide erzählen begeistert, dass sie ihre ersten 10 Kilometer abgelaufen hätten. Aufgeheizt und verschwitzt stehen beide am Wohnmobil und wollen zur Abkühlung auch noch ins Wasser. Also her mit den Handtüchern und ab ins Wasser. Zuerst im See und später unter der Dusche.

Als es dämmert, fachen wir das allabendliche Feuer an und grillen Kartoffeln und Gemüse. Ich bin heute Abend so müde, dass ich froh bin, mich direkt nach dem Essen ins Bett verziehen zu können. Ich mach es mir gemütlich, hab das Bett ganz für mich alleine und hör meinen Hörbuch-Krimi. Allerdings fallen mir schon nach 15 Minuten die Augen zu. Die drei anderen Familienmitglieder sind noch munter und da heute Abend besonders viele Sterne zu sehen sind, gehen sie nochmal zum Strand und betrachteten völlig fasziniert Sterne und sogar die Milchstraße (wie sie mir am nächsten Morgen erzählen).

 

18.07.2018                         

Über Nacht sind Wolken aufgezogen und es ist merklich abgekühlt. Es passiert schon selten, dass wir uns zusätzlich zu den dünnen Bettdecken noch die Wolldecken mit ins Bett holen aber heute früh haben wir sie alle vier mit drin liegen und muckeln uns dick ein. Es ist richtig kalt. Aber das Wetter in Kanada ändert sich schnell und das Grau heute Morgen bedeutet noch nichts für den Rest des Tages. Die Kanadier sagen selbst: „Wenn dir das Wetter nicht passt, warte ne Stunde, dann ist es wieder anders.“ Wir müssen uns heute etwas beeilen, denn um 10 Uhr startet die Petroglyphen-Wanderung und zum Treffpunkt fahren wir noch eine gute Viertelstunde. Schnell waschen, Zähne putzen frühstücken und los geht’s. Wir sind mal wieder spät dran und fahren natürlich auch den falschen Parkplatz an, wundern uns, warum hier niemand ist, suchen nach weiteren Informationen, finden dann den richtigen Treffpunkt und…die Tour ist schon weg. Na toll. Das dritte Jahr in Folge und wir haben es wieder vermasselt. Aus dem Grau nieselt es mittlerweile und wir stehen am Merrymakedge Beach, fast alleine und überlegen, was wir jetzt mit diesem Tag anfangen sollen.

Da es nicht allzu stark regnet, laufen wir erstmal etwas nach rechts, dann nach links am Seeufer entlang. Der Regen wird stärker und wir ziehen und zum überdachten Kiosk am Parkplatz zurück. Hier gibt’s heißen Kaffee und freies WLAN. Zwar schwach aber vorhanden. Da wir gerade nichts Besseres zu tun haben, surfen wir eine Weile im Internet, informieren uns über die mehr oder weniger wichtigen Dinge in der Welt und fangen an, das Nichtstun zu genießen. Als der Regen nachlässt, gehen wir nochmal am Ufer weiter und finden einen Standort der Red Chairs.

Diese roten Stühle stehen über ganz Kanada verteilt an besonders schönen Stellen und laden zum Hinsetzen und Ausschau halten ein.  Wir sitzen ein bisschen und halten ein wenig Ausschau, dann geht’s zurück  Richtung Parkplatz. Am Ufer liegen viele flache Steine, die wir noch eine Zeit lang über das ruhige Wasser flitschen.

Der Regen hat mittlerweile aufgehört und Maya und Liz haben Lust auf Kanu oder Kajak. Wir fahren den kurzen Weg zu Jake´s Landing und wegen des  Wetters sind heute nicht allzu viele Leute dort. Es gibt keine Warteschlange und wir können direkt zwei Boote haben. Mike und ich haben heute keine Lust zum Paddeln und so leihen wir zwei Kajaks, mit denen die beiden Mädels losziehen.

Anderthalb Stunden später, in denen wir Fotos gesichtet und aussortiert haben, kommen die beiden zurück. Wir geben Kajaks, Paddel und Schwimmwesten zurück und merken, dass sich der Hunger bemerkbar macht. Es ist mittlerweile fast Nachmittag und wir hatten heute früh nur schnell und wenig gefrühstückt. Nach ein wenig Hin und Her, was es denn heute zu essen geben könnte, entschließen wir uns, noch einmal zum Kiosk von heute Morgen zurück zu fahren, uns dort hin zu setzen und was zu essen zu holen. Es gibt Fish and Chips, frittierte Zwiebelringe, Pommes und Süsskartoffelpommes sowie frittiertes Hühnchen. Sehr fettig aber auch sehr lecker.

Jetzt geht’s zurück zum Campground. Da sich das Wetter heute nicht wirklich bessern will, verbringen wir den Rest des Tages nicht am Wasser sondern machen ein Feuer an und spielen mehrere Runden Wizzard, Kniffel, Quixx und Uno. Auch so vergeht ein Tag und als es dunkel wird, verziehen wir uns nach drinnen, lesen und gehen früh ins Bett.

 

19.07.2018                         

Neuer Tag, neues Wetter: Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und die Wärme ist auch zurück. Auf dem Plan für heute steht eine Whale-Watching -Tour in Tiverton. Die ist allerdings erst um 18 Uhr und so haben wir heute früh bis 11 Uhr Zeit unseren Stellplatz zu räumen. Nach der morgendlichen Wäsche frühstücken wir in aller Ruhe draußen, räumen dann zusammen und machen das Wohnmobil abfahrbereit. Der Weg führt über Digby, wo ich noch für die nächsten Tage einkaufen möchte. Direkt an der Abfahrt liegen ein Walmart und ein Atlantic Superstore direkt nebeneinander und eine Tankstelle ist auch vorhanden. Bei einem Spritverbrauch von fast 30 Litern brauchen wir die häufiger, als uns lieb ist. Die erste Runde geht durch den Atlantic Superstore. Der ist allerdings recht überschaubar und irgendwie fehlen mir an der Kasse so einige Dinge. Also nach nebenan zum Walmart. Hier kriege ich fast alles, nur die Wassergalonen sind ausverkauft. Mist, die waren mit das Wichtigste für die nächsten Tage. Also wieder zurück zum Atlantic Superstore und dort nach Wassergalonen suchen. Auf Grund der anhaltenden Hitze sind auch hier die Wasservorräte knapp und ich muss nehmen, was noch da ist: zwei riesige, schwere 15-Liter Wasserflaschen. Auf jeden Fall reicht das erst mal für uns. Nach dem Hin und Her fahren wir in aller Ruhe über die schmale Landzunge von Digby Neck.

Hier und da finden sich vereinzelte Häuser und eine Ansammlung von fünf ist gleich ein Ortsschild mit eigenem Namen wert. Eine knappe Stunde fahren wir bis zur Fähre. Da wir mit dem langen Überhang des Wohnmobils bei Ebbe nicht auf die Fähre kommen, ohne aufzusetzen, parken wir den Riesen im Hafenbereich, packen alles, was wir für heute noch brauchen in zwei Rucksäcke und gehen zu Fuß auf die Fähre. Wie im letzten Jahr können wir als Fußgänger umsonst mitfahren und sind nach knapp 10 Minuten auch schon auf der anderen Landseite. Da wir noch gute 2 Stunden Zeit bis zu unserer Tour haben, setzen wir uns bei dem kleinen Imbiss, der direkt am Fähranleger steht, auf die Terrasse und bestellen hausgemachte Burger, Pommes, überbackene Nachos  und viel Kaltes  zum Trinken. Nach einer guten Stunde machen wir uns auf den Weg zum Haus von „Ocean Exploration“, welches keine 200 Meter entfernt liegt. Hier setzten wir uns noch eine Weile in die Sonne, bevor wir unsere dicken, orangen Rettungsanzüge zugeteilt bekommen. Mit denen fühlt man sich wie ein Michelin-Männchen: Unförmig und etwas watschelig. Vor der Tür steht eine Flasche Sonnenmilch- Lichtschutzfaktor 85! Das habe ich in Deutschland noch nirgendwo gesehen. Mit der dringenden Bitte, sich gut einzucremen, verschmieren wir alle etwas Creme im Gesicht und watscheln dann los zum Bootsanleger. Wir sind heute zwölf Personen, die sich in der Abendsonne  Wale und Robben ansehen wollen. Es ist bereits unsere dritte Whale-Watching-Tour und wäre Liz nicht dabei, hätten wir wahrscheinlich gar keine mehr gebucht, doch als Tom, unser Guide, an der Hafenausfahrt Gas gibt und das rote Schlauchboot mit Tempo über die Wellen peitscht, wissen wir, warum wir das jedes Jahr wieder machen. Auch Liz kriegt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Wir düsen eine gute halbe Stunde übers Wasser, bis wir die ersten Wale erreichen. Zwei Buckelwale und ein Kalb tauchen nicht weit von uns aus dem Wasser auf, nur um kurz danach in der Tiefe zu verschwinden. In der Hoffnung, dass die drei wieder an die Oberfläche kommen, dümpeln wir in unserem Bötchen auf dem Wasser und ich weiß nicht warum ausgerechnet in diesem Jahr, aber mir wird sooo übel. Dieses Auf und Ab, Auf und Ab- meine Magen macht schon mit und ich bin froh, als Tom wieder Gas gibt und wir weiter übers Wasser rasen. Jetzt geht’s besser. Eine ganze Weile sehen wir keine Wale, suchen, fahren, suchen weiter. Dann, mit einem Mal sehen wir in der Ferne Wasserfontänen aufsteigen.

Tom steuert das Boot sofort in die Richtung und hier haben  wir unglaubliches Glück: Bestimmt 10 Buckelwale tauchen immer wieder aus dem Wasser auf, schlagen mit ihren riesigen Flossen auf das Wasser, dass es ohrenbetäubend laut knallt und stoßen hohe Wasserfontänen in den Himmel. Einige der Wale katapultieren ihre schweren Körper scheinbar mühelos aus dem Wasser, springen und schlagen laut klatschend wieder auf dem Wasser auf.  Sogar Tom, der jeden Tag Wale vor Augen hat, zückt den Fotoapparat und knipst das gigantische Schauspiel.

Was für ein Erlebnis! Erst als es langsam dunkel und damit auch kalt wird, machen wir uns auf den Rückweg. In Tiverton angekommen, ziehen wir uns schnell um, um noch die letzte Fähre des Tages zu kriegen, fahren kurz auf die andere Seite der Landzunge und dann nochmal anderthalb Stunden nach Annapolis Valley. Im Stockdunkeln kommen wir am Dunromin Campground an und ich weise Mike in unseren Stellplatz ein. Das kriegen unsere Nachbarn mit, die noch draußen am Feuer sitzen und wir kommen schnell ins Gespräch. Als klar ist, dass wir aus Deutschland kommen, schwärmt der junge Mann von den tollen deutschen Autos und erzählt uns stolz, dass er und seine Frau beide deutsche Fabrikate aus Bayern fahren. Danach fragt er nach der German Autobahn und ob man denn da wirklich so schnell fahren dürfte, wie man wolle. Wir erklären ihm das System unserer Autobahnen und bejahen, dass man tatsächlich jenseits der 180km/h fahren darf. Seine großen Augen und der offene Mund lassen vermuten, dass er und seine Frau bestimmt mal Urlaub in Deutschland machen werden- und sei es nur, um auf der Autobahn zu fahren. Wir unterhalten uns über den kanadischen und den deutschen Winter und die Unterschiede zwischen beiden und reden über Sport. Da in unserer Familie Handball der vorrangige Sport ist und die Kanadier kein Handball kennen, versuchen wir, ihm diesen Sport in Kürze zu erklären woraufhin er meint, dass sei ja ein ganz schön rauer Sport- vor allem für die beiden Mädchen. Wenn der wüsste, dass die beiden ohne Sporthalle und Ball in der Hand kein Wochenende überstehen…Sehr, sehr spät oder eher sehr, sehr früh geht’s für uns in die Betten. Morgen haben wir nichts vor. Mal sehen, was der Tag so bringt.

 

20.07.2018                          

Die Nacht vergeht wie im Flug und war ganz schön kalt. Wir haben uns tatsächlich alle vier die Wolldecken zusätzlich mit ins Bett genommen und jetzt am Morgen ist es echt frisch hier drin. Um uns herum tobt schon das Leben und so beschließen Mike und ich, uns mit einer heißen Dusche wieder aufzuwärmen. Die Mädels bleiben lieber noch liegen und schlafen weiter. Nach der Dusche gehen Mike und ich ins campgroundeigene Cafe und starten den Tag mit heißem Tee, frischem Brot, Spiegelei, Speck und Obst. Als wir gerade gehen wollen, tauchen auch Maya und Liz auf und da die beiden ja auch noch frühstücken wollen, gibt’s für uns halt noch eine Runde Tee und Kaffee. Noch ahnen wir nicht, wie heiß der Tag werden wird, sonst hätten wir die heißen Getränke besser gegen eiskalte ausgetauscht. Aber der Vormittag ist eben noch sehr frisch. Ich nutze die Zeit zum Wäsche waschen, wir lesen und schauen uns die verschiedenen Wohnmobile auf dem Stellplatz an. Am späten Mittag ist es doch ganz schön warm geworden und wir überlegen, zu Fuß nach Annapolis Royal zu gehen. Der Campingplatz liegt etwas außerhalb und wir brauchen eine knappe halbe Stunde, bis wir in dem kleinen Städtchen sind. Mittlerweile brennt die Sonne vom Himmel und wir versuchen, möglichst im Schatten der wenigen Bäume zu laufen.

 

Wir bummeln ein wenig durch den Ort, laufen an der kleinen Waterfront entlang und setzen und schließlich ins „German Sachsen Cafe“. Hier waren wir letztes Jahr schon und unser Ziel hier ist heute das kernige Roggenbrot. Wir trinken was Kaltes und nehmen ein großes, frisch gebackenes Brot mit. Der Rückweg dauert etwas länger, es ist so heiß, dass wir nur langsam vor uns hintrotten. Zurück am Campground faulenzen wir uns durch den Rest des Tages, lesen und spielen mal wieder Wizzard. Am Abend schmeißen wir Lachs und Gemüse auf den Grill und sitzen bis in die Dunkelheit draußen. Danach geht’s heute mal früher ins Bett.

 

21.07.2018                         

Auch diese Nacht hat wieder Abkühlung gebracht. Es ist schon erstaunlich, wie kalt es hier nachts und wie heiß es nur ein paar Stunden später sein kann.  Auf unserem Plan für heute steht Tidal-Bore-Rafting am Shubenacadie River. Da unsere bereits von zu Hause vorgebuchte Tour erst um 17 Uhr startet, haben wir also noch massig Zeit. Wir frühstücken in aller Ruhe, packen dann langsam zusammen und verlassen um kurz vor 11 Uhr den Campingplatz. Der erste Weg führt uns nach Port Royal. Hier steht am Ufer des Annapolis River ein sogenanntes living museum, ein Freilichtmuseum, in dem man sich Leben und Arbeiten der Menschen früher ansehen kann. Wir waren vor zwei Jahren schon einmal hier, haben damals aber, da Maya krank war, nicht allzu viel davon mitbekommen. Heute nun also der zweite Versuch: Wir schlendern durch die einzelnen Holzhäuser, schauen uns Wohnräume, Kleidung und Küche an. Das Freilichtmuseum war einst eine Gründung französischer Kolonialisten, bis es 1613 von der britischen Armee zerstört wurde. Zwischen 1939 und 1941 baute die kanadische Regierung das Fort wieder auf und so kann man heute recht originalgetreu die Lebensweise der französischen Siedler ansehen. Auf der Wiese neben den Gebäuden ist ein Tipi aufgeschlagen, in dem eine Dame und ein Herr der Miqmaq-Indianer ihre Geschichte erzählen. Sie berichten uns über ihre Art zu leben, zu jagen und Schmuck und Werkzeuge herzustellen. Als Abschluss gehen wir direkt ans Ufer des Annapolis River. Hier stehen unsere nächsten Red Chairs mit wunderschöner Aussicht direkt auf den Fluss. Wir machen ein paar Fotos und genießen kurz den Moment, dann müssen wir weiter.

 

Zwei Stunden Fahrt liegen noch vor uns und wir wollen ja nicht im allerletzten Moment ankommen. Auf der Strecke versteckt sich die Sonne von heute Morgen immer mehr hinter dicken Wolken und als wir kurz vor dem Ziel sind, regnet es. Super, das passt ja mal so gar nicht. Im Wohnmobil ziehen wir uns Badesachen und weil es recht kalt ist zudem T-Shirt und Shorts an. In einer ausgebauten Garage treffen wir auf unsere Mitfahrer und bekommen alle Schwimmwesten verpasst. Mit etwa 20 Mann geht’s jetzt ein paar Meter bergab zum Fluss, wo schon drei kleine, rote Schlauchboote bereit stehen. Der Fluss und der Matsch sind durch den sandigen Untergrund knallrot und ich bin mal gespannt, wie ich jemals die Klamotten wieder sauber kriegen soll. Wir verteilen uns auf die Boote, jedes Boot hat seinen Fahrer und los geht’s. Hintereinander her rasen wir bei fast vollständig ausgelaufener Strömung den Fluss hinab bis zu seiner Mündung. Dort werden die Boote auf eine Sandbank gezogen und wir haben Zeit, auf dieser herumzuwandern, bis die Flutwelle am Horizont sichtbar wird. Ziel des Tidal-Bore-Raftings ist es, die in den Fluss einlaufende Flutwelle mit dem Boot zu reiten und sich flussaufwärts schwemmen zu lassen. Da hier in den Flüssen der Bay of Fundy der Tidenhub mehrere Meter hoch ist und sich die Wassermassen in die engen Flussarme quetschen, fällt die Gezeitenwelle hier auch besonders hoch aus. Bis zu zwei Meter werden die Wellen, die wir später mit unserem kleinen Bötchen bezwingen sollen.


Nach etwa einer halben Stunde auf der Sandbank heißt es: „Zurück in die Boote“. Schnell setzen wir uns wieder auf den äußeren Rand des Schlauchbootes und düsen los. Die Wellen werden immer höher und höher, das Wasser schwappt über unsere Köpfe und ins Boot. Unser Guide versichert uns, dass bei all seinen Touren erst einmal jemand über Bord gegangen wäre. Hätte er bloß nichts gesagt, denn keine zehn Minuten später schmeißt die nächste Welle Mike über den Rand des Bootes. In dem tobenden, roten Wasser ist er kurzzeitig nicht mehr sichtbar, dann taucht sein Kopf aus den Wellen wieder auf. Mit vereinten Kräften ziehen wir ihn über den Schlauch wieder ins Boot und weiter geht der Höllenritt. Jetzt klammer ich mich noch fester an dem dünnen Halteseil fest und beobachte etwas ängstlich unsere beiden Mädels. Hoffentlich kommen wir ohne weitere Verluste wieder zurück. Mittlerweile regnet es wieder und wir sind durch den schnellen Fahrtwind ganz schön durchgefroren. Maya zittert und auch ich bin froh, wenn die Wellen wieder über unsere Köpfe hereinbrechen- das Wasser im Fluss ist nämlich deutlich wärmer als die Luft und der Regen.

Nach gut zwei Stunden ist der Ritt auf der Gezeitenwelle vorbei und wir kommen zurück zur Anlegestelle. Hier warten heiße Duschen, Kaffee und Kakao auf uns und wir wärmen uns sowohl äußerlich als auch innerlich wieder auf. Bleibt nur die Kleidung, von der ich immer noch nicht weiß, wie ich die wieder sauber kriegen soll. Leider haben unsere nächsten zwei Campingplätze auch keine Wäscherei, so dass sich der Dreck noch ein paar Tage eintrocknen kann. Umgezogen und trocken fahren wir weiter. Es ist fast 20 Uhr und wir haben noch anderthalb Stunden Fahrt vor uns. Also schnell Richtung Antigonish. Im Dunkeln kommen wir am Campingplatz an, das Büro ist zum Glück noch besetzt, aber niemand weiß was von unserer Reservierung. Und alle Plätze sind belegt. Mike sucht auf seinem Handy nach der Reservierungsbestätigung, findet sie nach etwas Sucherei und wir bekommen den allerletzten Not-Stellplatz zugewiesen. Unserviced direkt an einem Tümpel. Da es stockdunkel ist, steige ich aus, um Mike rückwärts mit dem Monstermobil einzuweisen, doch draußen überfallen mich die Mücken. So viele auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Sie sind überall, kriechen mit in die Ohren, in die Nase und sobald ich den Mund aufmache habe ich schon welche verschluckt. Das ist so ekelig, dass ich schnell wieder in den Wagen springe. Soll er doch schief stehen bleiben. Schräg schlafen ist immer noch besser wie tausende Mückenstiche. Die Mücken bombardieren unser Wohnmobil regelrecht von außen, klatschen gegen die Scheiben und suchen jede Möglichkeit, das drinnen zu kommen. Heute Abend geht niemand mehr vor die Tür, es gibt schnell Suppe aus der Tüte, danach Katzenwäsche und ab ins Bett.

 

22.07.2018         

Verwunderlicherweise hat mich gestern scheinbar nicht eine einzige Mücke gestochen. Ich werde ja schon echt selten erwischt aber bei der Masse an Mücken gestern Abend hatte ich schon mit dem ein oder anderen Stich gerechnet. Heute früh haben sich die Mücken in Luft aufgelöst und wir können gefahrlos aussteigen und zu den Duschhäuschen gehen. Immer noch kommt roter Sand aus den Haaren und ich glaube, das wird auch noch ein paar Tage so bleiben. Unser Stellplatz ist nicht so schön, dass er zum Frühstücken einlädt und so fahren wir zu Tim Hortons, frühstücken dort und drehen danach schnell eine Runde durch den benachbarten Walmart. Da die Wege in Kanada echt weit werden können, wollen wir heute einen reinen Stopp zur Unterbrechung einer längeren Strecke einlegen. Wir verlassen Nova Scotia und fahren knapp 150 Kilometer bis in den Kouchibouguac- Nationalpark in New Brunswick.

Bevor wir unseren Stellplatz ansteuern wollen wir noch zwei kurze Wanderwege laufen. Der dritte Halt führt uns zu Kellys Beach, einem der schönsten Sandstrände in Ost-Kanada. Da es heute wieder richtig heiß ist, ist es entsprechen voll. Wir breiten unsere Handtücher im Sand aus, gehen, soweit es die kurzen Hosen zulassen ins Wasser und kühlen uns etwas ab. Danach dösen wir im Sand vor uns hin und schlafen fast alle auf unseren Handtüchern ein.

 

Erst am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Campground. Heute Abend soll es Burger vom Grill geben und so macht sich Mike am Feuer zu schaffen, während Maya und Liz das Abendessen vorbereiten. Ich versuche währenddessen, der Unordnung im Wohnmobil etwas Herr zu werden. Als es dämmert, sitzen wir alle draußen am Holztisch und genießen unsere Burger. Leider ruft die Dämmerung auch heute wieder die Mücken auf den Plan und die werden zur echten Plage. Wir essen zu Ende, es macht aber keinen Spaß mehr, nach dem Essen noch draußen sitzen zu bleiben und so verziehen wir uns ins Wohnmobil. Die Klimaanlage läuft und wir spielen mal wieder Karten, bis wir entweder zu müde sind oder keine Lust mehr haben. Wir öffnen die Tür noch einmal kurz, um zur Toilette zu gehen, danach bleibt sie für heute zu. Ich lege mich ins Bett, höre mein Hörbuch weiter und bin so schnell eingeschlafen, dass ich gar nicht mehr mitkriege, wie Mike überhaupt ins Bett kommt.

 

23.07.2018                         

Heute steht ein reiner Fahrtag auf dem Programm. Von New Brunswick aus geht es nach Quebec in Richtung der Gaspesie- Halbinsel. Da wir morgen den Forillon- Nationalpark ansteuern wollen, uns der Weg für einen Tag aber zu lang ist, unterbrechen wir ihn mit einem Halt in New Richmond. Nach dem Frühstück fahren wir zügig los, die Mücken lassen uns auch heute früh nicht in Ruhe und so macht es keinen Spaß, noch an einer Wandertour zu überlegen. Die Fahrt verläuft recht ereignislos, die Landschaft ist etwas langweilig und es gibt nicht allzu viel zu entdecken.

An der Grenze zwischen New Brunswick und Quebec  bekommen wir noch eine Stunde Zeit geschenkt, die wir auf den Uhren direkt zurückdrehen. Mit dem Übergang zur Gaspesie wird die Landschaft wieder deutlich interessanter. Hier in dieser abgelegenen Gegend gibt es nicht viele Straßen aber unsere führt uns wunderschön immer am Wasser entlang. Wir durchqueren kleine Ortschaften mit oft bunten Holzhäusern und aus dem Beifahrerfenster sehen wir kleine Buchten, Kiesstrände, Strandgras und das Blau des Wassers bis zum Horizont.

Der Weg nach New Richmond ist länger, als wir erwartet hatten, die kurvige Strecke braucht Zeit und Geduld und so kommen wir erst am Nachmittag auf unserem Campingplatz an. Der liegt nur durch einen kleinen Wall mit Strandgras vom Wasser getrennt auf plattem Land. Wir versorgen den Camper mit Wasser und Strom und uns mit Wasser und Cookies. Danach folgt die übliche Inspektion der Toiletten und Duschen- alles sauber und in Ordnung. Der Himmel hat sich zugezogen und es nieselt immer wieder ganz leicht vor sich hin. Dabei ist es so warm, dass der Regen kaum am Boden ankommt und eine drückende Schwüle macht sich breit. Da man ja kaum nass wird, nehmen wir unsere Handys mit zur Rezeption. Hier gibt es WLAN,  wir setzen uns nach draußen auf eine Bank und schauen nach, was Wichtiges und Unwichtiges in der Welt passiert ist. Ich wasche nebenbei noch drei Ladungen Wäsche durch und endlich kommt auch die dreckige Kleidung vom Tidal-Bore-Rafting in die Waschmaschine. Gegen Abend überlegen Maya und Liz Laufen zu gehen. Trotz der Schwüle wollen sie ihre nächsten 10 Kilometer schaffen. Es gibt einen geteerten Weg nah am Wasser entlang, der zuerst durch einen kleinen Wald und dann über offene Wiese verläuft. Mike und ich gehen das Ganze lieber langsam an und während die beiden losrennen, gehen wir lieber etwas spazieren. Nach anderthalb Stunden treffen wir uns am Wohnmobil wieder, Maya und Liz gehen duschen und ich setze Nudelwasser auf. Der Regen ist wieder stärker geworden und draußen zu essen ist aussichtslos. Also gibt’s heute Nudeln mit Pesto am engen Esszimmertisch. Die schwüle Luft brachte nicht nur Schweißflecken, sondern auch mehrere neue Mückenstiche  mit sich. Außer mir haben alle mindestens zwei größere Stiche dazubekommen und so kreist heute Abend die Tube afterbite im Wohnmobil. Nach mehreren Runden Kniffel und Uno geht’s etwas früher ins Bett. Vorher schalten wir noch die Klimaanlage auf Vollanschlag, denn im Inneren unserer Blechdose ist es super heiß geworden.

 

24.07.2018                         

Der Regen hat über Nacht aufgehört und wir werden von strahlendem Sonnenschein geweckt. Nach einer ausgiebigen Dusche gibt’s mal wieder draußen Frühstück, danach packen wir zusammen und machen uns auf den Weg zum Forillon Nationalpark. Die Straße verläuft auch heute immer direkt am Meer entlang durch eine wunderschöne Landschaft. Nach einem längeren Abschnitt fast vollständiger Leere und Abgeschiedenheit erreichen wir Percé, einen kleinen Touristenort, in dem heute erstaunlich viel los ist. Bekannt ist der Ort durch den Percé-Rock, einem gigantischen Felsen vor der Küste. Neben vielen anderen Menschen halten auch wir an einem Parkplatz, von dem man eine gute Sicht auf eben diesen Felsen hat und versuchen ein paar Fotos ohne diverse andere Personen drauf zu machen.

Je näher wir Gaspé kommen, umso steiler und kurviger wir die Strecke. In Serpentinen geht es steil hoch und wieder runter und unser Riesenmobil hat ganz schön zu arbeiten. Wie gut, dass der Treibstoffverbrauch nicht angezeigt wird. Die Aussicht auf den Percé -Rock begleitet uns noch mehrere Kilometer, hinter jeder Kurve taucht er wieder auf, dann ist er irgendwann aber endgültig verschwunden.

Wir fahren weiter und erreichen am frühen Nachmittag Gaspé, die größte Stadt der Gaspesie. Gute 800 Kilometer trennen Gaspé von Quebec City und so ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Stadt zum Versorgungszentrum der Halbinsel entwickelt hat. Wir wundern uns über die Größe, die Vielfalt der Läden und über das hohe Verkehrsaufkommen. Überhaupt scheint sich hier vieles um Autos zu drehen, fast alle größeren Autohersteller sind hier mit eigenen Autohäusern oder Werkstätten vertreten. Da Gaspé zwar eine gute Infrastruktur hat, sonst aber eher den Charme eines Gewerbegebietes, fahren wir zügig weiter zum Forillon Nationalpark am äußersten Zipfel der Halbinsel.

Der erste Weg führt uns wie immer zum Visitor Center kurz hinter dem Eingang zum Park. Hier holen wir uns Kartenmaterial und Ausflugstipps für die nächsten Tage und der Mitarbeiter sagt noch schnell: „You´ll love it here. Hardly any mosquitos“. Oh, das wäre schön. Die sind uns die letzten Tage ganz schön auf die Nerven gegangen. Als Stellplatz haben wir uns den Petit-Gaspe-Campground ausgesucht, den wir nach wenigen Kilometern erreichen. Wir versorgen den Camper mit Strom und Wasser und schauen uns erst mal um. Das Dusch- und Toilettenhäuschen ist nicht weit entfernt und zu unserer Begeisterung ist es nagelneu. Wir sind quasi der Erstbezug. Neben den Toiletten gibt es ein zweites Häuschen, welches als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Hier gibt es mehrere Tische mit Bänken, einen Holzofen und eine Küchenzeile mit Spülbecken. Den Ofen werden wir in den nächsten Tagen wohl eher nicht brauchen, denn auch heute ist es wieder drückend heiß.

Nachdem die Inspektion der Sanitäranlagen zu unserer Zufriedenheit ausgefallen ist, machen wir uns auf den Weg, den Campground und seine Umgebung zu erkunden. Knapp zehn Minuten später stehen wir vor dem Recreation Center, einem großen Gebäude, welches nicht nur einen Imbiss und einen kleinen Laden, sondern sogar einen Tennisplatz, einen Spielplatz und einen beheizten Pool mit einer netten überdachten Terrasse hat. Da sich so langsam der kleine Hunger breit macht, holen wir uns hier Pommes, frittiertes Hühnchen und Nachos, setzten uns damit auf die Terrasse und gucken dem Treiben im Pool zu.

Satt und ausgeruht machen wir uns wieder auf den Weg. Der Campingplatz ist sehr weitläufig, über einen kleinen Waldweg kommen wir zuerst zu einer Wiese, auf der eine große, gelbe Holzkirche steht, danach wollen wir eigentlich zum Strand. Irgendwie sind wir aber wohl falsch abgebogen und landen wieder im Wald. Ein Weg führt uns bergab bis zu einem kleinen Aussichtspunkt oberhalb des Wassers. Die Aussicht ist wunderschön und mitten im Wasser entdecken wir einen kleinen Felsen, auf der es sich ein paar Robben bequem gemacht haben. Bergauf geht’s den Weg wieder zurück und dieses Mal nehmen wir die richtige Abzweigung zum Strand. Wie so oft in Kanada ist der Strand auch hier ein Strand ohne Sand und mit groben, runden Kieseln. Das Wasser klatscht mit ordentlich Kraft an den Strand und die Aussicht aufs Wasser ist so wunderschön, dass wir uns auf einen angeschwemmten Baumstamm setzen und einfach nur den Moment genießen. Das dauert etwas länger und erst gegen Abend machen wir uns auf den Rückweg zu unserem Stellplatz. Zum Abendessen gibt es kleine Schnitzelchen vom Grill und Salat, danach spielen wir noch einige Runden Karten und erst gegen Mitternacht fallen wir in die Betten.

 

25.07.2018                         

Die Nächte in den Nationalparks sind so wunderbar ruhig und so wachen wir auch heute früh erholt auf. Beim Aussteigen liegt da eine Überraschung: Ein Stachelschwein hat es sich im Klee neben unserem Wohnmobil gemütlich gemacht und lässt sich auch von uns nicht stören. Sehr langsam und behäbig frisst es sich durch das Grünzeug ohne sich allzu sehr zu bewegen. Da es unser erstes Stachelschwein in so direkter Nähe ist, müssen wir es natürlich ausgiebig beobachten.

Bereits auf dem morgendlichen Gang zur Dusche ist es ziemlich heiß, so dass wir wenig später den Tisch draußen fürs Frühstück in den Schatten ziehen. Nach dem üblichen Aufräumen und Saubermachen wollen wir zum Strand. Wir gehen wieder über den kleinen Waldweg zum Strand runter und da sehen wir bereits die ersten Leute im Wasser. Wieso sind wir nicht sofort auf die Idee gekommen, unsere Badesachen mitzunehmen? Wir drehen also wieder um, gehen zurück zum Camper, ziehen unsere Badesachen an und machen uns zum zweiten Mal auf den Weg zum Strand. Mike, Maya und Liz sind schnell im Wasser verschwunden. Ich will mich eigentlich nur ein bisschen abkühlen und gar nicht ganz rein, aber eine Welle nimmt mir die Entscheidung ab. Mit einem Mal verliere ich den Boden unter den Füssen und die Welle reißt mich komplett ins Wasser. Gut, jetzt wo ich nass bin, kann ich auch schwimmen gehen. Nebenher filme ich mit unserer GoPro  die anderen drei. Das Wasser ist superklar und ich kann jeden Stein unter Wasser schon von der Oberfläche aus erkennen.

Nach knapp einer Stunde sind wir genug abgekühlt,  machen uns wieder auf den Weg zurück zum Stellplatz und ziehen uns wieder was Trockenes an. Wir machen uns noch ein zweites, kleines Frühstück und Mike will währenddessen die Bilder von der GoPro auf den Laptop laden, doch da fällt der Mist auf: Die Kamera ist voll Wasser gelaufen, das Gehäuse ist  innen komplett nass und die Speicherkarte ist hinüber. Super, eigentlich war die doch bisher wasserdicht?! Mike versucht, die Speicherkarte irgendwie zu trocknen, aber die Kamera scheint hinüber zu sein.

Nachdem der erste Ärger verflogen ist, überlegen wir, was wir hier in diesem wunderschönen Nationalpark noch anstellen können. In den Broschüren finden wir einen Wasserfall, der schön aussieht und Wasser ist bei der Hitze immer gut. Wir kuppeln den Camper von Strom und Wasser ab und fahren etwa 20 Minuten, bis wir den passenden Parkplatz erreichen. Der ist schon gut gefüllt und es ist gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden, von dem man mit dem langen Ungetüm auch wieder weg kommt und nachher nicht zugeparkt ist. Ein kleiner Fußweg geht in den Wald rein und auf der Schautafel dort ist der Weg zum Wasserfall beschrieben. Stand da tatsächlich was von 1000 Stufen abwärts? Die muss ich ja später auch wieder hoch! Naja, nehmen wir das mal in Angriff. Je tiefer wir kommen, umso kühler wird es. Mit jeder Stufe scheint die Kühle des Wasserfalls näher zu kommen und es dauert gar nicht so lange, da können wir ihn auch schon hören. Also weiter. Die letzten Meter führen über einen kleinen Holzsteg und schon stehen wir genau vor dem Wasserfall.


Angenehm kühl ist es hier und der kleine, flache See vor dem Wasserfall ist richtig kalt. Der feine Wassernebel kühlt wunderbar ab. Links und rechts von uns denken sich mehrere Menschen das Gleiche, waten durchs Wasser oder schmeißen sich, wie ein Mann, direkt ganz rein. Er verzieht dann aber doch das Gesicht und steht schnell wieder auf. Wir machen eine Menge Fotos und freuen uns über die Abkühlung. Nach etwa einer Stunde muss ich die ganzen Stufen wieder bergauf zurück. Der Rückweg dauert wesentlich länger wie der Hinweg und von der Abkühlung ist, am Camper angekommen, nicht mehr viel übrig. Da wir gerade unterwegs sind, fahren wir weiter zum Cap Bon Ami, einem wunderschönen Aussichtspunkt oberhalb des Meeres.

Vom Parkplatz aus sind es ein paar Minuten zu Fuß bis zum runden Plateau. Die Aussicht über das Meer ist atemberaubend schön, Möwen kreisen über dem Wasser und ein Seehund steckt seinen Kopf hervor. Hier könnte ich ewig stehen bleiben. Vom Plateau geht eine steile Holztreppe zum Kieselstrand hinab. Hier haben es sich heute viele Leute bequem gemacht und auch wir setzen uns einfach dazu, schauen aufs Wasser, bauen Steintürmchen und lassen uns von dem tollen Panorama verzaubern.

Erst am frühen Abend kehren wir wieder zum Campingplatz zurück. Wie üblich gibt’s wieder Abendessen vom Grill und wir sitzen noch lange draußen, genießen die kühler werdende Luft und spielen wiedermal Karten. 

 

26.07.2018                         

Um 6:30 Uhr schellt der Wecker. Mike und ich sind aber schon länger wach, denn es ist einfach zu heiß zum Schlafen. Außerdem ist es unglaublich windig geworden und der Wind rüttelt das gesamte Wohnmobil durch. Die beiden Mädels schlafen trotzdem tief und fest und kriegen nicht mal mit, dass wir schon zum Duschhaus gehen. Erst als wir zurückkommen, schälen sie sich langsam aus dem Bettzeug. Nach einem schnellen Frühstück verlassen wir um 7:30 Uhr den Stellplatz und fahren Richtung Hafen, denn heute wollen wir raus aufs und ins Wasser, schnorcheln mit Seehunden. Am Hafen angekommen weiß der Betreiber leider nichts von unserer Reservierung. Er findet zwar die E-Mail, die ich im Juni geschrieben habe und auf die ich auch eine Bestätigung bekommen hatte, aber die Reservierung war wohl nicht bis in deren Büchlein vorgedrungen und so stehen wir jetzt etwas fehl am Platz hier rum. Ist aber nur halb so schlimm, denn auch die Leute mit gültiger Reservierung werden wieder nach Hause geschickt: Heute keine Fahrten, der Wind ist zu stark. Wir werden gefragt, ob wir auf morgen umbuchen wollen und nehmen das Angebot natürlich gerne an. Da wir jetzt aber schon mal so früh unterwegs sind, beschließen wir, kurz weiter zu fahren, den Wagen auf einem Parkplatz abzustellen und zu „Lands End“ zu laufen.

Der Weg ist wunderschön und um kurz nach acht sind auch nur wenige Menschen unterwegs. Die letzten 600 Meter geht es steil bergauf und oben angekommen bin ich nass geschwitzt. Der Aufstieg hat sich gelohnt und wir werden mit einem fantastischen Blick über den Sankt Lorenz Strom belohnt. Hier oben steht ein weiß-roter Leuchtturm und natürlich gibt es auch wieder zwei Red Chairs. Unter uns kreisen Seevögel über das Wasser oder nisten an den schroffen Felsen. Kurz nach uns kommt auch der Seenebel hier oben an und hüllt alles in weiße Watte. Zeitweise kann man kaum noch etwas Sehen, geschweige denn, weit aufs Meer hinaus gucken. Zudem kühlt es merklich ab.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir machen uns wieder auf den Rückweg und achten immer mal auf Bären, sehen aber nur recht frische Spuren an den Bäumen, leider aber keinen einzigen Bären. Der Himmel zieht sich immer weiter zu und es wird zunehmend dunkler. Nicht eine Minute zu früh kommen wir am Wohnmobil an und sobald wir alle sitzen, fängt es an zu regnen. Zurück am Campingplatz ist es dort noch trocken und wir machen uns ein zweites Frühstück- noch draußen. Kurz danach müssen wir auch hier alles ins Trockene bringen. Der Regen wird immer stärker und an raus gehen ist heute nicht mehr zu denken. Keine 100 Meter von uns entfernt steht das komplett neu gebaute Kitchen Shelter mit Ofen und vielen Tischen mit Bänken. Wir nehmen unsere Kartenspiele mit rüber und spielen und essen Apple Pie. Hier oben ist doch mehr Platz, als wenn wir uns den ganzen Nachmittag im Wohnmobil auf der Pelle hängen. Zum Abendessen kochen wir Nudeln und machen Salat. Auch das nehmen wir wieder mit ins Häuschen und essen dort. Streckenweise regnet es so stark, dass sich unser Dachfenster im Badezimmer des Wohnmobils als inkontinent erweist und leise vor sich hin tropft. Mike bastelt aus einer der großen Wassergalonen einen Auffangbehälter, der seinen Dienst heute Nacht tut. Da wir ja heute Morgen ziemlich früh aufgestanden waren, verschwinden wir alle nicht allzu spät im Bett, lesen, hören Hörbuch oder gucken Filme auf dem Laptop.

 

27.07.2018

Heute früh scheint wieder die Sonne und die Pfützen der letzten Nacht verdampfen. Um halb zehn haben es auch die letzten Beiden aus den Betten geschafft und wir frühstücken mal wieder draußen. Danach müssen wir das Wohnmobil abfahrtsbereit machen, denn wir müssen weiter. Um 11:30 Uhr haben wir ja noch unsere Snorkeling-Tour vor uns. Schon beim Öffnen des Kühlschranks hatte ich mich über die Temperatur darin gewundert doch als ich jetzt nach dem Frühstück das Brot einfrieren will, sehe ich die ganze Miere: Das komplette Gefrierfach ist warm und der ganze Inhalt ist aufgetaut. Daher kam also auch die wärmere Temperatur im Kühlschrank. So ein Mist! Jetzt kann ich Fisch, Fleisch, Wurst und Käse wegschmeißen. Viel Zeit bleibt zum Glück erst mal nicht für schlechte Laune, denn die Snorkeling Tour wartet auf uns. Wir verlassen unseren Stellplatz und fahren ein paar Kilometer weiter die Straße runter zum kleinen Hafenbecken. In einem Holzhäuschen bekommen wir Neoprenanzüge, Handschuhe, Schuhe, eine Kappe sowie Schnorchel und Taucherbrille.

Ich habe noch nie so lange gebraucht, um mich in irgendwelche Kleidung zu zwängen. Eine zweite Haut wäre dagegen richtig elastisch. Und heiß ist es in diesen Anzügen. Ich bin froh, als endlich alle fertig sind und wir ins Wasser dürfen. Je nasser der Anzug wird, umso bequemer und beweglicher wird er. Auch heute fahren wir wieder mit einem kleinen, roten, schnellen Schlauchboot immer an der Küste entlang bis zu einer Robbenkolonie. Hier lassen wir uns ins Wasser fallen und dürfen uns mit der Ansage: „Kommt den Seehunden nicht zu nahe. Wenn sie neugierig sind, kommen sie zu euch“ eine gute Stunde im Wasser austoben.

Das Wasser ist glasklar und unter uns schwimmen Hummer, Seesterne und andere Meeresbewohner umher. Leider kann ich keine Aufnahmen machen, denn die GoPro scheint endgültig den Geist aufgegeben zu haben. Trotzdem ist es ein Riesenspaß. Einige Seehunde kommen tatsächlich nah an uns heran und tauchen unter uns durch. Die Stunde vergeht wie im Flug  und schon heißt es wieder einsteigen und zurück zum Anleger. Das Rauspellen aus den Anzügen ist deutlich einfacher als das Reinkommen und geht viel schneller. Wir duschen kurz, ziehen uns wieder an und gehen zurück zum Wohnmobil. Ich ahne ja nichts Gutes und tatsächlich, der Kühlschrank scheint kaputt zu sein. Na toll. Wir sind mitten im kanadischen Nichts und unser Kühlschrank tuts nicht mehr. Was jetzt, wir haben doch noch gut zwei Wochen vor uns? Dauerhaft ohne Kühlschrank ist echt schlecht. Nach ein wenig Hin- und Her überlegen beschließen wir, erst einmal zu unserem nächsten Campingplatz zu fahren. Vielleicht kann uns da einer weiterhelfen. Mittlerweile ist es fast 14 Uhr und es wird Zeit, dass wir vorankommen. Die einzige Straße, die sich mitten durch die Gaspesie zieht geht kilometerlang geradeaus, Berg hoch und wieder Berg runter. Hier gibt es keine Häuser, nur Bäume und Wiesen, Bäume und Wiesen. Bestimmt anderthalb Stunden kommt uns nicht mal ein Auto entgegen. So rollen wir Kilometer für Kilometer Richtung La Martre an der Nordküste der Gaspesie.

Hier haben wir für die nächsten zwei Nächte einen Stellplatz reserviert, von dem aus wir den Gaspesie- Nationalpark besuchen wollen. Der Empfang an dem sehr kleinen Campingplatz direkt an der Straße ist herzlich und die Dame erzählt uns freudestrahlend, dass morgen weitere deutsche Urlauber kämen, die sie direkt neben uns auf den Stellplatz gebucht hätten. Da wir heute an keinem einzigen noch so kleinen Laden vorbeigekommen sind, in dem wir hätten frisch einkaufen können, mache ich mir Gedanke, wie denn unser Abendessen aussehen könnte.  Die Wahl fällt auf das restliche Gemüse aus dem Kühlschrank, Reis und Tomatensauce. Vor dem Wohnmobil schwirren wieder die Mücken, also fällt draußen essen heute aus. Während ich das Abendessen koche und Maya und Liz die Internetverbindung strapazieren, versucht Mike, die Notrufhotline der Wohnmobilvermietung zu erreichen. Leider ist hier im Nichts die Verbindung so schlecht, dass er dafür vorne zur Rezeption gehen und dort telefonieren muss. Die Mitarbeiter scheinen alle schon zu Hause zu sein, auf jeden Fall erreichen wir heute Abend mit vielen, vielen Versuchen niemanden mehr.

 

28.07.2018

Obwohl der Campingplatz direkt an der Straße liegt war die Nacht sehr ruhig. Der Morgen beginnt mit weiteren Versuchen, jemanden von der Wohnmobilvermietung zu erreichen, doch vergeblich. Warum sollten die auch an einem Samstag arbeiten? Als der Betreiber des Campingplatzes von unserer Misere hört, kommt er sofort mit einem Werkzeugkoffer bei uns vorbei. Er öffnet diverse Klappen, misst hier und da was nach, überprüft Sicherungen, Schalter und Hebel. Leider findet auch er nichts und der Kühlschrank bleibt stromlos und warm. Aber er hat die Adresse einer Werkstatt in Matane für uns. Hier könnten sie uns vielleicht weiter helfen. Mike und ich beratschlagen, wie wir am besten weitermachen. Matane liegt etwa 100 Kilometer entfernt und auf dem Weg nach Quebec City. Wir entschließen uns, heute nach dem Werkstattbesuch in Matane bis  nach Quebec City durchzufahren. Vielleicht gibt es später in der Stadt eine Werkstatt, die uns weiterhelfen kann. Der Dame am Empfang erkläre ich unsere Entscheidung, wir koppeln den Wagen von seinen Anschlüssen ab und fahren los Richtung Matane. Da wir alle noch nicht gefrühstückt haben, halten wir nach etwa 30 Kilometern beim erstbesten Tim Hortons und freuen uns über frischen Kaffee, Orangensaft,  Frühstücksmuffins mit Speck und Rührei. Der Orangensaft ist schön kalt, der hatte bestimmt einen Kühlschrank. Außerdem nehmen wir noch Donuts für unterwegs mit. Nach einer weiteren Stunde Fahrt kommen wir am Ortsschild Matane an, fahren durch den Ort uns sind schon wieder raus, ohne die Werkstatt gesehen zu haben. Also wieder zurück. Und wieder nichts zu sehen. Seit mehreren Kilometern begleiten uns bleigraue Wolken, die langsam richtig bedrohlich aussehen und jetzt, urplötzlich, einen Gewitterregen loslassen, der die Straßen sofort überflutet.

Mike fährt bei der nächstbesten Gelegenheit auf den Parkplatz einer winzigen Mall. Hier können wir erstmal in Ruhe stehen bleiben, das Unwetter abwarten und nach der Werkstatt googeln. Es regnet so stark, dass der Parkplatz in kürzester Zeit unter Wasser steht und sich riesige Pfützen bilden. Und es regnet weiter. Mittlerweile reicht das Wasser bis zur Mitte unserer Reifen und im Badezimmer macht sich wieder die aufgeschnittene Wassergallone nützlich. Neben uns stehen weitere Fahrzeuge, die auch hier auf dem Parkplatz den Sturzregen abwarten und kritisch den sprudelnden Abflüssen zugucken. Genauso plötzlich wie der Regen angefangen hat hört er auch wieder auf und die Sonne guckt zwischen den dunklen Wolken hervor. Da wir immer noch keine Ahnung haben, wo denn jetzt die Werkstatt sein soll, fragt Mike in einem der Läden nach und siehe da- wir stehen eigentlich direkt daneben. Gerade noch rechtzeitig kommen wir bei der Werkstatt an, eigentlich wollten sie gerade schließen, aber Kanadier sind ja freundlich und hilfsbereit und so stehen bald nicht nur der Werkstattmeister sondern weitere Kunden um unser Wohnmobil drumrum und beratschlagen, wo denn der Fehler bei unserem nicht funktionierenden Kühlschrank liegen könnte. Leider führt auch nach anderthalb Stunden Rumbasteln keine der Ideen zum Erfolg und wir geben resigniert auf. Mittlerweile ist es früher Nachmittag und der Weg nach Levis ist noch weit. Eigentlich haben wir dort erst ab morgen einen Stellplatz reserviert doch wir hoffen, vielleicht schon heute dort übernachten zu können. Vorher möchte ich noch schnell bei Walmart vorbei, um etwas Frisches einzukaufen, was wir dann heute Abend direkt essen können. Als wir in Levis ankommen ist es schon so spät, dass der Walmart bereits geschlossen hat. Also nichts mit Fleisch oder Fisch vom Grill heute Abend. Hoffentlich haben wir am Campingplatz mehr Glück. Wir fahren einfach mal drauf los und fragen nach und- eigentlich ist der Platz ausgebucht aber wie gesagt, die Kanadier sind freundlich und hilfsbereit. Wir dürfen uns auf einen Notstellplatz mit Strom stellen und ziehen dann morgen auf unseren eigentlich gebuchten Platz um. Jetzt bleibt noch das Problem mit dem Essen. Zum Glück gibt es hier am Campingplatz ein kleines Restaurant, in dem wir Pommes, Burger, Pizza und Salat bekommen. Wir müssen also nicht hungrig ins Bett. Das ist schon das Beste, was der Tag heute mit sich gebracht hat. Wir schlendern noch eine Weile durch die warme Abendluft und reservieren uns für morgen früh vier Plätze im Shuttle nach Quebec City. Da Levis auf der gegenüberliegenden Seite von Quebec liegt, bietet der Campground einen kostenlosen Shuttleservice zur Fähre an. Man muss sich nur am Abend vorher anmelden und da morgen Sonntag ist, werden wir wohl weder eine Werkstatt noch jemanden bei der Vermietstation erreichen. Also können wir den Tag auch genießen.

 

29.07.2018

Nach einer erholsamen Nacht ist die Laune wieder etwas besser. Die Dusche ist erfrischend und um  8:45 Uhr treffen wir uns an der Rezeption. Zwei Wagen bringen uns und zehn weitere Personen in knapp einer viertel Stunde zum Fähranleger nach Levis, von wo jede halbe Stunde die Fähre zwischen Levis und Quebec City hin und her pendelt. Die Luft hier unten am Wasser ist angenehm kühl, denn obwohl es noch so früh ist, zeigt das Thermometer bereits knappe 30 Grad. Auf der anderen Flussseite angekommen, zieht es uns zuerst Richtung Frühstück. In der Oberstadt gibt es viele kleine Straßencafes, in denen man wunderbar sitzen, essen und dem Treiben ringsherum zuschauen kann. Da sich das heute Morgen scheinbar ziemlich viele Leute gedacht haben, ist in unserem Lieblingscafe leider kein Platz mehr für uns draußen zu kriegen und wir müssen drinnen essen.

Wir bekommen aber einen Tisch direkt am Fenster mit einer schönen Aussicht direkt auf das Chateau Frontenac. Das riesige Hotel überthront die ganze Stadt und ist das Wahrzeichen Quebecs. Über eine Stunde sitzen wir beim Frühstück und ich bin froh, für heute eine so gute Verpflegungsmöglichkeit zu haben. Nach dem Frühstück bummeln wir durch die Straßen Quebecs, zuerst durch die Oberstadt und dann bergab durch die schmalen, kopfsteingepflasterten Gassen der Unterstadt. Die Unterstadt gefällt uns wesentlich besser als die Oberstadt und erinnert uns mit ihren steinernen Häusern, den Marktplätzen und dem Kopfsteinpflaster eher an die Bretagne wie an eine nordamerikanische Stadt. Obwohl unglaublich viele Touristen unterwegs sind, hat sich Quebec einen unverwechselbaren Charme erhalten, weit weg von den hektischen, lauten, einheitlich gebauten Großstädten.

Auf unserem Weg durch die Stadt treffen wir auf Einrad fahrende Straßenkünstler, denen wir eine ganze Weile zugucken und auf einen Mexikaner, der nach eigener Aussage mit seinen Auftritten Geld sammeln will, um von Mexiko aus eine Mauer zu bauen, um Mexiko vor Trump zu schützen. Das Gelächter ist groß und sein Hut am Ende seiner Darbietung gut gefüllt.

Wie üblich müssen wir noch einmal in den Weihnachtsladen, denn wir bringen jedes Jahr aus unseren Urlauben etwas für unseren Weihnachtsbaum zu Hause mit. Dieses Mal fällt die Wahl auf ein Marshmallowmännchen aus Keramik, welches in der Weihnachtszeit mit in unseren Baum darf.

Auf der Suche nach den üblichen Touristen T-Shirts für Maya und Liz gehen wir in diversen Läden ein und aus, bis beide am Ende ein für sie passenden T-Shirt ergattert haben. Am frühen Nachmittag steht die Hitze regelrecht in den Straßen und die Luft ist zum Schneiden. Zum Glück gibt es Bereiche auf den Gehwegen, in denen kalter Wasserdampf aus dem Boden kommt. 

Wir setzen uns in ein kleines Lokal und bestellen jeder ein großes Glas eiskalte Zitronenlimonade. Die ist superlecker und macht uns noch einmal fit für weitere zwei Stunden Stadtbummel. Wir durchkämmen die Tourishops, die Andenkenläden und gucken uns sämtlichen Nippes an, den Quebec so zu bieten hat. Mitgenommen wird aber nichts mehr. Um 17 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Fähre, die um halb sechs wieder nach Levis ablegt. Dort holen wir im Tim Hortons noch schnell vier Flaschen Cola bzw. Wasser raus und um 18 Uhr wartet auch schon unser Shuttle auf uns. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz ist uns an der Straße ein Farmladen aufgefallen und so beschließen Mike und ich, noch schnell mit dem Wohnmobil dorthin zu fahren. Die beiden Mädels haben keine Lust mitzukommen und bleiben lieber auf dem Campingplatz. Der Farmladen ist nur etwa zehn Minuten entfernt und der Weg hat sich gelohnt. Hier gibt es frisches Obst und Gemüse, Eier, Käse, Blumen, Brot und Kuchen. Da wir außer dem Frühstück und ein bisschen Schleckereien noch nichts gegessen haben, nehmen wir uns frisches Gemüse und Brot für unser Abendessen mit. Als es bereits dunkel ist, schmeiße ich noch schnell eine Ladung Wäsche in die Maschine und Mike geht mit Maya und Liz Billard spielen. Die drei haben heute Abend viel mehr Ausdauer als ich und so endet der Abend für mich nach der Wäscherei im Bett, wo ich es mir mit einem Hörbuch gemütlich mache. Ich bin scheinbar recht schnell eingeschlafen, denn als ich irgendwann in der Nacht wach werde, liegen alle drei in ihren Betten und ich habe keine Ahnung, wann sie dort hingekommen sind.

 

30.07.2018

Montagmorgen, der nächste Tag ohne Kühlschrank. Da es heute und in den nächsten Tagen wieder ziemlich heiß werden soll und wir immer noch niemanden erreicht haben, der uns mit dem nicht arbeitenden Kühlschrank weiterhelfen könnte, beschließen wir, zu Walmart zu fahren und dort nach einer Kühlbox zu suchen. Nach einer kühlen Dusche und ohne Frühstück fahren wir den kurzen Weg zu Walmart, betreten voller Optimismus den Laden, denn bei Walmart bekommt man ja eigentlich alles… außer Kühlboxen fürs Auto. So ein Mist. Die Verkäuferin empfiehlt uns Canadian Tire, die sollen welche haben. Bei uns macht sich neben der sinkenden Laune auch der Hunger breit du da wir ja jetzt frisch einkaufen können, nehmen wir gleich was fürs Frühstück mit und machen es uns auf dem riesigen Parkplatz gemütlich. Es gibt frischen, kalten Orangensaft, Brötchen mit Wurst und Käse sowie frisch geschnittenes Obst. Mmmh, lecker. Jetzt alles wieder wegräumen und weiter zu Canadian Tire, einer Art Baumarkt mit so ziemlich allem, was man sich für im und ums Haus und Auto vorstellen kann. Maya und Liz haben keine Lust auf Baumarkt und so gehen Mike und ich, wieder voll guter Hoffnung in den Laden und wieder verlassen wir ihn ohne Kühlbox. Hier gibt es zwar welche, die sind aber so teuer, dass wir sie ohne vorherige Absprache mit unserem Wohnmobilvermieter  Cruise Canada nicht einfach so kaufen dürften. Und bei denen ist ja seit Tagen niemand erreichbar!

Wir überlegen, wie es jetzt weitergeht, ob wir uns ins Auto setzen und direkt ungeplant nach Montreal zur Vermietung durchfahren, denen den Wagen auf den Hof stellen und einen neuen haben wollen. Das sind aber mal eben gute 600 Kilometer Umweg für uns und so hängt sich Mike mal wieder ans Handy. Um die beiden Mädels aus ihrer Langeweile zu befreien, gehe ich mit den beiden zu Winners. Das ist ein Klamotten- und Dekoladen mit einer riesigen Auswahl und wir stöbern uns durch Unmengen an Kleidung. Die beiden Damen belagern die Umkleidekabinen und wir gehen tatsächlich nur mit einem Pullover für mich sowie zwei Shorts und zwei T-Shirts für Maya und Liz und 126 CAD ärmer da wieder raus. Am Wohnmobil angekommen hat Mike endlich jemanden bei Cruise Canada erreicht. Der will gleich zurückrufen und uns sagen, wie es weitergehen soll. Auf der anderen Straßenseite haben wir Cora´s entdeckt, unser Lieblings- Frühstückslokal und wie lässt sich die Wartezeit besser überbrücken als mit einem zweiten Frühstück? Schnell haben wir bestellt und genauso schnell stehen die großen Portionen vor uns. Wir freuen uns über Pancakes, Spiegeleier, Speck, Bratkartoffeln, Obst, Kaffee und kalten Orangensaft. Und wir warten und warten auf den Rückruf. Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelt das Handy, Mike geht nach draußen um zu telefonieren und kommt resigniert wieder zurück. Jetzt ist durch die ganze Telefoniererei das Guthaben leer und das Gespräch abgebrochen. Kann eigentlich noch mehr hierbei schief gehen?

Uns bleibt erstmal nichts anderes übrig, als zum Campingplatz zurück zu fahren. Da wir erstmal nicht weiter wissen, nehmen wir um 16 Uhr den Shuttle nach Quebec und fahren nochmal in die Stadt rein.

Direkt am Fährterminal entdeckt Mike eine Telefonzelle und da Cruise Canada innerkanadisch kostenfrei zu erreichen ist, flitzt Mike in die Telefonzelle, verbarrikadiert sich dort und versucht die nächsten zwei Stunden, jemanden an den Apparat zu kriegen. Maya, Liz und ich bummeln noch einmal durch die verschiedenen Souvenirläden aber so richtig Lust haben wir heute irgendwie nicht. Die Laune ist ganz unten, der Tag irgendwie hinüber und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Zwar nur leicht und war ist es immer noch aber es trägt nicht zu Besserung vor allem meiner Stimmung bei.Um kurz nach sechs kommt Mike zurück. Die Ansage von Cruise Canada lautet: Kommen Sie morgen nach Montreal, dann reparieren wir den Kühlschrank. Also doch nach Montreal. Dabei wollten wir doch erst in ein paar Tagen dorthin. Da wir irgendwas zum Abendessen brauchen, setzten wir uns wieder in eins der kleinen Straßenlokale und bestellen 3x Salat und ein Sandwich. Die sind richtig lecker. Danach geht’s zurück zur Fähre und dann zum Campground, den wir um 21 Uhr wieder erreichen. Ich steck noch schnell zwei Ladungen Wäsche in die Maschinen, wir räumen alles zusammen und dann geht’s ins Bett, damit wir morgen früh zeitig los können.

 

 

31.07.2018

Nach einer kurzen Nacht und ohne Frühstück machen wir uns auf den Wag nach Montreal. Die Fahrt dauert knapp vier Stunden und gegen 11 Uhr betreten wir die Filiale von Cruise Canada. Wir werden bereits erwartet und die erste Ansage klingt vielversprechend: „In zwei Stunden sind sie hier weder weg“. Oh, das hört sich gut an. Dann könnten wir den Weg zurück heute noch schaffen und den reservierten Campingplatz auch benutzen. Da es fast Mittag ist und wir noch nichts gegessen haben, suchen wir nach einer Möglichkeit, an etwas Essbares zu kommen. Nicht weit von der Vermietstation entfernt ist ein Frühstückslokal und wir beschließen, die Wartezeit mit einem Frühstück zu überbrücken. Wir bestellen Waffeln, Pancakes mit Obst, Spiegeleier, Kaffee und kalte Milch. Da es so heiß ist, bekommen wir noch ein großes Glas Wasser dazu gestellt. Als die Bedienung unsere Teller bringt, stockt uns erstmal der Atem. Ich kenn ja große, kanadische Portionen aber sowas habe ich noch nicht gesehen. Liz bestellte Portion Pancakes besteht zum Beispiel aus drei riesigen, tellerfüllenden Pfannkuchen mit Sahne und Obst.

Tapfer kämpfen wir uns durch die Berge auf unseren Tellern und die schmecken richtig gut. Sehr, sehr satt und wieder zufriedener machen wir uns auf den Weg zurück zu Cruise Canada. Die zwei Stunden sind so gut wie vorbei- dann kann es ja gleich weitergehen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Aus den zwei Stunden werden sieben, der Kühlschrank will nicht, dann wird ein neuer eingebaut, der hat dann keinen Strom, die Mechaniker werden nervös, der Filialleiter auch, denn er hat keinen Ersatzwagen für uns auf dem Hof stehen. Am späten Nachmittag ist klar, dass wir den Rückweg nach Quebec zu unserem gebuchten Campingplatz heute nicht mehr schaffen werden und irgendwo in Montreal bleiben müssen. Der Filialleiter telefoniert und hat irgendwann einen Stellplatz in einem stadtnahen Park für uns reserviert. Die Filiale von Cruise Canada bleibt heute länger geöffnet und irgendwann gegen Abend funktioniert der Kühlschrank plötzlich. Ich wage noch gar nicht daran zu glauben, als wir endlich vom Hof fahren. Die Wegbeschreibung zu unserem Stellplatz für heute Nacht in der Hand machen wir uns auf den Weg und halten erstmal beim nächsten Walmart. Der Kühlschrank muss schließlich wieder gefüllt werden. Ich kaufe lieber erstmal etwas weniger ein- wer weiß, ob der neue Kühlschrank uns nochmal überrascht.

Es ist schon dämmrig, als wir im Parc dÓka ankommen. Der Campingplatz liegt mitten im Wald und es ist so schwül, dass Tische und Bänke feucht sind und die Mücken draußen einen Freudentanz aufführen. So bleiben wir im Wohnmobil, machen Reissalat, spielen Karten und gehen früh ins Bett. Mit einem Hörbuch und der Aussicht, dass wir ab jetzt wie geplant weiterkommen, schlafe ich ziemlich schnell ein.

 

01.08.2018

Da wir früh im Bett waren,  sind wir auch früh wieder wach. Mein erster Gang führt zum Kühlschrank… alles kalt und das Gefrierfach tut auch seinen Dienst. Na also, geht doch. Draußen regnet es und da die Sanitäranlagen echt schon bessere Zeiten gesehen haben, benutzen wir alle zum ersten Mal die Dusche im Wohnmobil. Wir frühstücken kurz, spülen, räumen zusammen und fahren los. Der Regen hat schnell wieder nachgelassen und so halten wir zuerst am parkeigenen Strandbad. Hier sind schon einige Eltern mit Kindern am Sandstrand oder im flachen, sehr warmen Wasser unterwegs.

Wir testen kurz die Wassertemperatur mit den Füßen und weiter geht die Fahrt zurück Richtung Quebec in den Mauricie Nationalpark . Hier hätten wir eigentlich gestern schon hingewollt. Am frühen Nachmittag kommen wir an unserem Campingplatz an, schließen den Wagen ans Stromnetz an und schauen uns um. Der Platz ist klein mit schön privat gelegenen Stellplätzen und das Beste: Das Dusch- und Toilettenhäuschen ist nagelneu. Erstbezug für uns sozusagen. Und keine 30 Meter vom Wohnmobil entfernt.  Direkt neben unserem Stellplatz befindet sich ein Wasserhahn, so dass wir nicht auf unsere Reserven im Wassertank zurückgreifen müssen. Wir holen Brownies und Cookies aus dem Schrank, machen es uns auf der Bank draußen gemütlich und genießen das Nichtstun. Am frühen Abend laufen wir los und wollen uns den ausgeschilderten Wasserfall ansehen. Gute zwei  Kilometer ist der Weg dorthin und es geht bergauf und bergab. Der Weg lohnt sich, denn der Wasserfall ist wunderschön. Steil gehen die Steine von uns aus gesehen bergauf und nebenher plätschert das Wasser. Eigentlich wollen wir auf den Steinen herumspazieren, aber dort sind mehrere Leute, die scheinbar eine Trauerfeier abhalten und so halten wir uns etwas fern. Es gibt einen Rundweg um den Wasserfall herum, den wir einmal ablaufen. Danach bummeln wir ziellos durch die Gegend und entdecken einen Kanu-, SUP-, und Tretbootverleih. Das könnte was für morgen werden.

Auf dem Rückweg springt mit einem Mal ein Frosch aus dem Gebüsch auf den Weg vor unseren Füßen. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Chipmunk auf, beißt den Frosch tot und lässt ihn liegen. Ziemlich perplex nehmen wir das so zu Kenntnis, hatten wir doch Chipmunks bisher für süße, niedliche, kleine Tierchen gehalten. Das gerade war gar nicht süß und niedlich.

Bei Walmart hatten wir gestern Lachs gekauft, der kommt heute Abend mit Gemüse auf den Grill. Das Feuer knistert, das Essen schmeckt und die schlechte Laune der letzten Tage ist wie weggeblasen. Wir sitzen noch lange draußen, genießen die kühler werdende Luft im Schein des Feuers und spielen mal wieder Karten. So wird es fast Mitternacht, bis wir im Wohnmobil verschwinden.

 

02.08.2018

Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht starten wir erst spät in den Tag. Heute haben wir nichts vor und so schlafen wir erst in Ruhe aus, Mike und ich etwas kürzer, Maya und Liz etwas länger. Die Dusche im nagelneuen Duschhaus ist geräumig, sauber und wunderbar kühl und auch zum Zähne putzen habe ich das ganze Häuschen für mich allein. Obwohl es heute früh genieselt hatte, scheint jetzt die Sonne und es ist ganz schön heiß. Nachdem alle geduscht haben, frühstücken wir draußen und genießen Toast, Brötchen, Wurst, Käse, Obst, Kaffee, Kakao und eiskalten Orangensaft mit nettem Besuch.

Nach dem täglichen Chaos beseitigen gehen wir wieder zum Kanuverleih. Maya und Liz entscheiden sich für SUPs, Mike und ich nehmen lieber ein Tretboot. Alle vier stechen wir in See und erkunden den See vom Wasser aus.

Mittendrin gibt es eine kleine Insel, auf der es sich schon Leute mit Handtüchern und Badesachen gemütlich gemacht haben. Nach zwei Stunden bringen wir unsere Siebensachen zurück, gehen zum Wohnmobil und ziehen uns Badesachen an. Danach geht’s nochmal zum Wasserfall. Hier ist es heute rappelvoll aber wir finden noch ein Plätzchen auf einem der abgerundeten Felsen und machen es uns bequem. Einige der Wasserbecken zwischen den Felsen sind so tief, dass man fast ein paar Züge schwimmen kann, in den meisten Becken kann man bequem wie in einem kleinen Pool sitzen und das kühle Wasser genießen.

Bis zum späteren Nachmittag bleiben wir hier, dann zieht es uns zurück zum Wohnmobil. Mit trockenen Sachen spielen wir Karten, lesen, machen Rätsel und schmeißen am Abend mal wieder den Grill an. Heute gibt es Schnitzelchen vom Grill mit Nudeln und Gemüsesauce.

 

03.08.2018

Hier im Mauricie Nationalpark sind die Nächte wunderbar ruhig. Nichts und niemand regt sich und so wachen wir heute früh wieder erholt und ausgeschlafen auf. Da wir um 11 Uhr unseren Stellplatz verlassen müssen, geht’s es zuerst zu den Duschen, danach gibt’s Frühstück und dann wird gespült und aufgeräumt. Morgenroutine im Wohnmobil. Pünktlich räumen wir unseren Stellplatz. Da heute nichts Weiteres ansteht als den Weg, jetzt geplant, nach Montreal anzutreten, beschließen wir, vor der eigentlichen Fahrt noch einen der schönen Wanderwege mitzunehmen. Wir entscheiden uns für einen 3,8 Kilometer langen Rundweg, der auf der Karte gar nicht so wild aussieht. Dass diese 3,8 Kilometer zur Hälfte steil bergauf gehen, stand leider vorher nirgendwo. Draußen ist es wieder unglaublich heiß und schwül und so klebt mir schnell das T-Shirt am Rücken und ich krieche keuchend den an sich wunderschönen Waldweg entlang. Es kann doch nicht sein, dass ich mich im Schneckentempo den Weg entlangschleppe  und die anderen drei immer wieder auf mich warten müssen. So peinlich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir wieder am Wohnmobil an und es beruhigt mich etwas, dass auch der Rest der Familie nass geschwitzt ist und wir uns allesamt erst einmal waschen und wieder trocken anziehen müssen. Außerdem gibt’s viel zu trinken. Jetzt haben wir uns bewegt, dann kann es ja losgehen. Vom Mauricie Nationalpark aus fahren wir Richtung Quebec, dort auf den Trans-Kanada-Highway und dann immer geradeaus. Kilometer für Kilometer spult der Tacho runter, der Tempomat sorgt für konstantes Tempo und an den Fenstern ziehen Wiesen, Felder und ziemlich plattes Land an uns vorüber. Maya und Liz haben die Köpfe auf den Tisch gelegt und sind beide eingeschlafen, Mike liest und ich halte das Steuer gerade. Am späten Nachmittag kommen wir in Montreal an und drehen noch schnell eine Runde durch Walmart. Irgendwas fehlt ja immer. Unser Campingplatz für die nächsten zwei Tage ist der stadtnahe KOA-Campground und so stellen wir das Wohnmobil am reservierten Stellplatz ab und versorgen den Großen mit allen nötigen Anschlüssen. Da es auch vom stadtnahen Campingplatz zu weit ist, um heute noch in die Innenstadt Montreals zu kommen, verbringen wir den restlichen Nachmittag mit faulenzen und lesen und nutzen das freie WLAN. Ich wasche nebenbei mal wieder eine Ladung Wäsche durch. Am frühen Abend schmeißen wir den Grill an und grillen Kartoffeln mit Spargel und Pilzen.  Später, es ist noch hell, meinen die beiden Mädels, sich für heute noch nicht genug bewegt zu haben und wollen noch zu ihrer 10 -Kilometer-Runde aufbrechen. Nach knapp anderthalb Stunden sind beide zurück und beide haben als Mückenmahlzeit hergehalten. Allein Maya hat 19 neue Mückenstiche. Da beide wunderbar duften, verdonnere ich sie erst mal zu einem Besuch im Duschhaus. Mike und ich sitzen noch kurz draußen, doch auch hier nerven langsam die Mücken. Als die beiden Damen aus der Dusche kommen, verziehen wir uns alle nach drinnen und spielen mal wieder Karten. Nach diversen Runden Uno und Wizzard geht’s ins Bett.

 

04.08.2018

Ich bin schon früh wach, setzte mich nach draußen und genieße die Ruhe auf dem Campingplatz. Bereits heute früh ist es heiß und drückend, richtige Gewitterluft. Zum Frühstück gibt es viel Obst und kalten Orangensaft, danach brechen wir auf Richtung Downtown Montreal. Obwohl der KOA Campground einer der stadtnächsten Campingplätze ist, ist es doch noch eine gute halbe Stunde Fahrzeit von der Metrostation nach Downtown entfernt. Während wir den Highway dahinrauschen verdunkeln sich die Wolken immer mehr. Zuerst bleigrau sind sie später schwarz und hängen tief über der Stadt. Ganz Montreal scheint in einer dicken, dunklen Wolke zu versinken. Nach ersten Tropfen auf der Windschutzscheibe prasselt ein dicker Gewitterregen auf uns runter und wir sind froh, noch im Wohnmobil zu sitzen. Nur Mike ist wenig begeistert, denn man sieht beim Fahren kaum die Hand vor Augen. In Longeuil parken wir unseren Riesen auf dem Metroparkplatz. Hier stehen bereits mehrere Wohnmobile und wir reihen uns mit ein, holen einen Tagesparkschein und machen uns auf in den Untergrund Montreals. Die Zugverbindungen sind super unkompliziert, es gibt vier Strecken, die durch Farben gekennzeichnet sind und Montreal von Nord nach Süd und West nach Ost verbinden. Bereits nach drei Haltestellen steigen wir einmal um und sind kurz danach mitten in Downtown. Es regnet immer noch leicht, als wir aus der U-Bahn-Station ins Freie treten. Zuerst gehen wir vorbei an der Kirche Notre Dame durch die alten, kopfsteingepflasterten Straßen Montreals und schlängeln uns mit vielen weiteren Touristen durch die engen Gassen. Bereits in der U-Bahn waren uns viele bunt verkleidete Personen aufgefallen und auch  hier in der Stadt treffen wir immer wieder auf Elfen, Hexen, Magier und andere Gestalten und Fabelwesen. Im Kongresszentrum findet ein großes Animetreffen statt und der Strom der Fabelwesen zieht dorthin.

Uns vier zieht es Richtung Hafengegend, doch die Begeisterung von letztem Jahr kommt dieses Mal nicht so richtig bei uns an. Wir sind heute irgendwie alle müde und k.o. und so schlappen wir wieder bergauf Richtung Chinatown. Da es seit Tagen heiß und trocken ist, werden die Bäume am Straßenrand mit riesigen Gießkannen gegossen.

 

Wir durchqueren Chinatown und gehen weiter zu der Mall, in der wir letztes Jahr schon waren. Die Nordamerikaner klimatisieren ja jeden Raum und so ist es auch hier in der Mall kühl, fast schon kalt. Im Untergeschoss befindet sich ein food market mit vielen verschiedenen Restaurants. Von süß bis herzhaft, von italienisch bis indisch ist für jeden was dabei. Wir holen uns Butterchicken, Falafel und Panea mit Linsen, setzen uns an einen der freien Tische und genießen unser Mittagessen. Danach stürmen wir mehrere Läden und kommen mit einem Paar Schuhe, zwei neuen Pullovern, einem Touripullover für Liz und viel Schokolade aus dem Lindt Store wieder nach Hause. Eigentlich wollte ich mir noch eine Duftkerze mitnehmen, doch Mike meinte, die sei ja wohl etwas schwer fürs Gepäck. Dann halt nicht. Wir haben alle keine rechte Lust mehr, noch weiter zu bummeln und so nehmen wir die nächste U-Bahn zurück zum Wohnmobil, fahren zum Campingplatz und faulenzen den Rest des Tages. Zum Abendessen schneiden wir uns Mangos auf. Da es mittlerweile wieder trocken ist, sitzen wir draußen auf unserer kleinen Terrasse, als unsere beiden Stellplatznachbarn zu uns rüber kommen. Er ist ein ehemaliger Deutscher, der mit seiner Familie nach dem Krieg nach Kanada gegangen war, seine Lebensgefährtin ist Deutsche und so pendeln die beiden jeweils halbjährig zwischen Kanada und Deutschland hin und her. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit lang und stellen irgendwann anhand des Akzents fest, dass wir in Deutschland gar nicht weit voneinander entfernt wohnen und die beiden sogar unseren Wohnort kennen. Die Welt ist halt ein Dorf. Wir reden und reden bis es dunkel wird, dann verabschieden sich die beiden  und um nicht noch mehr neue Mückenstiche zu riskieren, gehen auch wir rein  und beenden den Tag.

 

05.08.2018

Heute steht ein reiner Fahrtag auf dem Programm, doch bevor wir losziehen, wasche ich noch neben dem Frühstück die Bettbezüge. Die sind durchgeschwitzt  und könnten dringend eine Wäsche vertragen. Wir frühstücken wieder draußen und als die Wäsche durch Waschmaschine und Trockner gelaufen ist, alles gespült und verstaut ist, legen wir ab Richtung Algonquin Park. Den ersten Stopp legen wir bereits nach ein paar Minuten ein, plündern noch einmal schnell den Walmart und kaufen für die nächsten drei Tage ein. Im Algonquin Nationalpark gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten und der nächste Laden ist 70 Kilometer weit weg. Die Fahrt von Montreal über Ottawa in den Algonquin Park dauert gute fünf Stunden. Die Mädels lesen und schlafen, Mike und ich wechseln uns mit dem Fahren ab.

Da sich unterwegs auch der kleine Hunger breit macht und es an jeder Straße irgendwo einen Tim Hortons gibt, halten wir bei einem davon und holen Cheese Sandwichs und Donuts raus. Dann geht’s weiter, schließlich wollen wir heute noch ankommen. Um kurz vor sechs rollen wir auf den Parkplatz des Visitor Centers. Das Thermometer zeigt 33 Grad an, die Sonne scheint und sobald man die Tür vom Wohnmobil aufmacht, erschlägt einen die Schwüle. Im Visitor Center wollen wir uns Broschüren und Kartenmaterial mitnehmen, werden vom Personal freundlich darauf hingewiesen, dass in fünf Minuten geschlossen wird und raffen so schnell alles zusammen, was wir meinen zu brauchen. Danach geht die Fahrt noch etwa 20 Minuten weiter bis zu unserem gebuchten Campingplatz.

Der Pog Lake Campground liegt direkt am See und die Stellplätze liegen mitten im Wald mit einem Boden aus Tannennadeln. Die einzelnen Stellplätze sind schön groß und privat. Wir versorgen unser Wohnmobil mit Strom und erkunden den Campingplatz. Nach der langen Sitzerei tut es gut, sich noch etwas zu bewegen. Wir gehen zum kleinen Sandstrand, wo es heute Abend rappelvoll ist. Überhaupt herrscht hier heute eher Feriencampstimmung als gemütliche Ruhe in einem Nationalpark. Viele Menschen sind noch im Wasser, der Strand ist voll belegt mit Stühlen, Liegen und Decken.  Die untergehende Sonne hüllt den See und den Strand in ein wunderschönes, warmes Licht. Obwohl es mittlerweile schon spät ist, ist es immer noch super heiß und die Menschen sitzen noch draußen vor ihren Wohnmobilen oder Zelten. Nur der Grill ist nirgendwo an. Da die Feuerwehr an verschiedenen Stellen in Ontario gegen Waldbrände kämpft, gilt ein genereller fireban, das bedeutet, dass niemand in ganz Ontario ein offenes Feuer machen darf. Unser Abendessen besteht daher heute aus Nudeln mit grünem Spargel und Pilzen. Wir essen draußen und warten auf etwas kühlere Luft, doch die soll es heute nicht geben. Gegen Mitternacht sind es immer noch 30 Grad und überall dröhnen die Klimaanlagen. Da wir langsam echt müde sind, gehen auch wir ins Bett und auch bei uns dröhnt die Klimaanlage noch mehrere Stunden, bis es gegen Morgen etwas abkühlt.

 

06.08.2018

Bis auf Liz haben wir alle schlecht geschlafen. Mir war zu heiß und Mike und Maya haben sich mit ihren Mückenstichen rumgeplagt. Nach der großen Hitze von gestern hat es am frühen Morgen angefangen zu regnen und als wir aufstehen ist der Himmel stark bewölkt. Für abends sind wieder neue Gewitter angesagt und so herrscht hier am Campground heute früh eine allgemeine Aufbruchsstimmung. Viele Menschen, die hier das Wochenende verbracht haben, packen zusammen und rollen mit Sack und Pack davon. Es leert sich spürbar und so muss ich am Duschhaus gar nicht anstehen, sondern kann direkt in meiner Duschkabine verschwinden. Das kühle Wasser ist super angenehm und nach mir kommen nach und nach auch die drei anderen im Waschhaus an. Tisch und Bänke draußen sind wieder trocken und so frühstücken wir unter hohen Kiefern und in Begleitung von Chipmunks und Eichhörnchen. Denen kann man ja stundenlang zugucken, wie sie über den Boden rennen, dann wieder die Baumstämme hinaufflitzen um gleich darauf wieder irgendwo im Gebüsch zu verschwinden. Da wir es heute nicht eilig haben, spüle ich nach dem Frühstück, dann lesen wir etwas und überlegen, was wir heute so anstellen könnten. Da ja für später am Tag wieder Regen angesagt ist und wir gerne noch ein, zwei Wanderwege abwandern würden, fahren wir am späten Mittag vom Campground aus zum lookout trail. Der Rundweg ist nur 10 Minuten vom Campground entfernt und so stellen wir unseren Wagen schnell auf dem nächsten Parkplatz wieder ab. Der Weg führt als  gut zwei Kilometer langer Rundweg immer durch den Wald und auf der Hälfte der Strecke hat man einen wunderschönen Ausblick über viele, viele Kilometer unbebaute, unbewohnte Landschaft. Hier gibt es nur Bäume, Bäume und… die Poser neben uns. Ken steht mit freiem Oberkörper vor der tollen Kulisse, macht Liegestütze und posiert mal so und mal so, während seine Barbie immer wieder Fotos von ihm macht. Bevor wir anfangen müssen zu lachen, gehen wir lieber weiter und genießen die Ruhe im Wald.

Nach einer knappen Stunde haben wir den ersten Weg geschafft, fahren ein paar Kilometer weiter die Straße runter und halten dort für den nächsten Wanderweg. Auch dieser Weg ist ein Rundweg mit etwa drei Kilometer Länge, auch hier geht es zuerst durch den Wald. Der öffnet sich später zu Wiesen und freien Flächen hin, auf denen Blaubeeren wachsen. Wir setzen uns kurz auf eine der Bänke und genießen die Aussicht, dann machen wir uns doch auf den Rückweg, denn der Himmel zieht sich wieder zu.

 

 

Gerade am Wohnmobil angekommen fängt es an zu regnen und wir überlegen, was wir den Rest des Tages machen. Unsere Entscheidung fällt aufs Visitor Center. Das hat noch fast zwei Stunden geöffnet und Liz kennt die Ausstellung dort noch nicht. Nachdem wir das Wohnmobil auf dem Parkplatz abgestellt haben, gucken wir uns die verschiedenen Tiere und Lebensräume des Algonquinparks in der Ausstellung des Visitor Centers an. Mit viel Liebe zum Detail werden hier die verschiedenen Lebenszusammenhänge  erklärt und anschaulich dargestellt.

Danach gehen wir ein Stockwerk höher, denn hier gibt es ein kleines Restaurant und freies WLAN. Da wir ja nicht grillen dürfen und aufgrund des Regens heute Abend wahrscheinlich auch nicht draußen essen können, bestellen wir uns hier Burger, Pommes, Hotdog und Eintopf. Das ist richtig lecker und nebenbei schreiben wir mit dem daheimgebliebenen Rest der Familie. So vergehen die zwei Stunden wie im Flug und plötzlich ist es 19 Uhr. Das Visitor Center schließt und wir fahren wieder zurück zu unserem Stellplatz am Pog Lake. Hier lassen wir den Abend unspektakulär ausklingen, lesen, spielen Karten, hören Hörbuch und verschwinden später im Bett.

 

07.08.2018

Neuer Tag, neues Wetter. In Kanada wechselt das Wetter manchmal stündlich und nach dem Regen gestern scheint heute Morgen wieder die Sonne. Mike und ich sind deutlich früher wach als die beiden Mädels und so nehmen wir uns Kaffee und Tee mit nach draußen, setzen uns, da die Bänke noch zu feucht sind, in die Campingstühle und genießen die Ruhe, die noch herrscht.

 

Mike liest und ich bearbeite das Sudoku-Heft. Erst eine gute Stunde später steigen Maya und Liz aus dem Bett und ziehen ab Richtung Dusche. Da muss ich auch noch hin. Danach gibt’s wieder Frühstück mit Toast, Salami, Käse, Erdnussbutter, Marmelade, viel frischem Obst, Kaffee, Kakao und Orangensaft. Satt und gestärkt kann das Abenteuer ja heute weitergehen. Wir wollen zum Opeongo Lake, einem See im Algonquinpark, auf dem man wunderbar Kanu fahren kann. Wir koppeln das Wohnmobil ab und fahren ein paar Kilometer auf dem Highway 60, der den Algonquinpark einmal durchquert. Später biegen wir vom Highway auf eine Schotterpiste ab, rumpeln noch ein paar Minuten weiter und kommen dann am Kanuverleih an. Ein ganz schön großes Ding ist das hier, mit eigenem Shop, Verleih von allem, was man so fürs Wasser brauchen kann und einer Menge Personal. Da wir nicht reserviert haben, haben wir Glück, dass wir noch zwei Kanus samt Schwimmwesten, Paddeln und einer orangen Rettungsdose mit Trillerpfeife kriegen. Wir buchen für zwei Stunden, füllen die notwendigen Unterlagen aus, versichern, dass Maya und Liz schwimmen können und schwupps, sitzen wir in zwei silbernen Alukanus. Zuerst paddeln wir in die Flussmündung hinein, in der Hoffnung, auf den angrenzenden Wiesen einen Elch zusehen, doch es will sich keiner zeigen. Dafür zeigen sich hier die Mücken und wir sprühen uns noch im Kanu mit off! ein. Zügig paddeln wir wieder aufs offene Wasser und lassen die Mücken zurück. Dann geht’s halt in die andere Richtung. Hier kommen wir an winzigen, felsigen Inseln vorbei, umrunden die ein oder andere und finden tatsächlich eine, auf der auch ein Haus steht. Nicht irgendein Haus sondern ein richtig tolles Anwesen mit eigenem Bootshaus, Steg, einem gepflegten Garten mit Liegestühlen und viel Platz für sich. Und das alles mit Wasser drumrum. Ich begutachte das Haus so sehr, dass es Mike schon peinlich wird und er wieder aufs offene Wasser rauspaddelt.

Unterwegs treffen wir wieder auf die beiden Mädels, die sich in ihrem Kanu einfach haben treiben lassen. Nach zwei Stunden bringen wir unser Leihmaterial zurück, nehmen noch einen Kühlschrankmagneten aus dem Shop mit und gehen zurück zum Wohnmobil. Da wir heute sonst nichts Weiteres vorhaben und das Wetter so schön ist, verbringen wir den Rest des Tages einfach am Campground. Gegen Abend wollen Maya und Liz mal wieder laufen gehen, um weitere 10 Kilometer auf ihrem Laufkonto gut zu schreiben. Während die beiden sich umziehen und loslaufen, nehmen Mike und ich uns zwei Campingstühle und zwei Flaschen Cola und gehen an den kleinen Sandstrand direkt am See. Hier machen wir es uns bequem und beobachten die immer tiefer stehende Sonne, die langsam hinter den Bäumen verschwindet. Sie taucht den See und den Strand in wunderschöne Farben und geht mit einem flammenden Rot unter.

Außer uns haben sich dieses Schauspiel noch viele andere Leute angeguckt und erst als es wirklich dunkel ist, verlassen alle den Strand. Maya und Liz sind immer noch nicht zurück und langsam machen wir uns ein wenig Sorgen, ob die beiden den Weg auch wieder zurück finden. Schließlich ist es bereits stockdunkel. Gerade als sich Mike mit einer Taschenlampe auf die Suche machen will, kommen die beiden verschwitzt und keuchend zurück. Aus den geplanten 10 Kilometern ist deutlich mehr geworden, denn tatsächlich haben sie die Entfernungen hier unterschätzt. Da wurde der Rückweg etwas länger. Für die beiden gibt’s die zweite Dusche des Tages und ich bereite das Abendessen zu. Es gibt mal wieder Nudeln mit Gemüse, danach wird nur noch aufgeräumt, gespült und dann ist Schluss für heute.

 

08.08.2018

Unsere Tage im Algonquin Nationalpark sind vorbei und bis 11 Uhr müssen wir den Stellplatz frei machen. Nach der morgendlichen Dusche und einem kurzen Frühstück packen wir mal wieder unsere Siebensachen zusammen und rollen pünktlich vom Platz. Unser Ziel für heute ist der Ort Kitchener südwestlich von Toronto und da die reine Fahrzeit bloß gute drei Stunde beträgt, machen wir einen kleinen Umweg an der Georgian Bay entlang nach Wasaga Beach. Hier treffen wir auf einen unglaublich touristisch geprägten Ort mit einem planierten Strand mit Betonkante, Spielhöllen entlang der Wasserkante und einer Unmenge an Menschen.

Im ersten Moment überlegen wir, einfach weiter zu fahren, halten dann aber doch auf einem der vielen Parkplätze und gehen die paar Schritte zum Wasser. Wie überall an der Georgian Bay ist auch hier das Wasser unsagbar klar. Und unsagbar warm ist es hier auch. Wir ziehen die Schuhe aus und waten  eine Weile im flachen Wasser rum. Ich überlege, ob ich noch meine Badesachen aus dem Wohnmobil hole und richtig ins Wasser gehe, doch die anderen drei sind lustlos und wollen nur weiter. Also füge ich mich der Mehrheit und so sitzen wir nach kurzer Zeit wieder im Wagen und fahren über schnurgerade Straßen Richtung Kitchener. In dieser Ecke Ontarios sind die Straßen wie ein Schachbrett angelegt, also biegen wir mehrmals im 90 Grad Winkel ab, fahren wieder viele Kilometer geradeaus, biegen wieder ab, fahren weiter und stehen am Nachmittag an der Einfahrt unseres Campgrounds. Es ist ein familiengeführter Platz und ich habe noch nie einen so herzlichen Empfang erlebt. Direkt an der Schranke kommt eine junge Frau auf uns zu, begrüßt uns herzlich und zeigt uns unseren Stellplatz. Danach gehen Mike und ich zur Anmeldung ins Büro. Auch dort sind die Leute herzlich und freundlich, der Familienhund kommt uns schwanzwedelnd entgegen und holt sich seine Streicheleinheiten ab und beim Rausgehen kriegen wir noch Zuccinis aus dem eigenen Garten in die Hand gedrückt. Die kommen heute Abend in die Nudelsauce. Wir nehmen uns ein paar Cookies und Brownies mit raus, essen was und gucken uns dann den Campingplatz an. Für einen privat geführten Platz ist der ganz schön groß und es gibt einen Minigolfplatz, einen Pool, einen großen Spielplatz und neben der Snackbar einen nagelneuen Tennisplatz. Den werden wir wohl heute nicht mehr brauchen. Wir vertrödeln den Rest des Tages auf dem Platz und gehen früh ins Bett, denn morgen müssen wir zeitig raus.

 

09.08.2018

Um sieben Uhr schellt der Wecker. Duschen, Zähne putzen, zusammenräumen, Wagen abkoppeln. Ohne Frühstück verlassen wir den Campground, denn unser erster Weg führt heute zum Farmers Market nach St. Jacobs. Nur wenige Kilometer von unserem Stellplatz letzte Nacht entfernt, findet zweimal die Woche der größte Bauernmarkt Ontarios statt. Die Gegend ist geprägt von Landwirtschaft und so verkaufen hier die Bauern alles, was die Felder, Gärten und Ställe hergeben. Viele Menoniten verkaufen hier traditionell hergestellte Produkte, von Obst und Gemüse über Woll- und Stoffwaren bis hin zu Schuhen und Dekoartikeln.

An vielen Ständen fallen altdeutsche Namen auf und Birkenstockschuhe sind der Renner hier. Am liebsten mit hochgezogenen Socken drin. Die Auswahl hier ist riesig und wir brauchen eine Weile, bis wir uns für Frühstück und Getränke entschieden haben. Wir suchen uns eine ruhige Ecke in dem Gewusel und essen unsere Bacon and Egg Toasties mit viel Ahornsirup. Mmmmhhh, lecker. Dazu gibts frischgepresste Säfte und heißen Kaffee. Neben der großen Markthalle findet ein Teil des Marktes auch draußen statt und so gucken wir uns erst innen um und danach gehen wir raus, um dort über die riesigen Stände mit Erdbeeren, Pfirsichen, Kartoffeln, Paprika oder Tomaten zu staunen. Hier gibt es alles, was das Gemüseherz begehrt und wir verlassen den Markt mit frischen Kartoffeln, Erdbeeren und Blaubeeren.

Ich hätte gerne noch andere Sachen mitgenommen, aber wir sind nicht mehr so viele Tage im Wohnmobil, als dass wir diese Mengen wegkriegen würden. Wieder zurück am Wohnmobil, verstauen wir unsere Einkäufe und los geht’s nach Niagara Falls. Die Fahrt dauert nur etwa anderthalb Stunden und ist recht ereignislos. Am frühen Nachmittag rollen wir auf den KOA Campground Niagara Falls. Hier waren wir 2015 schon einmal und waren zufrieden. Der Platz ist ruhig gelegen und direkt am Eingang fährt der Bus zu den Niagarafällen ab. So kann man die riesigen Wohnmobile die ganze Zeit fest stehen lassen und ist trotzdem mobil. Sehr praktisch. Zudem gibt es nicht irgendwelche Karten für den einen oder den anderen Bus, für Zone XY oder eine bestimmte Zone, nein, es gibt 24 oder 48 Stunden Karten und damit kann man dann eben für diese Zeit in jeden Bus springen und dahin fahren, wo man eben hin möchte. Sehr praktisch das Ganze. Wir kommen erstmal in Ruhe auf dem Campingplatz an, versorgen den Wagen mit Anschlüssen und uns mit kalten Getränken, laufen eine Runde über den Platz und inspizieren die Toilettenhäuschen. Zum Glück hat sich gegenüber unserem letzten Besuch nichts geändert, Duschen und Toiletten sind supersauber. Gegen Abend machen wir uns auf den Weg zu den Niagarafällen. Die Busfahrt dauert eine gute halbe Stunde, dann stehen wir direkt neben den reißenden Wassermassen im Sprühnebel der weltberühmten Wasserfälle. Wieder bin ich überwältigt von diesen Unmengen an Wasser, die sich dort hinabstürzen und auch, wenn die Wasserfälle an sich gar nicht so hoch sind, spürt man doch die unbändige Kraft des Wassers, wenn man direkt daneben steht.

Außer uns stehen hier heute Abend noch unzählige andere Menschen aus aller Welt, es ist brechend voll und man muss schon aufpassen, nicht irgendeinen Selfiestick an den Kopf zu bekommen. Wir gehen ein Stück die Promenade entlang, hier ist es etwas weniger voll. Im Juli und August gibt es hier jeden Abend um 22 Uhr ein Feuerwerk und die Wasserfälle werden mit verschiedenen Farben angeleuchtet. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so warten wir auf die völlige Dunkelheit. Das Feuerwerk ist richtig lang und richtig schön, es gibt rote Herzen, goldene Funken, lila Fontänen und blitzende Bälle am Himmel und das Wasser leuchtet abwechselnd in Rot, Lila, Gelb, Blau oder im Muster der kanadischen Flagge. Nur das Ahornblatt fehlt.

Um halb elf ist das Spektakel vorbei und wir laufen zur nächsten Bushaltestelle. Irgendwas scheint heute Abend mit den Busverbindungen nicht zu stimmen, denn an der Haltestelle kommt und kommt kein Bus und irgendwann warten hier Massen an Menschen. Um halb zwölf kommt endlich ein Bus und wir haben Glück, dass wie so weit vorne stehen. Natürlich passen nicht alle Leute in den Bus und so müssen viele draußen bleiben und auf den nächsten Bus warten. Um kurz nach Mitternacht kommen wir wieder am Campground an und verschwinden schnell in den Betten.

 

10.08.2018

Wer spät ins Bett geht, schläft morgens was länger. Die Zeit haben wir heute und da wir nicht mehr viel zum Frühstück da haben, gehen Mike und ich zuerst zum nächsten Supermarkt. Der ist innerhalb von zehn Minuten zu Fuß zu erreichen und hat eine gute Auswahl mit allem, was wir so brauchen. Heute ist Freitag und der Campground füllt sich schon am Vormittag deutlich mit den Wochenendcampern. Wir frühstücken vor unserem Wohnmobil und beobachten dabei das Abfahren und Ankommen um uns herum. Neben uns parkt ein riesiger Wohnanhänger, der eine Familie mit Vater, Mutter und drei Kindern beherbergt. Die scheinen ihren kompletten Haushalt dabei zu haben, denn neben Fahrrädern in verschiedenen Größen kommen Stühle, Liegen, Dekolampen, Holzspiele und diverse Bälle zum Vorschein. Bereits gestern haben wir Tickets für eine abendliche Bootstour für heute besorgt und da wir uns nicht von mittags bis Mitternacht an den Niagarafällen aufhalten wollen, genießen wir den ersten Teil des Tages auf dem Campingplatz und fahren erst am Nachmittag ins Zentrum des Touristenwahnsinns. Ich wasche nochmal Wäsche, wir spielen Kniffel und am späten Nachmittag nehmen wir den Bus. Obwohl die Hauptattraktion in Niagara Falls die eigentlichen Wasserfälle sind, ist um diese herum eine Stadt aus Kunst und Kommerz entstanden. Über mehrere Straßenzüge hinweg gibt es alle möglichen Attraktionen, Restaurants, Souvenirshops und viele andere Bespaßungen. Wir lassen uns mit den Massen der Leute, heute sind noch mehr Menschen hier als gestern, durch die Straßen treiben, besuchen ein Funhouse und den angrenzenden Süßigkeitenladen und finden dann, direkt neben dem unübersehbaren Riesenrad, eine Minigolfanlage. Da wollen wir hin. Die Anlage ist ziemlich groß und überall stehen Dinosaurier rum. In der Mitte gibt es einen Vulkan, der alle paar Minuten eine riesige Feuersäule ausstößt. Die Wärme spürt man über den ganzen Minigolfplatz und zusätzliche Wärme braucht man heute ganz bestimmt nicht. 

 

 

Nach gut einer Stunde haben wir alle den Parcour absolviert, ich habe mit Abstand verloren, und wir suchen jetzt was Kühles zu trinken. Das finden wir wie immer bei Tim Hortons. Hier gibt es neben Bageln und Donuts auch eiskalte Cola. Mittlerweile wird es dämmrig und wir gehen die Straßen bergab zum Bootsanleger. Wie gut, dass wir bereits Karten haben. Vor den Ticketschaltern und –automaten stehen Schlangen von Menschen, die bestimmt zwei Stunden anstehen, um noch ein Karte für eine der Bootstouren zu bekommen. Wir können direkt durchgehen, setzen uns am Anleger auf eine der Bänke und vertreiben uns die Zeit mit Blödsinn. Damit geht die Zeit immer schnell rum und schwupps stecken wir in schönen roten Plastiksäcken und pferchen uns mit 400 anderen Personen auf ein Boot. Von diesen Booten fahren zwei Stück zeitgleich raus und von der amerikanischen Seite kommen auch noch einmal zwei Boote. Wer hier Romantik erwartet, ist definitiv falsch. Da wir die ja aber gar nicht erwartet haben, macht die ganze Sache Spaß. Die Musik dröhnt über das Schiff, die Bässe wummern und wir nähern uns den Wasserfällen. Schon nach kurzer Zeit sind wir ziemlich nass und ich bin froh, meine Brille im Rucksack verstaut zu haben. Die Wasserfälle wirken von hier unten noch gewaltiger als von oben und mit den verschiedenen Farben sieht es echt toll aus. Mittendrin fängt auch das allabendliche Feuerwerk wieder an und alles zusammen ist ein super Erlebnis.

 

Viel zu schnell ist diese Bootstour wieder vorbei, wir klettern bergauf Richtung Bushaltestelle und siehe da, auch heute Abend kommt kein Bus. Es ist immer noch sehr warm und viele Leute haben sich auf die Bordsteinkante gesetzt. Plötzlich springen die Menschen der Reihe nach wie bei einer Laola- Welle im Stadion auf und kommen die Straße runter. Zuerst wissen wir gar nicht, was mit einem mal los ist, doch dann sehen wir ES: Ein kleines, schwarz-weißes Tier schafft es, die Menschenmassen in Bewegung zu versetzen und alle fliehen vor dem Stinktier. Wir haben noch kein Stinktier so aus der Nähe gesehen und sind völlig fasziniert, aber ein bisschen beiseite gehen wir lieber auch. Leider kriege ich das Stinktier auf die Schnelle nicht scharf auf ein Foto und so muss ein unscharfes Bild als Beweis für das wahrscheinlich unbeliebteste Tier in Niagara Falls herhalten.

Irgendwann kommt doch wieder ein Bus und wir fahren wie am Vorabend zurück zum Campground. Gleiche Strecke, selbe Uhrzeit, same procedure as yesterday.

 

11.08.2018

Es ist Samstagmorgen und unser letzter richtiger Tag im Wohnmobil bricht an. Wir haben noch einen Tag hier in Niagara Falls und den genießen wir mit ganz viel Nichtstun. Wir schlafen aus, frühstücken ausgiebig und lesen uns dabei dumme Witze vor. Bei einigen müssen wir so lachen, dass unsere Nachbarn und komisch angucken und wahrscheinlich Merkwürdiges von uns denken. Egal, die sehen wir wahrscheinlich nie wieder. Am Nachmittag fahren wir ein letztes Mal rein ins Chaos, bummeln durch den Ort, besuchen eine der vielen Spielhöllen und gehen lecker Essen. Danach gibt’s noch Nachtisch vom Fudgehouse.

Und dann geht es zurück zum Campground. Hier lassen wir den Tag ganz unspektakulär ausklingen, sitzen noch bis zur Dunkelheit draußen, genießen die warme Luft, reden und beobachten die Leute um uns herum. Diese Momente der Gelassenheit sind es, die ich an den Sommerwochen im Wohnmobil so sehr liebe.

 

 12.08.2018

Heute früh verabschieden wir uns aus Niagara Falls. Da wir erst um 11 Uhr unseren Stellplatz räumen müssen und heute sonst nichts Weiteres vorhaben, lassen wir uns noch Zeit. Wir frühstücken in aller Ruhe unsere verbliebenen Reste weg, ich wasche noch ein letztes Mal etwas Wäsche für die nächsten Tage und dann machen wir uns auf den Weg Richtung Toronto. Die Straßen sind frei und so kommen wir zügig nach knapp zwei Stunden in unserem Campingplatz an. Heute steht nur aufräumen, packen, ausmisten und saubermachen auf dem Programm. Maya und Liz nutzen das freie WLAN des Campinglatzes, während Mike und ich schon mal anfangen, unseren Krempel aus den Schränken, Fächern und Schubladen in die Taschen zu verpacken. In den letzten vier Wochen ist doch wieder was dazu gekommen und so wird es im Koffer ganz schön eng. Irgendwie findet aber alles seinen Platz und der Reißverschluss hält auch zu, passt doch.  Auch Mike hat seine Siebensachen verstaut, jetzt sind die beiden Damen dran. Während die beiden im Wohnmobil wurschteln und räumen, setzen Mike und ich uns nach draußen. Unser Stellplatz liegt schön direkt an einem kleinen Fluss und wir genießen in den Holzstühlen das Nichtstun des letzten Tages.

Morgen früh müssen wir das Wohnmobil wieder abgeben und ziehen dann für drei Tage in eine Wohnung in Downtown Toronto. Da ist es sicher vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit. Am Abend treffen wir noch eine Familie aus der Schweiz, die zwei Wochen im Osten Kanadas unterwegs war. Wir unterhalten und eine Zeit lang, dann werden leider die Mücken wieder zu aufdringlich und wir verziehen uns nach drinnen. Den letzten Abend im rollenden Zuhause verbringen wir mal wieder mit Wizzard und Co., dann geht’s ins Bett.

 

13.08.2018

Viel zu früh schellt uns der Wecker aus dem Schlaf. Ein letztes Mal Campgrounddusche und weiter geht’s. Nicht weit vom Campingplatz entfernt und auf dem Weg zur Vermietstation gibt es ein super leckeres Frühstückslokal. Hier waren wir 2015 vor der Abgabe des Campers schon einmal und auch heute halten wir auf dem Parkplatz von „Hotstacks“. Es ist ganz schön voll und wir müssen eine Weile warten, bis uns ein Tisch zugewiesen wird. Zum Frühstück gibt’s Unmengen an Pancakes, Spiegeleier, Speck, Bratkartoffeln, Cornflakes, Obst und Joghurt. Dazu wie immer Kaffee bis zum Umfallen.

Nach dem Frühstück fahren wir zur Vermietstation von Cruise Canada. Dort stehen bereits einige Wagen zur Rückgabe und am Schalter warten schon mehrere Menschen vor uns. Trotzdem geht das Ganze zügig voran, wir räumen unsere Taschen und Koffer aus dem Wohnmobil, danach schaut jemand von der Vermietung nach inneren und äußeren Schäden. Keine vorhanden, alles in Ordnung. Eigentlich könnten wir jetzt mit dem Taxi Richtung Downtown aufbrechen, wenn da nicht noch die Sache mit dem kaputten Kühlschrank wäre.  Uns sind im Laufe des Urlaubs doch erhebliche Mehrkosten entstanden (weggeworfene Lebensmittel, ständig Essen gehen müssen, viel mehr Kilometer plus Sprit, zusätzliche Übernachtungskosten), die wir gerne erstattet bekommen würden. Wir setzen uns mit dem Filialleiter zusammen, gehen gemeinsam die Rechnungen durch und völlig unkompliziert lässt sich die Sache regeln. Wir kriegen sämtliche Kosten erstattet und um den Ärger und Mehraufwand für uns zu entschädigen, verzichtet Cruise Canada auf drei Tage Wagenmiete. Nach dem ganzen Hin und Her mit der telefonischen Erreichbarkeit und bis sich dann mal endlich was getan hatte geht es jetzt mit einem mal super schnell und unbürokratisch. Bereits wenige Tage später ist das Geld auf unserer Kreditkarte gut geschrieben.

Da die Vermietstation ganz gut außerhalb liegt, fahren wir mit einem Taxi nach Downtown. Es ist bereits später Mittag, als wir dort ankommen und wir sind alle ganz schön geschafft. Die Wohnung ist sauber, schön eingerichtet und leise und die Betten sind saubequem. So schmeißen wir uns erstmal alle aufs Bett und dösen tatsächlich ein. Erst am späten Nachmittag werden wir wieder wach und der kleine bzw. auch etwas größere Hunger macht sich bemerkbar. Da wir außer ein paar Cookies  nichts mehr da haben, begeben wir uns auf die Suche nach einem Laden und finden ein paar Blocks entfernt einen richtig tollen, ordentlich sortierten, kleinen Supermarkt mit Biosortiment. Hier gibt es frisches Obst, Gemüse, Müslis, knusprige Brote, Fisch, Fleisch und eine Mittagstheke mit sehr gut aussehenden Salaten. Wir kaufen Taccos, Hackfleisch, Paprika, Gurken, Nudeln, Thunfisch und weiße Nektarinen. Das alles wird unser frühes Abendessen. Maya hat ziemlich starke Kopfschmerzen und irgendwie sind wir alle so faul, dass wir uns nur noch aufs Sofa lümmeln und zum ersten Mal nach vier Wochen den Fernseher anmachen. Auch so geht ein Abend rum.

 

14.08.2018

Wir haben alle gut geschlafen und auch Maya geht es heute Morgen wieder gut. In der Wohnung gibt es sogar zwei Badezimmer, so dass wir alle fast zeitgleich fertig sind. Aus dem Laden hatten wir gestern noch frisches Brot und Eier mitgenommen, so dass wir unser Frühstück direkt hier haben. Heute sind wir wieder unternehmungslustiger als gestern und stiefeln direkt nach dem Frühstück los in den Entertainment District zum CN-Tower. Der Fußweg dauert gute 15 Minuten und als wir am CN- Tower ankommen, stehen die Menschen davor schon Schlange. Wir sprechen kurz mit der Dame am Ticketschalter und sie empfiehlt uns, ein Ticket mit fester Uhrzeit zu kaufen. Dann wüssten wir, wann wir rein könnten und müssten nicht so lange warten. Gesagt, getan und als sie uns das Ticket ausdruckt sind wir überrascht. Die aufgedruckte Einlasszeit ist in einer Viertelstunde. Dafür lohnt es sich nicht mehr, weiter weg zu gehen, also warten wir und stehen dann ganz schnell in der Sicherheitskontrolle am Einlass. Sogar der Fotoapparat macht diese Mal keinen Ärger und wir werden alle durchgewunken. Mit dem Aufzug geht es nach oben zur Aussichtsplattform, von der man einen phantastischen Blick über ganz Downtown hat.

Da es heute wieder sehr heiß ist, liegt ein Teil der Stadt unter einer Dunstglocke, trotzdem fasziniert mich dieser Ausblick immer wieder. Zwischen den riesigen Hochhäusern sehen die Autos auf den Straßen wie kleine Spielzeugautos aus. Wir wechseln die Seiten und die Etagen und nach anderthalb Stunden haben wir alle genug geguckt. Mit dem Aufzug geht’s wieder nach unten und dann weiter durch die Straßen Torontos. Durch die Häuserschluchten zieht es uns zuerst ans Wasser, dann wieder bergauf zum Eton-Center.

In dieser riesigen Mall gibt es so viele Geschäfte und so viel zu gucken, dass man einen kompletten Tag darin herumstöbern könnte.  Und es gibt natürlich auch wieder „Bath&Bodyworks“, den Laden den ich schon in Montreal sehnsüchtig ohne Kerze verlassen habe. Das passiert mir nicht noch einmal und beim Verlassen des Ladens bin ich stolze Besitzerin einer nach Apfel und Herbst riechenden, 500 Gramm schweren, Duftkerze. Gegen Nachmittag macht sich der Hunger bemerkbar und in der John Street finden wir ein nettes Restaurant, das Tische und Stühle auf einer Art kleinen Terrasse bis auf den Bürgersteig raus aufgebaut hat. Wir bestellen Burger und Pommes, verschiedene Bowls und viel zu trinken. Sobald unsere Gläser leer sind, schenkt uns ein Kellner sofort wieder nach. Gehört zum Service und ist für uns bei der Hitze eine super Sache.

Wir sitzen fast anderthalb Stunden hier, essen und beobachten die vorbeigehenden Leute. Direkt gegenüber des Restaurants habe ich einen „Michaels“ erspäht. Da muss ich unbedingt noch rein und meinen Vorrat an Aufklebern für meinen Planer erweitern. In diesem Laden gibt es auf drei Etagen alles, was das Bastel-, Näh-, Back-, und Dekoherz begehrt. Ich könnt einen  zusätzlichen Koffer füllen, wenn ich alles, was mit gefällt, mitnehmen würde. Da unsere Koffer aber leider schon gut gefüllt sind, begnüge ich mich mit zwei Paketen neuer Sticker. Mittlerweile ist es bereits später Nachmittag und wir wollen noch zum Toronto- Schriftzug ein paar Straßenblocks entfernt. Als wir dort ankommen, steht die Sonne bereits tiefer und wirft ein wunderschönes, warmes Licht auf den Platz vor dem Schriftzug. Viele Leute tummeln sich hier und es ist gar nicht so einfach, ein Foto nur mit uns und „Toronto“ und ohne den ein oder anderen Touristen mit drauf zu bekommen. Irgendwann habe ich jeden von uns vieren einmal geknipst und unser Tagespensum scheint erreicht. Vom vielen Laufen und der Hitze sind wir ganz schön müde und wollen langsam nach Hause. Auf dem Rückweg holen wir noch beim Supermarkt etwas Obst fürs Abendessen raus, dann geht’s zur Wohnung. Maya und Liz schmeißen sich aufs Sofa und machen sich den Fernseher an, Mike guckt in sein Handy und ich begeistere mich für meine neuen Aufkleber. So vergeht auch dieser Tag wie im Flug und der Urlaub nähert sich langsam aber sicher seinem Ende.

 

 

15.08.2018

Unser letzter richtiger Tag in Toronto bricht an. Da Maya und Liz länger schlafen und wir nichts mehr fürs Frühstück im Haus haben, gehen Mike und ich nochmal los zum Bioladen. Auch heute scheint es wieder ziemlich heiß zu werden aber heute früh liegt noch eine angenehme Kühle zwischen den Hochhäusern von Downtown. Überall in der Stadt wird gebaut und so sitzen heute Morgen viele Bauarbeiter mit Kaffee und Sandwichs auf den Bordsteinkanten im Schatten und warten auf ihren Arbeitsbeginn. Die Stadt ist noch nicht so wuselig wie in ein paar Stunden und es hat fast etwas heimeliges, aus einer Wohnung zu kommen, Frühstück zu holen und sich nebenbei mit ein paar Leuten zu unterhalten. Ich könnte definitiv noch länger bleiben. Wir frühstücken in aller Ruhe und überlegen, was wir heute noch so anstellen können. Unsere Entscheidung fällt aus Aquarium direkt neben dem CN Tower. Wir faulenzen noch eine Weile und gegen Mittag machen wir uns auf den Weg. Bis zum Aquarium laufen wir etwa 15 Minuten und bei der Hitze kommt mir der Weg heute ganz schön lang vor.

Genau wie nebenan beim CN-Tower wartet auch vor dem Aquarium eine Menschenmenge auf Einlass, wir stellen uns also in die Reihe und warten mit.  Immer im Bemühen, einen Schattenplatz zum Warten zu erwischen, stehen wir eine knappe halbe Stunde an, ehe wir ins Aquarium rein dürfen. Dort ist es ganz schön voll aber das Gebäude ist klimatisiert und so ist es wunderbar kühl hier drin. Wir schieben uns mit den Massen an den verschiedenen Fischbecken vorbei, beobachten kleine und größere, unscheinbare und schön bunte Fische und fahren auf einer Art Fließband auf dem Boden durch einen Tunnel mit Haien, Sägefischen und riesigen Schildkröten.

 

Nach einer guten Stunde kommen wir bereits wieder im Ausgangsbereich an. Da der Tag noch jung ist, bummeln wir noch einmal durch die Straßen Torontos und sind von dieser Stadt immer wieder fasziniert. Zwischen riesigen, hochmodernen Glaskästen finden sich immer wieder alte Gebäude in roter Backsteinoptik, neben lauten, vielbefahrenen Straßen befinden sich kleine Parks und Grünflächen, die die Hektik der Stadt entschleunigen. Dieser Kontrast zwischen alt und neu, groß und klein, hell und dunkel macht den Reiz dieser Stadt für mich aus.

Am frühen Nachmittag kehren wir wieder beim gleichen Restaurant ein, in dem wir gestern schon gegessen hatten. Es hat uns dort so gut geschmeckt, dass wir alle einfach nochmal das Gleiche nehmen wie gestern auch schon. Und dazu wieder viel Kaltes zu Trinken. Wir sitzen wieder draußen auf dem Bürgersteig, beobachten das Treiben um uns herum und lassen unseren Urlaub Revue passieren. Fünf Wochen sind wieder viel zu schnell vergangen und wenn wir könnten, würden wir schon morgen wieder in ein Wohnmobil einziehen und einfach weiterfahren. Immer Richtung Westen. Leider ruft in wenigen Tagen wieder die Arbeit und zwar sehr laut und so bleibt uns nichts anderes übrig, als am frühen Abend nach Hause zu gehen, die Taschen endgültig zu packen, einzuchecken und die Wohnung sauber zu machen. Unseren letzten Abend in Kanada verbringen wir gemeinsam vor dem Fernseher und zappen uns durchs kanadische Fernsehprogramm.

 

 

 

16.08.2018

Die letzte Nacht in Kanada war super bequem und erholsam. Um 11 Uhr müssen wir aus der Wohnung raus sei , unser Flug geht aber erst um 21.30 Uhr heute Abend. Wir wussten von Anfang an, dass dieser Tag ein reiner Wartetag am Flughafen werden würde und da wir tatsächlich keine Lust haben, mit Sack und Pack durch die Straßen zu ziehen, lassen wir uns um 11 Uhr mit einem Taxi zum Flughafen bringen. Dort suchen wir uns erstmal was zu frühstücken und danach eine ruhige Ecke für die nächsten Stunden. Leider ist der Wartebereich des Flughafens in Terminal zwei vor dem Check-In nicht besonders ansprechend gestaltet und es sind keine Wartebereiche vorhanden, doch im Untergeschoss finden wir vier zusammenhängende Sitze und basteln uns mit den Koffern als Tisch eine recht bequeme Warteecke. Mit vielen Runden Uno und Wizzard vergeht die Zeit tatsächlich recht schnell und nachdem wir drei Stunden vor Abflug unsere Koffer loswerden und nur noch mit leichtem Gepäck unterwegs sind, zieht es uns nach der Sicherheitskontrolle in den Duty-free –Bereich. Hier gibt es Geschäfte zum Gucken und Anfassen und Maya kauft sich noch einen Pullover als Andenken an Toronto. Wir suchen uns noch etwas zu essen (natürlich bei Tim Hortons), verschwinden noch einmal auf die Toiletten und dann geht’s ab ins Flugzeug. Die ersten fünfeinhalb Stunden vergehen superschnell und wir schlafen oder dösen vor uns hin, danach geht’s für anderthalb Stunden in Island runter, wir steigen um und nach weiteren drei Stunden landen wir um ein Uhr mittags in Frankfurt. Im Landeanflug sehen wir das völlig ausgetrocknete Deutschland von oben und überall dort, wo sonst Wiesen und Felder sind, scheint uns die Landschaft in verschiedenen Brauntönen entgegen. So haben wir Deutschland noch nie gesehen. Auf unser Gepäck müssen wir nicht lange warten, auf den Mann vom Shuttleservice auch nicht und so sind wir zügig am Auto. Müde machen wir uns auf den Weg zur Autobahn, die letzten 200 Kilometer sind immer am Anstrengendsten. Maya und Liz schlafen bereits nach wenigen Kilometern tief und fest und Mike und ich versuchen und gegenseitig wach zu halten. Am späten Nachmittag stehen wir wieder vor der eigenen Haustür, Liz wird abgeholt und nach fünf Wochen haben wir wieder nur ein Kind. Den Rest des Tages versuchen wir uns wach zu halten, ich räum schon mal die Koffer aus, sortiere die Wäsche  und alles andere, was mir aus den Koffern entgegen kommt und um 19 Uhr ist unser Abenteuer Kanada endgültig beendet. 

Thank you for having us again, Canada.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem uns unser kurzer Zwischenstopp im Sommer auf dem Rückweg von Kanada so unglaublich gut gefallen hatte war schnell klar: Wir müssen so bald wie möglich wieder nach Island. Die nächste Gelegenheit bot sich für uns im Oktober 2016.

1.       Tag        10.10.2016

Los ging´s mittags von Frankfurt nach Reykjavik. Um 14 Uhr startete unser Flug mit icelandair und nach 3,5 Stunden ruhiger Fliegerei kamen wir mit einer Zeitverschiebung von 2 Stunden um 19:30 Uhr in Reykjavik an. Nachdem wir unser Gepäck vom Band geholt hatten, ging es zuerst zum Bus, der die ganzen Autovermietungen abfuhr. Die liegen eigentlich alle mehr oder weniger nebeneinander ca. 10 Minuten vom Flughafen entfernt. Man steigt einfach mit all seinem Gepäck vor dem Terminal in den Bus, fährt kurz um die Ecke und steigt bei der passenden Autovermietung wieder aus. Wir hatten unseren Wagen über Sixt gebucht und bekamen einen Opel Astra, in dem wir unser Gepäck bequem untergebracht bekamen. Der Mietvertrag war schnell gemacht und so fuhren wir um 21 Uhr Richtung Reykjavik. Der Flughafen liegt ca. 50 Minuten außerhalb der Stadt in Kevlavik und so fuhren wir erstmal etwas durch die Dunkelheit und konnten die Landschaft um uns herum nur erahnen.

Beim nächsten Supermarkt, einem Bonus, hielten wir schon wieder an und kauften erst mal ein paar Kleinigkeiten für den Abend und das Frühstück am nächsten Tag. Die Auswahl war gar nicht so schlecht, wir in einigen Reiseführern beschrieben war und so wanderten Tee, Brot, Marmelade, Käse und ein paar Getränke in unsere Taschen.

Danach fuhren wir zu unserer Ferienwohnung. Diese lag direkt unterhalb der Hellgrimmskirkja, mitten in der Innenstadt und doch in einer ruhigeren Seitenstraße. Unsere Gastgeberin hatte bereits die Betten bezogen, es brannten gemütliche Lichterketten und im Kühlschrank standen Obst und Skyr für den nächsten Morgen. Wir hatten sofort das Gefühl, hier zu Hause zu sein.

Da wir mittlerweile doch müde waren, machten wir nur schnell was zu Essen und verschwanden auf dem Sofa, auf dem wir alle beim Fernsehen einschliefen.

 

11.10.16

 

12.10.16

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Kanada- Juli/August 2017

Mit dem Wohnmobil von Halifax über Quebec nach Montreal und wieder zurück

  1. Tag Samstag,15.07.2017             Flug Frankfurt- Halifax
  2. Tag Sonntag, 16.07.2017              Halifax
  3. Tag Montag, 17.07.2017               Übernahme Wohnmobil
  4. Tag Dienstag, 18.07.2017             Kejimkujik National Park
  5. Tag Mittwoch, 19.07.2017            Kejimkujik National Park
  6. Tag Donnerstag, 20.07.2017        Kejimkujik National Park
  7. Tag Freitag, 21.07.2017                Whale Watching in der Bay of Fundy
  8. Tag Samstag, 22.07.2017             Annapolis Royal
  9. Tag Sonntag, 23.07.2017              Mactaquac Provincial Park
  10. Tag Montag, 24.07.2017               Edmunston
  11. Tag Dienstag, 25.07.2017             Fahrt nach Levis/Quebec
  12. Tag Mittwoch, 26.07.2017            Quebec City
  13. Tag Donnerstag, 27.07.2017         Levis
  14. Tag Freitag, 28.07.2017                 Fahrt nach Montreal
  15. Tag Samstag, 29.07.2017             Montreal
  16. Tag Sonntag, 30.07.2017              Montreal
  17. Tag Montag, 31.07.2017               Fahrt nach Quebec
  18. Tag Dienstag, 01.08.2017             Parc du Bic/Gaspesie
  19. Tag Mittwoch, 02.08.2017            Parc du Bic/Carleton-sur-mer/Gaspesie
  20. Tag Donnerstag, 03.08.2017        Carleton-sur-mer
  21. Tag Freitag, 04.08.2017                Fahrt in den Kouchibouguac NationalPark
  22. Tag Samstag, 05.08.2017             Kouchibouguac National Park
  23. Tag Sonntag, 06.08.2017              Fahrt über Moncton nach Truro
  24. Tag Montag, 07.08.2017               Busker Festival in Halifax
  25. Tag Dienstag, 08.08.2017             Murphys Cove
  26. Tag Mittwoch, 09.08.2017            Taylor Head Provincial Park
  27. Tag Donnerstag, 10.08.2017        Abgabe Wohnmobil/Halifax
  28. Tag Freitag, 11.08.2017                 Halifax
  29. Tag Samstag, 12.08.2017             Rückflug Halifax- Frankfurt

1. Tag Samstag, 15.07.2017             Flug Frankfurt- Halifax
Um 14 Uhr soll unser Flieger gehen, was heißt, wir müssen um 11 Uhr am Flughafen in Frankfurt sein und um 9 Uhr zu Hause los fahren. Aber wir sind sooo müde. Um halb 8 quälen wir uns aus dem Bett, machen uns langsam fertig, packen die Taschen ins Auto und gehen erst mal frühstücken. So, jetzt kann der Tag auch anfangen. Wir fahren auf die Sauerlandlinie und kommen besser voran, als erwartet. Trotz der vielen Baustellen sind wir sehr pünktlich am Parkhaus. Da wir das gleiche Parkhaus gebucht haben wie im letzten Jahr, müssen wir nicht lange suchen und unser Auto ist schnell für die nächsten vier Wochen untergebracht. Mit dem Shuttle-Service werden wir zum Terminal gebracht und staunen dort nicht schlecht über die doch schon lange Schlange vor dem Schalter von icelandair. Wir reihen uns ein und irgendwann sind auch wir dran. Die freundliche Dame am Schalter erledigt alles zügig und so sind wir bald die schweren Taschen los. Da es hier am Flughafen nicht mehr viel Neues zu sehen gibt, schlendern wir noch eine Runde durch die Gegend und begeben uns, sobald er geöffnet hat, zum security-check. Auch hier läuft alles wie üblich: Mike muss wieder die gesamte Technik auspacken und da ja immer einer von und piepst erwischt es dieses Mal mich. Irgendwas passt dem Scanner an mir nicht und so darf ich erst in den Ganzkörperscanner und dann noch kurz Bekanntschaft mit einer freundlichen Dame machen, die mich gründlich abtastet. Da hier wie zu erwarten nicht Besonderes gefunden wird, darf ich dann auch durch die Sicherheitskontrolle. Plötzlich ruft eine Frau hinter mir her- hab ich doch glatt meine Jacke liegen lassen. Wäre ganz schön blöd gewesen, abends so ohne Fleecejacke. Jetzt haben wir aber alles, gehen zum Boarding  und setzten uns danach in den Wartebereich, surfen noch was durchs Netz und warten aufs Einsteigen. Da bei icelandair nach Reihen aufgerufen wird, kommen wir erst ziemlich zum Schluss dran. Das hatten wir letztes Jahr schon und es ist echt praktisch, wenn die meisten bereits sitzen und sich kaum noch einer an einem vorbei drängelt oder die Koffer über den Kopf quetscht. Wir  machen es uns also bequem, Mike und Maya suchen nach Filmen und ich starre wie üblich vor mich hin. Bin ja immer froh, wenn wir wieder im Landeanflug sind. Nach gut 3 Stunden landen wir in Reykjavik. Da man hier immer auf dem Rollfeld aussteigt, kommt einem wunderbar frische, kühle Luft entgegen. Ich weiß schon, warum wir auch Island so lieben. Da wir uns nicht ums Gepäck kümmern müssen, gehen wir kurz was essen, besuchen die Toilette  und nutzen das freie W-LAN am ganzen Flughafen. Die 2,5 Stunden Aufenthalt vergehen wie im Flug und so sitzen wir bald im zweiten Flieger, der uns nach Halifax bringt. Auch hier gucken meine beiden wieder Filme während ich mich nur zu einer kleinen Reportage über Island hinreißen lassen kann. Nach 2 Stunden Flug werde ich langsam müde. Meine innere Uhr sagt mir, es wäre Zeit zum Schlafen gehen. So dösen wir bis zur Ankunft  vor uns hin.

Die Landung ist sanft, die Schlange vor der immigration control wird schnell abgearbeitet und der Dame am Schalter scheinen die Einreisestempel ihrer Kollegen in unseren Pässen zu reichen. Nach ein paar Fragen, die eher einer netten Unterhaltung ähneln, dürfen wir endgültig kanadischen Boden betreten und warten auf unser Gepäck. Der erste Weg führt schnell zu Tim Hortons für ein kleines Abendessen.  Um  kurz nach 21 Uhr Ortszeit suchen wir uns ein Taxi, das uns zum Hotel nach Downtown Halifax bringen soll. Hier checken wir nur kurz ein, gehen ins Bad und sehen zu, dass wir ins Bett kommen. Nach gut 31 Stunden auf den Beinen und gefühlt fast 4 Uhr morgens  ist ein Bett echt was Tolles.

 


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2. Tag Sonntag, 16.07.2017             Halifax

Um 6 Uhr sind wir drei wach. Mike und Maya bleiben noch liegen während ich mich in die heiße Badewanne lege. Kanadier scheinen irgendwie Angst zu haben, dass jemand in ihren Badewannen ertrinken könnte- die sind so niedrig, dass man kaum ganz vom Wasser bedeckt wird. Ich genieße die Ruhe, das Wasser und meine Klatsch-Zeitung und stehe erst wieder auf, als mit kalt wird. Nach und nach machen sich jetzt auch meine beiden fertig und um 8 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Zwar fehlen die leckeren Waffeln vom letzten Sommer, dafür gibt es jetzt Rösti und baked beans. Richtig lecker. Ich hole mir noch einen Muffin vom Buffet, freu mich auf einen Vanillemuffin und was kommt zum Vorschein: ein Möhrenmuffin. Bäh! Wer will denn so was?

Nach dem Frühstück machen wir uns auf in die Stadt. Zuerst geht es wieder zur Zitadelle und da Kanada dieses Jahr 150. Geburtstag feiert, kann man viele Sehenswürdigkeiten umsonst besichtigen.  Der Dudelsackspieler ist schon von Weitem zu hören und seine Musik begleitet uns auf unserem Weg über das große Gelände der Zitadelle. Wir schauen originalgetreu verkleideten Personen beim Exerziere zu, beobachten Schießübungen und warten natürlich auf den Donner der Kanone. Jeden Tag um 12 Uhr wird hier oben mit viel Tamtam die Kanone gezündet, deren ohrenbetäubender Lärm über der ganze Stadt zu hören ist.

Danach bummeln wir Richtung Uferpromenade durch die Straßen. Halifax ist für kanadische Verhältnisse eine recht kleine Stadt und schön übersichtlich. Sie liegt steil an den Hang gebaut und alle Straßen führen von der Zitadelle steil abwärts Richtung Wasser. Vorbei an tollen Wandgemälden laufen wir zum Boardwalk, einer hölzernen Promenade, die sich entlang des Atlantikufers erstreckt.

Hier befinden sich Souvenirläden, Museen, historische Gebäude,  Restaurants und „Fressbuden“. Hier gibt es auch das beste Eis der Stadt bei cows Eisdiele.

Obwohl heute Sonntag ist, hat der seaport market geöffnet, eine Art Bauernmarkt in den Fischereihallen. Hier gibt es frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst aus der Umgebung, chinesische und indische Spezialitäten frisch aus dem Topf, frische Blumen und schönen Krimskrams.  Eine ganze Weile halten wir uns hier auf, schauen uns die verschiedenen Stände an und holen uns was zu essen.

Mittlerweile ist es Nachmittag und ziemlich warm geworden. Uns zieht es zurück an die Promenade, wo wir uns was zu trinken holen und mit Blick auf den Atlantik vor uns hin träumen. Netterweise gibt es hier 3 wetterbeständige Hängematten und mit viel Glück ergattern wir eine davon und schaukeln eine ganze Zeit lang vor uns hin.

Dank der Zeitverschiebung sind wir auch schon wieder müde. So gehen wir zurück zum Hotel, setzen uns auf die tolle Dachterrasse und spielen Uno.  Nach einem kleinen Abendessen kriechen wir um 21 Uhr ins Bett.
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3. Tag Montag, 17.07.2017              Übernahme Wohnmobil

Wieder sind wir früh wach und um 7 Uhr klingelt das Telefon: Der Wohnmobilvermieter Fraserway (der auch die four seasons Wohnmobile vermietet) teilt uns mit, dass wir erst um 13 Uhr am Hotel abgeholt werden. So haben wir also noch eine ganze Menge Zeit, gehen in Ruhe frühstücken, räumen dann unsere Sachen im Zimmer zusammen und gehen wieder Richtung Promenade. Um 10 Uhr ist es noch ganz schön neblig.

Keine Stunde später ist der Himmel strahlend blau und wir bummeln einfach durch die Straßen.

Um 13 Uhr holt uns der Shuttlewagen von Fraserway ab, sammelt in zwei anderen Hotels noch weitere Gäste ein und bringt uns zur Vermietstation. Hier ist gerade ziemlich viel los und so wird der Papierkram ziemlich schnell erledigt. Die Dame am Schalter ist neutral freundlich und im Gegensatz zum letzten Jahr spricht sie in diesem Jahr plötzlich kein Deutsch mehr. Für uns ist das kein Problem, aber das ältere deutsche Ehepaar neben uns hätte sicher gerne ein paar deutsche Erklärungen zu seinem Fahrzeug gehabt. Vor allem wenn der Anbieter damit wirbt. Die Übergabe unseres Fahrzeuges erfolgt auch durch eine kanadische Mitarbeiterin und nach ein paar Reklamationen (das Dach hatte eine undichte Stelle, die aber bereits repariert worden war, das Fahrzeug war vorne und hinten bereits angetitscht worden) fahren wir Richtung Walmart. Dieser ist zum Glück nicht allzu weit weg, denn hier fällt uns auf, dass unser mitgebuchter Toaster fehlt. Wir fahren zu Station zurück und haben Glück: Die wollten gerade schließen. Wir bekommen noch schnell einen Toaster und werden in den nächsten Wochen feststellen, dass wir besser einen neuen gekauft hätten.

Da wir für die nächsten 4 Tage einkaufen müssen, dauert unser erster Einkauf etwas länger. Eine knappe Stunde später und fast  CAD 400 ärmer verstauen wir alle Sachen im Wagen. Neben einem Grillrost haben wir diesmal eine Pfanne gekauft, die wir draußen auf den Grill stellen wollen. Diese Investition wird sich in der nächsten Zeit als sehr lohnenswert herausstellen.

Nun geht es endlich richtig los und wir fahren zu unserem ersten Halt in den Kejimkujik Nationalpark.  Da wir erst um 17 Uhr los gefahren sind, kommen wir im Dunkeln auf dem Jeremy´s Bay Campground an. Ein Feuer muss trotzdem noch sein und so essen wir im Dunkeln, hören das Heulen der Kojoten und freuen uns auf unsere erste Nacht im Wohnmobil.
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4. Tag Dienstag, 18.07.2017             Kejimkujik National Park

Nach einer erholsamen und absolut ruhigen Nacht frühstücken wir am nächsten Morgen draußen. Es gibt Toast, Marmelade, Käse, Tee, Kakao und viel frisches Obst. Bei Walmart gab es gestern große Kisten frischer Mangos (16 Stück für CAD 10) und so gibt es glaube ich bei uns in den nächsten Tagen viel Mango zu essen.

Nach dem Frühstück beschließen wir, zu Fuß zu Kings Landing zu laufen, wo wir für morgen ein Kanu reservieren wollen. Der Weg führt uns immer am Kejimkujik Lake entlang, vorbei an kleinen Sandstränden, durch den Wald, durch Sumpfland, über Holzstege und kleine Brücken. Kurzzeitig ärgern uns die Mücken und wir laufen etwas schneller.

Nach etwa einer Stunde kommen wir bei der Kanuvermietung an und stellen fest, dass keine Reservierungen entgegengenommen werden. Also werden wir morgen einfach losfahren und unser Glück versuchen. Da es mittlerweile ziemlich warm geworden ist, setzen wir uns auf einen der Stege und lassen die Füße ins Wasser baumeln. Das kühlt gut ab. Danach machen wir uns auf den Rückweg. Wieder an den Mücken vorbei, wieder etwas schneller als gedacht.

Fast schon wieder „zu Hause“, lassen wir am Strand noch eine Zeit lang flache Kiesel übers Wasser hüpfen.

Abends beim Essen fängt es kurz, aber heftig an zu regnen. Wir haben Mühe, den Grill am Laufen zu halten und müssen Fleisch, Maiskolben und Kartoffeln ins Trockene bringen. Dann essen wir eben im Wohnmobil. So schnell wie der Regen angefangen hat, hört er auch wieder auf und die Sonnenstrahlen scheinen durch die Bäume.

Wir bleiben noch eine Weile am Feuer sitzen, genießen die Stille und gehen dann früh ins Bett.
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5. Tag Mittwoch, 19.07.2017           Kejimkujik National Park

Aufstehen, waschen, Zähne putzen. Danach frühstücken. Bis wir mit allem fertig sind ist es fast 10 Uhr.  Heute nehmen wir mal den Wagen, um zum Kanuverleih zu fahren. Es ist schon ziemlich warm und wir haben keine Lust, die Strecke von gestern noch mal zu laufen. Die Fahrt geht schnell und nach 15 Minuten stehen wir schon auf dem Parkplatz. Wir haben Glück, denn im Gegensatz zum letzten Jahr steht keine ellenlange Schlange vor dem Kanuverleih und wir können zügig los. Zuerst werden wir noch über Gefahren, die auf, am und im See lauern, aufgeklärt. Dann steigen wir ins wackelige Kanu und fahren Richtung offenem See. Maya und ich versuchen uns im Rudern und solange das Wasser ruhig und die Strömung nicht vorhanden ist, klappt es auch ganz gut. Ganz anders aber auf offenem Gewässer: Wir drehen uns ständig im Kreis, kommen nicht voran und sind ständig da, wo wir eigentlich nicht hin wollten. Mike quittiert unsere Anstrengungen mit schallendem Gelächter und Maya und ich verlieren langsam die Lust.

Also paddeln wir mit größter Anstrengung zurück in den Seitenarm und in ruhigeres Wasser. Hier tauschen wir die Plätze und es funktioniert direkt besser. Wir rudern den Flussarm weiter und entdecken einen Biberbau. Plötzlich bewegt sich etwas im Wasser und genau vor unserer Nase kommt ein Biber zum Vorschein. So schnell kann ich gar nicht nach dem Fotoapparat greifen. Zum Glück kommt Mr. (oder Mrs.?) Biber noch mal nah genug an uns vorbei, so dass wir ihn aufs Foto kriegen.

Nach gut 2 Stunden sind wir k.o. , geben das Kanu zurück und fahren zum Campground. Hier setzen wir uns erst mal in die Ecke und ruhen uns aus. Da es echt heiß ist, bewegen wir uns den Rest des Tages nur noch wenig. Wir laufen noch eine Runde über den Platz, gucken, woher die Leute alle so kommen, spielen Uno und Kniffel, bereiten das Abendessen vor und genießen die kühlere Abendluft.

Der Campground bietet in den Sommermonaten verschiedene Veranstaltungen an, z.B. geführte Wanderungen, Kinderprogramm, Spiele am See, etc. Abends gibt es am Sammelplatz des Campgrounds, dem Amphitheater, Erklärungen und Geschichten zum Sonnensystem und den Planeten. Hier wollen wir heute Abend hin und so machen wir uns gegen 22:30 Uhr auf den Weg. Und mit uns eine Menge anderer Leute. Auf Holzbänken sitzend hören wir die Geschichte der Milchstraße, erfahren Interessantes über die Entstehung unseres Sonnensystems und der Planeten und können durch ein Teleskop in den Weltraum schauen. Nach einer guten Stunde ist die Veranstaltung vorbei und eine Karawane macht sich auf den Heimweg zum Campground. Hier hört man noch eine Zeit lang die Menschen miteinander reden, danach ist Ruhe- gute Nacht.
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6. Tag Donnerstag, 20.07.2017       Kejimkujik National Park

Die Nächte hier im Park sind so wunderbar ruhig. Ich bin irgendwann heute Nacht mal wach geworden und habe nur eine absolute Stille vernommen. Es war überhaupt gar nichts zu hören- wir sind hier weit ab von jeglichem Zivilisationslärm und daran kann man sich echt gewöhnen.

Heute ist Donnerstag und nach einem Frühstück draußen im Grünen überlegen wir, was wir denn heute so machen können. Wir beschließen, zum Visitor Center zu fahren und uns dort für eine Wanderung anzumelden. Dort angekommen erklärt uns eine nette Dame, dass die Wanderung, die uns interessiert, erst morgen wieder stattfindet. Schade, da müssen wir doch schon weiter. Sie hat aber eine Karte für uns, auf der alle Wanderwege des Parks mit kurzen Erklärungen beschrieben sind. Wir studieren kurz die einzelnen Wege und entscheiden uns als erstes für einen recht kurzen Rundweg, der nicht weit vom Visitor Center beginnt und immer an einem Fluss entlang läuft. Der Camper ist schnell auf dem passenden Parkplatz abgestellt und wir marschieren los.

Nach nicht einmal 150 Metern kommen wir an einer schönen Picnic-Area mit Bänken und Tischen sowie einem gut ausgestatteten Wasch- und Toilettenhaus vorbei. Auf der Terrasse des Häuschens haben es sich bereits einige Leute bequem gemacht und genießen ihr mitgebrachtes Essen im Schatten am Fluss. Wir gehen einige Meter weiter und entdecken ein absolutes Highlight: Der Fluss hat einige zugängliche Stellen, von denen aus man ins Wasser gehen kann. Schnell ist uns klar, dass wir nach unserem Rundweg auch hier hin wollen.

Den Rundweg laufen wir ziemlich schnell ab, da uns im Wald abseits des Flusses die Mücken nerven. Ständig um sich schlagen zu müssen, macht einfach keinen Spaß. Also schnell zurück zum Wagen, Badesachen anziehen und zurück zum Fluss.

Das Wasser ist hellbraun und schaumig und auf einer Schautafel wird erklärt, warum das so ist: Die braune Färbung kommt von den ausgewaschenen Gerbstoffen der Bäume und der Schaum entsteht durch natürliche Tenside.

Über eine flache Stelle am Rand gelangen wir über Steine in die Mitte des Flusses. Hier ist es ziemlich tief und man muss tatsächlich einige Meter schwimmen, um an kleinere Wasserfälle zu kommen. Bei der draußen herrschenden Hitze ist das Wasser super angenehm. Wir klettern über Steine, durch Wasserfälle hindurch und schwimmen immer wieder durch tiefe Becken. Es ist soooo schön. Einige andere lassen sich mit Reifen im Fluss treiben, wieder andere sonnen sich auf den abgerundeten Felsen, die aus dem Wasser herausragen. Wir sind so begeistert, dass wir gar nicht merken, wie die Zeit vergeht.

Es ist schon späterer Nachmittag, als wir zurück auf unserem Stellplatz beim Jeremy´s Bay Campground sind. Wir gehen duschen, nutzen kurz das am Duschhaus verfügbare W-LAN und so langsam macht sich der Hunger bemerkbar. Heute kommt die gekaufte Pfanne zum Einsatz und es gibt Bohnen und Paprika in Tomatensauce und dazu Kartoffeln aus der Glut.


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7. Tag Freitag, 21.07.2017               Whale Watching in der Bay of Fundy

Heute verabschieden wir uns aus dem Kejimkujik-Nationalpark und fahren über Digby, wo wir noch schnell einkaufen, nach Digby Neck. Die schmale Landzunge teilt sich in 3 Teile, die jeweils durch Fähren miteinander verbunden sind. Wir fahren bis ans Ende des ersten Teilstücks, lassen hier den Camper am Fähranleger stehen und fahren als Fußgänger mit der Fähre auf die andere Seite. Unser Ziel ist Ocean Explorations in Tiverton, wo wir schon von zu Hause aus eine Whale-Watching Tour gebucht hatten.

Mit uns fahren  noch eine holländische Familie mit 3 Kindern sowie vier Kanadier. Zuerst bekommen wir warme, orange Overalls und dicke Handschuhe, dann geht es zum Boot. Es ist ein Zoodiac, also ein Schlauchboot und es hat keine Sitze. Wir setzen uns oben auf den Schlauch, halten uns fest und es geht los.  Mit ordentlich Tempo sausen wir übers Wasser immer weiter auf die Bay of Fundy hinaus. Allein das Fahren macht schon super Spaß. Dann tauchen die ersten Wale auf, das Boot wird gestoppt und wir genießen einfach nur den Augenblick.

Buckelwale tauchen neben unserem Boot auf, tauchen wieder ab und kommen an anderer Stelle wieder an die Oberfläche.  Immer wieder kommen sie sehr nah an uns ran, tauchen unter dem Boot durch und machen uns sprachlos. Diese riesigen Tiere sind so ruhig und friedlich und wir sind nur durch ein aufblasbares Boot von ihnen getrennt.

Wir treffen auf mehrere Wale, auf Seehunde und viele Seevögel. Hier draußen ist niemand außer uns und den Tieren. Es ist so still, das man die Fontänen der Wale in der Ferne hört oder das Aufklatschen eines Wals, der sich mit all seinem Gewicht aus dem Wasser katapultiert und dann wieder aufs Wasser aufschlägt. Leider waren wir hier mit dem Fotoapparat nicht schnell genug.

Da unsere Tour erst um 17 Uhr gestartet ist, wirft die tiefer stehende Sonne tolle Farben auf das Wasser und es wird schon langsam dunkel, als wir die Rückfahrt  zum Hafen antreten.

Viel zu schnell vergehen 2,5 Stunden und wir sind zurück. Noch ganz beeindruckt fahren wir nach Annapolis Royal zu unserem nächsten Campground, schließen den Wagen an und machen uns was zu essen. Den ganzen Abend zucken Blitze über den Himmel und stundenlang kann man das Wetterleuchten beobachten. Überall auf dem Campinglatz stehen die Menschen zusammen, schauen Richtung Himmel und immer wieder ist ein „Oooh“ oder „Aaah“ zu hören. Die Atmosphäre ist unglaublich und es ist schon spät, als wir in die Betten fallen.
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8. Tag Samstag, 22.07.2017             Annapolis Royal

Die erste Woche ist rum und wir machen heute einen „Ruhetag“.  Wir stehen auf dem Dunromin Campground  in der Nähe von Annapolis Royal und nach dem Frühstück muss ich erst mal Wäsche waschen. So ganz lässt sich ein bisschen Haushalt auch im Urlaub nicht vermeiden. Heute Morgen ist es erstaunlich kühl und wir gehen zum Frühstück ins Campgroundeigene Cafè. Hier gibt es selbstgebackenes Brot, Eier, Marmelade, Müsli mit Joghurt, Kaffee und heißen Kakao. Lecker!

Während wir gefrühstückt haben ist die Wäsche durchgewaschen und ich packe jetzt alles, was möglich ist, in den Trockner. Für den Rest spannen wir eine Leine zwischen den Bäumen an unserem Platz und hängen die Sachen dort auf. Hierbei kommen wir ins Gespräch mit unserer Stellplatznachbarin. Sie kommt aus Whitehorse, Yukon, und fährt mit Mann und  Hund ganz Kanada ab.

Am Mittag beschließen wir, zu Fuß nach Annapolis Royal zu laufen und uns dort etwas umzusehen. Der Weg dauert eine knappe halbe Stunde und wir schlendern ein wenig durch den kleinen Ort mit seinen bunten Häusern.

 

Am Ortsausgang (oder Eingang?) finden wir ein Cafe´, welches von einem deutschen Bäcker betrieben wird. Da das Brot hier in Kanada immer weich ist und Toastbrot-Qualität hat, kaufen wir erst einmal ein ganzen Roggen- sowie ein Körnerbrot. Die werden später im Wohnmobil eingefroren und nach und nach verbraucht. Im Cafe´ selbst gibt es Streusselkuchen, Torte und diverse Teilchen. Das alles bei schönster deutscher Schlagermusik. Die Kanadier scheinen die Musik zu lieben, sie sitzen schunkelnd auf ihren Stühlen und wippen zum Fliegerlied. Wenn man hier vorbeikommt, lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch im German Sachsen-Cafe.

Nachdem wir uns an Teilchen satt gegessen haben, machen wir uns wieder auf den Weg zurück. Heute Abend wollen wir ja noch einmal in den Ort und an der graveyard tour, einer geführten Tour über den Friedhof von Annapolis Royal, teilnehmen.

So kommen wir am Abend, als es langsam dunkel wird, wieder nach Annapolis. Diese Mal allerding mit dem Wagen, da wir keine Lust auf den späten Rückweg haben. Wir bummeln noch eine Weile an der kleinen Uferpromenade entlang, schauen uns den Sonnenuntergang an und machen uns dann auf den Weg Richtung Friedhof.

Im Sommer finden hier jeden Abend Führungen statt, für die man sich nicht anmelden muss. Man geht einfach zum Parkplatz am Friedhof, bezahlt dort direkt vor Ort und bekommt eine Stalllaterne in die Hand gedrückt.

Heute Abend sind wir etwa 30 Personen, die sich in der Dunkelheit an Hand der Gräber und Grabinschriften die Geschichte von Annapolis Royal erklären lassen. Dies übernimmt ein Herr vom örtlichen Geschichtsverein, der in traditioneller Kleidung und mit humpelndem Gang über den Friedhof zieht und uns im Schein der Laternen die Besiedlungsgeschichte des Annapolis Valley erklärt.

Es ist so interessant, dass wir gar nicht merken, wie schnell die Zeit vergeht. Um halb 12 machen wir uns auf den Weg zurück zum Campground und fallen dort in die Betten. Morgen früh müssen wir früh raus, um die Fähre nach New Brunswick zu kriegen.
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9. Tag          Sonntag, 23.07.2017             Mactaquac Provincial Park

Um sieben sind wir schon so weit fertig, dass wir unser Wohnmobil von seinen Anschlüssen befreien und uns auf den Weg machen Richtung Digby. Die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde und von hier geht die Fähre nach Saint John, New Brunswick. Die haben wir schon von Deutschland aus reserviert und so stehen wir mit vielen, vielen anderen PKW, Campern und riesigen Lastwagen im Wartebereich des Hafens und warten aufs Verladen. Als wir unsere Reservierungen vorzeigen müssen, wünscht uns der Hafenmitarbeiter sehr nett und mit wunderschönem Akzent „einen schönen Tag noch“.

Während der Überfahrt muss man sein Fahrzeug verlassen und so halten wir uns in den oberen Decks der Fähre auf. Hier gibt es ein Restaurant  sowie bequeme Sofas und Sessel mit einer tollen Aussicht aufs Wasser. Freies Internet ist auch vorhanden und so vergehen die 2,5 Stunden Überfahrt wir im Flug.

Da wir auf  unserem Weg nach Quebec New Brunswick nur durchqueren, wird dieser Tag ein reiner Fahrtag  und unser Weg führt uns weiter bis nach Fredricton. Hier haben wir uns für eine Nacht den Mactaquac Provincial Park ausgesucht. Der ist im Prinzip eine riesengroße Wiese mit ein paar vereinzelten Bäumen drauf. Die Stellplätze liegen mehr oder weniger privat nebeneinander.

Gegen 15 Uhr kommen wir hier an, schließen den Wagen an den Strom an und erkunden erstmal die Umgebung. Viel gibt es hier nicht zu sehen und so laufen wir eine Zeit lang durch den Park. Der kleine Strand ist leider nicht so sauber, dass man dort ins Wasser gehen möchte und deshalb gehen wir zurück zu unserem Stellplatz. Wir machen ein Feuer an, bereiten das Abendessen vor, lesen und spielen mal wieder Uno und Kniffel. Um 21 Uhr verschwinden wir im Bett.


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10. Tag Montag, 24.07.2017              King´s landing, Fahrt nach Edmunston

Heute schlafen wir etwas länger, machen uns langsam fertig und frühstücken draußen bei wunderbarer frischer Luft. Unser Ziel für den heutigen Tag ist Edmunston, an der Grenze zu Quebec. Zuerst wollen wir aber kings landing besuchen, ein Freilichtmuseum, welches nur gut 10 Minuten vom Campingplatz entfernt liegt.

Hier wird auf großer Fläche in einem alten Dorf die Lebens- und Arbeitsweise der Menschen im 18. Jahrhundert dargestellt. Das Freilichtmuseum ist richtig schön und lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Wir schauen uns ein altes Sägewerk an, den Schmied, den Schreiner sowie die Druckerei. Hier dürfen wir ein Lesezeichen setzen, drucken und als Andenken mit nach Hause nehmen. Aus einem der Häuser kommt eine Frau in historischer Tracht und bittet uns herein. Sie erzählt von ihrem Alltag als Frau in der damaligen Zeit, erklärt uns, wie Brot gebacken sowie Wäsche gewaschen wurde. Diese kocht in einem Kessel draußen über dem Feuer. Im Garten laufen Hühner frei herum und zwei kleine Schweine toben in ihrem Pferch.

Im Herrenhaus gibt es einen wunderschön angelegten Garten mit Blumen, Kräutern und Heilpflanzen.

Wir halten uns hier fast vier Stunden auf, dann müssen wir weiter.

Auf dem Weg nach Edmuston halten wir in  Grand Falls. In der Schlucht fließt normalerweise Wasser von der Menge der Niagarafälle, da es aber seit Wochen heiß und trocken ist, bleibt nur ein kleiner Bach übrig. Wir vertreten uns noch kurz die Beine, steigen dann wieder zurück in den Wagen und fahren zum St. Basile Campground in Edmunston.


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11. Tag Dienstag, 25.07.2017             Fahrt nach Levis/Quebec

Heute steht ein weiterer Fahrtag auf dem Programm. Wir schlafen erst mal aus, gehen ausgiebig duschen und frühstücken in aller Ruhe. Dann packen wir unsere sieben Sachen zusammen und machen uns auf den Weg Richtung Quebec City.

Schnell haben wir die Staatengrenze erreicht und ab jetzt gibt es alle Schilder nur noch auf Französisch. Je näher wir Quebec kommen, umso schlechter werden die Straßen (in unserem Fall der Trans-Kanada-Highway) und umso hektischer wird der Verkehr. Die Menschen fahren viel europäischer, sind weniger gelassen, hupen und drängeln. Trotzdem ist hier ja Platz für jeden und so kommen wir am frühen Nachmittag auf unserem Campingplatz für die nächsten drei Tage in Levis an. Der Transit Camping Levis liegt auf der anderen Seite des St. Lorenz Stromes gegenüber Quebec City direkt am Highway.

Nachdem wir eingecheckt haben, richten wir uns auf unserem Stellplatz ein, kriegen Feuerholz vorbei gebracht und begutachten den Campingplatz. Da es wieder ziemlich heiß ist, zieht es uns schnell zum großen, sauberen Pool. Hier ziehen wir unsere Bahnen und kühlen uns im Wasser ab. Die Duschen kosten zwar extra, sind aber, wie der Rest des Platzes, super sauber und tun jetzt sooo gut.

Als es dunkel wird, werfen wir den Grill an und machen uns eine große Portion Lachs mit grünem Spargel. Danach gehen wir noch in die recreation hall, wo man Billard, Tischtennis oder Shuffleboard spielen kann. Um 22 Uhr fallen wir in die Betten.
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12.Tag            Mittwoch, 26.07.2017           Quebec City

Der Wecker schellt ziemlich früh, denn um halb 9 werden wir an der Rezeption erwartet. Der Campground bietet einen kostenlosen Shuttle-Service zur Fähre von Levis nach Quebec City an, so dass man das große Wohnmobil stehen lassen kann und trotzdem bequem in die Innenstadt kommt. Beide Shuttlewagen sind voll, bis zur Fähre dauert es gut 10 Minuten und schon sitzen wir auf dem Schiff. Jetzt werden noch die Autos eingeladen und nach etwa 15 Minuten Überfahrt sind wir in Quebec City. Bereits von der Fähre aus hat man einen tollen Ausblick auf das Wahrzeichen der Stadt: Das Chateau Frontenac.

Da wir noch nicht gefrühstückt haben, suchen wir erst einmal ein typisch französisches Straßencafe´ auf. Hier kann man sehr schön draußen sitzen und es gibt superleckere Croissants, Marmelade, Obst und kleine Schokoladen-Cupcakes. Die sind gut! Da es bereits ziemlich warm ist, kommt  auch das Glas Wasser sehr gelegen.

Satt und zufrieden machen wir uns daran, Quebec zu erkunden. Durch die kleinen, schmalen Kopfsteinpflasterstraßen der Unterstadt geht es zu Notre Dame. Viele Häuser sind mit wunderschönen Fassadenmalereien verziert, überall blühen Blumen in Kübeln und durch die Steinbauten man hat eher das Gefühl, durch eine bretonische Stadt zu laufen, als durch eine nordamerikanische.

Jetzt geht’s den steilen Berg in die Oberstadt hinauf, welche deutlich größer ist als die Unterstadt. Hier liegt auch das Chateau Frontenac, welches wie eine riesige Trutzburg über der Stadt thront.

Wir laufen auf der Promenade der Oberstadt immer weiter, immer höher. Der Ausblick von hier ober ist wirklich lohnenswert.

Hier oben stehen die Häuser nicht so eng wie in der Unterstadt, doch auch hier hat man das Gefühl, in Frankreich unterwegs zu sein. Wir folgen den Straßen der Stadt, biegen mal rechts und mal links ab, bummeln durch einige Geschäfte  und landen am späten Nachmittag  wieder in der Unterstadt.

 

Da wir um 18 Uhr wieder in Levis abgeholt werden, müssen wir um 17:30 Uhr die Fähre ans andere Ufer nehmen. Die letzten anderthalb Stunden schlendern wir am Ufer des St. Lorenz Stroms entlang, setzen uns nochmal in eins der Cafes in der Unterstadt und beobachten das Treiben auf den Straßen.

Pünktlich steht unser Shuttle am Fähranleger und bringt uns zurück zum Campingplatz. Wir springen zur Abkühlung noch einmal in den Pool, machen das allabendliche Feuer an und genießen die kühlere Luft der Abendstunden. Da wir den ganzen Tag auf den Beinen waren, verschwinden wir gegen 22 Uhr im Bett.
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13.Tag            Donnerstag, 27.07.2017       Levis

Unser erster Regentag. Bereits beim Aufwachen hören wir den Regen aufs Dach trommeln, drehen uns noch mal um und genießen die Gemütlichkeit mit Buch im Bett. Da wir heute nicht weiter müssen, können wir uns alle Zeit der Welt lassen. Die Dusche ist lang und heiß und zum Frühstück  gibt es Toast, Marmelade, Käse, Obst, Kaffee und Kakao.

Nachdem wir bis zum Mittag gefaulenzt haben, beschließen wir, in die Mall nach Levis zu fahren und uns dort mal umzusehen. Wir koppeln den Wagen ab und fahren ca. 20 Minuten bis auf den riesigen Parkplatz der Mall.

Maya entdeckt ziemlich schnell eine Buchhandlung und die ist riesengroß und so viel mehr als der Verkauf von Büchern. Hier gibt es tolle Kleinigkeiten, Taschen, Spiele, Tassen, Gläser und natürlich jede Menge Bücher. Die sind leider überwiegend auf Französisch, was zumindest mir das Verständnis schwer macht. Können die nicht auch englische Bücher in den Mengen haben wie französische? Eigentlich gut, dass nicht, denn sonst müssten wir auch gleich noch einen Extra-Koffer dazu kaufen.

Fast anderthalb Stunden stöbern wir durch diesen tollen Laden, dann geht es weiter. Vorbei an Dollarama, wo wir noch schnell eine Tischdecke und Pflaster erstehen, hin zu Tim Hortons. Neben Muffins, Donuts und Kaffee gibt es hier immer freies Internet. So sitzen wir eine weitere Stunde hier rum, informieren uns über die mehr oder weniger wichtigen Dinge, die in der Welt passiert sind und schreiben ein wenig mit zu Hause. Wenn wir in Kanada unterwegs sind, verlieren wir oft völlig den Draht zur Außenwelt. Was außerhalb unseres Tages passiert, kriegen wir kaum mit und so ist es manchmal erstaunlich, was alles auf den Nachrichtenseiten geschrieben steht. Oder was in der Heimat gerade so vor sich geht. Irgendwann sind wir aber genug informiert und ziehen weiter.

Da es hier auch einen großen Walmart gibt, kaufen wir direkt noch fürs Abendessen ein. Der Himmel ist mittlerweile aufgeklart, der Regen hat aufgehört und die Luft ist immer noch warm. Also machen wir doch mal wieder den Grill an. Wir kaufen frischen Lachs und Gemüse und beides kommt am Abend in Aluschalen übers Feuer. Zum Abendessen kommt auch direkt die neue Tischdecke zum Einsatz, denn der Holztisch draußen ist noch nicht ganz trocken. Wir genießen den Rest des Tages genauso faul, wie wir ihn begonnen haben, drehen noch eine Runde über den Campingplatz und ziehen uns dann ins Wohnmobil zurück.
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14. Tag Freitag, 28.07.2017               Fahrt nach Montreal

Der heutige Tag beginnt wieder mit strahlendem Sonnenschein und warmer Luft, so dass wir wiedermal draußen frühstücken. Danach packen wir alles zusammen und machen uns auf den Weg Richtung Montreal. Hier wollen wir heute Nachmittag noch die Stadt erkunden. Für drei Nächte stehen wir auf dem KOA Montreal South Campingplatz. Nach etwa drei Stunden Fahrt kommen wir dort am späten Mittag an, stellen das Wohnmobil auf den uns zugewiesenen Platz und erkunden erstmal den Campingplatz. Für einen KOA Campground ist dieser Platz ungewöhnlich grün, es gibt viele Bäume und viel Wiese drum herum. Die Duschen sind super sauber und kostenfrei.

Im Internet wirbt der Campingplatz mit einem Shuttleservice nach Montreal und so gehen wir zur Rezeption, um uns nach den Möglichkeiten, auf die Ile de Montreal zu gelangen, zu informieren. Hier teilt man uns mit, dass sich der Shuttleservice auf das Rufen eines Taxis beschränken würde, das einen zur nächsten öffentlichen Bahnstation bringt. Mit der Bahn kann man dann nach Montreal rein fahren. Häää? Was soll das denn? Dann mach ich doch keine Werbung für ein Shuttle.

Wir lehnen das Taxi dankend ab, gehen zurück zu unserem Camper und überlegen an anderen Möglichkeiten, in die Montrealer Innenstadt zu kommen. Dank Kartenmaterial und Internet werden wir fündig, da es mittlerweile aber schon zu spät ist, um noch los zu fahren, verschieben wir den Besuch auf morgen.

Den Rest des Tages spielen wir Minigolf, liegen am und im Pool, ich wasche Wäsche und abends machen wir uns ein Feuerchen an.
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15. Tag Samstag, 29.07.2017             Montreal

Die Nacht über hat sich die Bahnstrecke bemerkbar gemacht, die eigentlich ein ganzes Stück weit vom Campingplatz entfernt liegt. Tagsüber war hiervon nichts zu hören aber leider gibt es irgendwo eine Kreuzung und vor dieser hupen die Züge nachts ziemlich lang. Und wenn man dann einmal wach ist, merkt man, wie lang diese kanadischen Züge sind. Minutenlang rattern sie durch die Landschaft. Und gefühlt auch durch unser Wohnmobil.

Gestern haben wir im Internet einen Parkplatz gefunden, der direkt an der U-Bahn-Station zur Ile de Montreal liegt. Hier wollen wir heute hin. Nach dem Frühstück fahren wir los und brauchen bis zum Parkplatz eine gute halbe Stunde. Was wir nicht wussten: Der Parkplatz gehört zu einem Hotel und so staunt der Parkplatzwächter nicht schlecht, als wir mit dem großen Gefährt auf seinen Parkplatz wollen. Wie so oft begegnet uns hier die kanadische Freundlichkeit. Der Mann fragt uns, wo wir hin wollen, was wir uns angucken möchten, wo wir herkommen, … und winkt uns dann auf den Hotelparkplatz. Wir sollen uns einfach über zwei Parkplätze stellen. So haben wir einen super Parkplatz, noch dazu bewacht und direkt vor der U-Bahn- Station.

Der nächste Glücksfall trifft uns an den Drehkreuzen zur U-Bahn: die Bahnen sind das ganze Wochenende für alle Fahrgäste umsonst, wir müssen einfach nur einsteigen, umsteigen, aussteigen. Und schon sind wir in Montreal City.

Hier besuchen wir als erstes die Kirche Notre Dame. Sie ist der größte Nachbau des Pariser Originals und vor den Türen wartet schon eine lange Menschenschlange auf Einlass. Die Ordner sorgen für einen zügigen Personenfluss und so stehen wir gar nicht so lang an.

Der Innenraum der Kirche ist schräg nach unten laufend angelegt, so dass jeder über die vor ihm sitzende Reihe hinweg sehen kann und eine gute Sicht auf den Altar hat. Der Altar ist riesig und wunderschön ausgestattet.

Neben Notre Dame befindet sich das älteste Haus Montreals.

Wir machen uns auf durch die Kopfsteinpflasterstraßen von Alt- Montreal. Hier sieht es ähnlich aus wie in Quebec City und wir laufen durch die engen Gassen bis zum Hafen. Hier liegt ein Vergnügungsviertel mit Riesenrad, Seilrutschen, Imbissbuden und Souvenirshops.

Vom Hafenbereich aus geht es zurück Richtung Innenstadt und wir erreichen Montreals Chinatown.

Hier gehen wir allerdings nur kurz dran vorbei. Unser Ziel ist das Gelände von „Just for laughs“, einem der größten Comedyfestivals weltweit. Am Eingang des Straßenzuges, auf welchen die Bühnen aufgebaut sind, kontrollieren Ordner Personen und Taschen. Zum Glück werden unsere Rucksäcke nicht beanstandet und wir dürfen weiter. Viele, viele Menschen tummelt sich hier in der Hitze und warten auf Stand-up-Comedians und andere Komiker. Leider sind wir wohl zur falschen Zeit hier, denn momentan ist auf den Bühnen nichts los. So bummeln wir ein wenig durch die Massen, bevor wir in einer Mall Abkühlung suchen. Hier sitzen wir eine Zeit lang rum, trinken was Kühles und gehen dann ins unterirdische Montreal. Hier gibt es viele untereinander verbundene Geschäfte, restaurants und Ladenpassagen, die alle mit den U-Bahn-Stationen verbunden sind. Eigentlich ist das für den Winter gedacht, damit die Menschen nicht bei -40 Grad auf den Straßen frieren müssen, jetzt, bei fast +40 Grad freuen wir uns allerdings auch über dieses unterirdisch verzweigte Netz.

Da es mittlerweile schon später Nachmittag ist und wir den ganzen Tag auf den Beinen waren und ziemlich verschwitzt sind, nehmen wir die nächste Bahn zu unserem Parkplatz. Hier wartet immer noch der nette Parkplatzwärter und meint, wir dürften morgen gerne wieder kommen. Machen wir doch gerne. Für heute ist aber erst mal Schluss.

Zurück auf dem Campingplatz springen wir in den Pool und kühlen uns ab, dann geht es duschen. Wieder frisch genießen wir die kühler werdende Abendluft, sitzen noch eine ganze Weile draußen und beobachten den kleinen Welpen unserer Nachbarn, der nach den Motten schnappt und übermütig durch die Gegend springt.
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16. Tag Sonntag, 30.07.2017             Montreal

Unsere zweite Nacht in Montreal war wesentlich ruhiger. Entweder waren heute Nacht weniger Züge unterwegs oder ich habe zu fest geschlafen, um sie zu hören.

Da der Tag wieder warm und sonnig startet, frühstücken wir draußen und überlegen die Pläne für den heutigen Tag. Es soll nochmal auf die Ile de Montreal gehen, wir wollen zuerst den Bereich der Olympischen Spiele 1976 anschauen und danach zum Mont Royal, dem Hausberg Montreals. Von hier oben soll man eine tolle Aussicht auf Montreal haben. Da diese beiden Bereiche relativ weit auseinander liegen, werden wir dazwischen wieder die U-Bahn nutzen, die auch heute noch kostenlos ist.

Nach dem Frühstück fahren wir also wieder zum Hotelparkplatz von gestern. Wieder winkt uns der nette Parkplatzwächter auf einen Parkplatz, wir gehen die paar Meter zur U-Bahn-Station und sind schon bald am Olympiastadion.

Hier schauen wir uns die Schwimmhalle an, in der heute ganz normaler Schwimmbetrieb stattfindet, wir gehen in den Biodome und laufen ein bisschen auf dem Gelände hin und her.

Danach fahren wir mit einer Art Seilbahn auf den schräg stehenden Olympiaturm. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht auf Montreal, auch wenn die Stadt auf Grund der Hitze heute unter einer Dunstglocke verschwindet.

Nach etwa einer Stunde haben wir genug gesehen, fahren wieder runter und gehen zu der Stelle, an der das olympische Feuer, die Ringe sowie das Treppchen der Olympischen Sommerspiele 1976 aufgestellt sind. Mal ganz oben auf dem Treppchen stehe kann man sich doch nicht entgehen lassen.

Am späten Mittag nehmen wir die U-Bahn zur anderen Seiter der Ile de Montreal. Hier wollen wir auf den Mont Royal, doch nach einem längeren Fußmarsch und einem ganzen Stück bergauf kapitulieren wir heute vor der Hitze. Es ist unglaublich schwül, wir sind nass geschwitzt und haben Kopfschmerzen. Da hilft auch das viele Trinken nicht mehr weiter.

Schweren Herzens beschließen wir, den Tag für heute abzubrechen und zurück zum Campingplatz zu fahren. Obwohl wir uns darüber im Klaren sind, bei jedem Kanadaurlaub niemals alles sehen zu können und immer irgendwo Abstriche machen müssen, fällt diese Entscheidung doch schwer. Vielleicht können wir den Besuch ja irgendwann mal nachholen

Den Abend lassen wir wieder am Pool ausklingen, bewegen uns möglichst wenig, lesen und faulenzen.
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17. Tag Montag, 31.07.2017              Fahrt nach Quebec

Die Nacht hat richtig gut getan und so sind wir ziemlich früh wieder ziemlich fit. Da Montreal unser „Umkehrpunkt“ auf der Strecke ist, geht´s heute nochmal zurück nach Quebec und wieder auf den gleichen Campground nach Levis.

Während wir frühstücken, wasche ich noch schnell eine Ladung Wäsche durch und stecke sie in den Trockner. Jetzt können wir mit sauberen Sachen weiterfahren.  Der Wagen wird von seinen Anschlüssen befreit und los geht’s Richtung Quebec City, wo wir nach knapp 3 Stunden Fahrzeit ankommen.

Wir hatten mit den Betreibern des Campgrounds ausgemacht, dass sie uns um 16 Uhr mit zur Fähre nach Levis nehmen würden, wenn sie die ersten Gäste vom Morgen wieder abholt. Um 21 Uhr würden sie uns dann mit den letzten Heimkehrern wieder zum Campingplatz bringen. So könnten wir den Abend in der Stadt verbummeln und dort essen gehen.

Soweit die Planung… als wir an der Fähre stehen und nach Quebec City übersetzen wollen, tut sich nichts mehr. Keine Fähre fährt und die Leute stehen am Terminal Schlange. Keiner weiß, was los ist und unsere Campground Betreiberin hat auch keine Gäste, die sie mit zurück nehmen kann. Von der anderen Seite kommt nämlich auch keine Fähre zurück. Nach längeren Hin- und Her ist klar, dass wir heute nicht mehr in die Stadt kommen: Auf der Laderampe ist ein Auto in Brand geraten und der Fähranleger ist nicht nutzbar. Somit bleiben auch die Gäste vom Morgen erst einmal in der Stadt zurück.

Wir fahren zurück zum Campingplatz und machen das Beste aus der Situation: Der Pool ist toll und die Zwangspause tut eigentlich auch ganz gut. Um 19 Uhr gehen wir anstatt in Quebec City im campgroundeigenen Restaurant essen. Ist fast dasselbe und auch richtig lecker.

So findet der eigentlich ganz anders geplante Tag doch ein schönes Ende und wie heißt es doch: „If the holiday goes as planned, it will not include any actual plans.“
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18. Tag Dienstag, 01.08.2017             Parc du Bic/Gaspesie

Wir nehmen Abschied von den Städten und fahren wieder aufs Land. Unsere Route streift die Gaspesie-Halbinsel und unser Ziel für heute ist der kleine Parc-du-Bic. Da wir die Fahrt noch für einen Einkauf bei Walmart unterbrechen, kommen wir nach gut drei Stunden Fahrzeit dort an. Es ist später Mittag, als wir uns am Visitor Centre anmelden. Direkt hier am Eingang liegt der Campingplatz für die größeren Wohnmobile. Er ist ziemlich trostlos- platter Asphalte direkt an der Straße und neben der Bahnlinie- und echt laut. Wir sind froh, den kleineren Campground Rioux weiter hinten durch gebucht zu haben. So nehmen wir Feuerholz mit und fahren ein paar Kilometer den Berg hoch und weiter in den Park hinein. Unser Stellplatz liegt wunderschön eingebettet zwischen Tannen und trotzdem sonnig. Sogar die Wäscheleine ist schon gespannt. Wir versorgen den Wagen und uns, erkunden dann die Sanitäranlagen. Die Toiletten sind o.k., aber die Duschen braucht man wirklich nicht. Naja, für einen Tag geht’s.

Da wir nur den einen Tag hier haben, ziehen wir direkt los, den oberen Teil des Parks zu erkunden. Zuerst kommen wir zum zweiten Visitor Centre. Hier gibt es neben einer kleinen Boutique ein winziges Cafe  sowie Tische und Bänke mit fantastischer Aussicht.

Hier oben starten verschiedene Wanderwege und wir entscheiden uns für die vier Kilometer entlang der Küste. Hier ist es wunderschön und wir könnten ewig weiterlaufen.

Am Ende unserer Tour stehen plötzlich zwei  Weißwedelhirsche vor uns. Ganz genüsslich fressen sie vor sich hin und lassen sich von uns überhaupt nicht stören.

Erst als die Sonne untergeht, kommen wir wieder zum Wohnmobil. Auch hier stehen in unserem „Vorgarten“ wieder Weißwedelhirsche. Die scheinen keinerlei Angst vor uns zu haben, trotzdem halten wir lieber etwas Abstand.

Bis wir unser Essen, Burger vom Grill, fertig haben, ist es längst dunkel. So essen wir beim Schein des Feuers, beobachten die Tiere um uns herum und fühlen uns einfach pudelwohl. Es wird fast Mitternacht, bis wir ins Bett fallen.


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19. Tag Mittwoch, 02.08.2017           Parc du Bic/Carleton-sur-mer/Gaspesie

Die Nacht war absolut ruhig und so wachen wir ausgeschlafen und erholt auf. Da die Sanitäranlagen hier etwas fies sind,  gibt es die morgendliche Wäsche heute im Wohnmobil. Die Haare waschen wir uns im Spülbecken, auch das geht mal und es ist sauber. Danach frühstücken wir wieder bei den kleinen Wachteln.

Der Park gefällt uns so gut, dass wir vor der Abfahrt noch etwas laufen wollen.

Da wir den Stellplatz bis 11 Uhr geräumt haben müssen, fahren wir mit Sack und Pack zum nahegelegenen Parkplatz und stellen den Wagen dort ab. Dann stehen wir nicht unter Zeitdruck und müssen uns nicht beeilen.

Vom Parkplatz aus sind es nur ein paar Meter bis zur Küstenlinie. Hier laufen wir eine ganze Zeit lang am Wasser entlang, genießen die Ruhe und schauen einer Familie zu. Die aus Treibholz ein Floss baut. Leider schwimmt es nicht wirklich.

Unterwegs finden wir diesen lustigen Stein. Die Zeichnung ist echt und nicht aufgemalt!

Nachdem wir bis zum frühen Nachmittag durch die Gegend laufen, müssen wir weiter, denn unser heutiges Ziel liegt am anderen Ende der Gaspesie und wir müssen noch 3 Stunden fahren. So kommen wir erst gegen Abend in Carleton- sur –Mer an. Der Campingplatz liegt auf einer Landzunge direkt im Wasser und ist von drei Seiten vom Meer umgeben. In der Mitte gibt es einen großen Spielplatz und einen Sportbereich mit Geräten, die Maya natürlich direkt ausprobieren muss.

Das Grillen gestaltet sich heute etwas schwierig, da der Wind immer wieder das Feuer aus weht. Wir kommen aber doch noch zu unserem Abendessen und gehen danach zum keinen Leuchtturm an der unteren Spitze des Campingplatzes. Hier sind heute Abend noch viele Leute unterwegs und genießen die frische Abendluft direkt am Wasser. Einige haben sich Klappstühle mitgenommen und schauen sich den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein oder Bier an. Bis in die Nacht hinein hört man, wie sich die Menschen leise unterhalten und es liegt eine unglaublich gemütliche Stimmung über dem Platz, als wir ziemlich spät in die Betten fallen.


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20. Tag Mittwoch, 02.08.2017           Carleton-sur-mer/Gaspesie

Ich werde erst um kurz vor 8 wach und als ich Richtung Toilettenhäuschen gehe, liegt bereits eine Hitzeglocke über dem Campingplatz. Ich hätte nicht gedacht, dass es so direkt am Meer so warm werden könnte. Es weht kein Windchen, die Luft steht regelrecht und die ersten Menschen sind bereits im Wasser.

Maya geht am Kiesstrand joggen, Mike und ich gehen zu den Duschen. Die sind hier zwar etwas älter aber super sauber. Ziemlich lange lasse ich das Wasser über mich laufen, bevor ich zum Wagen zurückgehe und Frühstück mache.

Nachdem auch Maya vom Duschen kommt, frühstücken wir in aller Ruhe draußen mit Blick aufs Wasser. Ein großer Vorteil dieser Lage ist, dass auf dem gesamten Campingplatz  keine einzige Mücke zu finden ist und man in aller Ruhe einfach nur dasitzen kann. Das tun auch die Nachbarn links und rechts von uns.

Nach dem Frühstück ist es schon sehr später Vormittag und wir koppeln den Wagen ab, um zum Parc de Miguasha zu fahren. Hier soll es viele alte Steine und Fossilien geben, die wir uns anschauen wollen.

Nach einer knappen Stunde kommen wir am Besucherzentrum an, zahlen unseren Eintritt und machen uns auf den Weg zu Kliff.

Hier kann man direkt am Wasser verschiedene Gesteinsarten mit gut erhaltenen Fossilien drin finden.

Über zwei Stunden laufen wir an der Kliffkante entlang und in der Ferne grummelt es immer mal wieder. Die Hitze legt sich auch hier wie ein Schleier über den Strand und so beschließen wir, in den höher gelegenen Wald zu gehen. Hier werden auf einem drei Kilometer langen Rundweg die verschiedenen Epochen des Erdzeitalters mit Schautafeln erklärt und beschrieben.

Unsere Hoffnung war, im Wald etwas Kühle zu finden, die gibt es aber auch hier oben nicht. Stattdessen wird das Grummeln in der Ferne immer lauter und bleigraue Wolken ziehen auf. Wir gehen immer schneller, um noch vor dem Gewitter am Wohnmobil zu sein und am Ende laufen wir den Weg regelrecht ab. Als wir am Wagen ankommen, ist der Himmel schwarz-grau und immer wieder zucken Blitze über den Himmel. Froh, rechtzeitig angekommen zu sein, machen wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz.

Laut der Wetter-App gilt heute Abend eine Unwetterwarnung für unsere Gegend. Es soll schwere Gewitter mit Sturmböen geben. Noch sieht es hier aber ganz gut aus. In der Ferne ist Wetterleuchten zu sehen und wir entscheiden uns, doch noch draußen zu essen. Im Wohnmobil ist es uns nämlich zu heiß und auf Klimaanlage haben wir keine Lust, solange es draußen noch trocken ist.

Auf den Stellplätzen um uns herum denken die Leute scheinbar ähnlich, denn es sitzen noch ziemlich viele vor ihren Campern und esse zu Abend.

Während die Sonne untergeht, kommt starker Wind auf, die Böen werden immer heftiger und  Blitze zucken vom Himmel. Alle packen mit an, um Stühle, Tische und Vorzelte in Sicherheit zu bringen und in den jeweiligen Campern zu verstauen. Da es ja noch trocken ist, schaut sich ein Großteil des Platzes das aufziehende Gewitter an und es sieht wirklich spektakulär aus, doch als die ersten dicken Tropfen fallen, verschwinden alle nach drinnen. Anstatt des angekündigten Unwetters kommt ein typisches Sommergewitter mit  vielen Blitzen aber nur wenig Regen runter und nach einer Stunde ist alles wieder vorbei. Da es mittlerweile dunkel ist und sowieso alles nass ist, gehen wir zeitig ins Bett, hören den letzten Regentropfen zu, die aufs Dach prasseln und schlafen bald ein.
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21. Tag Freitag, 04.08.2017   Fahrt in den Kouchibouguac National Park

Nach einer wunderbaren Nacht liegt auch heute Morgen wieder die Hitze über Carleton-sur-Mer. Wir müssen leider weiter und so packen wir mal wieder zusammen. Noch eine erfrischende Dusche, Frühstück und weiter geht’s. Heute fahren wir nach New Brunswick, wo uns an der Staatengrenze eine Stunde geklaut wird. Ab hier ist auch alles wieder Zweisprachig ausgeschildert. Obwohl wir uns mit den Menschen in Quebec problemlos auf Englisch verständigen konnten und es auf jedem Campingplatz englischsprachiges Personal gab, bin ich doch froh, die Schilder wieder lesen zu können.  😉

Unser Ziel ist der Kouchibouguac Nationalpark und hier wollen wir für zwei Nächte bleiben. Direkt am Eingang werden wir auf die hohe Waldbrandgefahr hingewiesen, dürfen aber noch Feuerholz kaufen.

Unser Stellplatz auf dem riesigen Campingplatz liegt schön am Waldrand und wie überall in den Nationalparks merkt man die Größe des Platzes kaum, denn die einzelnen Plätze liegen großzügig voneinander entfernt und sind durch Bäume und Gebüsch voneinander getrennt. Allerdings macht irgendwas an unserem Platz richtig laut Krach.  Es ist ein ständiges Summen und ziemlich hohes Geräusch zu hören. Es dauert eine Weile, bis wir erkennen, dass diese Geräusche durch die Zikaden in den Bäumen verursacht werden. Bei den Tönen und der enormen Lautstärke müssten die eigentlich Hinterbeine aus Stahl haben.  Wir richten uns ein, ich spanne noch kurz die Wäscheleine, um die Handtücher von heute Morgen richtig zu trocknen und dann erkunden wir den Campingplatz. Nicht weit von uns weg gibt es einen kleinen Hafen, einen Fahrrad- und Kanuverleih sowie einen kleinen Laden mit Wäscherei. Hier bekommt man auch Passwörter fürs Internet. Das nutzen wir jetzt, um noch mal mit der Außenwelt in Kontakt zu treten.

Laut Broschüre soll der Kouchibouguac Park einen der schönsten Strände New Brunswicks haben und so machen wir uns auf den Weg dorthin. Die Entfernungen sind hier allerdings so groß, dass wir dafür den Wagen brauchen. Wir stellen den Wagen auf dem Parkplatz ab, verstauen Handtücher und Badesachen im Rucksack und ziehen los. Über einen Holzsteg geht es Richtung Strand. Die Landschaft hier ist wunderschön und unter unseren Füßen breiten sich Seegras und Wasser aus.

Feine Sandstrände sind in Kanada nicht allzu häufig zu finden und schon gar nicht von den Ausmaßen wie hier. Wir genießen den warmen Abend im Sand und wollen eigentlich noch ins Wasser. Das ist aber ziemlich kalt – laut Anzeige 14 Grad- und so beschränken wir uns darauf, mit den Beinen im Wasser herum zu stapfen. Außerdem gibt es hier ziemlich viele feuerrote Quallen.

Erst als die Sonne untergeht, fahren wir zurück zu unserem Stellplatz und machen unser Abendessen fertig. Wie so oft grillen wir Fisch und Gemüse.
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22. Tag Samstag, 05.08.2017 Kouchibouguac National Park

Nach einer ruhigen Nacht sind die Zikaden, wir nennen sie „Maschinentiere“, bei Sonnenaufgang wieder wach. Wir dann auch. Da  das Dusch- und Toilettenhaus ziemlich weit von unseren Stellplatz entfernt ist, dauert es eine ganze Weile, bis wir alle wieder zurück am Stellplatz sind. Wir bereiten das Frühstück zu, ich schneide Melone und stelle sie raus. Ich gehe nur ganz kurz ins Wohnmobil, um den Rest fürs Frühstück raus zu holen, da war das Eichhörnchen schon schneller. Es sitzt auf dem Tisch und klaut sich unsere Melone. Natürlich nicht, ohne vorher über alle Stücke in der Schüssel einmal drüber gelaufen zu sein. Dann gibt es heute halt keine Melone für uns. Das Eichhörnchen schimpft und verschwindet in den Bäumen.

Der Kouchibouguac Nationalpark hat viele mehr oder weniger lange Wanderwege, die wir heute abwandern wollen. Alle zusammen haben gerade mal eine Länge von etwa sieben Kilometern.

So machen wir uns nach dem Frühstück auf zum ersten Wanderweg. Alle Wege haben ein bestimmtes Thema, über welches auf Schautafeln informiert wird. Unser erster Weg geht durch den einheimischen Wald und auch hier sieht man die Folgen der langen Trockenheit: Die ersten Blätter färben sich bereits rot. Sieht aber toll aus.

Der zweite Wanderweg führt durch Marschland und Salzwiesen, der dritte geht wieder durch die Wälder. An vielen Stellen in ganz Kanada gibt es die „Red Chairs“, von denen aus man eine besonders schöne Aussicht hat oder die einfach an einer besonders schön gelegenen Stelle aufgestellt sind.

Am späteren Nachmittag haben wir sechs der sieben Wanderwege angelaufen. Der siebte ist der Weg zum Kelly´s Beach, wo wir gestern schon waren. Da wir ja aber alle Wege gehen wollten und der Weg zum Strand echt schön ist, kommen wir heute noch mal an hierher. Das Wasser ist mit 16 Grad etwas wärmer und heute gehen wir tatsächlich richtig rein. Außer uns sind noch viele andere Leute hier, die die Abkühlung am und im Wasser suchen.

Da wir heute keine Lust zum Kochen haben, holen wir unser Abendessen vom kleinen Kiosk beim Strandaufgang. Hier gibt es Holztische und Sitzbänke, so dass wir es uns hier bequem machen. Es gibt Poutine (Pommes mit Bratensauce und Mozarellastückchen), Hotdogs und Fish´n Chips.

Satt fahren wir zurück zum Campground. Direkt am Eingang steht folgendes Schild:

Damit wäre heute Abend sowieso nichts mehr mit grillen gewesen. Auf Grund der Trockenheit und Hitze darf kein Feuer mehr entzündet werden und der Campingplatz bleibt heute Abend dunkel.

Wir sitzen noch eine Zeit lang draußen, dann summt es um unsere Köpfe und die Mücken vertreiben uns nach drinnen.
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23. Tag Sonntag, 06.08.2017             Fahrt über Moncton nach Truro

Der heutige Tag ist wieder ein reiner Fahrtag. Manchmal werden die Strecken hier in Kanada  so lang, dass man sie irgendwo unterbrechen muss.

Um 11 Uhr müssen wir den Campingplatz im Kouchibouguac Nationalpark verlassen haben und so fahren wir am späten Vormittag Richtung Moncton. Hier kaufen wir erst mal beim Atlantic Superstore und bei Sobeys ein. Das hatten wir nämlich die letzten Tage vergessen, bzw. wir waren am letzten Walmart viele Kilometer vor dem Nationalpark vorbeigefahren und hatten die Ausfahrt verpasst. Jetzt sitzen wir auf den letzten Resten und brauchen dringend Nachschub. Nach unserem Einkauf fahren wir nach downtown Moncton zum Visitor Centre und lassen uns den Weg zum Magnetic Hill erklären. Hier sollen Autos durch eine optische Täuschung bergauf rollen und das wollen wir uns natürlich einmal ansehen.

Der Weg zum Magnetic Hill ist nicht weit und schon von weitem ist das Ausmaß der Vermarktung zu erkennen: Überall an der Straße stehen Werbeschilder für den Magnetic Hill Zoo, das Magnetic Hill Spaßbad, das eigene Hotel, den Freizeitpark und und und. Vor dem Parkplatz am Magnetic Hill hat sich bereits eine lange Schlange an Autos gebildet und das Anstehen vor dem eigentlichen Hügel scheint endlos zu dauern. Wir beschließen, erst einmal den normalen Parkplatz anzusteuern und uns das Spektakel zuerst ohne Auto anzusehen: Autofahrer  fahren einen Berg vorwärts ganz normal hoch, nehmen dann den Gang raus und lassen den Wagen rückwärts rollen. Der hat natürlich so viel Schwung drauf, dass er den kleineren Hügel am Ender der Straße wieder bergauf rollt. Also nix übernatürlich oder so, sondern eher ziemlich langweilig. Gut, dass wir die CAD 6 bisher nicht bezahlt haben.

Unser Weg führt uns weiter zum Hidden Hilltop Campground in der Nähe von Truro. Hier wollen wir heute übernachten und dann morgen zuerst zum Busker Festival nach Halifax und dann an die Eastern Shore weiterfahren.

Den Abend nutze ich noch zum Wäsche waschen und heute grillen wir mal nicht. Die Campsites liegen so dicht beieinander, dass man fast bei seinem Nachbarn sitzt und es ist nicht wirklich gemütlich. So verschwinden wir recht früh im Bett.
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24. Tag Montag, 07.08.2017              Busker Festival in Halifax

Da uns der Campingplatz nicht wirklich gefallen hat, fahren wir früh los und frühstücken bei Tim Hortons. Hier gibt es leckere Frühstücksburger mit Ei und Speck, Croissants, Muffins und Bagel. Dazu Kaffee und Kakao.

Im Vorfeld hatten wir bereits überlegt, wo wir den großen Camper parken können, wenn wir nach Downtown Halifax wollen und dann noch zu einer Großveranstaltung. Wir lassen den Wagen also etwas außerhalb auf dem Parkplatz der Halifax Mall stehen und nehmen den Bus in die Innenstadt. Das geht völlig problemlos und wir sind recht schnell da.

Das Busker Festival ist ein großes Comedyfestival in verschiedenen Städten mit verschiedenen Straßenkünstlern. Durch Zufall hatten wir es im letzten Jahr mitbekommen und waren ganz begeistert.

Viele, viele Menschen strömen bei bestem Wetter über die Uferpromenade, vorbei an Fressbuden, Schminkpavillons für die Kinder, Straßenmalern oder Musikern. Sogar Elvis lebt hier weiter.

Diese drei Jungs kommen aus Osteuropa und zeigen eine urkomische Mischung aus Comedy und Artistik.

Nachdem wir fast den ganzen Tag hier vertrödeln, fahren wir am späten Nachmittag noch anderthalb Stunden bis nach Murphys Cove. Unseren Campingplatz kennen wir schon vom letzten Jahr und wieder haben wir den tollen Stellplatz mit allerbester Aussicht direkt auf den Atlantik. Wir scheißen schnell das Feuer in der alten LKW- Felge an und genießen den Sonnenuntergang zum Abendessen. Wie bei Murphys üblich, endet der Tag am gemeinsamen Lagerfeuer. Hier werden Geschichten erzählt, es wird gesungen und Musik gemacht und wir kommen eigentlich viel zu spät ins Bett. Aber es ist sooo schön.


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25. Tag     Dienstag, 08.08.2017             Murphys Cove

Unser zweiter Regentag. Bereits am Morgen hören wir den Regen aufs Dach prasseln und da wir heute nichts Besonderes vor haben, gehen wir in aller Ruhe duschen und machen zum Frühstück Pancakes im Wohnmobil. Danach lesen wir eine Weile, hören Hörbücher und faulenzen.

Dieses Jahr hat Murphys Campground ein Problem mit der Frischwasserversorgung. Im Brunnen wurden Bakterien gefunden und so soll man das Wasser erst abkochen, bevor man es benutzt. Ein bisschen Wasser haben wir noch im Tank und da wir dachten, wir hätten einen Stellplatz mit Wasser und Strom, haben wir natürlich auch vorher nichts aufgefüllt. Wir möchten den Wasseranschluss unter den Voraussetzungen aber auch nicht anschließen und so machen wir uns auf die Suche nach einer sauberen Frischwasserquelle. Schließlich haben wir noch zwei Nächte auf diesem Campingplatz vor uns und sauberes Wasser wäre nicht schlecht.

Im Visitor Centre des nächstgrößeren Ortes fragen wir nach Möglichkeiten, unseren Tank mit Wasser aufzufüllen. Die Dame schickt uns zur Tankstelle. Hier haben sie zwar kein Frischwasser für uns, dafür hört ein anderer Kunde unser Problem und jetzt kommt wieder die kanadische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ins Spiel: Der Mann sagt, wir sollen ihm  einfach hinterherfahren, er wüsste eine Möglichkeit, wo wir Wasser bekommen könnten. Er fährt vor uns her zum örtlichen Krankenhaus, springt aus dem Auto und fragt in der Notaufnahme nach einem Wasseranschluss. Leider ist dieser schon vor Jahren dicht gemacht worden und so sind wir immer noch ohne Wasser. Der Mann ist ganz enttäuscht und bietet uns seinen privaten Wasseranschluss an. Leider schmeckt das Wasser bei ihm wohl sehr nach Eisen und so will er es erst noch woanders probieren. Er bringt uns zu einem anderen Campingplatz und fragt auch dort nach Wasser für uns. Hier sieht es erfolgsversprechend aus und während Mike noch nach dem Schlauch kramt ist der Mann auch schon verschwunden, bevor wir uns überhaupt bei ihm bedanken konnten.

Nachdem der Tank wieder voll ist, fahren wir zurück in den Ort, denn dort hatten wir einen Foodland Laden gesehen. Wir kaufen Kakao und Apfelkuchen für die Mikrowelle und suchen nach einem schönen Plätzchen, an dem wir den Nachmittag verbringen können. Diesen Ort finden wir im Taylorhead Provincial Park. Nach ein paar Kilometern hubbeliger Schotterpiste haben wir Angst um unser Geschirr, finden aber einen kleinen Parkplatz direkt am Wasser. Außer uns ist niemand hier. Wir  schmeißen den Generator an, machen uns heißen Kakao und backen den Apfelkuchen in der Mikrowelle auf. Das ganze genießen wir, während wir mit Blick aufs Meer viele Runden Uno spielen.

Erst am späten Nachmittag fahren wir zurück zum Campingplatz. Hier finden wir folgenden Aushang an den Toiletten vor:

An der Küste Nova Scotias wurden Portugiesische Galeeren gesichtet und angeschwemmt, weshalb man in diesem Küstenabschnitt nicht mehr schwimmen gehen soll. Hatten wir bei dem Wetter aber sowieso nicht vor.

Den Abend verbringen wir wieder faul im Wohnmobil und obwohl es so verregnet war, war der Tag ziemlich gemütlich.
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26. Tag Mittwoch, 09.08.2017           Taylor Head Provincial Park

Anderer Tag, anderes Wetter. Unser letzter richtiger Tag mit Wohnmobil ist angebrochen und den beginnen wir mit einem Frühstück in Wärme und Sonne.

Bevor wir morgen das Wohnmobil zurückgeben müssen, wollen wir heute nochmal in den Taylorhead Provincialpark. Mal sehen, was er bei gutem Wetter zu bieten hat. Direkt nach dem Frühstück fahren wir los und fahren diesmal die Schotterstrecke noch ein paar Kilometer weiter durch. Das Geschirr wird wohl auch heute halten. Am Ende gibt es zwei Parkplätze, wir stellen den Wagen ab und gehen los. Es ist wunderschön hier und zwischen kleinen Dünen gibt es einen Weg zum Strand.

Hier sieht es aus wie in der Karibik: Weißer Sand und türkisblaues Wasser vor blauem, wolkenlosem Himmel. Einige Leute sonnen sich im Sand, vor allem Kinder toben im Wasser und klettern auf den großen Felsblöcken herum. Wir ziehen die Schuhe aus und laufen durchs flache Wasser am Strand entlang, bis wir zu einem steinigeren Abschnitt kommen. Hier müssen die Schuhe wieder her.

Wir flitschen schon eine ganze Zeit lang Steine übers Wasser, als ein älteres Ehepaar in Menonitentracht zu uns kommt. Die beiden haben uns wohl schon eine Zeit lang beobachtet und sich mit uns gefreut, wenn ein Stein besonders lang übers Wasser geflogen ist.

Es ist bereits früher Nachmittag, als wir den Strand verlassen und Richtung Wald gehen. Hier scheint es einen schönen Wanderweg zu geben, doch sobald wir tiefer in den Wald kommen, ärgern uns die Mücken. Also nix wie weg hier.

Wir fahren zurück zum Campground, denn eigentlich müssen wir ja packen. Wir haben aber überhaupt keine Lust und so wird es früher Abend, bis wir unsere Siebensachen nach draußen vors Wohnmobil schleppen um sie zu sortieren und in die Taschen zu verpacken.

Mittlerweile haben wir Nachbarn auf dem Stellplatz neben uns bekommen: Eine Familie aus Bayern. Die sind auch am Ende ihres ersten Urlaubs durch Kanada angekommen aber ihnen hat es nicht gut gefallen. Ja, ein Urlaub im Wohnmobil in Kanada ist kein Urlaub im Hotel. Man muss es schon mögen, seine Komfortzone zu verlassen und sich auf ein einfacheres, beengteres Leben einzulassen. Dafür wird man mit atemberaubender Natur, wunderbaren Menschen und tollen Begegnungen belohnt.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit haben wir alles verpackt, Mike macht ein letztes Mal den Grill an und ich räume die letzten Sachen aus den Schränken. Wir essen die Reste, die noch weg müssen, grillen die letzten Steaks und Kartoffeln und nehmen langsam Abschied.

Bis in die Nacht hinein sitzen wir wieder bei Mondschein mit anderen Gästen am Lagerfeuer.


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27. Tag Donnerstag, 10.08.2017       Abgabe Wohnmobil/ Halifax

Nach unserer letzten Nacht im Wohnmobil verlassen wir um 9 Uhr Murphys Campground und fahren etwa anderthalb Stunden nach Halifax. Bis 12 Uhr muss der Camper abgegeben sein und da wir gut in der Zeit liegen und noch nicht gefrühstückt haben, gehen wir, wie auch im letzten Jahr wieder zu Cora´s. Hier gibt es Pancakes, Waffeln, Bratkartoffeln, Eier, Obst, Speck, Würstchen und viele mehr. Sehr, sehr satt machen wir uns auf zu Fraserway. Dort angekommen räumen wir unsere Taschen aus dem Wagen und bringen übriggebliebene Lebensmittel zur Rezeption. Fraserway sammelt dort für die örtliche Tafel, nützliche Gegenstände werden auf einem Tisch für spätere Wohnmobilmieter bereit gelegt.

Die Abnahme ist schnell und unkompliziert, etwas später bringt uns ein Mitarbeiter wieder nach Downtown Halifax ins Hotel. Wir bleiben noch zwei Nächte im Cambridge Suites und beenden den Urlaub ganz langsam.

Am Nachmittag gehen wir wiedermal zur Waterfront und wundern uns über folgenden Aufzug:

Kadetten der kanadischen Marine stehen mit Fahnen Spalier, das Musikcorps spielt und am Steg stehen zwei Kanonen. Einer der vielen anderen Zuschauer erklärt uns, dass die Queen Mary 2 gleich in den Hafen einläuft, hier dreht und dabei mit Salutschüssen begrüßt wird. Das schauen wir uns natürlich an und es ist schon atemberaubend, mit welch einer Größe dieses Schiff alle anderen Schiffe hier überragt.

Das ganze Spektakel dauert fast zwei Stunden, mittlerweile ist es bereits Abend. Wir suchen uns was zu essen und setzen  uns damit auf die Dachterrasse vom Hotel. Wir spielen ein letztes Mal Uno und genießen den Sonnenuntergang über Halifax.

Nach den  Wochen der doch eingeschränkten Bademöglichkeiten, beschließt Maya, sich im Hotel in die Badewanne zu legen. Mike und ich wollen noch zu Maxwell´s Plum, einem Pub kurz um die Ecke des Hotels. Hier gibt es leckeres Bier, Kleinigkeiten zu essen und es läuft  das Spiel der Toronto Blue Jays gegen die New York Jankees. Wir haben zwar von Baseball wenig Ahnung und verstehen kaum die Regeln, das tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Um 22 Uhr verschwinden wir zurück ins Hotel.


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28. Tag Freitag, 11.08.2017   Halifax

Die Nacht im „richtigen“  Bett war echt gut, die Badewanne am Morgen auch. Nach dem Frühstück mit Toast, Muffins, gekochten Eiern, Marmelade, Käse, Obstsalat, Kaffee und Tee wollen wir zum Fairview Friedhof. Hier liegt ein Teil der Opfer der Titanic Katastrophe begraben. Der Friedhof liegt etwas außerhalb und wir nehmen den Bus dorthin. Nach einem kurzen Fußweg kommen wir am Friedhof an. Der ist riesig und wir müssen erst mal nach den Titanic Gräbern suchen. Alle Gräber haben einen schlichten Stein und neben dem Namen der Person eine Nummer. Diese Nummerierung erfolgte in der Reihenfolge, in der die Leichen aus dem Wasser geborgen wurden. Einige Steine sind immer noch namenlos, die Person also nicht identifiziert.

Nachdem wir uns den Friedhof angeschaut haben, laufen wir durch eine Wohngegend zur Halifax Mall. Da es wieder richtig heiß ist, sind wir froh, uns dort abkühlen zu können. Wir bummeln durch die Läden und setzen uns im Untergeschoss hin, um was Kaltes zu trinken.

Am frühen Abend nehmen wir den Bus nach Downtown und bummeln noch eine Zeit lang am Wasser entlang. Mit einem leckeren Eis von Cows geht es den Boardwalk hoch und runter.

Unser Abendessen gibt es heute unten an der „Fressmeile“, danach verschwindet Maya im Zimmer, schaut Youtube und Mike und ich  gehen noch mal in den Pub.

Vor unserer letzten Nacht in Halifax packen wir noch ein paar Kleinigkeiten zusammen, schichten die Koffer etwas um und stellen alles für morgen bereit.
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29. Tag Samstag, 12.08.2017             Rückflug Halifax- Frankfurt

Heute geht’s nach Hause. Da unser Flug aber erst um 21:30 Uhr geht, haben wir noch alle Zeit der Welt. Nach dem Frühstück strecken wir uns noch mal auf dem Bett aus, lesen, surfen im Internet und faulenzen vor uns hin. Wir werden heute noch lange genug unterwegs sein und da wir erst um 13 Uhr aus dem Hotel raus müssen, nutzen wir die Zeit noch. Draußen ist es heiß und schwül und die ersten dicken Gewitterwolken ziehen auf. Um eins räumen wir unser Zimmer, können das Gepäck aber noch bis zum Abflug im Hotel lassen.

Noch ist es trocken und wir gehen zuerst  am Wasser entlang. Die Schwüle ist kaum noch auszuhalten und so verziehen wir uns in die Bücherei. Hier ist es schön kühl und wir kommen gerade noch rechtszeitig dort an. Draußen entlädt sich ein heftiges Gewitter und es schüttet wie aus Eimern. Wir sitzen bis 17 Uhr in der Bücherei, lesen, checken unseren Flug ein und dösen vor uns hin während es draußen heftigst gewittert. Dann geht’s zurück ins Hotel, wo wir unser Gepäck holen und auf ein Taxi zum Flughafen warten.

Nachdem wir das Gepäck abgegeben haben, holen wir uns noch was zu Trinken und setzen uns in den Wartebereich. Hier treffen wir unsere Stellplatznachbarn aus Bayern wieder. Die wollen heute Abend mit Air Canada über Toronto und London nach München. Leider wird ihr Flug gecancelt, das der Flieger aus Toronto wegen des Wetters nicht starten kann und somit auch nicht für den Rückflug in Halifax zur Verfügung steht. Jetzt geht’s ans Telefonieren, umbuchen, mit den Schalterbeamten sprechen… Zum Schluss gibt es noch einen Flug mitten in der Nacht, der wohl in Halifax starten soll.

Unser Flug startet pünktlich und um kurz nach halb zehn verlassen wir kanadischen Boden. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was für ein Flug uns erwartet, wäre ich wahrscheinlich nicht in den Flieger eingestiegen: Über Neufundland fängt das Flugzeug mehr und mehr an zu wackeln. Das kennen wir schon aus den letzten Jahren, über Neufundland scheint es immer unruhig zu werden. Doch die Heftigkeit des Schaukelns und Wackelns ist dieses Mal anders. Der Service wird eingestellt, alle müssen ihre Sitzlehnen senkrecht stellen und die Tischchen hochklappen. Es schaukelt und wackelt und die ersten Leute werden unruhig. Der Kapitän startet eine Durchsage: „Wir erreichen einen Bereich mit instabilen Luftmassen, es wird noch etwa 30 Minuten dauern, dann haben wir es überstanden. Machen Sie sich keine Sorgen, das Flugzeug ist für solche Turbulenzen gebaut und hält das aus.“

Im Flugzeug herrscht mittlerweile eine gespenstische Ruhe. Ich weiß genau, wann die halbe Stunde vorbei ist, nur leider lässt das Wackeln überhaupt nicht nach. Es wird eher noch schlimmer. Draußen vor den Fenstern schwingen die Tragflächen so stark auf und ab, dass das Flugzeug eigentlich wie ein Vogel fliegen müsste. Der Pilot sieht sich genötigt, uns mitzuteilen, dass es wohl doch noch eine Weile dauern wird. Mittlerweile schreien die Kinder, die Erwachsenen sind stumm, einige halten sich über den Gang weg an den Händen. Viele sind mit den braunen Papiertüten beschäftigt. Ich warte ja sowieso immer auf den Absturz und ich habe jetzt so mit meiner Angst zu tun, dass mir nicht einmal mehr übel ist. Ich will hier einfach nur raus.

Nach knapp zwei Stunden lässt das Schaukeln nach, es wird ruhiger.  Schnell nimmt der Kabinenservice seine Arbeit wieder auf, verteilt Getränke und saubere Tücher. Bis nach Reykjavik geht der Flug ruhig weiter, doch so ganz schadlos scheinen wir die Turbulenzen nicht überstanden zu haben: Am Flughafen in Reykjavik erwarten uns viele gelbe Blitzlichter, wir rollen gar nicht bis zum eigentlichen Flugfeld sondern fahren direkt zum Reparaturhangar durch. Hier steigen wir alle aus und werden mit Bussen zum Flughafengebäude gebracht.

Der zweite Teil des Fluges vergeht zum Glück absolut ruhig, nur beim Landeanflug in Frankfurt sackt die Maschine kurzfristig ziemlich unsanft ab. Die Menschen an Bord sind noch so nervös, dass man ein hörbares Einatmen vernimmt, die Frau hinter uns schreit kurz auf. Kurz darauf setzen wir auf der Landebahn auf und haben es geschafft. Kurzfristig schwöre ich mir, so schnell in kein Flugzeug mehr zu steigen, diese Vorhaben löst sich aber bereits auf der Autobahn in Luft auf: So schnell scheint man ja doch nicht abzustürzen.

Jetzt noch Koffer holen, zum Parkhaus und ab nach Hause. Um 17 Uhr kommen wir geschafft nach einer Nacht ohne Schlaf zu Hause an, halten uns den Rest des Tages irgendwie wach und verschwinden um 19 Uhr in den Betten.
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Sommer 2016 in Kanada

Drei Wochen mit dem Wohnmobil durch Nova Scotia, Cape Breton und Prince-Edward-Island

  1. Tag Samstag, 09.07.16 Flug Frankfurt-Reykjavik-Halifax
  2. Tag Sonntag, 10.07.16 Halifax
  3. Tag Montag, 11.07.16 Abholung Wohnmobil bei Fraserway, Fahrt über Mahone Bay zum Kejimkujik- Nationalpark (Jeremy´s Bay Campground)
  4. Tag Dienstag, 12.07.16 Kejimkujik- Nationalpark
  5. Tag Mittwoch, 13.07.16 Fahrt über Digby Neck nach Digby (Dunromin Campground)
  6. Tag Donnerstag, 14.07.16 Fahrt zum Blomidon Provincial Park
  7. Tag Freitag, 15.07.16 Blomidon Provincial Park
  8. Tag Samstag, 16.07.16 Fahrt nach Prince- Edward- Island (KOA Campground Charlottetown)
  9. Tag Sonntag, 17.07.16 Cavendish (PEI)
  10. Tag Montag , 18.07.16 Charlottetown
  11. Tag Dienstag, 19.07.16 Fahrt nach Cape Breton (Inverness Beach Village)
  12. Tag Mittwoch, 20.07.16 Inverness Beach Village
  13. Tag Donnerstag, 21.07.16 Fahrt über Pleasant Bay nach Dingwall (Hideaway Campground)
  14. Tag Freitag , 22.07.16 Fahrt nach Ingonish (Broad Cove Campground)
  15. Tag Samstag, 23.07.16 Fahrt über Baddeck Richtung Antigonish (High Class Campground)
  16. Tag Sonntag, 24.07.16 Fahrt über Sherbrooke nach Murphys Cove
  17. Tag Montag , 25.07.16 Murphys Campground
  18. Tag Dienstag, 26.07.16 Fahrt über Martinque Beach nach Halifax (KOA Halifax West)
  19. Tag Mittwoch, 27.07.16 Abgabe Wohnmobil, Halifax
  20. Tag Donnerstag, 28.07.16 Halifax, Flug nach Reykjavik
  21. Tag Freitag , 29.07.16 Reykjavik
  22. Tag Samstag, 30.07.16 Golden Circle-Tour
  23. Tag Sonntag, 31.07.16 Flug Reykjavik- Frankfurt

 

 

 
1. Tag Samstag, 09.07.16
Morgens um 9 Uhr fahren wir los Richtung Frankfurt. Unser Flieger geht um 14 Uhr. Wir haben uns dieses Mal für Hin- und Rückflüge mit icelandair entschieden, was für uns auf dem Hinflug einen kurzen Stop in Reykjavik bedeutet. Auf dem Rückflug wollen wir dann noch 2 Tage dort bleiben und uns die Stadt anschauen.

Die Fahrt nach Frankfurt verläuft am ersten Tag der Sommerferien natürlich nicht ganz staufrei und so kommen wir erst eine halbe Stunde später wie abgemacht an der schon vorher gebuchten Tiefgarage an. Hier soll unser Auto die nächsten 3 Wochen auf uns warten. Der Airport- Shuttleservice holt uns ab, sammelt auf dem Weg zum Flughafen noch eine weitere Familie ein und setzt uns alle kurze Zeit später an Terminal 1 ab. Wir steigen auch brav aus und bemerken zu spät, dass wir ja zum Terminal 2 müssen. Egal so lernen wir auch mal den Sky-Train kennen, der die beiden Terminals miteinander verbindet. Die Fahrt ist kostenlos und wenige Minuten später sind wir da, wo wir hin wollten. Die Schlange vor dem icelandair- Schalter ist übersichtlich und so sind wir recht schnell unser Gepäck los. Die Dame beim Check- In fragt uns noch, ob wir ein Samsung Galaxy S7 dabei hätten-das müssten wir vorher abgeben. Nein, haben wir nicht, alles ok. Wir gehen noch etwas durch den Flughafen, kaufen Zeitschriften und essen noch kurz was. Dann geht es auch schon zum Security-Check. Diesmal läuft alles glatt, keiner von uns drei piepst, wir sind schnell durch. Die Wartezeit bis zum Boarding verbringen wir mit Lesen und Beobachten das Treiben auf dem Rollfeld. Dann werden die Sitzreihen aufgerufen, die nacheinander ins Flugzeug einsteigen. Unsere Reihe steigt als allerletzte ein, was sich als sehr praktisch erweist: Niemand drängelt mehr an einem vorbei und man kann sich ganz in Ruhe einrichten. Der Flug nach Reykjavik ist mit 3,5 Stunden angegeben, nach 3:10 Stunden stehen wir nach einem ruhigen Flug bereits auf isländischem Boden.

Der Landeanflug ist atemberaubend, die Landschaft wunderschön und als wir auf dem Rollfeld aussteigen kommt uns herrlich frische, kühle Luft entgegen. Mit dem Bus werden wir zum Flughafen gebracht. Der ist so klein und übersichtlich, dass er schnell erkundet ist. Das Gepäck geht automatisch weiter und so müssen wir uns um nichts kümmern. Nach 1,5 Stunden geht es weiter. Nochmal 4,5 Stunden Flug bis nach Halifax. Auch der verläuft sehr ruhig und um 19:30 Uhr Ortszeit landen wir in Halifax in Nova Scotia. Auch dieser Flughafen ist klein und wir sind schnell beim Immigration Officer. Der ist sehr freundlich (kein Vergleich zu Toronto letztes Jahr) und nach ein paar Fragen stempelt er unsere drei Pässe ab. Jetzt zum Gepäck. Auch das kommt schnell  und wir können weiter. Vor dem Flughafen suchen wir ein Taxi, das uns nach Downtown Halifax  bringt. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten und so langsam macht sich Müdigkeit breit. Hier ist es zwar erst 21 Uhr, mein Körper „rechnet“ aber noch mit 2 Uhr in Deutschland.

Für die ersten 2 Nächte haben wir ein Zimmer im „Cambridge Suites“ gemietet. Die Dame an der Rezeption ist sehr nett und die Formalitäten sind schnell erledigt. Unser Zimmer besteht aus einem Queensize Bett und einem ausziehbaren Doppelsofa. Wir machen uns nur noch Bett- fertig und verschwinden unter der Decke. Gute Nacht!
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2. Tag Sonntag, 10.07.16
Der Tag beginnt früh. Durch die Zeitumstellung sind wir schon vor 6 Uhr wach. Aber das Badezimmer hat eine Badewanne und so lege ich mich erst mal schön ins warme Wasser- das tut gut. Der „Rest“ meiner Familie dreht sich noch einmal um und döst vor sich hin. Um 7:30 Uhr gehen wir zum Frühstück runter. Für Nordamerikanische Verhältnisse ist das gar nicht schlecht: Es gibt Kaffee, Tee, Milch, 3 Sorten Saft, Müsli, verschiedene Toastsorten, seeehr hart gekochte  Eier, Käse, Marmelade, Obst und ein Waffeleisen, mit dem man sich riesig große Waffeln selber machen kann. Dazu gibt es Erdbeerkompott.

Nach dem Frühstück ziehen wir uns warm an, denn es ist richtig kalt draußen und leider nieselt es immer wieder. Der Himmel ist wolkenverhangen, als wir uns auf den Weg zum Citadell Hill machen. Den kann man von unserem Hotelfenster aus sehen und wir sind in  3 Minuten zu Fuß am Eingang. Die Zitadelle ist eine alte Verteidigungsanlage der Stadt Halifax und hat enorme Ausmaße. Wenn man über das Gelände geht, sieht man die sternförmige Form, die die Zitadelle aus der Luft hat, gar nicht. Man kann oben auf den Wallanlagen spazieren gehen und kommt so an den 8 „Zacken“ des Sterns vorbei. Hier oben stehen alte Kanonen und man hat einen schönen Ausblick auf die Stadt. Da es leider stärker anfängt zu regnen, besichtigen wir das Militärmuseum, welches auf dem Gelände der Zitadelle in einem der vielen alten Häuser untergebracht ist. Mit einem Mal kommt ein Angestellter angelaufen und sagt uns, dass wir jetzt unbedingt nach draußen gehen sollten- gleich käme der „große Knall“. Wir sehen einige Männer in originaler Uniform zu einer der Kanonen gehen und kurze Zeit später erschüttert ein ohrenbetäubender Knall die Stadt. Die Zitadelle ist in Rauch gehüllt, der sich nur langsam wieder lichtet. Diese Spektakel, so erfahren wir, veranstalten die hier jeden Tag um 12 Uhr mittags. Früher konnten so die Schiffe, die weiter unten im Hafen lagen, ihre Uhren richtig einstellen.

Apropos weiter unten… Halifax ist an einen Hang gebaut und die Straßen sind ganz schön steil. Wir laufen bergab zur Waterfront und gehen ein Stück am Wasser entlang. Wir stoßen auf ein interessantes grünes Gefährt, den „Harbour-Hopper“. Mit diesem Amphibienfahrzeug, welches für den Vietnamkrieg gebaut wurde, werden hier Stadtrundfahrten angeboten. Wollen wir natürlich machen. Das dachten sich aber auch schon andere und so müssen wir 2 Stunden warten, bis wir  losfahren können. Wir stöbern erst mal durch die Souvenirläden an der Waterfront, erstehen einen Hoodie und 2 T- Shirts und suchen uns was zu essen. Mit einem Lobster- Roll (Hummerbrötchen), einer Portion Poutine (Pommes mit Käse und dicker, brauner Sauce) und einem Stück Pizza setzen wir uns an einen der vielen Tische direkt ans Wasser. Wir beobachten die Schiffe auf dem Wasser, verscheuchen ein paar Möwen und genießen den trockenen Moment. Es ist richtig schön hier!

Mit dem Harbour-Hopper fahren wir erst mal durch die Straßen von Halifax. Leider hat es wieder angefangen zu regnen und auch das kleine Dach des ansonsten offenen Fahrzeuges hält das Wasser nicht ab. Wir fahren die Straße hoch und drehen noch eine Runde über den „Citadell Hill“. Während der Fahrt erzählt uns ein netter Mann dieses und jenes über Halifax. Unter anderem diese schöne Geschichte: „Vor ein paar  Jahren fand hier in Halifax der G8- Gipfel statt. Die anwesenden Staatsmänner und -frauen saßen bei einer wichtigen Besprechung, als um 12 Uhr mittags die Kanone auf der Zitadelle gezündet wurde und der Knall natürlich in der ganzen Stadt zu hören war. Sofort lief der Secret- Service los und suchte nach der Ursache der „Bombenexplosion“ und wollte schon den amerikanischen Präsidenten in Sicherheit bringen… Man hatte schlichtweg vergessen, die Sicherheitsleute über den täglichen Knall zu informieren.“

Nach der Fahrt durch die Stadt geht die Stadtrundfahrt weiter Richtung Hafen. Hier fährt der Wagen einfach mit Schwung ins Wasser und dreht noch eine Runde durch den Hafen von Halifax. Vom Wasser aus hat man einen schönen Blick auf die Stadt.

Der Nachmittag vergeht ziemlich schnell und da der Regen immer noch anhält, suchen wir ein trockenes Plätzchen zum Abendessen. Direkt um die Ecke von unserem Hotel  finden wir einen Pub. Trockenheit, Wärme und gute Stimmung empfangen uns drinnen und wir suchen uns einen Platz am Fenster. Als der Kellner kommt und wir die Getränke bestellen wollen, schaut er unsere Tochter Maya an und fragt: „Is she 19?“ Antwort: „No, she´s 14.“ Daraufhin müssen wir den Laden leider wieder verlassen (kein Aufenthalt von Minderjährigen in einem Lokal, in dem Alkohol ausgeschenkt wird) und stehen wieder im Regen. Seit letztem Jahr wissen wir, dass in Kanada ein Tim Hortons niemals weit weg ist und Kinder auch mit rein dürfen. So holen wir uns dort noch etwas zu Essen, gehen dann Richtung Hotel und auch schnell ins Bett.
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3. Tag Montag, 11.07.16
Wir frühstücken noch einmal im Hotel und dann steht auch schon der Mann von Fraserway vor der Tür, um uns und eine andere Familie aus Köln zur Vermietstation zu bringen. Die ist etwas außerhalb und die Fahrt dauert ca. 30 Minuten.

Das Ausfüllen der ganzen Papiere geht recht schnell, danach zeigt uns eine Mitarbeiterin wieder alle Klappen, Hebel und  Knöpfe am Wohnmobil. Als ihr auffällt, dass wir  zum 2. Mal bei Fraserway mieten, bringt sie uns noch eine

Fleecedecke und eine Trinkflasche. Beides können wir am Ende mit nach Hause nehmen. Sehr nett.

Der erste Weg führt uns zu Walmart.

Dort kaufen wir neben Lebensmitteln und Getränken auch gleich ein Grillrost und Insektenschutzmittel. Der Einkauf dauert eine gute Stunde, dann geht es auf den Highway Richtung Süden. Wir haben uns entschieden, Mahone Bay und Lunenburg anzusehen und so fahren wir kurz vor Mahone Bay vom Highway ab und suchen einen Parkplatz in dem Örtchen. Der liegt direkt vor den berühmten drei Kirchen am Wasser. Mittlerweile ist es richtig warm und sonnig und so bummeln wir ein wenig an den vielen bunten Holzhäusern vorbei uns schauen und die selbstgemachten Handwerksarbeiten in den Shops an. Am Wasser geht der Weg zurück zum Wohnmobil. Der kleine Ort lohnt auf jeden Fall einen Abstecher und ist einen Besuch wert.

In Lunenburg ist es so voll, dass wir kaum einen Parkplatz für unseren Wagen finden und so beschliessen wir, hier nur durchzufahren und auf direktem Weg zum Kejimkujik- Nationalpark zu fahren. Unser Stellplatz für die nächsten 2 Nächte liegt auf dem einzigen Campground im Park- Jeremy´s Bay Campground. Der Campground ist riesengroß, die einzelnen Stellplätze sind großzügig bemessen. Es gibt Plätze mit Stromanschluss oder unserviced places. Für den gesamten Campground gibt es ein Duschhaus, Wasch- und Toilettenhäuschen sind überall mit kurzen Wegen erreichbar.

Wir schließen unser Wohnmobil an die Stromversorgung an und machen uns auf den Weg, den Campground zu erkunden: Ganz schön viel los hier und trotzdem ist es nicht besonders laut. Unser Stellplatz liegt nur wenige Meter vom kleinen Sandstrand entfernt und da es ziemlich warm geworden ist, führt unser Weg erst einmal dort hin. Das Wasser ist glasklar und es sind schon einige Leute am Baden.

Mittlerweile ist es früher Abend und der kleine Hunger meldet sich. So wie in Kanada fast überall üblich, verfügt auch unser Stellplatz über einen Grill und so bekommen wir heute Abend lecker Fleisch, Kartoffeln und Maiskolben. Danach machen wir uns noch einmal auf den Weg am Wasser entlang. Mit einem Mal bemerkt mein Mann eine Eule mit ihrem Kleinen im Baum. Da er dort wie angewurzelt stehen bleibt und die beiden beobachtet, fragt ein kanadisches Ehepaar, was es denn hier zu sehen gäbe. Als Mike ihnen die Eule zeigt, sind sie ganz begeistert und bedanken sich später, dass man so einen schönen Augenblick mit ihnen geteilt hätte.

Der Abend klingt am Feuer aus, wir hören noch etwas den Geräuschen rundherum zu und schlafen dann die erste Nacht im Wohnmobil.

 
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4. Tag Dienstag, 12.07.16
Heute verbringen wir den  ganzen Tag im Kejimkujik- Nationalpark. Die Sonne scheint und es ist richtig heiß geworden. Noch wissen wir nicht, dass uns dieses tolle Wetter bis zum Ende des Urlaubs begleiten wird. In kurzen Hosen und T-Shirt frühstücken wir draußen und ein Squirrel leistet und Gesellschaft. Nach dem Frühstück überlegen wir, was wir bei dem heißen Wetter anfangen und kommen auf die Idee, ein Kanu zu mieten und damit was umher zu paddeln. Der Kanuverleih befindet sich zwar im Park aber bei den riesigen Entfernungen müssen wir dort trotzdem mit dem Auto hinfahren. Also stöpseln wir unser Wohnmobil wieder am Stellplatz ab und fahren zu „Jake´s´Landing“. Hier befindet sich der einzige Kanuverleih des Nationalparks. Wir stellen den Wagen auf dem Parkplatz ab und laufen zur Vermietstation. Bei dem guten Wetter haben sich das auch schon andere gedacht und die Schlange vor dem Verleih ist dementsprechend lang. Kanus gibt es erst dann wieder, wenn Leute mit ihnen zurück kommen und das kann 2 Stunden dauern. Wir beschließen zu warten, setzen uns auf einen der Holzstege und lassen die Füße ins kühle Nass hängen. Das tut gut und schön ist es hier auch noch. Die Wartezeit vergeht schnell und wir werden aufgerufen: Es ist ein Kanu für uns frei. Wir bekommen Schwimmwesten (ohne die darf keiner aufs Wasser), Paddel und eine Karte, auf der die verzweigten Seitenarme des Kejimkujik Lakes eingezeichnet sind. Der See ist riesig und damit man sich nicht verfährt, sind die Bojen in regelmäßigen Abständen durchnummeriert. So findet man immer wieder zurück.

Wir paddeln los. Erst in einen Seitenarm, dann auf den offenen See hinaus. Hier ist es ganz schön windig und das Kanu schaukelt hin und her. Das Paddeln wird ganz schön anstrengend, macht aber unglaublich Spaß.

Nachdem wir das Kanu wieder abgegeben haben, gehen wir noch zu einem Aussichtsturm. Der Weg ist nicht weit und führt auf Holzstegen durch den Wald. Beim Aussichtsturm angekommen bemerken wir, dass der kaum höher ist als die umliegenden Bäume und so sehen wir eben auch nicht viel. Egal- der Spaziergang war schön.

Abends am Feuer merkt Mike erst, dass er sich für einen Tag auf dem Wasser nicht genug eingecremt hatte. Seine Beine sind knallrot und brennen. Ab jetzt achten wir besser auf unseren Sonnenschutz!
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5. Tag Mittwoch, 13.07.16
Wir verlassen den Kejikujik- Nationalpark und fahren Richtung Digby. Dort kaufen wir erst noch beim Atlantic Superstore ein. Weiter geht der Weg nach Digby Neck. Auf der schmalen Landzunge fährt man immer an der Küste der Bay of Fundy entlang und erkennt gut die Auswirkungen des enormen Tidenhubs.

Nach etwa 40 Minuten erreichen wir die 1. Fähre, die nach Long Island übersetzt. Eigentlich würden wir gerne weiterfahren, aber durch den niedrigen Wasserstand liegt die Fähre derart tief im Wasser, dass wir Bedenken haben, mit dem Wohnmobil auf die Fähre zu fahren. Die Gefahr mit dem langen Überhang des Wohnmobils aufzusetzen hält uns davon ab. Wir fahren also wieder zurück, genießen die schöne Landschaft und erreichen nachmittags den „Dunromin Campground“ bei Annapolis Valley. Es ist richtig heiß und wir haben keine Lust mehr, uns den schönen Ort anzusehen. Machen wir morgen. Jetzt richten wir uns erst einmal für eine Nacht auf dem Campground ein. Der erste Stellplatz gefällt uns nicht, kein Problem, wir können auf einen anderen umziehen. Der Wagen wird angeschlossen und Maya und ich springen in den Swimmingpool. Das kalte Wasser ist super heute. Danach werfen wir den Grill an und Maya klettert noch über die Felsen Richtung Wasser.

Nach dem Abendessen wirft Mayas Haut plötzlich Blasen und bekommt Handtellergroße rote, juckende Pusteln. Wir schmieren erst mal Fenistil drauf und es wird besser. Aber nur kurz. Gegen 23 Uhr ist der Ausschlag schlimmer geworden, Maya ist kalt und sie fängt an zu zittern. Nicht allzu weit vom Campground entfernt gibt es eine Notaufnahme, wir steckern den Wagen von allen Anschlüssen ab und fahren dort hin. Im emergency room  erwarten uns eine Krankenschwester und ein Rettungssanitäter. Sie begutachten Mayas Ausschlag und sind sich einig, dass sie wohl an irgendeine Pflanze gekommen ist (poisen ivy war es wohl nicht). Sie bekommt ein Anti-Allergikum und wird eine Zeitlang beobachtet. Irgendwann fragt der Rettungssanitäter mit einem herrliche Akzent: „Hallo , wie geht´s?“ Einer seiner Arbeitskollegen ist wohl Deutscher und er hat ein paar Wörter aufgeschnappt. Es folgt ein sehr nettes Gespräch und wir bekommen Reisetipps aus erster Hand („Ihr müsst da hin fahren. Da sind die Einheimischen und nicht nur Touristen“). Wir bekommen weitere Allergietabletten mitgegeben und sollen uns morgen in einer pharmacy noch andere Tabletten holen. Gegen 1:30 Uhr verlassen wir die Notaufnahme um einige Reisetipps reicher und 970CAD ärmer. Der allergische Ausschlag soll uns noch knapp 2 Wochen begleiten. Wieder am Campground angekommen gehen wir nur noch ins Bett.
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6. Tag Donnerstag, 14.07.16
Am nächsten Morgen ist Maya durch die Tabletten und den wenigen Schlaf enorm müde. Wir gehen im kleinen Campground-Restaurant frühstücken und genießen hausgebackenes Brot mit Spiegeleiern. Nebenher stecke ich die Sachen, mit denen Maya gestern Pflanzenkontakt hatte in die Waschmaschine und danach in den Trockner. Um 11 Uhr verlassen wir den Campground.

Unsere Strecke heute ist nicht sehr weit. Unterwegs kaufen wir nochmal ein und halten an der pharmacy

Danach besuchen wir Port Royal. Die ursprünglich von den Franzosen 1605 errichtete Siedlungsanlage wurde von den Briten zerstört und von der Kanadischen Regierung 1939-41 wieder aufgebaut. In der hölzernen Anlage kann man wunderbar die Geschichte der ersten europäischen Siedler kennenlernen. Wir besuchen die einzelnen Häuser, schauen uns Handarbeitstechniken an, die von Männern und Frauen in Originalkostümen vorgestellt werden und genießen den wunderschönen Ausblick auf die Bay of Fundy.

In den nächsten beiden Tagen wird der Blomidon Provicial Park unser Zuhause sein. Der Weg zum Campground führt im letzten Stück steil bergauf und wir sind froh, dass uns kein anderes Wohnmobil entgegen kommt. Der Campground ist unserviced, was bedeutet, dass wir weder Strom noch Wasser haben. Die Stellplätze sind riesig und liegen entweder auf der Wiese oder im Wald unter Bäumen.

Unser Stellplatz liegt auf der Wiese in erster Reihe hoch über der Bay of Fundy:

Nachbarn kann man nur erahnen und direkt neben uns beginnt der Wald. Hier gibt es verschiedene Wanderwege und wir probieren mal einen aus. Auf Schildern wird vor Kojoten gewarnt- man soll nicht alleine gehen und immer einen dicken Stock bei sich tragen. OK, machen wir. Gegen Abend wird es windig und kalt. Da Maya über ihrer Haut keine lange, scheuernde Hose anziehen kann tut die geschenkte Fleecedecke gute Dienste und hält schön warm. Wir grillen mal wieder, danach verziehen Maya und ich uns ins Wohnmobil. Mike bleibt noch eine ganze Zeit lang draußen und genießt die Ruhe und Einsamkeit. Als ihm aus dem Gebüsch 2 Augen entgegenleuchten kommt er dann auch lieber rein.


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7. Tag Freitag, 15.07.16
Als wir morgens aus dem Fenster sehen, sehen wir erst mal gar nicht. Über Nacht ist Nebel aufgezogen und man kann kaum die Hand vor Augen sehen. Außerdem ist es recht kalt. Auf dem Weg zum Waschhaus müssen wir den Weg regelrecht suchen. So einen Nebel habe ich selten gesehen.

Nach einer warmen Dusche frühstücken wir heute mal im Wohnmobil. Es gibt Cornflakes mit Milch, Toast, Ernussbutter und Käse. Dazu heißen Tee und Kakao. Lecker!

Wir spielen einige Runden Uno und Kniffel und warten auf besseres Wetter. Und das kommt schneller als erwartet.

Am späten Mittag ist es wieder sonnig und heiß. Unterhalb des Campgrounds gibt es einen Strandzugang und eine Picknick-Area. Da wollen wir hin. Also alles im Wagen verstauen und los gehts.

Der Strand ist kein Sandstrand sondern roter Meeresboden. Es ist gerade Ebbe und über eine lange Holztreppe geht es abwärts. Das Meer hat sich so weit zurückgezogen, dass wir recht lange über den roten Boden laufen, bevor wir am Wasser ankommen. Außer uns sind noch viele andere Leute unterwegs aber auf Grund der enormen Größe wirkt es nicht voll. einige Leute graben mit Schaufeln im Boden rum und tragen Eimer  mit sich. Mike ist neugierig und fragt einen Mann, was er denn da macht. „Clam digging“ lautet die Antwort. Die graben nach einer bestimmten Muschelsorte, die bei Ebbe knapp unter der Oberfläche im Schlamm sitzt und die gekocht wohl hervorragend schmeckt. Einige Familien haben sich direkt mit mehreren Spaten bewaffnet und sammeln fleißig. Das Wasser ist herrlich warm und wir gehen so weit es die kurzen Hosen zulassen rein. Um unsere Füße wimmelt es vor kleinen Krebsen, Garnelen und kleinen Fischchen.

Oben an der Treppe waren die Gezeiten angeschlagen und wir gucken immer mal wieder auf die Uhr. Der Tidenhub beträgt hier 12 Meter und die Holztreppe ist der einzige Aufgang nach oben . Langsam machen sich auch die anderen Menschen auf den Rückweg vom Wasser. Bis zur Treppe ist ja noch was zu laufen. Oben angekommen erwischen wir einen der 4 Picknicktische, essen Kirschen und spielen Karten.

Am frühen Abend fahren wir wieder zu unserem Stellplatz. Da unser Feuerholz vom Platz verschwunden ist, fällt das Grillen heute mal aus.
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8. Tag Samstag, 16.07.16

Heute steht ein reiner Fahrtag an. Wir wollen nach Charlottetown auf Prince-Edward-Island (PEI). Um 10:00 Uhr verlassen wir den Blomidon Provincial Park wieder bei Nebel. Die Strecke nach Wolfville ist kurvenreich und nachdem sich die Straße von der Küste abwendet recht eintönig.

Wolfville ist ein schönes kleines Städtchen mit einer kleinen Universität. Viele Leute halten sich heute vormittag draußen auf, sitzen in den Cafes und genießen das warme Wetter. Der Ort lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Wir tanken bei der ersten Gelegenheit und fahren dann auf den Highway. Hier gibt es nicht viel zu sehen und so fahren wir in einem durch bis wir zur Confereration- Bridge kommen, die Prince-Edward-Island mit Nova Scotia verbindet.

Jetzt fahren wir also auf die kleinste Provinz Kanadas. Fährt man nach PEI rein, muss man entweder über die Brücke oder man benutzt die Fähre. Der Hinweg ist umsonst, erst beim Verlasen der Insel fallen Mautgebühren für die Brücke bzw. Kosten für die Fähre an. Die Brücke ist bemerkenswert lang, schlängelt sich auch schon mal hoch und runter. In Charlottetown führt unser erster Weg mal wieder zu Walmart und danach zum Campingplatz. Hier werden wir drei Nächte auf dem „KOA Charlottetown“ stehen.

Der Platz ist übersichtlich groß und wie bei allen KOAs steht man dicht an dicht. Neben dem Wohnmobil steht eine Grillstelle, ein Picknicktisch, ein Baum und danach kommen die Nachbarn. Dafür haben wir „full hookup“- also Strom, Wasser und Anschluss an den Abfluss direkt am Platz. Wir stehen in 2. Reihe zum Fluss und sind mit dem Stellplatz völlig zufrieden.

Den Rest des Tages verbringen wir mit Wäsche waschen, schlendern über den Platz und genießen das Nichtstun.


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9. Tag Cavendish, 17.07.16
Heute schlafen wir aus, frühstücken in Ruhe und machen uns auf den Weg nach Cavendish. PEI wird nicht umsonst der „Kartoffelacker der Nation“ genannt. Egal, wo man hinschaut- überall Kartoffelfelder. So fahren wir an diesen Feldern vorbei nach Norden in den National Park. An der Küste verändert sich die Landschaft, es gibt rote Sandstraßen, Dünen und überall blühen rosa Strandrosen. Wir fahren nach Cavendish Beach und stellen das Wohnmobil auf einem Parkplatz in Strandnähe ab. Es ist ziemlich heiß und uns zieht es zum Wasser. Andere Leute auch- es ist ziemlich voll.

Der Sandstrand ist für kanadische Verhältnisse ziemlich groß und so gehen wir eine Zeit lang durchs kalte Wasser, bis der Sand zu roten Felsen wird. Über die Felsen geht es wieder Richtung Dünen und von dort über einen wunderschönen Weg zurück zum Parkplatz. Überall gibt es tolle Aussichtspunkte und wunderschöne Ausblicke aufs Meer.

 

Nach etwa 2 Stunden machen wir uns auf den Rückweg. Maya möchte am Campground noch Stand-up paddeln.

Als wir gegen Abend am Feuer sitzen, treffen wir auf die ersten Mücken dieses Urlaubs. Es ist mittlerweile richtig schwül und drückend draußen und scheint sich überhaupt nicht abzukühlen. Die Mücken schwirren über unsere Köpfe und so beschließen wir, den Tag für heute zu beenden und ins Wohnmobil umzuziehen.
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10. Tag Montag, 18.07.16
Heute schauen wir uns die Hauptstadt von Prince-Edward-Island an- Charlottetown. Nachdem wir in einer Seitenstraße einen Parkplatz gefunden haben, gehen wir zuerst zur „Fußgängerzone“ in der Victoria Row. Hier gibt es Cafes, kleine Restaurants, Kneipen und andere Läden. Die Geschäfte haben Tische und Stühle nach draußen gestellt, die Menschen sitzen in der Sonne und hören den Straßenmusikanten zu. So klein wie die Provinz ist auch die Fußgängerzone und so sind wir schnell hier durch.

Durch einen kleinen Park gelangen wir zum Province House. Überall sitzen die Menschen im Schatten oder liegen unter den Bäumen. Uns zieht es weiter zur Waterfront. Der Weg geht bergab an schönen alten, bunten Holzhäusern vorbei. Am Wasser ist es angenehm frisch. Wir stellen uns an einer Holzbude an, die angeblich das beste Eis hier verkauft. So eine lange Schlange kann sich doch nicht irren- wir bekommen riesengroße Eiswaffeln, die grandios lecker sind. Das Eis ist so groß, dass man mit dem Aufessen kaum hinterherkommt, bevor es schmilzt. Während wir essen, hören wir noch einer Sängerin zu, die von einem Klavierspieler begleitet wird. Das hört sich richtig gut an. Die Waterfront zieht sich am kleinen Hafen vorbei und wir gehen langsam bergauf Richtung Wohnmobil. Den Rest des Tages verbringen wir auf dem Campground und faulenzen in der Hitze. Selbst den Mücken von gestern scheint es zu heiß zu sein, sie lassen uns in Ruhe.
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11. Tag Dienstag, 19.07.16
Wir müssen früh aufstehen, denn um 9 Uhr geht die Fähre nach Nova Scotia und wir müssen eine Stunde vorher da sein. Die Fahrt zur Fähre dauert auch noch mal eine Stunde und so verlassen wir um 7 Uhr morgens den Campground.

Die Fährüberfahrt ist recht langweilig, geht aber auch vorbei.

In Antigonish halten wir für ein verspätetes Frühstück bei Tim Hortons. Heute wollen wir nach Inverness auf Cape Breton.

Auf dem Weg halten wir an der Glenora Distillery, der einzigen Sinlge-Malt-Brennerei in ganz Kanada.

Eigentlich wollen wir an einer Führung teilnehmen aber mit Maya- keine Chance. Also geht Mike als bekennender Whisky-Trinker mit zur Führung und Maya und ich spielen im Wohnmobil einige Runden Uno. Da die Führung auch eine Whisky-Verkostung beinhaltet, fahre ich die paar Kilometer bis zum Campingplatz  „Mc Leod´s Beach and Campsite“. Hier fällt uns auf, dass wir eigentlich noch einkaufen müssten. Also noch mal los. Außer einem kleinen Tante-Emma-Lädchen gibt es hier weit und breit keine andere Möglichkeit zum einkaufen. Wir holen Rindersteaks, Maiskolben, Kartoffeln, Knoblauchbrot und noch dieses und jenes. Danach gehts zurück zum Campground. Hier wollen wir 2 Nächte bleiben.

Unser Stellplatz liegt auf einer Wiese, die Nachbarn sind nicht weit weg. Am Platz hört man das Rauschen der Wellen, der Strand ist nicht weit entfernt. Nachdem der Wagen an Strom und Wasser angeschlossen ist, gehen wir die paar Meter zum Strand. Der ist mal richtig schön. Hohe Wellen schlagen gegen den Sandstrand und schnell haben wir selbst die kurzen Hosen nass. Also zurück zum Wohnmobil und trockene Sachen anziehen.

Danach schmeißt Mike den Grill an und wir essen die leckeren Steaks, die wir vorhin gekauft hatten.

Es wird schon langsam dunkel und heute Abend auch kalt, weswegen wir früher als sonst im Bett verschwinden.


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12. Tag Mittwoch, 20.07.16
Heute wird ein „Faulenztag“. Wir wollen nirgendwo hin und hatten uns gestern vorgenommen, an den Strand zu gehen und dort einen schönen Tag zu verbringen. Allerdings hat es über Nacht wohl etwas geregnet und der Tag startet

bewölkt und kalt. Nach einer heißen Dusche frühstücken wir im Wohnmobil mit leckerem heißen Kakao.

Danach sehen wir und den Campground etwas näher an und laufen ein bisschen durch die Gegend. Als es wieder anfängt zu nieseln, verziehen wir uns ins Wohnmobil, spielen und lesen.

Am späten Nachmittag klart es wieder auf und die Sonne kommt raus. Es wird direkt wärmer- also raus aus den langen Hosen. Die haben wir, wie die dicken Schuhe, bisher überhaupt nicht gebraucht. Kurze Sachen reichten bis jetzt völlig aus.

Der Tag versöhnt uns mit einem wunderschönen Sonnenuntergang am Strand, mit einem Abendessen draußen und niedlichen Nachbarskindern, die mit Oma und Opa im Urlaub sind und abends zu Kinderliedern singen und tanzen.


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13. Tag Donnerstag, 21.07.16
Wir verlassen Inverness und fahren nach Norden. Schnell sind wir auf dem Cabot-Trail, der als eine der schönsten  Straßen der Welt gilt. Und das nicht umsonst! Steil und kurvig geht es die Berge rauf und runter und das Wohnmobil hat richtig zu arbeiten. Hinter jeder Kurve hat man einen atemberaubenden Blick auf den Atlantik und nicht umsonst gibt es alle paar Kilometer Haltebuchten. Wir steigen ständig ein und aus und machen hunderte Fotos.

Am Skyline-Trail, einem 9km langen Rundweg halten wir an. Den wollen wir heute noch ablaufen. Mit uns sind viele andere Menschen unterwegs, doch auf der langen Strecke verläuft sich die Menschenmenge. Auf Schildern wird wieder vor Bären und Kojoten gewarnt, aber bei den vielen Menschen wird sich wohl kein Bär an uns ran trauen.

Der Wanderweg führt durch Heidelandschaft, Wiesen, Wald und neungelegte Aufforstungsgebiete. An zwei Stellen begegnen uns Elche. Zuerst weit entfernt ein Elchbulle mit einem riesengroßen Geweih, später noch ganz nah eine Elchkuh mit einem Jungen. Gegen Ende des Trail kommen wir an eine Aussichtsplattform. Hier hat mein einen wunderschönen Ausblick über die Highlands und den Atlantik. Eine Zeit lang genießen wir diesen Ausblick, dann machen wir uns auf den Rückweg zum Auto.

Durch die Highlands geht es weiter nach Pleasant  Bay. Hier hatten wir gestern telefonisch eine Whale-Watching-Tour gebucht.

Wir bekommen Schwimmwesten und einen Platz in einem Zodiak, einem kleinen, schnellen Schlauchboot. Damit geht es jetzt raus aufs Wasser. Sobald wir aus dem Hafenbereich raus sind, gibt unser Kapitän richtig Gas und das Boot fliegt nur so über die Wellen. Besser als jede Achterbahnfahrt. Wir fliegen an der Küste entlang und suchen Wale. Bald haben wir welche gefunden. Eine ganze Gruppe Mink-Wale samt Kälbern kommt nah ans Boot heran, schwimmt sogar drunter durch und taucht auf der anderen Seite wieder auf.

Wir sind völlig aus dem Häuschen. Fast eine halbe Stunde lang  lässt sich allein diese Gruppe beobachten. Dann tauchen sie plötzlich ab. Wir fahren wieder los und suchen nach weiteren Walen. Die richtig großen sehen wir heute nicht, dafür aber noch mehrere Mink-Wale. Und das reicht für die Begeisterung schon aus. Auf dem Rückweg treffen wir in Buchten noch auf Kegelrobben, Seevögel und einen Weißkopf-Seeadler. Der ist leider so weit entfernt, dass er sich kaum fotografieren lässt. Nach 3 Stunden kehren wir in den kleinen Hafen von Pleasant Bay zurück und sind uns sicher: Das müssen wir unbedingt noch mal machen.

Es ist schon fast 20 Uhr und wir fahren noch 1 Stunde nach Dingwall zum „Hideway Campground“. Hier bleiben wir eine Nacht.
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14. Tag Freitag, 22.07.16
Unser Morgen beginnt mit einem Frühstück draußen vor dem Wohnmobil. Der Campground wurde landschaftlich etwas umgebaut und wir haben das Gefühl, wie in einem Steinbruch zu sitzen. Riesige Steine überall, kaum Grünzeug- nicht so schön hier. Die Stellplätze weiter vorne liegen wesentlich schöner unter Bäumen und im Grünen.

Heute haben wir kaum Fahrstrecke vor uns- nur 37 Kilometer bis nach Ingonish. So nutzen wir die Zeit und halten unterwegs an einem sehr schönen Trail, um etwas zu laufen. Über Holzwege, Treppen und Felsen geht der Weg mal mehr, mal weniger dicht am Wasser vorbei.

Nach gute einer Stunde sind wir wieder am Parkplatz und fahren bis nach Ingonish. Hier haben wir wieder das Problem mit dem Einkaufen… Einen kleinen Laden finden wir doch und der hat auch alles, was wir brauchen. Jetzt geht’s zum „Broad Cove Campground“.

Hier haben wir für 2 Nächte einen full-serviced Platz gebucht. Die Plätze mit 3-Wege-Anschluss liegen mitten auf der platten Wiese, ohne jegliche Privatsphäre alle nebeneinander. So kennen wir das von Provincial Parks eigentlich gar nicht. Der Wagen wird angeschlossen und wir sehen uns mal um. Der Platz ist riesengroß und weiter hinten durch fast parkförmig angelegt. Die Zeltplätze liegen richtig schön unter Bäumen und recht nah am Strandaufgang. Da wollen wir  jetzt auch hin. Ein kleiner Fluss fließt hier direkt in den Atlantik und so kommen hier Süß- und Salzwasser zusammen.

Wir gehen den Strand bis zu seinem Ende entlang, hier wird es sehr steinig, später auch felsig und steil. Weiter geht es nicht mehr, also zurück. Bei der Wärme ist es wieder angenehm, mit den Füßen durchs kalte Wasser zu laufen. Nach knapp 2Stunden sind wir wieder zurück am Stellplatz und hier fällt uns was auf: Wir haben gar keinen Grill! Also gibt es heute Mac&Cheese- sehr lecker.

Am späten Abend mache ich den Fehler, nochmal ins Waschhäuschen zur Toilette zu wollen. Dafür muss ich ja die Tür vom Wohnmobil aufmachen und das nutzen Tausende winzig kleiner Fliegentiere, um ungebeten ins Wohnmobil zu kommen. Es dauert ewig, bis wir sie halbwegs erschlagen haben.
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15. Tag Samstag, 23.07.16
Bei der Planung unserer Tour hatten wir nicht mit den streckenweise schlechten Straßenverhältnissen in Nova Scotia gerechnet und waren von den gleichen, gut ausgebauten Highways in Ontario ausgegangen. Eigentlich wollten wir ja 2 Tage in Ingonish bleiben und dann knapp 400 Kilometer fahren. Jetzt beschließen wir, heute schon nach Süden zu fahren und Cape Breton zu verlassen. Unterwegs halten wir in Baddeck am Bras-d´Or-Lake. Das ist ein nettes kleines Städtchen und heute, an einem warmen Samstag ist es hier richtig voll. Wir stellen den Wagen am Hafen ab und schauen uns etwas um. Es gibt viele Cafes, Souvenirläden und, wie überall auf Cape Breton, mehrere Läden, in denen Handarbeiten und Handwerksstücke verkauft werden.

Unser Weg führt uns weiter nach Süden über den Canso Causeway Richtung Antigonish. Ziel ist heute der „Highclass Campground“. Da wir nicht reserviert haben, fragt Mike an der Rezeption nach und siehe da- wir bekommen den letzten freien Stellplatz für eine Nacht. Eigentlich wollte ich noch Wäsche waschen, aber der Campground hat nur eine Waschmaschine und dort stehen schon die Wäschekörbe in der Warteschlange. Dann eben bei der nächsten Gelegenheit.

Die letzten  2 Stunden unserer Fahrt hat uns bereits Wetterleuchten begleitet. Der Himmel ist bleigrau und immer wieder zucken Blitze durch die Wolken. Es ist drückend heiß und wir gehen noch kurz zum kleinen Kiesstrand des Campgrounds, bevor die ersten Tropfen vom Himmel fallen. Es fängt regelrecht an zu schütten und das Gewitter zieht erst richtig auf. Den Abend verbringen wir im Wohnmobil, essen, spielen Karten und gehen früh ins Bett.
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16. Tag Sonntag, 24.07.16
Die ganze Nacht über hat es gewittert und geregnet, gegen morgen ist es jetzt aber trocken. Draußen ist alles noch nass und so frühstücken wir im Wohnmobil. Was geblieben ist, ist die Hitze. Es ist genauso heiß wie gestern.

Auf dem Weg nach Murphys Cove wollen wir nach Sherbrooke und uns dort das Freilichtmuseum ansehen. Der Weg ist nicht weit und wir sind gegen Mittag da. In der Ferne ist der Himmel wieder schwarz und es grummelt von überall. Es ist unglaublich heiß.

Das Museum ist ein kleiner Ort, in dem wir uns die schönen alten Holzhäuser und sie alten Handwerksberufe angucken. Unter alten Bäumen gehen wir durch den Schatten. Hier ist es auszuhalten. Verschiedene Häuser sind geöffnet und wir lassen uns von Darstellern in Originalkostümen die alten Handwerkskünste erklären. Wir kommen an einem Schmied, einer Bäckerei, einer Druckerei, einer Töpferei, einem Gerichtsgebäude, einem Drechsler, einem Arzt, der Apotheke und der Kirche vorbei. Draußen auf der Straße stellen zwei Damen Eis her. Die Schlange davor wird immer länger. In einem Haus werden wir gefragt, ob es noch trocken ist und als wir wieder gehen, kriegen wir ein nettes „Stay dry“ mit auf den Weg. Nach 2 Stunden kommen wir wieder zum Wohnmobil.

Jetzt fahren wir zu Murphys Campground.  Der liegt direkt am Atlantik, ist klein und wunderschön. Eigentlich kann man hier nichts machen, der nächste Ort ist 30 Minuten entfernt. Hier gibt es nichts und so haben sich die Besitzer viele nette Kleinigkeiten ausgedacht, um die Besucher bei Laune zu halten. Morgens gibt es kostenlosen Kaffee in der kleinen Seemannskneipe, abends gibt es ein gemeinsames Lagerfeuer, über dem Muscheln und der Fang des Tages gekocht und zusammen gegessen werden. Brian, der Betreiber des Campgrounds, bietet Fahrten mit seinem kleinen Boot an (sowohl zu Sonnenaufgang als auch zu Sonnenuntergang oder zwischendurch zum Angeln). Unser Stellplatz hat eine grandiose Aussicht aufs Wasser:

Wir grillen noch lecker Steaks und Knoblauchbrot und als es dunkel ist, gehen wir zum „common fire“. Bis in die Nacht hinein sitzen wir am Lagerfeuer und unterhalten uns mit Kanadiern, Amerikanern und Deutschen. Wunderschön. 
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17. Tag Montag, 25.07.16

Nach dem Aufstehen gibt es eine erfrischende Dusche, danach Frühstück mit Blick aufs Meer und netter Begleitung.

Da es mal wieder richtig heiß ist, leihen wir uns am Campground ein Kanu und paddeln zwischen vielen vorgelagerten kleinen Inseln umher. Die Zeit vergeht schnell und der Tag rast nur so vorbei, ohne dass wir eigentlich was Richtiges unternehmen. Wir gehen schwimmen, liegen auf dem Bootssteg in der Sonne und faulenzen. Schnell ist es Abend und wir freuen und wieder aufs Lagerfeuer. Morgen geht es wieder Richtung Halifax.
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18. Tag Dienstag, 26.07.16
Für die letzte Übernachtung vor der Rückgabe des Wohnmobils haben wir und den Campground „KOA Halifax West“ ausgesucht. Nach dem Frühstück verlassen wir Murphys Campground und fahren nach Martinique Beach. Hier soll es einen kilometerlangen Sandstrand geben.

Das Wetter spielt heute nicht so mit, es ist bewölkt, etwas windig und es nieselt immer mal wieder. Als wir in Martinique Beach ankommen, ist es gerade soweit trocken, dass wir eine kleine Runde am Strand spazieren gehen können.

Wegen der hohen Wellen sind hier viele Surfer unterwegs. Denen gucken wir noch eine Weile zu, dann geht die Fahrt weiter nach Halifax. Unser nächster Halt ist die Halifax Mall. Als wir ankommen, schüttet es in Strömen. Natürlich können wir mit unserem Gefährt nicht einfach ins Parkhaus fahren und müssen auf dem Walmart-Parkplatz nebenan parken. Der Weg bis zur Mall reicht aus, um Haare und Schuhe völlig zu durchnässen.

In der Mall schauen wir uns die verschiedenen Geschäfte an, von denen es hier einige gibt. Außer Lebensmitteln und Tieren kann man hier so ziemlich alles kaufen.  Im Untergeschoss gibt es eine regelrechte „Fressmeile“ mit gemeinsamen Tischen und Stühlen für alle Restaurants. Wir holen uns alle verschiedene Leckereien, breiten sie auf einem Tisch aus und essen erst mal.

Nach dieser Pause führt unser Weg nun zum letzten Campground. Der “ KOA Campground  Halifax West“ liegt schön nah an der Stadt und so ist der Weg morgen früh zur Abgabe nicht mehr weit. Ich wasche noch mal unsere Wäsche und wir packen all unseren Krempel zusammen. Alle Schubladen und Schrankfächer müssen ausgeräumt und der Kühlschrank geleert werden. Bei drei Leuten steht man sich da schon mal im Weg und ich bin froh, als wir unsere Taschen endlich gepackt haben. Wir schlafen die letzte Nacht in unserem Camper.
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19. Tag Mittwoch, 27.07.16
Um 11 Uhr müssen wir unser Wohnmobil bei Fraserway abgeben. Vorher gehen wir zu „Cora´s“ frühstücken. Hier fällt uns diese lustige Kombination auf:

Die Abnahme des Wagens geht schnell, alles ist ok. Jetzt müssen wir warten, bis uns ein Mitarbeiter in die Stadt zurückbringen kann. Da gerade alle unterwegs sind, dauert es ein bisschen und wir nutzen die Zeit und gucken uns alle Modelle von Wohnwagen mal genauer an. Wer weiß, wann wir das nächste Mal ein Wohnmobil in Kanada brauchen.

Einige der Wagen ähneln eher einer 3-Zimmer Wohnung als einem Camper, andere Modelle kann man klein und handlich in einem flachen Anhänger verstauen.

Irgendwann kommt ein Mitarbeiter und bringt uns wieder zum „Cambridge Suites“ nach Downtown Halifax. Hier wollen wir noch 2 Nächte bleiben. Nachdem wir wieder eingecheckt haben, beziehen wir unser Zimmer (diesmal mit 2 Queensize-Betten) und gehen danach runter zur Waterfront. Wir haben das Glück, dass hier gerade das „Busker Festival“ stattfindet. Aus aller Welt sind Straßenkünstler und Stand-up Comedians angereist und treten hier in aller Öffentlichkeit auf. Nebenher gibt es eine Art Stadtfest und so ist Halifax rappelvoll. Es ist wieder unglaublich heiß geworden und wir suchen ständig was zu Trinken. Auf dem Platz vor dem Maritime Museum tritt ein australischer Straßenkünstler auf, der sich durch einen Tennisschläger zwängt und mit laufenden Kettensägen jongliert. Echt sehenswert und mega lustig.

Wir schlendern die verschiedenen Attraktionen ab, essen Samosas und genießen das Treiben. Der Tag vergeht viel zu schnell und als es dunkel wird, setzen wir uns auf die Dachterrasse des Hotels, spielen Karten und genießen die kühle Luft, die sich langsam über die Stadt legt.


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20. Tag Donnerstag, 28.07.16

An unserem letzten Tag in Nova Scotia wollen wir uns das Maritime Museum ansehen. Da unser Flieger erst um 21:30 Uhr geht, haben wir noch eine ganze Menge Zeit, uns den Tag hier zu vertreiben. Wir müssen erst um 13 Uhr aus dem Hotel raus sein und so legen wir uns nach dem Frühstück noch mal aufs Ohr. Das Zimmer ist bei der Hitze draußen wunderbar kühl. So faulenzen wir, packen noch ein paar Sachen um und checken für den Flug ein.

Unser Gepäck können wir zum Glück im Hotel lassen, bis wir heute Abend abfahren.

Gegen Mittag gehen wir zur Waterfront runter. Das Museum liegt direkt an der „Touristenmeile“, Eintritt bezahlt und schon sind wir drin. Zu sehen gibt es hier unzählige verkleinerte Nachbauten von mehr oder weniger berühmten Schiffen, kleinere Originale sowie Fundstücke aus gesunkenen Schiffen. Die Geschichte des Tauchens wird ebenso erklärt wie die Techniken der Schiffsbergung. Am meisten interessiert uns die Ecke mit Original-Fundstücken aus der Titanic. Hier werden die einzelnen Passagierklassen der Titanic gezeigt sowie persönliche Schicksale von Passagieren vorgestellt. Leider ist das einzige Original ein Liegestuhl, der aus dem Wasser vor Nova Scotia geborgen wurde. Alles andere ist auf Fotos sowie Bild- und Tondokumenten zu sehen.

Mit dem Eintritt ins Museum kann man sich noch ein Schiff im Hafen ansehen, wo man sich die Kabinen der Mannschaft sowie die verschiedene Technik des Schiffs ansehen kann. Hier sind wir ziemlich schnell fertig.

An der Waterfront entlang gehen wir später wieder bergauf zur Bücherei. Das Gebäude ist noch recht neu und sehr eigenwillig gebaut. Da uns Büchereien immer interessieren, statten wir jetzt dieser einen Besuch ab.

Draußen vor dem Eingang sitzen mehrere Menschen an Tischen und nutzen das kostenlose Internet. Fast alle Büchereien in Kanada bieten das an. Drinnen ist es schön kühl. Die Bücherei hat mehrere Etagen, ist ziemlich groß und es dauert eine ganze Zeit, bis wir uns alles angeguckt haben. Jetzt müssen wir langsam zum Hotel zurück und uns zum Flughafen bringen lassen.

Dort angekommen geben wir unsere Koffer ab und schauen uns den Flughafen mal genauer an: Groß ist er nicht, es gibt ein paar Restaurants, einige Shops und einen Wartebereich. Trotzdem ist es ganz nett hier- nicht so überfüllt wie sonst an Flughäfen. Nachdem wir durch den security-check durch sind, kauft Mike noch 2 Flaschen kanadischen Whiskey und wir warten in der Wartezone darauf, dass unser Flug aufgerufen wird. Der hat jedoch Verspätung und so geht es erst um 22:30 Uhr los Richtung Europa. Wir setzen uns in die Wartehalle, beobachten das Treiben auf dem Rollfeld und stellen fest, dass die Arbeiter wohl nicht so ganz viel zu tun haben:


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21. Tag Freitag, 29.07.16
Nach einer sehr kurzen Nacht ohne Schlaf landen wir morgens um 6 Uhr Ortszeit in Reykjavik. Die ersten beiden Stunden des Flugs waren enorm unruhig, da wir durch diverse Gewitterzellen durch mussten. An Schlaf war also nicht zu denken.

Wir kommen bei frischer, kalter Luft in Island an und müssen uns erst mal umziehen. Gestern Abend sind wir bei warmen 27Grad  losgeflogen- hier sind es jetzt 20 Grad weniger.

Unser Gepäck kommt schnell und vor dem Flughafen warten bereits die Shuttlebusse, die die Passagiere ins Zentrum von Reykjavik bringen. Wir steigen ein und keine 5 Minuten später schläft Maya mit dem Kopf an der Scheibe. Die Fahrt dauert 50 Minuten, danach wieder raus und in kleinere Busse umsteigen. Diese fahren die verschiedenen Hotels ab und wir steigen beim „Skuggi Hotel“ aus. Das Hotel liegt direkt in der Innenstadt in einer ruhigen Seitenstraße. Es ist jetzt kurz vor 8 Uhr morgens und wir sind hundemüde. Eigentlich können wir unser Zimmer erst ab 13 Uhr beziehen, scheinbar sehen wir aber so bemitleidenswert aus, dass uns die nette Dame an der Rezeption erlaubt, uns direkt mit ans Frühstücksbuffet zu setzen. Mike und ich holen uns was zu essen, Maya schläft auf der Bank direkt wieder ein. Die Dame von der Rezeption schaut noch mal vorbei und verspricht uns, unser Zimmer schnell zu putzen.

Um 12 Uhr können wir ins Zimmer, waschen uns nur kurz und legen uns ins Bett. Den Wecker stellen wir auf 16 Uhr und schlafen alle drei sofort ein. Um 16 Uhr stehen wir, immer noch müde, wieder auf. Nach einer frischen Dusche geht es auch schon besser und 1 Stunde später laufen wir Richtung Fußgängerzone. Die ist nur 2 Straßenecken entfernt, ziemlich lang und ganz schön wuselig. Viele Menschen sitzen bei jetzt ca. 22 Grad draußen, genießen den Sonnenschein oder bummeln an den vielen kleinen Läden vorbei. Es gibt so viel zu sehen, dass wir die ganze Straße erst einmal hoch und wieder runter laufen. Alles wirkt hier neu, weder europäisch noch amerikanisch. Alles fasziniert. Obwohl es bereits Abend wird, steht die Sonne immer noch hoch am Himmel und macht keine Anstalten, unterzugehen. Es ist warm, hell und über der Stadt liegt eine unglaubliche Gelassenheit. Bis uns der Hunger in ein Restaurant reibt, lassen wir uns von diesem wunderbaren Mix durch die Straßen treiben.

Zum Abendessen gehen wir ins Restaurant „Scandinavian“. Hier gibt es natürlich viel Fisch, ansonsten Fleisch, Wurzelgemüse und leckere Desserts. Leider ist das essen gehen in Island extrem teuer- für unser Abendessen für 3 Personen ohne Vorspeise und 3 nicht-alkoholischen Getränken bezahlen wir später etwas 120 Euro.

Satt und zufrieden gehen wir ans Wasser, der Atlantik schwappt praktisch bis nach Reykjavik rein. Hier unten steht ein interessantes Gebäude, die „Harpa“. Das ist ein Multifunktionsgebäude für Konzerte, Tagungen, Aufführungen oder Kino. Wir gehen rein und schauen uns um. Danach gehen wir am Wasser entlang Richtung Hotel. Dabei kommen wir an einer Skulptur eines Wikingerschiffes vorbei, die im Licht der Abendsonne wunderschön glänzt.

Gegen Mitternacht kommen wir wieder im Hotel an und beschließen, für morgen eine „Golden Circle Tour“ zu buchen. Gedacht- gemacht, geht alles Online. Danach wollen wir nur noch schlafen.
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22. Tag Samstag, 30.07.16
Nach einer heißen Dusche und einem leckeren Frühstück zieht es uns zur Hellgrimskirkja, die über der Stadt thront. Drinnen probt gerade ein Orgelspieler, was der Kirche eine wunderbare Atmosphäre verleiht. Eigentlich wollen wir auch auf die Aussichtsplattform, allerdings ist die Menschenschlange davor so lang dass wir unsere Zeit nicht mit langem Warten verbringen wollen. Vielleicht kommen wir hier ja noch mal vorbei und können das nachholen.

Um 14 Uhr wartet der Shuttlebus vor unserem Hotel, wir steigen ein und holen an anderen Hotels noch mehr Leute ab. Unser „Reisegrüppchen“ besteht für heute aus 14 Personen aus Deutschland, der Schweiz, Norwegen, Texas und Italien. Die Reiseleitung erfolgt also auf Englisch. Sowieso spricht hier jeder Englisch und in den Läden und Restaurants wird man gar nicht auf Isländisch sondern auf Englisch angesprochen.

Unser erster Halt ist der Nationalpark „Tingvellir“. Hier kann man zwischen zwei Kontinentalplatten spazieren gehen, der europäischen und der amerikanischen Platte. Dieser Ort ist den Isländern heilig, da hier schon früh in  ihrer Besiedlungsgeschichte Gericht gehalten wurde.

Weiter geht es zum Wasserfall „Gullfoss“. Dieser fällt in mehreren Etagen fast 70 Meter in die Tiefe und durch die Gischt ist es drum herum immer neblig und nass. Die Sonne scheint und so ergeben sich mit dem Wasser wunderschöne Regenbögen.

Unser letzter Halt ist der Geysir „Strokkur“. Alle 5 Minuten schießt der Geysir eine heiße Wasserfontäne in die Höhe, holt kurz Luft und katapultiert das Wasser wieder nach oben. Drumherum gibt es mehrere kleine Geysire, die vor sich in blubbern, die Landschaft qualmt regelrecht vor sich hin.

Leider geht auch die spannendste Fahrt irgendwann zu Ende und so kommen wir gegen 22 Uhr wieder in Reykjavik an. Heute Abend gehen wir Pizza essen und fallen dann müde ins Bett.
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23. Tag Sonntag,31.07.16
Heute geht es nach Hause. Da unser Flug erst um 17 Uhr geht, gehen wir nach dem Frühstück noch eine Runde durch die Fußgängerzone. Danach müssen wir schon zum Flughafen, da dann das übliche Prozedere. Der Flughafen ist sehr klein und die Geschäfte sind schnell durchstöbert.

Nach 3,5 Stunden ruhigem Flug landen wir sicher in Frankfurt. Als wir mit unserm Gepäck aus dem Flughafen kommen, ist es hier bereits 22:30 Uhr. Mike telefoniert kurz mit dem Mann vom Shuttle-Service, der uns kurz darauf einsammelt und uns zur Tiefgarage bringt, in der unser Auto steht. Die Tiefgarage ist um diese Zeit natürlich zu und lässt sich nur mit einem Schlüssel öffnen. Der Mann sucht und sucht… und findet den Schlüssel nicht. „Ich bin schnell zur Zentrale und hol einen Ersatzschlüssel. Bin gleich wieder da“ sagt er und ist verschwunden. Ganz wohl fühlen wir uns hier nicht, mitten in der Nacht in einer Frankfurter Seitenstraße, neben einem schmuddeligen Kiosk. Nach einer guten halben Stunde taucht der Fahrer wieder auf, dieses Mal mit Schlüssel und wir sind endlich am Auto. Bis nach Hause brauchen wir knapp 2 Stunden und hier wartet bereits das Bett auf uns.

Vor dem Einschlafen sind wir uns aber sicher: Gerade für Island hatten wir viel zu wenig Zeit und es ist bestimmt nicht das Letzte Mal gewesen, dass wir die Insel mitten im Atlantik besuchen.
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