Sommer 2018- Von Halifax über die Gaspesie den St-Lorenz-Strom entlang nach Toronto

Juli/August 2018 – Fünf Wochen im Wohnmobil den St. Lorenz-Strom entlang

 

1. Tag, 14.07.18            Flug Frankfurt-Halifax
2. Tag, 15.07.18            Halifax
3. Tag, 16.07.18            Abholung Wohnmobil- Fahrt zum Kejimkujik Nationalpark
4. Tag, 17.07.18            Kejimkujik Nationalpark
5. Tag, 18.07.18            Kejimkujik Nationalpark
6. Tag, 19.07.18            Whale-Watching in Tiverton
7. Tag, 20.07.18            Annapolis Royal
8. Tag, 21.07.17            Fahrt nach Amherst/Tidal Bore Rafting
9. Tag, 22.07.18            Kouchibouguac Nationalpark
10. Tag, 23.07.18          New Richmond
11. Tag, 24.07.18          Fahrt zum Forillon Nationalpark
12. Tag, 25.07.18          Forillon Nationalpark
13. Tag, 26.07.18          Forillon Nationalpark
14. Tag, 27.07.18          La Martre
15. Tag, 28.07.18          Früher nach Quebec
16. Tag, 29.07.18          Quebec
17. Tag, 30.07.18          Quebec
18. Tag, 31.07.18          Unplanmäßiger Halt in Montreal
19. Tag, 01.08.18          La Mauricie Nationalpark
20. Tag, 02.08.18          La Mauricie Nationalpark
21. Tag, 03.08.18          Montreal
22. Tag, 04.08.18          Montreal
23. Tag, 05.08.18          Fahrt in den Algonquin Nationalpark
24. Tag, 06.08.18          Algonquin Nationalpark
25. Tag, 07.08.18          Algonquin Nationalpark
26. Tag, 08.08.18          Farmers Market in Kitchener
27. Tag, 09.08.18          Fahrt nach Niagara Falls
28. Tag, 10.08.18          Niagara Falls
29. Tag, 11.08.18          Niagara Falls
30. Tag, 12.08.18          Fahrt nach Toronto
31. Tag, 13.08.18          Rückgabe Wohnmobil/ Wohnung Toronto
32. Tag, 14.08.18          Toronto
33. Tag, 15.08.18          Toronto
34. Tag, 16.08.18          Toronto/ Rückflug nach Frankfurt

 

14.07.2018         

Diesen Sommer sollte es zu dritt losgehen. Neben Mike und mir wollte Mayas beste Freundin Liz mit nach Kanada kommen und da wir der Meinung sind, dass es einfacher ist, mit zwei 16-jährigen unterwegs zu sein, anstatt nur mit einer, waren wir einverstanden, als Liz´ Eltern uns im September 2017 fragten, ob wir ihre Tochter mit nach Kanada nehmen würden.

So schellt heute Morgen also um halb sieben der Wecker, um uns am ersten Tag der Sommerferien aus dem Bett zu schmeißen. Aufstehen, fertig machen, die letzten Sachen wegräumen- um kurz vor acht sind wir abfahrbereit. Zuerst holen wir Liz ab, die nur 10 Minuten von uns entfernt wohnt. Mit ihr ist das Auto jetzt auch bis an die Oberkante voll: Neben unserem üblichen Gepäck schleppen wir dieses Mal zwei zusätzliche Koffer mit, was bedeutet, dass jetzt vier Personen, sechs Koffer und vier Handgepäckstücke im Wagen verstaut sind. In den beiden zusätzlichen Koffern habe ich Bettzeug, Kissen und Handtücher für uns vier eingepackt, da die Bewertungen von Cruise Canada im Internet nicht zu viel Gutes erahnen ließen, was die Versorgung mit eben diesen Sachen angeht.

Über die noch leere A45 geht es Richtung Frankfurt und wider Erwarten stehen wir in keinem einzigen Stau und erreichen das Parkhaus bereits eine halbe Stunde früher, wie abgemacht. Um  halb elf stehen wir bereits mit unserem Gepäck vor dem Shuttleservice, der uns bis 11 Uhr zum Terminal 2 bringt. Hier soll um 14 Uhr unser Flieger Richtung Reykjavik  und nach einem kurzen Zwischenstopp von anderthalb Stunden der Anschlussflug nach Halifax gehen.

Der Check-In ist schon geöffnet, die Schlange ist noch nicht allzu lang und so sind wir unser sperriges Gepäck schnell los. Jetzt haben wir noch drei Stunden Zeit. Da es in Terminal 2 nicht allzu viele Dinge zu sehen gibt, drehen wir noch eine Runde an den Zeitschriften vorbei und setzten uns danach zu Mc Donalds. Hier gibt’s neben Kaffee und Pommes freie Sitzplätze und WLAN. Wir kommunizieren noch etwas mit den Zuhausgebliebenen  und kriegen von dort die Aufforderung, doch viele Bilder in die Familiengruppe zu schicken, damit der Rest auch etwas an unserem Urlaub teilhaben kann. Die Zeit vergeht schnell und der Security-Check naht. Erstaunlicherweise läuft dieses Mal alles ohne Piepen und extra abtasten ab und wir können unsere Siebensachen hinter dem grauen Kasten wieder in Empfang nehmen. 

Da wir immer noch eine gute Stunde Zeit bis zum Abflug haben, suchen wir uns ein freies Plätzchen in der Nähe des Icelandair-Schalters und lassen uns dort nieder. Viele Andere denken genauso und es wird langsam voll auf unserem Flur. Auf unseren Bordkarten steht was von 13:15 Uhr als Beginn des Boardings, doch um diese Uhrzeit ist der Flieger aus Reykjavik noch nicht mal in Frankfurt gelandet.  Auf den Anzeigetafeln wird die Abflugzeit 40 Minuten nach hinten gesetzt. Ok, wir warten weiter. Nach den 40 Minuten ist der Schalter immer noch verwaist, weit und breit ist niemand zusehen, der uns einchecken könnte. Irgendwann  erscheinen zwei nette Damen, unser Flug wird ausgerufen und mit anderthalb Stunden Verspätung verlassen wir endlich deutschen Boden. Mike rechnet schon mal durch, ob das mit unserem Anschlussflug noch hinhaut- scheint gerade noch zu klappen. Als wir um 17 Uhr Ortszeit in Reykjavik landen, bleiben uns genau 25 Minuten, um zum nächsten Flugzeug zu kommen. Andere hatten nicht so viel Glück- die Flüge nach Washington und Denver sind bereits weg und so stehen eine Menge missmutige, hektische Menschen am Flughafen in Reykjavik. Wir sehen zu, dass wir zügig durch die Menschenmenge Richtung passendem Gate kommen, dort wieder einchecken und in die bereits wartenden Busse zum auf dem Rollfeld stehenden Flugzeug springen.

So, geschafft, alle sitzen.

Der Flug verläuft ruhig und über Grönland haben wir zum ersten Mal ohne Wolken eine wunderschöne Aussicht auf Eis und Gletscher.

 

 

Nach gut vier Stunden landen wir sicher in Halifax und stellen uns auf einen Fragemarathon durch die immigration control ein. Schließlich haben wir ein fremdes Kind dabei und da können die Befragungen, wieso und weshalb man denn anderer Leutes Kind mit nach Kanada bringt, schon mal länger ausfallen. Wir haben aber Glück, die Dame am Schalter will kaum was von uns wissen und schon stehen wir am Gepäckband und warten auf unsere Unmengen an Koffern. Die werden alle vollzählig und zügig ausgespuckt und so geht’s zum Taxistand. Wir hatten schon so eine Ahnung, dass es schwierig werden könnte, vier Personen samt viel Gepäck in ein Taxi zu bekommen aber die Kanadier wären ja nicht die Kanadier, wenn nicht irgendjemand freundlich eine Lösung organisieren würde. Ein Wachmann telefoniert schnell rum und schon steht ein großer Van für uns vor der Tür, um uns nach Downtown zu bringen. Nach gut 30 Minuten erreichen wir unser übliches Hotel, checken schnell ein und beziehen unsere zwei Zimmer. Da sich langsam aber sicher die Müdigkeit breit macht, geht’s auch schnell in die Betten. Der Tag war lang genug und vor uns liegen noch knapp fünf Wochen Sommer in Kanada.
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15.07.2018                         

Halifax begrüßt uns heute Morgen grau und verhangen. Da die Wettervorhersage aber was von Besserung im Lauf des Tages gesagt hatte, lassen wir den Tag ruhig angehen. Viel zu früh sind wir mal wieder wach und ich liege bereits um sechs Uhr in der Badewanne. Nach einem Langstreckenflug habe ich immer das Gefühl, mich erst einmal etwas renovieren zu müssen und da kommt so eine heiße Wanne echt gelegen. Nachdem ich das Bad geräumt habe, kann Mike rein und um kurz nach sieben sitzen wir beide beim Frühstück. Die beiden Mädels scheinen noch zu schlafen und kommen dann einfach später nach. Bei Kaffee, Tee, Porridge, Obst, Ei und Toast mit Marmelade gucken wir einen Rückblick auf die Fußball-WM, die auch hier live übertragen wird. Als Mike und ich eigentlich fertig sind, tauchen Maya und Liz auf und wollen frühstücken. Ok, dann gibt’s für uns die zweite Runde Tee.

Nach dem Frühstück ist es draußen immer noch grau aber wir sind hellwach und wollen was unternehmen. Liz ist zu ersten Mal in Kanada und wir wollen ihr natürlich möglichst viel zeigen. Zuerst geht’s wie üblich hoch zur Zitadelle.

Wir kriegen eine kleine Führung durch die aufgebauten Schützengräben und wissen am Ende, wie die Soldaten im 1. Weltkrieg dort ge- und überlebt haben. Nachdem wir eine Runde über die Mauer der Zitadelle gedreht haben, zieht es uns runter ans Wasser. Steil bergab gehen wir zur Waterfront und schlendern dort die Promenade entlang. Es ist zehn Uhr und die kleinen Touristenbuden öffnen pünktlich für uns. Wir stöbern eine Weile in den Läden, schauen uns die verschiedenen Buden an und suchen nach Krimskrams, den wir eigentlich nicht brauchen. Am frühen Mittag sind wir schon wieder so müde, dass wir uns nochmal in die Betten legen und faulenzen, bis uns der Hunger wieder raus treibt. Unten an der Waterfront gibt es viele verschiedene Buden, an denen man sich etwas zu essen holen kann. Die Auswahl ist groß und wer hier nichts findet, ist selber schuld. Wir entscheiden uns für Burger, Wraps und zwei Salate und freuen uns über einen freien Tisch direkt am Wasser.

Nach dem Essen schlendern wir noch etwas durch die Straßen und Maya will Liz unbedingt die Bücherei zeigen. Also geht’s wieder bergauf. Das imposante, moderne Gebäude mit seinem großen Glasvorbau ist schon von weitem erkennbar und wir stöbern uns durch mehrere Etagen Bücher, Zeitschriften, Filme und Spiele. Am frühen Abend setzen wir uns auf die tolle Dachterrasse des Hotels und spielen „Wizzard“, ein neues Kartenspiel, das Liz Maya zum Geburtstag geschenkt hat und spielen, bis es stockdunkel ist. Danach geht’s ab in die Betten.

 

16.07.2018                         

Auch die zweite Nacht in Kanada ist früh vorbei. Bereits um sieben sitzen wir beim Frühstück und genießen das nordamerikanisch-fettige Essen  am frühen Morgen. Gegen acht packen wir unsere Siebensachen zusammen, denn das Taxi, das Cruise Canada als Shuttle zum Hotel geschickt hat, wartet vor der Tür auf uns. Zügig geht es durch den Stadtverkehr zur Vermietstation, die etwas außerhalb von Halifax liegt. Hier wartet bereits unser riesiges Wohnmobil auf uns. Ich war im Vorfeld etwas skeptisch, da Cruise Canada im Internet oft schlecht bewertet wird, doch der erste Eindruck ist in Ordnung. Ok, sauberer hätte der Wagen sein können, doch technisch ist alles in Ordnung und so rollen wir nach einer guten halben Stunde Übergabe vom Hof.

 

 

Unser erster Stopp ist eine Art Shoppingbereich mit Walmart, Dollarama und Michaels. Hier toben wir uns richtig aus und vor allem bei Dollarama lassen wir richtig Geld. In den Beschreibungen von Cruise Canada wird ja schon gesagt, dass die Wohnmobile nur mit dem Nötigsten ausgestattet sind und das trifft es ganz gut. Wir kaufen noch einige Dinge von A, wie Axt über T, wie Toaster bis Z, wie Zündhölzer, plündern dann Walmart für die grundlegende Nahrungsmittelversorgung und stöbern abschließend durch Michaels, wo Maya und ich uns neue Jahresplaner gönnen.  Nach gut zwei Stunden, es ist mittlerweile Mittag und ziemlich warm, machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Halt: Wie in den letzten Jahren auch, zieht es uns erst einmal in den Kejimkujik- Provincialpark. Wie bei allen kanadischen Parks befindet sich am Eingang ein Visitor Center, an dem auch wir erstmal anhalten. Da wir es in den letzten beiden Jahren nicht geschafft haben, an der Petroglyphen-Tour teilzunehmen, melden wir uns für übermorgen früh hierfür an. Die Wetterprognose verspricht zwei weitere warme, trockene Tage, danach soll es regnerischer werden. So entschließen wir uns, heute direkt am nächsten Parkplatz an der Straße zu halten und im Fluss schwimmen zu gehen. Diesen Platz haben wir letztes Jahr durch Zufall entdeckt und auch heute zieht uns das Wasser hier magisch an. Die Abkühlung tut gut und wir alle genießen die Erfrischung. Außer uns sind heute nur wenige Leute hier und so haben wir den Fluss und den Wasserfall fast für uns alleine.

Nach gut einer Stunde wird es im Wasser doch kühl, wir ziehen uns um und fahren die letzten Meter zum ersten Campground für diesen Urlaub, Jeremy´s Bay. Da das Duschgebäude zentral liegt und zu Fuß doch weiter von unserem Stellplatz weg ist, halten wir auf dem Weg direkt dort an und stellen uns alle kurz unter die Dusche. Abgekühlt und sauber richten wir uns nun auf unserem Stellplatz für die nächsten drei Tage ein. Es ist gar nicht so einfach, das Wohnmobil mit seinen über 9 Metern Länge auf dem Stellplatz zu positionieren, doch nach ein paarmal vor und zurück passts. Der Strom wird angeschlossen, Wasser gibt’s hier nicht. Da es mittlerweile früher Abend ist und wir den ganzen Tag außer dem Frühstück  bisher nichts gegessen haben, macht sich der große Hunger breit. Mike ist für das Feuer zuständig, die Mädels schnippeln Gemüse und ich deck den Tisch und bereite das Fleisch vor. Der erste Abend am Feuer ist immer was ganz besonderes. Der Stress der letzten Tage fällt von einem ab und es setzt sich eine wohltuende, innere Ruhe durch, die uns in unseren Wochen durch Kanada immer begleitet. Nach dem Essen räume ich alles ordentlich weg, um weder Waschbären noch ihren größeren Brüdern einen Grund zu geben, an unseren Stellplatz zu kommen. Die Mädels sind schon zum kleinen Strand am See gegangen und Maya zeigt Liz die Schönheit der kanadischen Campgrounds.

Mike und ich kommen etwas später auch zum Strand, an dem sich heute Abend mehrere Leute versammelt haben, um sich den Sonnenuntergang anzusehen. Ein paar Kinder sind noch im Wasser, die Leute unterhalten sich und als die Sonne untergegangen ist, hört man vom gegenüberliegenden Seeufer die Kojoten heulen.  Am liebsten würde ich die Zeit anhalten und ewig hier stehen bleiben, doch der Jetlag fordert hartnäckig Tribut und so geht’s zurück zum Wohnmobil und ab in die frisch bezogenen Betten.

 

17.07.2018                         

Ich bin heute Nacht einmal wach geworden und habe versucht, draußen irgendetwas zu hören- vergeblich. Die Nächte hier in den National- oder Provincialparks Nova Scotias sind so sagenhaft ruhig. Man hört absolut nichts. Gar nichts. Wunderschön.

Nach einer also ruhigen Nacht wachen wir am Morgen ausgeschlafen und erholt auf. Der Weg zum Toilettenhäuschen ist kurz, die Wäsche heute auch, denn wir wollen sowieso noch ins Wasser. Frühstück gibt’s draußen und in freier Natur schmecken Toast mit Erdnussbutter und Himbeermarmelade, Obstsalat, Kaffee und Tee nochmal so gut. Da es in so einem Wohnmobil, und sei es auch noch so groß, immer eng ist, räumen wir morgens alle Sachen ordentlich in die Schränke und Schubladen, nur um sie im Laufe des Tages wieder hervor zu kramen und neu zu verteilen. Jedenfalls ist jetzt nach dem Spülen die Küche wieder ordentlich, der Tisch ist frei und die Betten sind gemacht. Der Tag kann also anfangen.

Wir überlegen, am Ufer des Kejimkujik Lakes nach Jake´s Landing zu laufen. Das sind pro Strecke etwa vier Kilometer und dort angekommen wollen wir dann überlegen, ob wir uns Kanus oder Kajaks ausleihen und noch eine Runde über den See drehen.  Da es heute Morgen bereits ziemlich warm ist, nehmen wir jeder eine Flasche Wasser mit  und machen uns auf den Weg. Immer am Ufer entlang schlängelt sich der Weg durch den Wald, bis er sich kurz vor dem Ziel in einer großen Farn- und Wiesenlichtung öffnet. Jetzt noch über die kleine Brücke und wir sind am Bootsverleih. Wir setzen uns auf einen der schwimmenden Stege, ziehen sie Schuhe aus und halten die Füße ins kalte Wasser. Tut das gut! Jetzt sitzen wir hier einmal so gemütlich und gucken dem Treiben um uns herum zu, da haben wir heute gar keine Lust, noch selbst ins Boot zu steigen und belassen es beim Rumsitzen auf dem Steg. Den Rückweg treten wir ganz in Ruhe an und bummeln ganz gemütlich am Ufer zurück. Da der Weg neben Fußgängern auch von Fahrradfahrern genutzt wird, müssen wir immer mal wieder Platz für ebendiese machen und kurz stehen bleiben, um sie durch zu lassen. Bis wir wieder am Stellplatz sind, ist es bereits später Mittag und wir machen erst einmal eine Pause von unserer anstrengenden Tour.

Mit verschiedenen Spielen setzen wir uns nach draußen, nehmen viel zu Trinken mit und spielen uns durch die nächsten zwei Stunden. Danach lesen wir und faulenzen, bis die beiden Mädels wieder Bewegungsdrang verspüren und Hummeln im Hintern haben. Da beide zu Hause viel Sport machen und für ihre jeweiligen Handballmannschaften Laufnachweise erbringen müssen, wollen beide heute noch joggen gehen. Aufgrund der Wärme hatte ich bisher Einspruch erhoben aber jetzt, gegen Abend wird es etwas kühler und die beiden machen sich auf den Weg. In der nächsten Stunde müssen Mike und ich nicht mit den beiden rechnen und so machen wir uns auf den Weg zum Strand, setzten uns da auf eine der Bänke und genießen den Blick übers Wasser. Die Sonne steht immer noch hoch am Himmel aber es kommt ein bisschen Wind auf, der für ein wenig Abkühlung sorgt. Das Seeufer wird von vielen Familien bevölkert, die mit Decken, Handtüchern und allerlei aufblasbarem Getier im und am Wasser unterwegs sind.  Bis Maya und Liz wieder zurück sind, vergehen fast anderthalb Stunden und beide erzählen begeistert, dass sie ihre ersten 10 Kilometer abgelaufen hätten. Aufgeheizt und verschwitzt stehen beide am Wohnmobil und wollen zur Abkühlung auch noch ins Wasser. Also her mit den Handtüchern und ab ins Wasser. Zuerst im See und später unter der Dusche.

Als es dämmert, fachen wir das allabendliche Feuer an und grillen Kartoffeln und Gemüse. Ich bin heute Abend so müde, dass ich froh bin, mich direkt nach dem Essen ins Bett verziehen zu können. Ich mach es mir gemütlich, hab das Bett ganz für mich alleine und hör meinen Hörbuch-Krimi. Allerdings fallen mir schon nach 15 Minuten die Augen zu. Die drei anderen Familienmitglieder sind noch munter und da heute Abend besonders viele Sterne zu sehen sind, gehen sie nochmal zum Strand und betrachteten völlig fasziniert Sterne und sogar die Milchstraße (wie sie mir am nächsten Morgen erzählen).

 

18.07.2018                         

Über Nacht sind Wolken aufgezogen und es ist merklich abgekühlt. Es passiert schon selten, dass wir uns zusätzlich zu den dünnen Bettdecken noch die Wolldecken mit ins Bett holen aber heute früh haben wir sie alle vier mit drin liegen und muckeln uns dick ein. Es ist richtig kalt. Aber das Wetter in Kanada ändert sich schnell und das Grau heute Morgen bedeutet noch nichts für den Rest des Tages. Die Kanadier sagen selbst: „Wenn dir das Wetter nicht passt, warte ne Stunde, dann ist es wieder anders.“ Wir müssen uns heute etwas beeilen, denn um 10 Uhr startet die Petroglyphen-Wanderung und zum Treffpunkt fahren wir noch eine gute Viertelstunde. Schnell waschen, Zähne putzen frühstücken und los geht’s. Wir sind mal wieder spät dran und fahren natürlich auch den falschen Parkplatz an, wundern uns, warum hier niemand ist, suchen nach weiteren Informationen, finden dann den richtigen Treffpunkt und…die Tour ist schon weg. Na toll. Das dritte Jahr in Folge und wir haben es wieder vermasselt. Aus dem Grau nieselt es mittlerweile und wir stehen am Merrymakedge Beach, fast alleine und überlegen, was wir jetzt mit diesem Tag anfangen sollen.

Da es nicht allzu stark regnet, laufen wir erstmal etwas nach rechts, dann nach links am Seeufer entlang. Der Regen wird stärker und wir ziehen und zum überdachten Kiosk am Parkplatz zurück. Hier gibt’s heißen Kaffee und freies WLAN. Zwar schwach aber vorhanden. Da wir gerade nichts Besseres zu tun haben, surfen wir eine Weile im Internet, informieren uns über die mehr oder weniger wichtigen Dinge in der Welt und fangen an, das Nichtstun zu genießen. Als der Regen nachlässt, gehen wir nochmal am Ufer weiter und finden einen Standort der Red Chairs.

Diese roten Stühle stehen über ganz Kanada verteilt an besonders schönen Stellen und laden zum Hinsetzen und Ausschau halten ein.  Wir sitzen ein bisschen und halten ein wenig Ausschau, dann geht’s zurück  Richtung Parkplatz. Am Ufer liegen viele flache Steine, die wir noch eine Zeit lang über das ruhige Wasser flitschen.

Der Regen hat mittlerweile aufgehört und Maya und Liz haben Lust auf Kanu oder Kajak. Wir fahren den kurzen Weg zu Jake´s Landing und wegen des  Wetters sind heute nicht allzu viele Leute dort. Es gibt keine Warteschlange und wir können direkt zwei Boote haben. Mike und ich haben heute keine Lust zum Paddeln und so leihen wir zwei Kajaks, mit denen die beiden Mädels losziehen.

Anderthalb Stunden später, in denen wir Fotos gesichtet und aussortiert haben, kommen die beiden zurück. Wir geben Kajaks, Paddel und Schwimmwesten zurück und merken, dass sich der Hunger bemerkbar macht. Es ist mittlerweile fast Nachmittag und wir hatten heute früh nur schnell und wenig gefrühstückt. Nach ein wenig Hin und Her, was es denn heute zu essen geben könnte, entschließen wir uns, noch einmal zum Kiosk von heute Morgen zurück zu fahren, uns dort hin zu setzen und was zu essen zu holen. Es gibt Fish and Chips, frittierte Zwiebelringe, Pommes und Süsskartoffelpommes sowie frittiertes Hühnchen. Sehr fettig aber auch sehr lecker.

Jetzt geht’s zurück zum Campground. Da sich das Wetter heute nicht wirklich bessern will, verbringen wir den Rest des Tages nicht am Wasser sondern machen ein Feuer an und spielen mehrere Runden Wizzard, Kniffel, Quixx und Uno. Auch so vergeht ein Tag und als es dunkel wird, verziehen wir uns nach drinnen, lesen und gehen früh ins Bett.

 

19.07.2018                         

Neuer Tag, neues Wetter: Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und die Wärme ist auch zurück. Auf dem Plan für heute steht eine Whale-Watching -Tour in Tiverton. Die ist allerdings erst um 18 Uhr und so haben wir heute früh bis 11 Uhr Zeit unseren Stellplatz zu räumen. Nach der morgendlichen Wäsche frühstücken wir in aller Ruhe draußen, räumen dann zusammen und machen das Wohnmobil abfahrbereit. Der Weg führt über Digby, wo ich noch für die nächsten Tage einkaufen möchte. Direkt an der Abfahrt liegen ein Walmart und ein Atlantic Superstore direkt nebeneinander und eine Tankstelle ist auch vorhanden. Bei einem Spritverbrauch von fast 30 Litern brauchen wir die häufiger, als uns lieb ist. Die erste Runde geht durch den Atlantic Superstore. Der ist allerdings recht überschaubar und irgendwie fehlen mir an der Kasse so einige Dinge. Also nach nebenan zum Walmart. Hier kriege ich fast alles, nur die Wassergalonen sind ausverkauft. Mist, die waren mit das Wichtigste für die nächsten Tage. Also wieder zurück zum Atlantic Superstore und dort nach Wassergalonen suchen. Auf Grund der anhaltenden Hitze sind auch hier die Wasservorräte knapp und ich muss nehmen, was noch da ist: zwei riesige, schwere 15-Liter Wasserflaschen. Auf jeden Fall reicht das erst mal für uns. Nach dem Hin und Her fahren wir in aller Ruhe über die schmale Landzunge von Digby Neck.

Hier und da finden sich vereinzelte Häuser und eine Ansammlung von fünf ist gleich ein Ortsschild mit eigenem Namen wert. Eine knappe Stunde fahren wir bis zur Fähre. Da wir mit dem langen Überhang des Wohnmobils bei Ebbe nicht auf die Fähre kommen, ohne aufzusetzen, parken wir den Riesen im Hafenbereich, packen alles, was wir für heute noch brauchen in zwei Rucksäcke und gehen zu Fuß auf die Fähre. Wie im letzten Jahr können wir als Fußgänger umsonst mitfahren und sind nach knapp 10 Minuten auch schon auf der anderen Landseite. Da wir noch gute 2 Stunden Zeit bis zu unserer Tour haben, setzen wir uns bei dem kleinen Imbiss, der direkt am Fähranleger steht, auf die Terrasse und bestellen hausgemachte Burger, Pommes, überbackene Nachos  und viel Kaltes  zum Trinken. Nach einer guten Stunde machen wir uns auf den Weg zum Haus von „Ocean Exploration“, welches keine 200 Meter entfernt liegt. Hier setzten wir uns noch eine Weile in die Sonne, bevor wir unsere dicken, orangen Rettungsanzüge zugeteilt bekommen. Mit denen fühlt man sich wie ein Michelin-Männchen: Unförmig und etwas watschelig. Vor der Tür steht eine Flasche Sonnenmilch- Lichtschutzfaktor 85! Das habe ich in Deutschland noch nirgendwo gesehen. Mit der dringenden Bitte, sich gut einzucremen, verschmieren wir alle etwas Creme im Gesicht und watscheln dann los zum Bootsanleger. Wir sind heute zwölf Personen, die sich in der Abendsonne  Wale und Robben ansehen wollen. Es ist bereits unsere dritte Whale-Watching-Tour und wäre Liz nicht dabei, hätten wir wahrscheinlich gar keine mehr gebucht, doch als Tom, unser Guide, an der Hafenausfahrt Gas gibt und das rote Schlauchboot mit Tempo über die Wellen peitscht, wissen wir, warum wir das jedes Jahr wieder machen. Auch Liz kriegt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

Wir düsen eine gute halbe Stunde übers Wasser, bis wir die ersten Wale erreichen. Zwei Buckelwale und ein Kalb tauchen nicht weit von uns aus dem Wasser auf, nur um kurz danach in der Tiefe zu verschwinden. In der Hoffnung, dass die drei wieder an die Oberfläche kommen, dümpeln wir in unserem Bötchen auf dem Wasser und ich weiß nicht warum ausgerechnet in diesem Jahr, aber mir wird sooo übel. Dieses Auf und Ab, Auf und Ab- meine Magen macht schon mit und ich bin froh, als Tom wieder Gas gibt und wir weiter übers Wasser rasen. Jetzt geht’s besser. Eine ganze Weile sehen wir keine Wale, suchen, fahren, suchen weiter. Dann, mit einem Mal sehen wir in der Ferne Wasserfontänen aufsteigen.

Tom steuert das Boot sofort in die Richtung und hier haben  wir unglaubliches Glück: Bestimmt 10 Buckelwale tauchen immer wieder aus dem Wasser auf, schlagen mit ihren riesigen Flossen auf das Wasser, dass es ohrenbetäubend laut knallt und stoßen hohe Wasserfontänen in den Himmel. Einige der Wale katapultieren ihre schweren Körper scheinbar mühelos aus dem Wasser, springen und schlagen laut klatschend wieder auf dem Wasser auf.  Sogar Tom, der jeden Tag Wale vor Augen hat, zückt den Fotoapparat und knipst das gigantische Schauspiel.

Was für ein Erlebnis! Erst als es langsam dunkel und damit auch kalt wird, machen wir uns auf den Rückweg. In Tiverton angekommen, ziehen wir uns schnell um, um noch die letzte Fähre des Tages zu kriegen, fahren kurz auf die andere Seite der Landzunge und dann nochmal anderthalb Stunden nach Annapolis Valley. Im Stockdunkeln kommen wir am Dunromin Campground an und ich weise Mike in unseren Stellplatz ein. Das kriegen unsere Nachbarn mit, die noch draußen am Feuer sitzen und wir kommen schnell ins Gespräch. Als klar ist, dass wir aus Deutschland kommen, schwärmt der junge Mann von den tollen deutschen Autos und erzählt uns stolz, dass er und seine Frau beide deutsche Fabrikate aus Bayern fahren. Danach fragt er nach der German Autobahn und ob man denn da wirklich so schnell fahren dürfte, wie man wolle. Wir erklären ihm das System unserer Autobahnen und bejahen, dass man tatsächlich jenseits der 180km/h fahren darf. Seine großen Augen und der offene Mund lassen vermuten, dass er und seine Frau bestimmt mal Urlaub in Deutschland machen werden- und sei es nur, um auf der Autobahn zu fahren. Wir unterhalten uns über den kanadischen und den deutschen Winter und die Unterschiede zwischen beiden und reden über Sport. Da in unserer Familie Handball der vorrangige Sport ist und die Kanadier kein Handball kennen, versuchen wir, ihm diesen Sport in Kürze zu erklären woraufhin er meint, dass sei ja ein ganz schön rauer Sport- vor allem für die beiden Mädchen. Wenn der wüsste, dass die beiden ohne Sporthalle und Ball in der Hand kein Wochenende überstehen…Sehr, sehr spät oder eher sehr, sehr früh geht’s für uns in die Betten. Morgen haben wir nichts vor. Mal sehen, was der Tag so bringt.

 

20.07.2018                          

Die Nacht vergeht wie im Flug und war ganz schön kalt. Wir haben uns tatsächlich alle vier die Wolldecken zusätzlich mit ins Bett genommen und jetzt am Morgen ist es echt frisch hier drin. Um uns herum tobt schon das Leben und so beschließen Mike und ich, uns mit einer heißen Dusche wieder aufzuwärmen. Die Mädels bleiben lieber noch liegen und schlafen weiter. Nach der Dusche gehen Mike und ich ins campgroundeigene Cafe und starten den Tag mit heißem Tee, frischem Brot, Spiegelei, Speck und Obst. Als wir gerade gehen wollen, tauchen auch Maya und Liz auf und da die beiden ja auch noch frühstücken wollen, gibt’s für uns halt noch eine Runde Tee und Kaffee. Noch ahnen wir nicht, wie heiß der Tag werden wird, sonst hätten wir die heißen Getränke besser gegen eiskalte ausgetauscht. Aber der Vormittag ist eben noch sehr frisch. Ich nutze die Zeit zum Wäsche waschen, wir lesen und schauen uns die verschiedenen Wohnmobile auf dem Stellplatz an. Am späten Mittag ist es doch ganz schön warm geworden und wir überlegen, zu Fuß nach Annapolis Royal zu gehen. Der Campingplatz liegt etwas außerhalb und wir brauchen eine knappe halbe Stunde, bis wir in dem kleinen Städtchen sind. Mittlerweile brennt die Sonne vom Himmel und wir versuchen, möglichst im Schatten der wenigen Bäume zu laufen.

 

Wir bummeln ein wenig durch den Ort, laufen an der kleinen Waterfront entlang und setzen und schließlich ins „German Sachsen Cafe“. Hier waren wir letztes Jahr schon und unser Ziel hier ist heute das kernige Roggenbrot. Wir trinken was Kaltes und nehmen ein großes, frisch gebackenes Brot mit. Der Rückweg dauert etwas länger, es ist so heiß, dass wir nur langsam vor uns hintrotten. Zurück am Campground faulenzen wir uns durch den Rest des Tages, lesen und spielen mal wieder Wizzard. Am Abend schmeißen wir Lachs und Gemüse auf den Grill und sitzen bis in die Dunkelheit draußen. Danach geht’s heute mal früher ins Bett.

 

21.07.2018                         

Auch diese Nacht hat wieder Abkühlung gebracht. Es ist schon erstaunlich, wie kalt es hier nachts und wie heiß es nur ein paar Stunden später sein kann.  Auf unserem Plan für heute steht Tidal-Bore-Rafting am Shubenacadie River. Da unsere bereits von zu Hause vorgebuchte Tour erst um 17 Uhr startet, haben wir also noch massig Zeit. Wir frühstücken in aller Ruhe, packen dann langsam zusammen und verlassen um kurz vor 11 Uhr den Campingplatz. Der erste Weg führt uns nach Port Royal. Hier steht am Ufer des Annapolis River ein sogenanntes living museum, ein Freilichtmuseum, in dem man sich Leben und Arbeiten der Menschen früher ansehen kann. Wir waren vor zwei Jahren schon einmal hier, haben damals aber, da Maya krank war, nicht allzu viel davon mitbekommen. Heute nun also der zweite Versuch: Wir schlendern durch die einzelnen Holzhäuser, schauen uns Wohnräume, Kleidung und Küche an. Das Freilichtmuseum war einst eine Gründung französischer Kolonialisten, bis es 1613 von der britischen Armee zerstört wurde. Zwischen 1939 und 1941 baute die kanadische Regierung das Fort wieder auf und so kann man heute recht originalgetreu die Lebensweise der französischen Siedler ansehen. Auf der Wiese neben den Gebäuden ist ein Tipi aufgeschlagen, in dem eine Dame und ein Herr der Miqmaq-Indianer ihre Geschichte erzählen. Sie berichten uns über ihre Art zu leben, zu jagen und Schmuck und Werkzeuge herzustellen. Als Abschluss gehen wir direkt ans Ufer des Annapolis River. Hier stehen unsere nächsten Red Chairs mit wunderschöner Aussicht direkt auf den Fluss. Wir machen ein paar Fotos und genießen kurz den Moment, dann müssen wir weiter.

 

Zwei Stunden Fahrt liegen noch vor uns und wir wollen ja nicht im allerletzten Moment ankommen. Auf der Strecke versteckt sich die Sonne von heute Morgen immer mehr hinter dicken Wolken und als wir kurz vor dem Ziel sind, regnet es. Super, das passt ja mal so gar nicht. Im Wohnmobil ziehen wir uns Badesachen und weil es recht kalt ist zudem T-Shirt und Shorts an. In einer ausgebauten Garage treffen wir auf unsere Mitfahrer und bekommen alle Schwimmwesten verpasst. Mit etwa 20 Mann geht’s jetzt ein paar Meter bergab zum Fluss, wo schon drei kleine, rote Schlauchboote bereit stehen. Der Fluss und der Matsch sind durch den sandigen Untergrund knallrot und ich bin mal gespannt, wie ich jemals die Klamotten wieder sauber kriegen soll. Wir verteilen uns auf die Boote, jedes Boot hat seinen Fahrer und los geht’s. Hintereinander her rasen wir bei fast vollständig ausgelaufener Strömung den Fluss hinab bis zu seiner Mündung. Dort werden die Boote auf eine Sandbank gezogen und wir haben Zeit, auf dieser herumzuwandern, bis die Flutwelle am Horizont sichtbar wird. Ziel des Tidal-Bore-Raftings ist es, die in den Fluss einlaufende Flutwelle mit dem Boot zu reiten und sich flussaufwärts schwemmen zu lassen. Da hier in den Flüssen der Bay of Fundy der Tidenhub mehrere Meter hoch ist und sich die Wassermassen in die engen Flussarme quetschen, fällt die Gezeitenwelle hier auch besonders hoch aus. Bis zu zwei Meter werden die Wellen, die wir später mit unserem kleinen Bötchen bezwingen sollen.


Nach etwa einer halben Stunde auf der Sandbank heißt es: „Zurück in die Boote“. Schnell setzen wir uns wieder auf den äußeren Rand des Schlauchbootes und düsen los. Die Wellen werden immer höher und höher, das Wasser schwappt über unsere Köpfe und ins Boot. Unser Guide versichert uns, dass bei all seinen Touren erst einmal jemand über Bord gegangen wäre. Hätte er bloß nichts gesagt, denn keine zehn Minuten später schmeißt die nächste Welle Mike über den Rand des Bootes. In dem tobenden, roten Wasser ist er kurzzeitig nicht mehr sichtbar, dann taucht sein Kopf aus den Wellen wieder auf. Mit vereinten Kräften ziehen wir ihn über den Schlauch wieder ins Boot und weiter geht der Höllenritt. Jetzt klammer ich mich noch fester an dem dünnen Halteseil fest und beobachte etwas ängstlich unsere beiden Mädels. Hoffentlich kommen wir ohne weitere Verluste wieder zurück. Mittlerweile regnet es wieder und wir sind durch den schnellen Fahrtwind ganz schön durchgefroren. Maya zittert und auch ich bin froh, wenn die Wellen wieder über unsere Köpfe hereinbrechen- das Wasser im Fluss ist nämlich deutlich wärmer als die Luft und der Regen.

Nach gut zwei Stunden ist der Ritt auf der Gezeitenwelle vorbei und wir kommen zurück zur Anlegestelle. Hier warten heiße Duschen, Kaffee und Kakao auf uns und wir wärmen uns sowohl äußerlich als auch innerlich wieder auf. Bleibt nur die Kleidung, von der ich immer noch nicht weiß, wie ich die wieder sauber kriegen soll. Leider haben unsere nächsten zwei Campingplätze auch keine Wäscherei, so dass sich der Dreck noch ein paar Tage eintrocknen kann. Umgezogen und trocken fahren wir weiter. Es ist fast 20 Uhr und wir haben noch anderthalb Stunden Fahrt vor uns. Also schnell Richtung Antigonish. Im Dunkeln kommen wir am Campingplatz an, das Büro ist zum Glück noch besetzt, aber niemand weiß was von unserer Reservierung. Und alle Plätze sind belegt. Mike sucht auf seinem Handy nach der Reservierungsbestätigung, findet sie nach etwas Sucherei und wir bekommen den allerletzten Not-Stellplatz zugewiesen. Unserviced direkt an einem Tümpel. Da es stockdunkel ist, steige ich aus, um Mike rückwärts mit dem Monstermobil einzuweisen, doch draußen überfallen mich die Mücken. So viele auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Sie sind überall, kriechen mit in die Ohren, in die Nase und sobald ich den Mund aufmache habe ich schon welche verschluckt. Das ist so ekelig, dass ich schnell wieder in den Wagen springe. Soll er doch schief stehen bleiben. Schräg schlafen ist immer noch besser wie tausende Mückenstiche. Die Mücken bombardieren unser Wohnmobil regelrecht von außen, klatschen gegen die Scheiben und suchen jede Möglichkeit, das drinnen zu kommen. Heute Abend geht niemand mehr vor die Tür, es gibt schnell Suppe aus der Tüte, danach Katzenwäsche und ab ins Bett.

 

22.07.2018         

Verwunderlicherweise hat mich gestern scheinbar nicht eine einzige Mücke gestochen. Ich werde ja schon echt selten erwischt aber bei der Masse an Mücken gestern Abend hatte ich schon mit dem ein oder anderen Stich gerechnet. Heute früh haben sich die Mücken in Luft aufgelöst und wir können gefahrlos aussteigen und zu den Duschhäuschen gehen. Immer noch kommt roter Sand aus den Haaren und ich glaube, das wird auch noch ein paar Tage so bleiben. Unser Stellplatz ist nicht so schön, dass er zum Frühstücken einlädt und so fahren wir zu Tim Hortons, frühstücken dort und drehen danach schnell eine Runde durch den benachbarten Walmart. Da die Wege in Kanada echt weit werden können, wollen wir heute einen reinen Stopp zur Unterbrechung einer längeren Strecke einlegen. Wir verlassen Nova Scotia und fahren knapp 150 Kilometer bis in den Kouchibouguac- Nationalpark in New Brunswick.

Bevor wir unseren Stellplatz ansteuern wollen wir noch zwei kurze Wanderwege laufen. Der dritte Halt führt uns zu Kellys Beach, einem der schönsten Sandstrände in Ost-Kanada. Da es heute wieder richtig heiß ist, ist es entsprechen voll. Wir breiten unsere Handtücher im Sand aus, gehen, soweit es die kurzen Hosen zulassen ins Wasser und kühlen uns etwas ab. Danach dösen wir im Sand vor uns hin und schlafen fast alle auf unseren Handtüchern ein.

 

Erst am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Campground. Heute Abend soll es Burger vom Grill geben und so macht sich Mike am Feuer zu schaffen, während Maya und Liz das Abendessen vorbereiten. Ich versuche währenddessen, der Unordnung im Wohnmobil etwas Herr zu werden. Als es dämmert, sitzen wir alle draußen am Holztisch und genießen unsere Burger. Leider ruft die Dämmerung auch heute wieder die Mücken auf den Plan und die werden zur echten Plage. Wir essen zu Ende, es macht aber keinen Spaß mehr, nach dem Essen noch draußen sitzen zu bleiben und so verziehen wir uns ins Wohnmobil. Die Klimaanlage läuft und wir spielen mal wieder Karten, bis wir entweder zu müde sind oder keine Lust mehr haben. Wir öffnen die Tür noch einmal kurz, um zur Toilette zu gehen, danach bleibt sie für heute zu. Ich lege mich ins Bett, höre mein Hörbuch weiter und bin so schnell eingeschlafen, dass ich gar nicht mehr mitkriege, wie Mike überhaupt ins Bett kommt.

 

23.07.2018                         

Heute steht ein reiner Fahrtag auf dem Programm. Von New Brunswick aus geht es nach Quebec in Richtung der Gaspesie- Halbinsel. Da wir morgen den Forillon- Nationalpark ansteuern wollen, uns der Weg für einen Tag aber zu lang ist, unterbrechen wir ihn mit einem Halt in New Richmond. Nach dem Frühstück fahren wir zügig los, die Mücken lassen uns auch heute früh nicht in Ruhe und so macht es keinen Spaß, noch an einer Wandertour zu überlegen. Die Fahrt verläuft recht ereignislos, die Landschaft ist etwas langweilig und es gibt nicht allzu viel zu entdecken.

An der Grenze zwischen New Brunswick und Quebec  bekommen wir noch eine Stunde Zeit geschenkt, die wir auf den Uhren direkt zurückdrehen. Mit dem Übergang zur Gaspesie wird die Landschaft wieder deutlich interessanter. Hier in dieser abgelegenen Gegend gibt es nicht viele Straßen aber unsere führt uns wunderschön immer am Wasser entlang. Wir durchqueren kleine Ortschaften mit oft bunten Holzhäusern und aus dem Beifahrerfenster sehen wir kleine Buchten, Kiesstrände, Strandgras und das Blau des Wassers bis zum Horizont.

Der Weg nach New Richmond ist länger, als wir erwartet hatten, die kurvige Strecke braucht Zeit und Geduld und so kommen wir erst am Nachmittag auf unserem Campingplatz an. Der liegt nur durch einen kleinen Wall mit Strandgras vom Wasser getrennt auf plattem Land. Wir versorgen den Camper mit Wasser und Strom und uns mit Wasser und Cookies. Danach folgt die übliche Inspektion der Toiletten und Duschen- alles sauber und in Ordnung. Der Himmel hat sich zugezogen und es nieselt immer wieder ganz leicht vor sich hin. Dabei ist es so warm, dass der Regen kaum am Boden ankommt und eine drückende Schwüle macht sich breit. Da man ja kaum nass wird, nehmen wir unsere Handys mit zur Rezeption. Hier gibt es WLAN,  wir setzen uns nach draußen auf eine Bank und schauen nach, was Wichtiges und Unwichtiges in der Welt passiert ist. Ich wasche nebenbei noch drei Ladungen Wäsche durch und endlich kommt auch die dreckige Kleidung vom Tidal-Bore-Rafting in die Waschmaschine. Gegen Abend überlegen Maya und Liz Laufen zu gehen. Trotz der Schwüle wollen sie ihre nächsten 10 Kilometer schaffen. Es gibt einen geteerten Weg nah am Wasser entlang, der zuerst durch einen kleinen Wald und dann über offene Wiese verläuft. Mike und ich gehen das Ganze lieber langsam an und während die beiden losrennen, gehen wir lieber etwas spazieren. Nach anderthalb Stunden treffen wir uns am Wohnmobil wieder, Maya und Liz gehen duschen und ich setze Nudelwasser auf. Der Regen ist wieder stärker geworden und draußen zu essen ist aussichtslos. Also gibt’s heute Nudeln mit Pesto am engen Esszimmertisch. Die schwüle Luft brachte nicht nur Schweißflecken, sondern auch mehrere neue Mückenstiche  mit sich. Außer mir haben alle mindestens zwei größere Stiche dazubekommen und so kreist heute Abend die Tube afterbite im Wohnmobil. Nach mehreren Runden Kniffel und Uno geht’s etwas früher ins Bett. Vorher schalten wir noch die Klimaanlage auf Vollanschlag, denn im Inneren unserer Blechdose ist es super heiß geworden.

 

24.07.2018                         

Der Regen hat über Nacht aufgehört und wir werden von strahlendem Sonnenschein geweckt. Nach einer ausgiebigen Dusche gibt’s mal wieder draußen Frühstück, danach packen wir zusammen und machen uns auf den Weg zum Forillon Nationalpark. Die Straße verläuft auch heute immer direkt am Meer entlang durch eine wunderschöne Landschaft. Nach einem längeren Abschnitt fast vollständiger Leere und Abgeschiedenheit erreichen wir Percé, einen kleinen Touristenort, in dem heute erstaunlich viel los ist. Bekannt ist der Ort durch den Percé-Rock, einem gigantischen Felsen vor der Küste. Neben vielen anderen Menschen halten auch wir an einem Parkplatz, von dem man eine gute Sicht auf eben diesen Felsen hat und versuchen ein paar Fotos ohne diverse andere Personen drauf zu machen.

Je näher wir Gaspé kommen, umso steiler und kurviger wir die Strecke. In Serpentinen geht es steil hoch und wieder runter und unser Riesenmobil hat ganz schön zu arbeiten. Wie gut, dass der Treibstoffverbrauch nicht angezeigt wird. Die Aussicht auf den Percé -Rock begleitet uns noch mehrere Kilometer, hinter jeder Kurve taucht er wieder auf, dann ist er irgendwann aber endgültig verschwunden.

Wir fahren weiter und erreichen am frühen Nachmittag Gaspé, die größte Stadt der Gaspesie. Gute 800 Kilometer trennen Gaspé von Quebec City und so ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Stadt zum Versorgungszentrum der Halbinsel entwickelt hat. Wir wundern uns über die Größe, die Vielfalt der Läden und über das hohe Verkehrsaufkommen. Überhaupt scheint sich hier vieles um Autos zu drehen, fast alle größeren Autohersteller sind hier mit eigenen Autohäusern oder Werkstätten vertreten. Da Gaspé zwar eine gute Infrastruktur hat, sonst aber eher den Charme eines Gewerbegebietes, fahren wir zügig weiter zum Forillon Nationalpark am äußersten Zipfel der Halbinsel.

Der erste Weg führt uns wie immer zum Visitor Center kurz hinter dem Eingang zum Park. Hier holen wir uns Kartenmaterial und Ausflugstipps für die nächsten Tage und der Mitarbeiter sagt noch schnell: „You´ll love it here. Hardly any mosquitos“. Oh, das wäre schön. Die sind uns die letzten Tage ganz schön auf die Nerven gegangen. Als Stellplatz haben wir uns den Petit-Gaspe-Campground ausgesucht, den wir nach wenigen Kilometern erreichen. Wir versorgen den Camper mit Strom und Wasser und schauen uns erst mal um. Das Dusch- und Toilettenhäuschen ist nicht weit entfernt und zu unserer Begeisterung ist es nagelneu. Wir sind quasi der Erstbezug. Neben den Toiletten gibt es ein zweites Häuschen, welches als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Hier gibt es mehrere Tische mit Bänken, einen Holzofen und eine Küchenzeile mit Spülbecken. Den Ofen werden wir in den nächsten Tagen wohl eher nicht brauchen, denn auch heute ist es wieder drückend heiß.

Nachdem die Inspektion der Sanitäranlagen zu unserer Zufriedenheit ausgefallen ist, machen wir uns auf den Weg, den Campground und seine Umgebung zu erkunden. Knapp zehn Minuten später stehen wir vor dem Recreation Center, einem großen Gebäude, welches nicht nur einen Imbiss und einen kleinen Laden, sondern sogar einen Tennisplatz, einen Spielplatz und einen beheizten Pool mit einer netten überdachten Terrasse hat. Da sich so langsam der kleine Hunger breit macht, holen wir uns hier Pommes, frittiertes Hühnchen und Nachos, setzten uns damit auf die Terrasse und gucken dem Treiben im Pool zu.

Satt und ausgeruht machen wir uns wieder auf den Weg. Der Campingplatz ist sehr weitläufig, über einen kleinen Waldweg kommen wir zuerst zu einer Wiese, auf der eine große, gelbe Holzkirche steht, danach wollen wir eigentlich zum Strand. Irgendwie sind wir aber wohl falsch abgebogen und landen wieder im Wald. Ein Weg führt uns bergab bis zu einem kleinen Aussichtspunkt oberhalb des Wassers. Die Aussicht ist wunderschön und mitten im Wasser entdecken wir einen kleinen Felsen, auf der es sich ein paar Robben bequem gemacht haben. Bergauf geht’s den Weg wieder zurück und dieses Mal nehmen wir die richtige Abzweigung zum Strand. Wie so oft in Kanada ist der Strand auch hier ein Strand ohne Sand und mit groben, runden Kieseln. Das Wasser klatscht mit ordentlich Kraft an den Strand und die Aussicht aufs Wasser ist so wunderschön, dass wir uns auf einen angeschwemmten Baumstamm setzen und einfach nur den Moment genießen. Das dauert etwas länger und erst gegen Abend machen wir uns auf den Rückweg zu unserem Stellplatz. Zum Abendessen gibt es kleine Schnitzelchen vom Grill und Salat, danach spielen wir noch einige Runden Karten und erst gegen Mitternacht fallen wir in die Betten.

 

25.07.2018                         

Die Nächte in den Nationalparks sind so wunderbar ruhig und so wachen wir auch heute früh erholt auf. Beim Aussteigen liegt da eine Überraschung: Ein Stachelschwein hat es sich im Klee neben unserem Wohnmobil gemütlich gemacht und lässt sich auch von uns nicht stören. Sehr langsam und behäbig frisst es sich durch das Grünzeug ohne sich allzu sehr zu bewegen. Da es unser erstes Stachelschwein in so direkter Nähe ist, müssen wir es natürlich ausgiebig beobachten.

Bereits auf dem morgendlichen Gang zur Dusche ist es ziemlich heiß, so dass wir wenig später den Tisch draußen fürs Frühstück in den Schatten ziehen. Nach dem üblichen Aufräumen und Saubermachen wollen wir zum Strand. Wir gehen wieder über den kleinen Waldweg zum Strand runter und da sehen wir bereits die ersten Leute im Wasser. Wieso sind wir nicht sofort auf die Idee gekommen, unsere Badesachen mitzunehmen? Wir drehen also wieder um, gehen zurück zum Camper, ziehen unsere Badesachen an und machen uns zum zweiten Mal auf den Weg zum Strand. Mike, Maya und Liz sind schnell im Wasser verschwunden. Ich will mich eigentlich nur ein bisschen abkühlen und gar nicht ganz rein, aber eine Welle nimmt mir die Entscheidung ab. Mit einem Mal verliere ich den Boden unter den Füssen und die Welle reißt mich komplett ins Wasser. Gut, jetzt wo ich nass bin, kann ich auch schwimmen gehen. Nebenher filme ich mit unserer GoPro  die anderen drei. Das Wasser ist superklar und ich kann jeden Stein unter Wasser schon von der Oberfläche aus erkennen.

Nach knapp einer Stunde sind wir genug abgekühlt,  machen uns wieder auf den Weg zurück zum Stellplatz und ziehen uns wieder was Trockenes an. Wir machen uns noch ein zweites, kleines Frühstück und Mike will währenddessen die Bilder von der GoPro auf den Laptop laden, doch da fällt der Mist auf: Die Kamera ist voll Wasser gelaufen, das Gehäuse ist  innen komplett nass und die Speicherkarte ist hinüber. Super, eigentlich war die doch bisher wasserdicht?! Mike versucht, die Speicherkarte irgendwie zu trocknen, aber die Kamera scheint hinüber zu sein.

Nachdem der erste Ärger verflogen ist, überlegen wir, was wir hier in diesem wunderschönen Nationalpark noch anstellen können. In den Broschüren finden wir einen Wasserfall, der schön aussieht und Wasser ist bei der Hitze immer gut. Wir kuppeln den Camper von Strom und Wasser ab und fahren etwa 20 Minuten, bis wir den passenden Parkplatz erreichen. Der ist schon gut gefüllt und es ist gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden, von dem man mit dem langen Ungetüm auch wieder weg kommt und nachher nicht zugeparkt ist. Ein kleiner Fußweg geht in den Wald rein und auf der Schautafel dort ist der Weg zum Wasserfall beschrieben. Stand da tatsächlich was von 1000 Stufen abwärts? Die muss ich ja später auch wieder hoch! Naja, nehmen wir das mal in Angriff. Je tiefer wir kommen, umso kühler wird es. Mit jeder Stufe scheint die Kühle des Wasserfalls näher zu kommen und es dauert gar nicht so lange, da können wir ihn auch schon hören. Also weiter. Die letzten Meter führen über einen kleinen Holzsteg und schon stehen wir genau vor dem Wasserfall.


Angenehm kühl ist es hier und der kleine, flache See vor dem Wasserfall ist richtig kalt. Der feine Wassernebel kühlt wunderbar ab. Links und rechts von uns denken sich mehrere Menschen das Gleiche, waten durchs Wasser oder schmeißen sich, wie ein Mann, direkt ganz rein. Er verzieht dann aber doch das Gesicht und steht schnell wieder auf. Wir machen eine Menge Fotos und freuen uns über die Abkühlung. Nach etwa einer Stunde muss ich die ganzen Stufen wieder bergauf zurück. Der Rückweg dauert wesentlich länger wie der Hinweg und von der Abkühlung ist, am Camper angekommen, nicht mehr viel übrig. Da wir gerade unterwegs sind, fahren wir weiter zum Cap Bon Ami, einem wunderschönen Aussichtspunkt oberhalb des Meeres.

Vom Parkplatz aus sind es ein paar Minuten zu Fuß bis zum runden Plateau. Die Aussicht über das Meer ist atemberaubend schön, Möwen kreisen über dem Wasser und ein Seehund steckt seinen Kopf hervor. Hier könnte ich ewig stehen bleiben. Vom Plateau geht eine steile Holztreppe zum Kieselstrand hinab. Hier haben es sich heute viele Leute bequem gemacht und auch wir setzen uns einfach dazu, schauen aufs Wasser, bauen Steintürmchen und lassen uns von dem tollen Panorama verzaubern.

Erst am frühen Abend kehren wir wieder zum Campingplatz zurück. Wie üblich gibt’s wieder Abendessen vom Grill und wir sitzen noch lange draußen, genießen die kühler werdende Luft und spielen wiedermal Karten. 

 

26.07.2018                         

Um 6:30 Uhr schellt der Wecker. Mike und ich sind aber schon länger wach, denn es ist einfach zu heiß zum Schlafen. Außerdem ist es unglaublich windig geworden und der Wind rüttelt das gesamte Wohnmobil durch. Die beiden Mädels schlafen trotzdem tief und fest und kriegen nicht mal mit, dass wir schon zum Duschhaus gehen. Erst als wir zurückkommen, schälen sie sich langsam aus dem Bettzeug. Nach einem schnellen Frühstück verlassen wir um 7:30 Uhr den Stellplatz und fahren Richtung Hafen, denn heute wollen wir raus aufs und ins Wasser, schnorcheln mit Seehunden. Am Hafen angekommen weiß der Betreiber leider nichts von unserer Reservierung. Er findet zwar die E-Mail, die ich im Juni geschrieben habe und auf die ich auch eine Bestätigung bekommen hatte, aber die Reservierung war wohl nicht bis in deren Büchlein vorgedrungen und so stehen wir jetzt etwas fehl am Platz hier rum. Ist aber nur halb so schlimm, denn auch die Leute mit gültiger Reservierung werden wieder nach Hause geschickt: Heute keine Fahrten, der Wind ist zu stark. Wir werden gefragt, ob wir auf morgen umbuchen wollen und nehmen das Angebot natürlich gerne an. Da wir jetzt aber schon mal so früh unterwegs sind, beschließen wir, kurz weiter zu fahren, den Wagen auf einem Parkplatz abzustellen und zu „Lands End“ zu laufen.

Der Weg ist wunderschön und um kurz nach acht sind auch nur wenige Menschen unterwegs. Die letzten 600 Meter geht es steil bergauf und oben angekommen bin ich nass geschwitzt. Der Aufstieg hat sich gelohnt und wir werden mit einem fantastischen Blick über den Sankt Lorenz Strom belohnt. Hier oben steht ein weiß-roter Leuchtturm und natürlich gibt es auch wieder zwei Red Chairs. Unter uns kreisen Seevögel über das Wasser oder nisten an den schroffen Felsen. Kurz nach uns kommt auch der Seenebel hier oben an und hüllt alles in weiße Watte. Zeitweise kann man kaum noch etwas Sehen, geschweige denn, weit aufs Meer hinaus gucken. Zudem kühlt es merklich ab.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir machen uns wieder auf den Rückweg und achten immer mal auf Bären, sehen aber nur recht frische Spuren an den Bäumen, leider aber keinen einzigen Bären. Der Himmel zieht sich immer weiter zu und es wird zunehmend dunkler. Nicht eine Minute zu früh kommen wir am Wohnmobil an und sobald wir alle sitzen, fängt es an zu regnen. Zurück am Campingplatz ist es dort noch trocken und wir machen uns ein zweites Frühstück- noch draußen. Kurz danach müssen wir auch hier alles ins Trockene bringen. Der Regen wird immer stärker und an raus gehen ist heute nicht mehr zu denken. Keine 100 Meter von uns entfernt steht das komplett neu gebaute Kitchen Shelter mit Ofen und vielen Tischen mit Bänken. Wir nehmen unsere Kartenspiele mit rüber und spielen und essen Apple Pie. Hier oben ist doch mehr Platz, als wenn wir uns den ganzen Nachmittag im Wohnmobil auf der Pelle hängen. Zum Abendessen kochen wir Nudeln und machen Salat. Auch das nehmen wir wieder mit ins Häuschen und essen dort. Streckenweise regnet es so stark, dass sich unser Dachfenster im Badezimmer des Wohnmobils als inkontinent erweist und leise vor sich hin tropft. Mike bastelt aus einer der großen Wassergalonen einen Auffangbehälter, der seinen Dienst heute Nacht tut. Da wir ja heute Morgen ziemlich früh aufgestanden waren, verschwinden wir alle nicht allzu spät im Bett, lesen, hören Hörbuch oder gucken Filme auf dem Laptop.

 

27.07.2018

Heute früh scheint wieder die Sonne und die Pfützen der letzten Nacht verdampfen. Um halb zehn haben es auch die letzten Beiden aus den Betten geschafft und wir frühstücken mal wieder draußen. Danach müssen wir das Wohnmobil abfahrtsbereit machen, denn wir müssen weiter. Um 11:30 Uhr haben wir ja noch unsere Snorkeling-Tour vor uns. Schon beim Öffnen des Kühlschranks hatte ich mich über die Temperatur darin gewundert doch als ich jetzt nach dem Frühstück das Brot einfrieren will, sehe ich die ganze Miere: Das komplette Gefrierfach ist warm und der ganze Inhalt ist aufgetaut. Daher kam also auch die wärmere Temperatur im Kühlschrank. So ein Mist! Jetzt kann ich Fisch, Fleisch, Wurst und Käse wegschmeißen. Viel Zeit bleibt zum Glück erst mal nicht für schlechte Laune, denn die Snorkeling Tour wartet auf uns. Wir verlassen unseren Stellplatz und fahren ein paar Kilometer weiter die Straße runter zum kleinen Hafenbecken. In einem Holzhäuschen bekommen wir Neoprenanzüge, Handschuhe, Schuhe, eine Kappe sowie Schnorchel und Taucherbrille.

Ich habe noch nie so lange gebraucht, um mich in irgendwelche Kleidung zu zwängen. Eine zweite Haut wäre dagegen richtig elastisch. Und heiß ist es in diesen Anzügen. Ich bin froh, als endlich alle fertig sind und wir ins Wasser dürfen. Je nasser der Anzug wird, umso bequemer und beweglicher wird er. Auch heute fahren wir wieder mit einem kleinen, roten, schnellen Schlauchboot immer an der Küste entlang bis zu einer Robbenkolonie. Hier lassen wir uns ins Wasser fallen und dürfen uns mit der Ansage: „Kommt den Seehunden nicht zu nahe. Wenn sie neugierig sind, kommen sie zu euch“ eine gute Stunde im Wasser austoben.

Das Wasser ist glasklar und unter uns schwimmen Hummer, Seesterne und andere Meeresbewohner umher. Leider kann ich keine Aufnahmen machen, denn die GoPro scheint endgültig den Geist aufgegeben zu haben. Trotzdem ist es ein Riesenspaß. Einige Seehunde kommen tatsächlich nah an uns heran und tauchen unter uns durch. Die Stunde vergeht wie im Flug  und schon heißt es wieder einsteigen und zurück zum Anleger. Das Rauspellen aus den Anzügen ist deutlich einfacher als das Reinkommen und geht viel schneller. Wir duschen kurz, ziehen uns wieder an und gehen zurück zum Wohnmobil. Ich ahne ja nichts Gutes und tatsächlich, der Kühlschrank scheint kaputt zu sein. Na toll. Wir sind mitten im kanadischen Nichts und unser Kühlschrank tuts nicht mehr. Was jetzt, wir haben doch noch gut zwei Wochen vor uns? Dauerhaft ohne Kühlschrank ist echt schlecht. Nach ein wenig Hin- und Her überlegen beschließen wir, erst einmal zu unserem nächsten Campingplatz zu fahren. Vielleicht kann uns da einer weiterhelfen. Mittlerweile ist es fast 14 Uhr und es wird Zeit, dass wir vorankommen. Die einzige Straße, die sich mitten durch die Gaspesie zieht geht kilometerlang geradeaus, Berg hoch und wieder Berg runter. Hier gibt es keine Häuser, nur Bäume und Wiesen, Bäume und Wiesen. Bestimmt anderthalb Stunden kommt uns nicht mal ein Auto entgegen. So rollen wir Kilometer für Kilometer Richtung La Martre an der Nordküste der Gaspesie.

Hier haben wir für die nächsten zwei Nächte einen Stellplatz reserviert, von dem aus wir den Gaspesie- Nationalpark besuchen wollen. Der Empfang an dem sehr kleinen Campingplatz direkt an der Straße ist herzlich und die Dame erzählt uns freudestrahlend, dass morgen weitere deutsche Urlauber kämen, die sie direkt neben uns auf den Stellplatz gebucht hätten. Da wir heute an keinem einzigen noch so kleinen Laden vorbeigekommen sind, in dem wir hätten frisch einkaufen können, mache ich mir Gedanke, wie denn unser Abendessen aussehen könnte.  Die Wahl fällt auf das restliche Gemüse aus dem Kühlschrank, Reis und Tomatensauce. Vor dem Wohnmobil schwirren wieder die Mücken, also fällt draußen essen heute aus. Während ich das Abendessen koche und Maya und Liz die Internetverbindung strapazieren, versucht Mike, die Notrufhotline der Wohnmobilvermietung zu erreichen. Leider ist hier im Nichts die Verbindung so schlecht, dass er dafür vorne zur Rezeption gehen und dort telefonieren muss. Die Mitarbeiter scheinen alle schon zu Hause zu sein, auf jeden Fall erreichen wir heute Abend mit vielen, vielen Versuchen niemanden mehr.

 

28.07.2018

Obwohl der Campingplatz direkt an der Straße liegt war die Nacht sehr ruhig. Der Morgen beginnt mit weiteren Versuchen, jemanden von der Wohnmobilvermietung zu erreichen, doch vergeblich. Warum sollten die auch an einem Samstag arbeiten? Als der Betreiber des Campingplatzes von unserer Misere hört, kommt er sofort mit einem Werkzeugkoffer bei uns vorbei. Er öffnet diverse Klappen, misst hier und da was nach, überprüft Sicherungen, Schalter und Hebel. Leider findet auch er nichts und der Kühlschrank bleibt stromlos und warm. Aber er hat die Adresse einer Werkstatt in Matane für uns. Hier könnten sie uns vielleicht weiter helfen. Mike und ich beratschlagen, wie wir am besten weitermachen. Matane liegt etwa 100 Kilometer entfernt und auf dem Weg nach Quebec City. Wir entschließen uns, heute nach dem Werkstattbesuch in Matane bis  nach Quebec City durchzufahren. Vielleicht gibt es später in der Stadt eine Werkstatt, die uns weiterhelfen kann. Der Dame am Empfang erkläre ich unsere Entscheidung, wir koppeln den Wagen von seinen Anschlüssen ab und fahren los Richtung Matane. Da wir alle noch nicht gefrühstückt haben, halten wir nach etwa 30 Kilometern beim erstbesten Tim Hortons und freuen uns über frischen Kaffee, Orangensaft,  Frühstücksmuffins mit Speck und Rührei. Der Orangensaft ist schön kalt, der hatte bestimmt einen Kühlschrank. Außerdem nehmen wir noch Donuts für unterwegs mit. Nach einer weiteren Stunde Fahrt kommen wir am Ortsschild Matane an, fahren durch den Ort uns sind schon wieder raus, ohne die Werkstatt gesehen zu haben. Also wieder zurück. Und wieder nichts zu sehen. Seit mehreren Kilometern begleiten uns bleigraue Wolken, die langsam richtig bedrohlich aussehen und jetzt, urplötzlich, einen Gewitterregen loslassen, der die Straßen sofort überflutet.

Mike fährt bei der nächstbesten Gelegenheit auf den Parkplatz einer winzigen Mall. Hier können wir erstmal in Ruhe stehen bleiben, das Unwetter abwarten und nach der Werkstatt googeln. Es regnet so stark, dass der Parkplatz in kürzester Zeit unter Wasser steht und sich riesige Pfützen bilden. Und es regnet weiter. Mittlerweile reicht das Wasser bis zur Mitte unserer Reifen und im Badezimmer macht sich wieder die aufgeschnittene Wassergallone nützlich. Neben uns stehen weitere Fahrzeuge, die auch hier auf dem Parkplatz den Sturzregen abwarten und kritisch den sprudelnden Abflüssen zugucken. Genauso plötzlich wie der Regen angefangen hat hört er auch wieder auf und die Sonne guckt zwischen den dunklen Wolken hervor. Da wir immer noch keine Ahnung haben, wo denn jetzt die Werkstatt sein soll, fragt Mike in einem der Läden nach und siehe da- wir stehen eigentlich direkt daneben. Gerade noch rechtzeitig kommen wir bei der Werkstatt an, eigentlich wollten sie gerade schließen, aber Kanadier sind ja freundlich und hilfsbereit und so stehen bald nicht nur der Werkstattmeister sondern weitere Kunden um unser Wohnmobil drumrum und beratschlagen, wo denn der Fehler bei unserem nicht funktionierenden Kühlschrank liegen könnte. Leider führt auch nach anderthalb Stunden Rumbasteln keine der Ideen zum Erfolg und wir geben resigniert auf. Mittlerweile ist es früher Nachmittag und der Weg nach Levis ist noch weit. Eigentlich haben wir dort erst ab morgen einen Stellplatz reserviert doch wir hoffen, vielleicht schon heute dort übernachten zu können. Vorher möchte ich noch schnell bei Walmart vorbei, um etwas Frisches einzukaufen, was wir dann heute Abend direkt essen können. Als wir in Levis ankommen ist es schon so spät, dass der Walmart bereits geschlossen hat. Also nichts mit Fleisch oder Fisch vom Grill heute Abend. Hoffentlich haben wir am Campingplatz mehr Glück. Wir fahren einfach mal drauf los und fragen nach und- eigentlich ist der Platz ausgebucht aber wie gesagt, die Kanadier sind freundlich und hilfsbereit. Wir dürfen uns auf einen Notstellplatz mit Strom stellen und ziehen dann morgen auf unseren eigentlich gebuchten Platz um. Jetzt bleibt noch das Problem mit dem Essen. Zum Glück gibt es hier am Campingplatz ein kleines Restaurant, in dem wir Pommes, Burger, Pizza und Salat bekommen. Wir müssen also nicht hungrig ins Bett. Das ist schon das Beste, was der Tag heute mit sich gebracht hat. Wir schlendern noch eine Weile durch die warme Abendluft und reservieren uns für morgen früh vier Plätze im Shuttle nach Quebec City. Da Levis auf der gegenüberliegenden Seite von Quebec liegt, bietet der Campground einen kostenlosen Shuttleservice zur Fähre an. Man muss sich nur am Abend vorher anmelden und da morgen Sonntag ist, werden wir wohl weder eine Werkstatt noch jemanden bei der Vermietstation erreichen. Also können wir den Tag auch genießen.

 

29.07.2018

Nach einer erholsamen Nacht ist die Laune wieder etwas besser. Die Dusche ist erfrischend und um  8:45 Uhr treffen wir uns an der Rezeption. Zwei Wagen bringen uns und zehn weitere Personen in knapp einer viertel Stunde zum Fähranleger nach Levis, von wo jede halbe Stunde die Fähre zwischen Levis und Quebec City hin und her pendelt. Die Luft hier unten am Wasser ist angenehm kühl, denn obwohl es noch so früh ist, zeigt das Thermometer bereits knappe 30 Grad. Auf der anderen Flussseite angekommen, zieht es uns zuerst Richtung Frühstück. In der Oberstadt gibt es viele kleine Straßencafes, in denen man wunderbar sitzen, essen und dem Treiben ringsherum zuschauen kann. Da sich das heute Morgen scheinbar ziemlich viele Leute gedacht haben, ist in unserem Lieblingscafe leider kein Platz mehr für uns draußen zu kriegen und wir müssen drinnen essen.

Wir bekommen aber einen Tisch direkt am Fenster mit einer schönen Aussicht direkt auf das Chateau Frontenac. Das riesige Hotel überthront die ganze Stadt und ist das Wahrzeichen Quebecs. Über eine Stunde sitzen wir beim Frühstück und ich bin froh, für heute eine so gute Verpflegungsmöglichkeit zu haben. Nach dem Frühstück bummeln wir durch die Straßen Quebecs, zuerst durch die Oberstadt und dann bergab durch die schmalen, kopfsteingepflasterten Gassen der Unterstadt. Die Unterstadt gefällt uns wesentlich besser als die Oberstadt und erinnert uns mit ihren steinernen Häusern, den Marktplätzen und dem Kopfsteinpflaster eher an die Bretagne wie an eine nordamerikanische Stadt. Obwohl unglaublich viele Touristen unterwegs sind, hat sich Quebec einen unverwechselbaren Charme erhalten, weit weg von den hektischen, lauten, einheitlich gebauten Großstädten.

Auf unserem Weg durch die Stadt treffen wir auf Einrad fahrende Straßenkünstler, denen wir eine ganze Weile zugucken und auf einen Mexikaner, der nach eigener Aussage mit seinen Auftritten Geld sammeln will, um von Mexiko aus eine Mauer zu bauen, um Mexiko vor Trump zu schützen. Das Gelächter ist groß und sein Hut am Ende seiner Darbietung gut gefüllt.

Wie üblich müssen wir noch einmal in den Weihnachtsladen, denn wir bringen jedes Jahr aus unseren Urlauben etwas für unseren Weihnachtsbaum zu Hause mit. Dieses Mal fällt die Wahl auf ein Marshmallowmännchen aus Keramik, welches in der Weihnachtszeit mit in unseren Baum darf.

Auf der Suche nach den üblichen Touristen T-Shirts für Maya und Liz gehen wir in diversen Läden ein und aus, bis beide am Ende ein für sie passenden T-Shirt ergattert haben. Am frühen Nachmittag steht die Hitze regelrecht in den Straßen und die Luft ist zum Schneiden. Zum Glück gibt es Bereiche auf den Gehwegen, in denen kalter Wasserdampf aus dem Boden kommt. 

Wir setzen uns in ein kleines Lokal und bestellen jeder ein großes Glas eiskalte Zitronenlimonade. Die ist superlecker und macht uns noch einmal fit für weitere zwei Stunden Stadtbummel. Wir durchkämmen die Tourishops, die Andenkenläden und gucken uns sämtlichen Nippes an, den Quebec so zu bieten hat. Mitgenommen wird aber nichts mehr. Um 17 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Fähre, die um halb sechs wieder nach Levis ablegt. Dort holen wir im Tim Hortons noch schnell vier Flaschen Cola bzw. Wasser raus und um 18 Uhr wartet auch schon unser Shuttle auf uns. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz ist uns an der Straße ein Farmladen aufgefallen und so beschließen Mike und ich, noch schnell mit dem Wohnmobil dorthin zu fahren. Die beiden Mädels haben keine Lust mitzukommen und bleiben lieber auf dem Campingplatz. Der Farmladen ist nur etwa zehn Minuten entfernt und der Weg hat sich gelohnt. Hier gibt es frisches Obst und Gemüse, Eier, Käse, Blumen, Brot und Kuchen. Da wir außer dem Frühstück und ein bisschen Schleckereien noch nichts gegessen haben, nehmen wir uns frisches Gemüse und Brot für unser Abendessen mit. Als es bereits dunkel ist, schmeiße ich noch schnell eine Ladung Wäsche in die Maschine und Mike geht mit Maya und Liz Billard spielen. Die drei haben heute Abend viel mehr Ausdauer als ich und so endet der Abend für mich nach der Wäscherei im Bett, wo ich es mir mit einem Hörbuch gemütlich mache. Ich bin scheinbar recht schnell eingeschlafen, denn als ich irgendwann in der Nacht wach werde, liegen alle drei in ihren Betten und ich habe keine Ahnung, wann sie dort hingekommen sind.

 

30.07.2018

Montagmorgen, der nächste Tag ohne Kühlschrank. Da es heute und in den nächsten Tagen wieder ziemlich heiß werden soll und wir immer noch niemanden erreicht haben, der uns mit dem nicht arbeitenden Kühlschrank weiterhelfen könnte, beschließen wir, zu Walmart zu fahren und dort nach einer Kühlbox zu suchen. Nach einer kühlen Dusche und ohne Frühstück fahren wir den kurzen Weg zu Walmart, betreten voller Optimismus den Laden, denn bei Walmart bekommt man ja eigentlich alles… außer Kühlboxen fürs Auto. So ein Mist. Die Verkäuferin empfiehlt uns Canadian Tire, die sollen welche haben. Bei uns macht sich neben der sinkenden Laune auch der Hunger breit du da wir ja jetzt frisch einkaufen können, nehmen wir gleich was fürs Frühstück mit und machen es uns auf dem riesigen Parkplatz gemütlich. Es gibt frischen, kalten Orangensaft, Brötchen mit Wurst und Käse sowie frisch geschnittenes Obst. Mmmh, lecker. Jetzt alles wieder wegräumen und weiter zu Canadian Tire, einer Art Baumarkt mit so ziemlich allem, was man sich für im und ums Haus und Auto vorstellen kann. Maya und Liz haben keine Lust auf Baumarkt und so gehen Mike und ich, wieder voll guter Hoffnung in den Laden und wieder verlassen wir ihn ohne Kühlbox. Hier gibt es zwar welche, die sind aber so teuer, dass wir sie ohne vorherige Absprache mit unserem Wohnmobilvermieter  Cruise Canada nicht einfach so kaufen dürften. Und bei denen ist ja seit Tagen niemand erreichbar!

Wir überlegen, wie es jetzt weitergeht, ob wir uns ins Auto setzen und direkt ungeplant nach Montreal zur Vermietung durchfahren, denen den Wagen auf den Hof stellen und einen neuen haben wollen. Das sind aber mal eben gute 600 Kilometer Umweg für uns und so hängt sich Mike mal wieder ans Handy. Um die beiden Mädels aus ihrer Langeweile zu befreien, gehe ich mit den beiden zu Winners. Das ist ein Klamotten- und Dekoladen mit einer riesigen Auswahl und wir stöbern uns durch Unmengen an Kleidung. Die beiden Damen belagern die Umkleidekabinen und wir gehen tatsächlich nur mit einem Pullover für mich sowie zwei Shorts und zwei T-Shirts für Maya und Liz und 126 CAD ärmer da wieder raus. Am Wohnmobil angekommen hat Mike endlich jemanden bei Cruise Canada erreicht. Der will gleich zurückrufen und uns sagen, wie es weitergehen soll. Auf der anderen Straßenseite haben wir Cora´s entdeckt, unser Lieblings- Frühstückslokal und wie lässt sich die Wartezeit besser überbrücken als mit einem zweiten Frühstück? Schnell haben wir bestellt und genauso schnell stehen die großen Portionen vor uns. Wir freuen uns über Pancakes, Spiegeleier, Speck, Bratkartoffeln, Obst, Kaffee und kalten Orangensaft. Und wir warten und warten auf den Rückruf. Nach einer gefühlten Ewigkeit klingelt das Handy, Mike geht nach draußen um zu telefonieren und kommt resigniert wieder zurück. Jetzt ist durch die ganze Telefoniererei das Guthaben leer und das Gespräch abgebrochen. Kann eigentlich noch mehr hierbei schief gehen?

Uns bleibt erstmal nichts anderes übrig, als zum Campingplatz zurück zu fahren. Da wir erstmal nicht weiter wissen, nehmen wir um 16 Uhr den Shuttle nach Quebec und fahren nochmal in die Stadt rein.

Direkt am Fährterminal entdeckt Mike eine Telefonzelle und da Cruise Canada innerkanadisch kostenfrei zu erreichen ist, flitzt Mike in die Telefonzelle, verbarrikadiert sich dort und versucht die nächsten zwei Stunden, jemanden an den Apparat zu kriegen. Maya, Liz und ich bummeln noch einmal durch die verschiedenen Souvenirläden aber so richtig Lust haben wir heute irgendwie nicht. Die Laune ist ganz unten, der Tag irgendwie hinüber und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Zwar nur leicht und war ist es immer noch aber es trägt nicht zu Besserung vor allem meiner Stimmung bei.Um kurz nach sechs kommt Mike zurück. Die Ansage von Cruise Canada lautet: Kommen Sie morgen nach Montreal, dann reparieren wir den Kühlschrank. Also doch nach Montreal. Dabei wollten wir doch erst in ein paar Tagen dorthin. Da wir irgendwas zum Abendessen brauchen, setzten wir uns wieder in eins der kleinen Straßenlokale und bestellen 3x Salat und ein Sandwich. Die sind richtig lecker. Danach geht’s zurück zur Fähre und dann zum Campground, den wir um 21 Uhr wieder erreichen. Ich steck noch schnell zwei Ladungen Wäsche in die Maschinen, wir räumen alles zusammen und dann geht’s ins Bett, damit wir morgen früh zeitig los können.

 

 

31.07.2018

Nach einer kurzen Nacht und ohne Frühstück machen wir uns auf den Wag nach Montreal. Die Fahrt dauert knapp vier Stunden und gegen 11 Uhr betreten wir die Filiale von Cruise Canada. Wir werden bereits erwartet und die erste Ansage klingt vielversprechend: „In zwei Stunden sind sie hier weder weg“. Oh, das hört sich gut an. Dann könnten wir den Weg zurück heute noch schaffen und den reservierten Campingplatz auch benutzen. Da es fast Mittag ist und wir noch nichts gegessen haben, suchen wir nach einer Möglichkeit, an etwas Essbares zu kommen. Nicht weit von der Vermietstation entfernt ist ein Frühstückslokal und wir beschließen, die Wartezeit mit einem Frühstück zu überbrücken. Wir bestellen Waffeln, Pancakes mit Obst, Spiegeleier, Kaffee und kalte Milch. Da es so heiß ist, bekommen wir noch ein großes Glas Wasser dazu gestellt. Als die Bedienung unsere Teller bringt, stockt uns erstmal der Atem. Ich kenn ja große, kanadische Portionen aber sowas habe ich noch nicht gesehen. Liz bestellte Portion Pancakes besteht zum Beispiel aus drei riesigen, tellerfüllenden Pfannkuchen mit Sahne und Obst.

Tapfer kämpfen wir uns durch die Berge auf unseren Tellern und die schmecken richtig gut. Sehr, sehr satt und wieder zufriedener machen wir uns auf den Weg zurück zu Cruise Canada. Die zwei Stunden sind so gut wie vorbei- dann kann es ja gleich weitergehen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Aus den zwei Stunden werden sieben, der Kühlschrank will nicht, dann wird ein neuer eingebaut, der hat dann keinen Strom, die Mechaniker werden nervös, der Filialleiter auch, denn er hat keinen Ersatzwagen für uns auf dem Hof stehen. Am späten Nachmittag ist klar, dass wir den Rückweg nach Quebec zu unserem gebuchten Campingplatz heute nicht mehr schaffen werden und irgendwo in Montreal bleiben müssen. Der Filialleiter telefoniert und hat irgendwann einen Stellplatz in einem stadtnahen Park für uns reserviert. Die Filiale von Cruise Canada bleibt heute länger geöffnet und irgendwann gegen Abend funktioniert der Kühlschrank plötzlich. Ich wage noch gar nicht daran zu glauben, als wir endlich vom Hof fahren. Die Wegbeschreibung zu unserem Stellplatz für heute Nacht in der Hand machen wir uns auf den Weg und halten erstmal beim nächsten Walmart. Der Kühlschrank muss schließlich wieder gefüllt werden. Ich kaufe lieber erstmal etwas weniger ein- wer weiß, ob der neue Kühlschrank uns nochmal überrascht.

Es ist schon dämmrig, als wir im Parc dÓka ankommen. Der Campingplatz liegt mitten im Wald und es ist so schwül, dass Tische und Bänke feucht sind und die Mücken draußen einen Freudentanz aufführen. So bleiben wir im Wohnmobil, machen Reissalat, spielen Karten und gehen früh ins Bett. Mit einem Hörbuch und der Aussicht, dass wir ab jetzt wie geplant weiterkommen, schlafe ich ziemlich schnell ein.

 

01.08.2018

Da wir früh im Bett waren,  sind wir auch früh wieder wach. Mein erster Gang führt zum Kühlschrank… alles kalt und das Gefrierfach tut auch seinen Dienst. Na also, geht doch. Draußen regnet es und da die Sanitäranlagen echt schon bessere Zeiten gesehen haben, benutzen wir alle zum ersten Mal die Dusche im Wohnmobil. Wir frühstücken kurz, spülen, räumen zusammen und fahren los. Der Regen hat schnell wieder nachgelassen und so halten wir zuerst am parkeigenen Strandbad. Hier sind schon einige Eltern mit Kindern am Sandstrand oder im flachen, sehr warmen Wasser unterwegs.

Wir testen kurz die Wassertemperatur mit den Füßen und weiter geht die Fahrt zurück Richtung Quebec in den Mauricie Nationalpark . Hier hätten wir eigentlich gestern schon hingewollt. Am frühen Nachmittag kommen wir an unserem Campingplatz an, schließen den Wagen ans Stromnetz an und schauen uns um. Der Platz ist klein mit schön privat gelegenen Stellplätzen und das Beste: Das Dusch- und Toilettenhäuschen ist nagelneu. Erstbezug für uns sozusagen. Und keine 30 Meter vom Wohnmobil entfernt.  Direkt neben unserem Stellplatz befindet sich ein Wasserhahn, so dass wir nicht auf unsere Reserven im Wassertank zurückgreifen müssen. Wir holen Brownies und Cookies aus dem Schrank, machen es uns auf der Bank draußen gemütlich und genießen das Nichtstun. Am frühen Abend laufen wir los und wollen uns den ausgeschilderten Wasserfall ansehen. Gute zwei  Kilometer ist der Weg dorthin und es geht bergauf und bergab. Der Weg lohnt sich, denn der Wasserfall ist wunderschön. Steil gehen die Steine von uns aus gesehen bergauf und nebenher plätschert das Wasser. Eigentlich wollen wir auf den Steinen herumspazieren, aber dort sind mehrere Leute, die scheinbar eine Trauerfeier abhalten und so halten wir uns etwas fern. Es gibt einen Rundweg um den Wasserfall herum, den wir einmal ablaufen. Danach bummeln wir ziellos durch die Gegend und entdecken einen Kanu-, SUP-, und Tretbootverleih. Das könnte was für morgen werden.

Auf dem Rückweg springt mit einem Mal ein Frosch aus dem Gebüsch auf den Weg vor unseren Füßen. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Chipmunk auf, beißt den Frosch tot und lässt ihn liegen. Ziemlich perplex nehmen wir das so zu Kenntnis, hatten wir doch Chipmunks bisher für süße, niedliche, kleine Tierchen gehalten. Das gerade war gar nicht süß und niedlich.

Bei Walmart hatten wir gestern Lachs gekauft, der kommt heute Abend mit Gemüse auf den Grill. Das Feuer knistert, das Essen schmeckt und die schlechte Laune der letzten Tage ist wie weggeblasen. Wir sitzen noch lange draußen, genießen die kühler werdende Luft im Schein des Feuers und spielen mal wieder Karten. So wird es fast Mitternacht, bis wir im Wohnmobil verschwinden.

 

02.08.2018

Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht starten wir erst spät in den Tag. Heute haben wir nichts vor und so schlafen wir erst in Ruhe aus, Mike und ich etwas kürzer, Maya und Liz etwas länger. Die Dusche im nagelneuen Duschhaus ist geräumig, sauber und wunderbar kühl und auch zum Zähne putzen habe ich das ganze Häuschen für mich allein. Obwohl es heute früh genieselt hatte, scheint jetzt die Sonne und es ist ganz schön heiß. Nachdem alle geduscht haben, frühstücken wir draußen und genießen Toast, Brötchen, Wurst, Käse, Obst, Kaffee, Kakao und eiskalten Orangensaft mit nettem Besuch.

Nach dem täglichen Chaos beseitigen gehen wir wieder zum Kanuverleih. Maya und Liz entscheiden sich für SUPs, Mike und ich nehmen lieber ein Tretboot. Alle vier stechen wir in See und erkunden den See vom Wasser aus.

Mittendrin gibt es eine kleine Insel, auf der es sich schon Leute mit Handtüchern und Badesachen gemütlich gemacht haben. Nach zwei Stunden bringen wir unsere Siebensachen zurück, gehen zum Wohnmobil und ziehen uns Badesachen an. Danach geht’s nochmal zum Wasserfall. Hier ist es heute rappelvoll aber wir finden noch ein Plätzchen auf einem der abgerundeten Felsen und machen es uns bequem. Einige der Wasserbecken zwischen den Felsen sind so tief, dass man fast ein paar Züge schwimmen kann, in den meisten Becken kann man bequem wie in einem kleinen Pool sitzen und das kühle Wasser genießen.

Bis zum späteren Nachmittag bleiben wir hier, dann zieht es uns zurück zum Wohnmobil. Mit trockenen Sachen spielen wir Karten, lesen, machen Rätsel und schmeißen am Abend mal wieder den Grill an. Heute gibt es Schnitzelchen vom Grill mit Nudeln und Gemüsesauce.

 

03.08.2018

Hier im Mauricie Nationalpark sind die Nächte wunderbar ruhig. Nichts und niemand regt sich und so wachen wir heute früh wieder erholt und ausgeschlafen auf. Da wir um 11 Uhr unseren Stellplatz verlassen müssen, geht’s es zuerst zu den Duschen, danach gibt’s Frühstück und dann wird gespült und aufgeräumt. Morgenroutine im Wohnmobil. Pünktlich räumen wir unseren Stellplatz. Da heute nichts Weiteres ansteht als den Weg, jetzt geplant, nach Montreal anzutreten, beschließen wir, vor der eigentlichen Fahrt noch einen der schönen Wanderwege mitzunehmen. Wir entscheiden uns für einen 3,8 Kilometer langen Rundweg, der auf der Karte gar nicht so wild aussieht. Dass diese 3,8 Kilometer zur Hälfte steil bergauf gehen, stand leider vorher nirgendwo. Draußen ist es wieder unglaublich heiß und schwül und so klebt mir schnell das T-Shirt am Rücken und ich krieche keuchend den an sich wunderschönen Waldweg entlang. Es kann doch nicht sein, dass ich mich im Schneckentempo den Weg entlangschleppe  und die anderen drei immer wieder auf mich warten müssen. So peinlich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir wieder am Wohnmobil an und es beruhigt mich etwas, dass auch der Rest der Familie nass geschwitzt ist und wir uns allesamt erst einmal waschen und wieder trocken anziehen müssen. Außerdem gibt’s viel zu trinken. Jetzt haben wir uns bewegt, dann kann es ja losgehen. Vom Mauricie Nationalpark aus fahren wir Richtung Quebec, dort auf den Trans-Kanada-Highway und dann immer geradeaus. Kilometer für Kilometer spult der Tacho runter, der Tempomat sorgt für konstantes Tempo und an den Fenstern ziehen Wiesen, Felder und ziemlich plattes Land an uns vorüber. Maya und Liz haben die Köpfe auf den Tisch gelegt und sind beide eingeschlafen, Mike liest und ich halte das Steuer gerade. Am späten Nachmittag kommen wir in Montreal an und drehen noch schnell eine Runde durch Walmart. Irgendwas fehlt ja immer. Unser Campingplatz für die nächsten zwei Tage ist der stadtnahe KOA-Campground und so stellen wir das Wohnmobil am reservierten Stellplatz ab und versorgen den Großen mit allen nötigen Anschlüssen. Da es auch vom stadtnahen Campingplatz zu weit ist, um heute noch in die Innenstadt Montreals zu kommen, verbringen wir den restlichen Nachmittag mit faulenzen und lesen und nutzen das freie WLAN. Ich wasche nebenbei mal wieder eine Ladung Wäsche durch. Am frühen Abend schmeißen wir den Grill an und grillen Kartoffeln mit Spargel und Pilzen.  Später, es ist noch hell, meinen die beiden Mädels, sich für heute noch nicht genug bewegt zu haben und wollen noch zu ihrer 10 -Kilometer-Runde aufbrechen. Nach knapp anderthalb Stunden sind beide zurück und beide haben als Mückenmahlzeit hergehalten. Allein Maya hat 19 neue Mückenstiche. Da beide wunderbar duften, verdonnere ich sie erst mal zu einem Besuch im Duschhaus. Mike und ich sitzen noch kurz draußen, doch auch hier nerven langsam die Mücken. Als die beiden Damen aus der Dusche kommen, verziehen wir uns alle nach drinnen und spielen mal wieder Karten. Nach diversen Runden Uno und Wizzard geht’s ins Bett.

 

04.08.2018

Ich bin schon früh wach, setzte mich nach draußen und genieße die Ruhe auf dem Campingplatz. Bereits heute früh ist es heiß und drückend, richtige Gewitterluft. Zum Frühstück gibt es viel Obst und kalten Orangensaft, danach brechen wir auf Richtung Downtown Montreal. Obwohl der KOA Campground einer der stadtnächsten Campingplätze ist, ist es doch noch eine gute halbe Stunde Fahrzeit von der Metrostation nach Downtown entfernt. Während wir den Highway dahinrauschen verdunkeln sich die Wolken immer mehr. Zuerst bleigrau sind sie später schwarz und hängen tief über der Stadt. Ganz Montreal scheint in einer dicken, dunklen Wolke zu versinken. Nach ersten Tropfen auf der Windschutzscheibe prasselt ein dicker Gewitterregen auf uns runter und wir sind froh, noch im Wohnmobil zu sitzen. Nur Mike ist wenig begeistert, denn man sieht beim Fahren kaum die Hand vor Augen. In Longeuil parken wir unseren Riesen auf dem Metroparkplatz. Hier stehen bereits mehrere Wohnmobile und wir reihen uns mit ein, holen einen Tagesparkschein und machen uns auf in den Untergrund Montreals. Die Zugverbindungen sind super unkompliziert, es gibt vier Strecken, die durch Farben gekennzeichnet sind und Montreal von Nord nach Süd und West nach Ost verbinden. Bereits nach drei Haltestellen steigen wir einmal um und sind kurz danach mitten in Downtown. Es regnet immer noch leicht, als wir aus der U-Bahn-Station ins Freie treten. Zuerst gehen wir vorbei an der Kirche Notre Dame durch die alten, kopfsteingepflasterten Straßen Montreals und schlängeln uns mit vielen weiteren Touristen durch die engen Gassen. Bereits in der U-Bahn waren uns viele bunt verkleidete Personen aufgefallen und auch  hier in der Stadt treffen wir immer wieder auf Elfen, Hexen, Magier und andere Gestalten und Fabelwesen. Im Kongresszentrum findet ein großes Animetreffen statt und der Strom der Fabelwesen zieht dorthin.

Uns vier zieht es Richtung Hafengegend, doch die Begeisterung von letztem Jahr kommt dieses Mal nicht so richtig bei uns an. Wir sind heute irgendwie alle müde und k.o. und so schlappen wir wieder bergauf Richtung Chinatown. Da es seit Tagen heiß und trocken ist, werden die Bäume am Straßenrand mit riesigen Gießkannen gegossen.

 

Wir durchqueren Chinatown und gehen weiter zu der Mall, in der wir letztes Jahr schon waren. Die Nordamerikaner klimatisieren ja jeden Raum und so ist es auch hier in der Mall kühl, fast schon kalt. Im Untergeschoss befindet sich ein food market mit vielen verschiedenen Restaurants. Von süß bis herzhaft, von italienisch bis indisch ist für jeden was dabei. Wir holen uns Butterchicken, Falafel und Panea mit Linsen, setzen uns an einen der freien Tische und genießen unser Mittagessen. Danach stürmen wir mehrere Läden und kommen mit einem Paar Schuhe, zwei neuen Pullovern, einem Touripullover für Liz und viel Schokolade aus dem Lindt Store wieder nach Hause. Eigentlich wollte ich mir noch eine Duftkerze mitnehmen, doch Mike meinte, die sei ja wohl etwas schwer fürs Gepäck. Dann halt nicht. Wir haben alle keine rechte Lust mehr, noch weiter zu bummeln und so nehmen wir die nächste U-Bahn zurück zum Wohnmobil, fahren zum Campingplatz und faulenzen den Rest des Tages. Zum Abendessen schneiden wir uns Mangos auf. Da es mittlerweile wieder trocken ist, sitzen wir draußen auf unserer kleinen Terrasse, als unsere beiden Stellplatznachbarn zu uns rüber kommen. Er ist ein ehemaliger Deutscher, der mit seiner Familie nach dem Krieg nach Kanada gegangen war, seine Lebensgefährtin ist Deutsche und so pendeln die beiden jeweils halbjährig zwischen Kanada und Deutschland hin und her. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit lang und stellen irgendwann anhand des Akzents fest, dass wir in Deutschland gar nicht weit voneinander entfernt wohnen und die beiden sogar unseren Wohnort kennen. Die Welt ist halt ein Dorf. Wir reden und reden bis es dunkel wird, dann verabschieden sich die beiden  und um nicht noch mehr neue Mückenstiche zu riskieren, gehen auch wir rein  und beenden den Tag.

 

05.08.2018

Heute steht ein reiner Fahrtag auf dem Programm, doch bevor wir losziehen, wasche ich noch neben dem Frühstück die Bettbezüge. Die sind durchgeschwitzt  und könnten dringend eine Wäsche vertragen. Wir frühstücken wieder draußen und als die Wäsche durch Waschmaschine und Trockner gelaufen ist, alles gespült und verstaut ist, legen wir ab Richtung Algonquin Park. Den ersten Stopp legen wir bereits nach ein paar Minuten ein, plündern noch einmal schnell den Walmart und kaufen für die nächsten drei Tage ein. Im Algonquin Nationalpark gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten und der nächste Laden ist 70 Kilometer weit weg. Die Fahrt von Montreal über Ottawa in den Algonquin Park dauert gute fünf Stunden. Die Mädels lesen und schlafen, Mike und ich wechseln uns mit dem Fahren ab.

Da sich unterwegs auch der kleine Hunger breit macht und es an jeder Straße irgendwo einen Tim Hortons gibt, halten wir bei einem davon und holen Cheese Sandwichs und Donuts raus. Dann geht’s weiter, schließlich wollen wir heute noch ankommen. Um kurz vor sechs rollen wir auf den Parkplatz des Visitor Centers. Das Thermometer zeigt 33 Grad an, die Sonne scheint und sobald man die Tür vom Wohnmobil aufmacht, erschlägt einen die Schwüle. Im Visitor Center wollen wir uns Broschüren und Kartenmaterial mitnehmen, werden vom Personal freundlich darauf hingewiesen, dass in fünf Minuten geschlossen wird und raffen so schnell alles zusammen, was wir meinen zu brauchen. Danach geht die Fahrt noch etwa 20 Minuten weiter bis zu unserem gebuchten Campingplatz.

Der Pog Lake Campground liegt direkt am See und die Stellplätze liegen mitten im Wald mit einem Boden aus Tannennadeln. Die einzelnen Stellplätze sind schön groß und privat. Wir versorgen unser Wohnmobil mit Strom und erkunden den Campingplatz. Nach der langen Sitzerei tut es gut, sich noch etwas zu bewegen. Wir gehen zum kleinen Sandstrand, wo es heute Abend rappelvoll ist. Überhaupt herrscht hier heute eher Feriencampstimmung als gemütliche Ruhe in einem Nationalpark. Viele Menschen sind noch im Wasser, der Strand ist voll belegt mit Stühlen, Liegen und Decken.  Die untergehende Sonne hüllt den See und den Strand in ein wunderschönes, warmes Licht. Obwohl es mittlerweile schon spät ist, ist es immer noch super heiß und die Menschen sitzen noch draußen vor ihren Wohnmobilen oder Zelten. Nur der Grill ist nirgendwo an. Da die Feuerwehr an verschiedenen Stellen in Ontario gegen Waldbrände kämpft, gilt ein genereller fireban, das bedeutet, dass niemand in ganz Ontario ein offenes Feuer machen darf. Unser Abendessen besteht daher heute aus Nudeln mit grünem Spargel und Pilzen. Wir essen draußen und warten auf etwas kühlere Luft, doch die soll es heute nicht geben. Gegen Mitternacht sind es immer noch 30 Grad und überall dröhnen die Klimaanlagen. Da wir langsam echt müde sind, gehen auch wir ins Bett und auch bei uns dröhnt die Klimaanlage noch mehrere Stunden, bis es gegen Morgen etwas abkühlt.

 

06.08.2018

Bis auf Liz haben wir alle schlecht geschlafen. Mir war zu heiß und Mike und Maya haben sich mit ihren Mückenstichen rumgeplagt. Nach der großen Hitze von gestern hat es am frühen Morgen angefangen zu regnen und als wir aufstehen ist der Himmel stark bewölkt. Für abends sind wieder neue Gewitter angesagt und so herrscht hier am Campground heute früh eine allgemeine Aufbruchsstimmung. Viele Menschen, die hier das Wochenende verbracht haben, packen zusammen und rollen mit Sack und Pack davon. Es leert sich spürbar und so muss ich am Duschhaus gar nicht anstehen, sondern kann direkt in meiner Duschkabine verschwinden. Das kühle Wasser ist super angenehm und nach mir kommen nach und nach auch die drei anderen im Waschhaus an. Tisch und Bänke draußen sind wieder trocken und so frühstücken wir unter hohen Kiefern und in Begleitung von Chipmunks und Eichhörnchen. Denen kann man ja stundenlang zugucken, wie sie über den Boden rennen, dann wieder die Baumstämme hinaufflitzen um gleich darauf wieder irgendwo im Gebüsch zu verschwinden. Da wir es heute nicht eilig haben, spüle ich nach dem Frühstück, dann lesen wir etwas und überlegen, was wir heute so anstellen könnten. Da ja für später am Tag wieder Regen angesagt ist und wir gerne noch ein, zwei Wanderwege abwandern würden, fahren wir am späten Mittag vom Campground aus zum lookout trail. Der Rundweg ist nur 10 Minuten vom Campground entfernt und so stellen wir unseren Wagen schnell auf dem nächsten Parkplatz wieder ab. Der Weg führt als  gut zwei Kilometer langer Rundweg immer durch den Wald und auf der Hälfte der Strecke hat man einen wunderschönen Ausblick über viele, viele Kilometer unbebaute, unbewohnte Landschaft. Hier gibt es nur Bäume, Bäume und… die Poser neben uns. Ken steht mit freiem Oberkörper vor der tollen Kulisse, macht Liegestütze und posiert mal so und mal so, während seine Barbie immer wieder Fotos von ihm macht. Bevor wir anfangen müssen zu lachen, gehen wir lieber weiter und genießen die Ruhe im Wald.

Nach einer knappen Stunde haben wir den ersten Weg geschafft, fahren ein paar Kilometer weiter die Straße runter und halten dort für den nächsten Wanderweg. Auch dieser Weg ist ein Rundweg mit etwa drei Kilometer Länge, auch hier geht es zuerst durch den Wald. Der öffnet sich später zu Wiesen und freien Flächen hin, auf denen Blaubeeren wachsen. Wir setzen uns kurz auf eine der Bänke und genießen die Aussicht, dann machen wir uns doch auf den Rückweg, denn der Himmel zieht sich wieder zu.

 

 

Gerade am Wohnmobil angekommen fängt es an zu regnen und wir überlegen, was wir den Rest des Tages machen. Unsere Entscheidung fällt aufs Visitor Center. Das hat noch fast zwei Stunden geöffnet und Liz kennt die Ausstellung dort noch nicht. Nachdem wir das Wohnmobil auf dem Parkplatz abgestellt haben, gucken wir uns die verschiedenen Tiere und Lebensräume des Algonquinparks in der Ausstellung des Visitor Centers an. Mit viel Liebe zum Detail werden hier die verschiedenen Lebenszusammenhänge  erklärt und anschaulich dargestellt.

Danach gehen wir ein Stockwerk höher, denn hier gibt es ein kleines Restaurant und freies WLAN. Da wir ja nicht grillen dürfen und aufgrund des Regens heute Abend wahrscheinlich auch nicht draußen essen können, bestellen wir uns hier Burger, Pommes, Hotdog und Eintopf. Das ist richtig lecker und nebenbei schreiben wir mit dem daheimgebliebenen Rest der Familie. So vergehen die zwei Stunden wie im Flug und plötzlich ist es 19 Uhr. Das Visitor Center schließt und wir fahren wieder zurück zu unserem Stellplatz am Pog Lake. Hier lassen wir den Abend unspektakulär ausklingen, lesen, spielen Karten, hören Hörbuch und verschwinden später im Bett.

 

07.08.2018

Neuer Tag, neues Wetter. In Kanada wechselt das Wetter manchmal stündlich und nach dem Regen gestern scheint heute Morgen wieder die Sonne. Mike und ich sind deutlich früher wach als die beiden Mädels und so nehmen wir uns Kaffee und Tee mit nach draußen, setzen uns, da die Bänke noch zu feucht sind, in die Campingstühle und genießen die Ruhe, die noch herrscht.

 

Mike liest und ich bearbeite das Sudoku-Heft. Erst eine gute Stunde später steigen Maya und Liz aus dem Bett und ziehen ab Richtung Dusche. Da muss ich auch noch hin. Danach gibt’s wieder Frühstück mit Toast, Salami, Käse, Erdnussbutter, Marmelade, viel frischem Obst, Kaffee, Kakao und Orangensaft. Satt und gestärkt kann das Abenteuer ja heute weitergehen. Wir wollen zum Opeongo Lake, einem See im Algonquinpark, auf dem man wunderbar Kanu fahren kann. Wir koppeln das Wohnmobil ab und fahren ein paar Kilometer auf dem Highway 60, der den Algonquinpark einmal durchquert. Später biegen wir vom Highway auf eine Schotterpiste ab, rumpeln noch ein paar Minuten weiter und kommen dann am Kanuverleih an. Ein ganz schön großes Ding ist das hier, mit eigenem Shop, Verleih von allem, was man so fürs Wasser brauchen kann und einer Menge Personal. Da wir nicht reserviert haben, haben wir Glück, dass wir noch zwei Kanus samt Schwimmwesten, Paddeln und einer orangen Rettungsdose mit Trillerpfeife kriegen. Wir buchen für zwei Stunden, füllen die notwendigen Unterlagen aus, versichern, dass Maya und Liz schwimmen können und schwupps, sitzen wir in zwei silbernen Alukanus. Zuerst paddeln wir in die Flussmündung hinein, in der Hoffnung, auf den angrenzenden Wiesen einen Elch zusehen, doch es will sich keiner zeigen. Dafür zeigen sich hier die Mücken und wir sprühen uns noch im Kanu mit off! ein. Zügig paddeln wir wieder aufs offene Wasser und lassen die Mücken zurück. Dann geht’s halt in die andere Richtung. Hier kommen wir an winzigen, felsigen Inseln vorbei, umrunden die ein oder andere und finden tatsächlich eine, auf der auch ein Haus steht. Nicht irgendein Haus sondern ein richtig tolles Anwesen mit eigenem Bootshaus, Steg, einem gepflegten Garten mit Liegestühlen und viel Platz für sich. Und das alles mit Wasser drumrum. Ich begutachte das Haus so sehr, dass es Mike schon peinlich wird und er wieder aufs offene Wasser rauspaddelt.

Unterwegs treffen wir wieder auf die beiden Mädels, die sich in ihrem Kanu einfach haben treiben lassen. Nach zwei Stunden bringen wir unser Leihmaterial zurück, nehmen noch einen Kühlschrankmagneten aus dem Shop mit und gehen zurück zum Wohnmobil. Da wir heute sonst nichts Weiteres vorhaben und das Wetter so schön ist, verbringen wir den Rest des Tages einfach am Campground. Gegen Abend wollen Maya und Liz mal wieder laufen gehen, um weitere 10 Kilometer auf ihrem Laufkonto gut zu schreiben. Während die beiden sich umziehen und loslaufen, nehmen Mike und ich uns zwei Campingstühle und zwei Flaschen Cola und gehen an den kleinen Sandstrand direkt am See. Hier machen wir es uns bequem und beobachten die immer tiefer stehende Sonne, die langsam hinter den Bäumen verschwindet. Sie taucht den See und den Strand in wunderschöne Farben und geht mit einem flammenden Rot unter.

Außer uns haben sich dieses Schauspiel noch viele andere Leute angeguckt und erst als es wirklich dunkel ist, verlassen alle den Strand. Maya und Liz sind immer noch nicht zurück und langsam machen wir uns ein wenig Sorgen, ob die beiden den Weg auch wieder zurück finden. Schließlich ist es bereits stockdunkel. Gerade als sich Mike mit einer Taschenlampe auf die Suche machen will, kommen die beiden verschwitzt und keuchend zurück. Aus den geplanten 10 Kilometern ist deutlich mehr geworden, denn tatsächlich haben sie die Entfernungen hier unterschätzt. Da wurde der Rückweg etwas länger. Für die beiden gibt’s die zweite Dusche des Tages und ich bereite das Abendessen zu. Es gibt mal wieder Nudeln mit Gemüse, danach wird nur noch aufgeräumt, gespült und dann ist Schluss für heute.

 

08.08.2018

Unsere Tage im Algonquin Nationalpark sind vorbei und bis 11 Uhr müssen wir den Stellplatz frei machen. Nach der morgendlichen Dusche und einem kurzen Frühstück packen wir mal wieder unsere Siebensachen zusammen und rollen pünktlich vom Platz. Unser Ziel für heute ist der Ort Kitchener südwestlich von Toronto und da die reine Fahrzeit bloß gute drei Stunde beträgt, machen wir einen kleinen Umweg an der Georgian Bay entlang nach Wasaga Beach. Hier treffen wir auf einen unglaublich touristisch geprägten Ort mit einem planierten Strand mit Betonkante, Spielhöllen entlang der Wasserkante und einer Unmenge an Menschen.

Im ersten Moment überlegen wir, einfach weiter zu fahren, halten dann aber doch auf einem der vielen Parkplätze und gehen die paar Schritte zum Wasser. Wie überall an der Georgian Bay ist auch hier das Wasser unsagbar klar. Und unsagbar warm ist es hier auch. Wir ziehen die Schuhe aus und waten  eine Weile im flachen Wasser rum. Ich überlege, ob ich noch meine Badesachen aus dem Wohnmobil hole und richtig ins Wasser gehe, doch die anderen drei sind lustlos und wollen nur weiter. Also füge ich mich der Mehrheit und so sitzen wir nach kurzer Zeit wieder im Wagen und fahren über schnurgerade Straßen Richtung Kitchener. In dieser Ecke Ontarios sind die Straßen wie ein Schachbrett angelegt, also biegen wir mehrmals im 90 Grad Winkel ab, fahren wieder viele Kilometer geradeaus, biegen wieder ab, fahren weiter und stehen am Nachmittag an der Einfahrt unseres Campgrounds. Es ist ein familiengeführter Platz und ich habe noch nie einen so herzlichen Empfang erlebt. Direkt an der Schranke kommt eine junge Frau auf uns zu, begrüßt uns herzlich und zeigt uns unseren Stellplatz. Danach gehen Mike und ich zur Anmeldung ins Büro. Auch dort sind die Leute herzlich und freundlich, der Familienhund kommt uns schwanzwedelnd entgegen und holt sich seine Streicheleinheiten ab und beim Rausgehen kriegen wir noch Zuccinis aus dem eigenen Garten in die Hand gedrückt. Die kommen heute Abend in die Nudelsauce. Wir nehmen uns ein paar Cookies und Brownies mit raus, essen was und gucken uns dann den Campingplatz an. Für einen privat geführten Platz ist der ganz schön groß und es gibt einen Minigolfplatz, einen Pool, einen großen Spielplatz und neben der Snackbar einen nagelneuen Tennisplatz. Den werden wir wohl heute nicht mehr brauchen. Wir vertrödeln den Rest des Tages auf dem Platz und gehen früh ins Bett, denn morgen müssen wir zeitig raus.

 

09.08.2018

Um sieben Uhr schellt der Wecker. Duschen, Zähne putzen, zusammenräumen, Wagen abkoppeln. Ohne Frühstück verlassen wir den Campground, denn unser erster Weg führt heute zum Farmers Market nach St. Jacobs. Nur wenige Kilometer von unserem Stellplatz letzte Nacht entfernt, findet zweimal die Woche der größte Bauernmarkt Ontarios statt. Die Gegend ist geprägt von Landwirtschaft und so verkaufen hier die Bauern alles, was die Felder, Gärten und Ställe hergeben. Viele Menoniten verkaufen hier traditionell hergestellte Produkte, von Obst und Gemüse über Woll- und Stoffwaren bis hin zu Schuhen und Dekoartikeln.

An vielen Ständen fallen altdeutsche Namen auf und Birkenstockschuhe sind der Renner hier. Am liebsten mit hochgezogenen Socken drin. Die Auswahl hier ist riesig und wir brauchen eine Weile, bis wir uns für Frühstück und Getränke entschieden haben. Wir suchen uns eine ruhige Ecke in dem Gewusel und essen unsere Bacon and Egg Toasties mit viel Ahornsirup. Mmmmhhh, lecker. Dazu gibts frischgepresste Säfte und heißen Kaffee. Neben der großen Markthalle findet ein Teil des Marktes auch draußen statt und so gucken wir uns erst innen um und danach gehen wir raus, um dort über die riesigen Stände mit Erdbeeren, Pfirsichen, Kartoffeln, Paprika oder Tomaten zu staunen. Hier gibt es alles, was das Gemüseherz begehrt und wir verlassen den Markt mit frischen Kartoffeln, Erdbeeren und Blaubeeren.

Ich hätte gerne noch andere Sachen mitgenommen, aber wir sind nicht mehr so viele Tage im Wohnmobil, als dass wir diese Mengen wegkriegen würden. Wieder zurück am Wohnmobil, verstauen wir unsere Einkäufe und los geht’s nach Niagara Falls. Die Fahrt dauert nur etwa anderthalb Stunden und ist recht ereignislos. Am frühen Nachmittag rollen wir auf den KOA Campground Niagara Falls. Hier waren wir 2015 schon einmal und waren zufrieden. Der Platz ist ruhig gelegen und direkt am Eingang fährt der Bus zu den Niagarafällen ab. So kann man die riesigen Wohnmobile die ganze Zeit fest stehen lassen und ist trotzdem mobil. Sehr praktisch. Zudem gibt es nicht irgendwelche Karten für den einen oder den anderen Bus, für Zone XY oder eine bestimmte Zone, nein, es gibt 24 oder 48 Stunden Karten und damit kann man dann eben für diese Zeit in jeden Bus springen und dahin fahren, wo man eben hin möchte. Sehr praktisch das Ganze. Wir kommen erstmal in Ruhe auf dem Campingplatz an, versorgen den Wagen mit Anschlüssen und uns mit kalten Getränken, laufen eine Runde über den Platz und inspizieren die Toilettenhäuschen. Zum Glück hat sich gegenüber unserem letzten Besuch nichts geändert, Duschen und Toiletten sind supersauber. Gegen Abend machen wir uns auf den Weg zu den Niagarafällen. Die Busfahrt dauert eine gute halbe Stunde, dann stehen wir direkt neben den reißenden Wassermassen im Sprühnebel der weltberühmten Wasserfälle. Wieder bin ich überwältigt von diesen Unmengen an Wasser, die sich dort hinabstürzen und auch, wenn die Wasserfälle an sich gar nicht so hoch sind, spürt man doch die unbändige Kraft des Wassers, wenn man direkt daneben steht.

Außer uns stehen hier heute Abend noch unzählige andere Menschen aus aller Welt, es ist brechend voll und man muss schon aufpassen, nicht irgendeinen Selfiestick an den Kopf zu bekommen. Wir gehen ein Stück die Promenade entlang, hier ist es etwas weniger voll. Im Juli und August gibt es hier jeden Abend um 22 Uhr ein Feuerwerk und die Wasserfälle werden mit verschiedenen Farben angeleuchtet. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so warten wir auf die völlige Dunkelheit. Das Feuerwerk ist richtig lang und richtig schön, es gibt rote Herzen, goldene Funken, lila Fontänen und blitzende Bälle am Himmel und das Wasser leuchtet abwechselnd in Rot, Lila, Gelb, Blau oder im Muster der kanadischen Flagge. Nur das Ahornblatt fehlt.

Um halb elf ist das Spektakel vorbei und wir laufen zur nächsten Bushaltestelle. Irgendwas scheint heute Abend mit den Busverbindungen nicht zu stimmen, denn an der Haltestelle kommt und kommt kein Bus und irgendwann warten hier Massen an Menschen. Um halb zwölf kommt endlich ein Bus und wir haben Glück, dass wie so weit vorne stehen. Natürlich passen nicht alle Leute in den Bus und so müssen viele draußen bleiben und auf den nächsten Bus warten. Um kurz nach Mitternacht kommen wir wieder am Campground an und verschwinden schnell in den Betten.

 

10.08.2018

Wer spät ins Bett geht, schläft morgens was länger. Die Zeit haben wir heute und da wir nicht mehr viel zum Frühstück da haben, gehen Mike und ich zuerst zum nächsten Supermarkt. Der ist innerhalb von zehn Minuten zu Fuß zu erreichen und hat eine gute Auswahl mit allem, was wir so brauchen. Heute ist Freitag und der Campground füllt sich schon am Vormittag deutlich mit den Wochenendcampern. Wir frühstücken vor unserem Wohnmobil und beobachten dabei das Abfahren und Ankommen um uns herum. Neben uns parkt ein riesiger Wohnanhänger, der eine Familie mit Vater, Mutter und drei Kindern beherbergt. Die scheinen ihren kompletten Haushalt dabei zu haben, denn neben Fahrrädern in verschiedenen Größen kommen Stühle, Liegen, Dekolampen, Holzspiele und diverse Bälle zum Vorschein. Bereits gestern haben wir Tickets für eine abendliche Bootstour für heute besorgt und da wir uns nicht von mittags bis Mitternacht an den Niagarafällen aufhalten wollen, genießen wir den ersten Teil des Tages auf dem Campingplatz und fahren erst am Nachmittag ins Zentrum des Touristenwahnsinns. Ich wasche nochmal Wäsche, wir spielen Kniffel und am späten Nachmittag nehmen wir den Bus. Obwohl die Hauptattraktion in Niagara Falls die eigentlichen Wasserfälle sind, ist um diese herum eine Stadt aus Kunst und Kommerz entstanden. Über mehrere Straßenzüge hinweg gibt es alle möglichen Attraktionen, Restaurants, Souvenirshops und viele andere Bespaßungen. Wir lassen uns mit den Massen der Leute, heute sind noch mehr Menschen hier als gestern, durch die Straßen treiben, besuchen ein Funhouse und den angrenzenden Süßigkeitenladen und finden dann, direkt neben dem unübersehbaren Riesenrad, eine Minigolfanlage. Da wollen wir hin. Die Anlage ist ziemlich groß und überall stehen Dinosaurier rum. In der Mitte gibt es einen Vulkan, der alle paar Minuten eine riesige Feuersäule ausstößt. Die Wärme spürt man über den ganzen Minigolfplatz und zusätzliche Wärme braucht man heute ganz bestimmt nicht. 

 

 

Nach gut einer Stunde haben wir alle den Parcour absolviert, ich habe mit Abstand verloren, und wir suchen jetzt was Kühles zu trinken. Das finden wir wie immer bei Tim Hortons. Hier gibt es neben Bageln und Donuts auch eiskalte Cola. Mittlerweile wird es dämmrig und wir gehen die Straßen bergab zum Bootsanleger. Wie gut, dass wir bereits Karten haben. Vor den Ticketschaltern und –automaten stehen Schlangen von Menschen, die bestimmt zwei Stunden anstehen, um noch ein Karte für eine der Bootstouren zu bekommen. Wir können direkt durchgehen, setzen uns am Anleger auf eine der Bänke und vertreiben uns die Zeit mit Blödsinn. Damit geht die Zeit immer schnell rum und schwupps stecken wir in schönen roten Plastiksäcken und pferchen uns mit 400 anderen Personen auf ein Boot. Von diesen Booten fahren zwei Stück zeitgleich raus und von der amerikanischen Seite kommen auch noch einmal zwei Boote. Wer hier Romantik erwartet, ist definitiv falsch. Da wir die ja aber gar nicht erwartet haben, macht die ganze Sache Spaß. Die Musik dröhnt über das Schiff, die Bässe wummern und wir nähern uns den Wasserfällen. Schon nach kurzer Zeit sind wir ziemlich nass und ich bin froh, meine Brille im Rucksack verstaut zu haben. Die Wasserfälle wirken von hier unten noch gewaltiger als von oben und mit den verschiedenen Farben sieht es echt toll aus. Mittendrin fängt auch das allabendliche Feuerwerk wieder an und alles zusammen ist ein super Erlebnis.

 

Viel zu schnell ist diese Bootstour wieder vorbei, wir klettern bergauf Richtung Bushaltestelle und siehe da, auch heute Abend kommt kein Bus. Es ist immer noch sehr warm und viele Leute haben sich auf die Bordsteinkante gesetzt. Plötzlich springen die Menschen der Reihe nach wie bei einer Laola- Welle im Stadion auf und kommen die Straße runter. Zuerst wissen wir gar nicht, was mit einem mal los ist, doch dann sehen wir ES: Ein kleines, schwarz-weißes Tier schafft es, die Menschenmassen in Bewegung zu versetzen und alle fliehen vor dem Stinktier. Wir haben noch kein Stinktier so aus der Nähe gesehen und sind völlig fasziniert, aber ein bisschen beiseite gehen wir lieber auch. Leider kriege ich das Stinktier auf die Schnelle nicht scharf auf ein Foto und so muss ein unscharfes Bild als Beweis für das wahrscheinlich unbeliebteste Tier in Niagara Falls herhalten.

Irgendwann kommt doch wieder ein Bus und wir fahren wie am Vorabend zurück zum Campground. Gleiche Strecke, selbe Uhrzeit, same procedure as yesterday.

 

11.08.2018

Es ist Samstagmorgen und unser letzter richtiger Tag im Wohnmobil bricht an. Wir haben noch einen Tag hier in Niagara Falls und den genießen wir mit ganz viel Nichtstun. Wir schlafen aus, frühstücken ausgiebig und lesen uns dabei dumme Witze vor. Bei einigen müssen wir so lachen, dass unsere Nachbarn und komisch angucken und wahrscheinlich Merkwürdiges von uns denken. Egal, die sehen wir wahrscheinlich nie wieder. Am Nachmittag fahren wir ein letztes Mal rein ins Chaos, bummeln durch den Ort, besuchen eine der vielen Spielhöllen und gehen lecker Essen. Danach gibt’s noch Nachtisch vom Fudgehouse.

Und dann geht es zurück zum Campground. Hier lassen wir den Tag ganz unspektakulär ausklingen, sitzen noch bis zur Dunkelheit draußen, genießen die warme Luft, reden und beobachten die Leute um uns herum. Diese Momente der Gelassenheit sind es, die ich an den Sommerwochen im Wohnmobil so sehr liebe.

 

 12.08.2018

Heute früh verabschieden wir uns aus Niagara Falls. Da wir erst um 11 Uhr unseren Stellplatz räumen müssen und heute sonst nichts Weiteres vorhaben, lassen wir uns noch Zeit. Wir frühstücken in aller Ruhe unsere verbliebenen Reste weg, ich wasche noch ein letztes Mal etwas Wäsche für die nächsten Tage und dann machen wir uns auf den Weg Richtung Toronto. Die Straßen sind frei und so kommen wir zügig nach knapp zwei Stunden in unserem Campingplatz an. Heute steht nur aufräumen, packen, ausmisten und saubermachen auf dem Programm. Maya und Liz nutzen das freie WLAN des Campinglatzes, während Mike und ich schon mal anfangen, unseren Krempel aus den Schränken, Fächern und Schubladen in die Taschen zu verpacken. In den letzten vier Wochen ist doch wieder was dazu gekommen und so wird es im Koffer ganz schön eng. Irgendwie findet aber alles seinen Platz und der Reißverschluss hält auch zu, passt doch.  Auch Mike hat seine Siebensachen verstaut, jetzt sind die beiden Damen dran. Während die beiden im Wohnmobil wurschteln und räumen, setzen Mike und ich uns nach draußen. Unser Stellplatz liegt schön direkt an einem kleinen Fluss und wir genießen in den Holzstühlen das Nichtstun des letzten Tages.

Morgen früh müssen wir das Wohnmobil wieder abgeben und ziehen dann für drei Tage in eine Wohnung in Downtown Toronto. Da ist es sicher vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit. Am Abend treffen wir noch eine Familie aus der Schweiz, die zwei Wochen im Osten Kanadas unterwegs war. Wir unterhalten und eine Zeit lang, dann werden leider die Mücken wieder zu aufdringlich und wir verziehen uns nach drinnen. Den letzten Abend im rollenden Zuhause verbringen wir mal wieder mit Wizzard und Co., dann geht’s ins Bett.

 

13.08.2018

Viel zu früh schellt uns der Wecker aus dem Schlaf. Ein letztes Mal Campgrounddusche und weiter geht’s. Nicht weit vom Campingplatz entfernt und auf dem Weg zur Vermietstation gibt es ein super leckeres Frühstückslokal. Hier waren wir 2015 vor der Abgabe des Campers schon einmal und auch heute halten wir auf dem Parkplatz von „Hotstacks“. Es ist ganz schön voll und wir müssen eine Weile warten, bis uns ein Tisch zugewiesen wird. Zum Frühstück gibt’s Unmengen an Pancakes, Spiegeleier, Speck, Bratkartoffeln, Cornflakes, Obst und Joghurt. Dazu wie immer Kaffee bis zum Umfallen.

Nach dem Frühstück fahren wir zur Vermietstation von Cruise Canada. Dort stehen bereits einige Wagen zur Rückgabe und am Schalter warten schon mehrere Menschen vor uns. Trotzdem geht das Ganze zügig voran, wir räumen unsere Taschen und Koffer aus dem Wohnmobil, danach schaut jemand von der Vermietung nach inneren und äußeren Schäden. Keine vorhanden, alles in Ordnung. Eigentlich könnten wir jetzt mit dem Taxi Richtung Downtown aufbrechen, wenn da nicht noch die Sache mit dem kaputten Kühlschrank wäre.  Uns sind im Laufe des Urlaubs doch erhebliche Mehrkosten entstanden (weggeworfene Lebensmittel, ständig Essen gehen müssen, viel mehr Kilometer plus Sprit, zusätzliche Übernachtungskosten), die wir gerne erstattet bekommen würden. Wir setzen uns mit dem Filialleiter zusammen, gehen gemeinsam die Rechnungen durch und völlig unkompliziert lässt sich die Sache regeln. Wir kriegen sämtliche Kosten erstattet und um den Ärger und Mehraufwand für uns zu entschädigen, verzichtet Cruise Canada auf drei Tage Wagenmiete. Nach dem ganzen Hin und Her mit der telefonischen Erreichbarkeit und bis sich dann mal endlich was getan hatte geht es jetzt mit einem mal super schnell und unbürokratisch. Bereits wenige Tage später ist das Geld auf unserer Kreditkarte gut geschrieben.

Da die Vermietstation ganz gut außerhalb liegt, fahren wir mit einem Taxi nach Downtown. Es ist bereits später Mittag, als wir dort ankommen und wir sind alle ganz schön geschafft. Die Wohnung ist sauber, schön eingerichtet und leise und die Betten sind saubequem. So schmeißen wir uns erstmal alle aufs Bett und dösen tatsächlich ein. Erst am späten Nachmittag werden wir wieder wach und der kleine bzw. auch etwas größere Hunger macht sich bemerkbar. Da wir außer ein paar Cookies  nichts mehr da haben, begeben wir uns auf die Suche nach einem Laden und finden ein paar Blocks entfernt einen richtig tollen, ordentlich sortierten, kleinen Supermarkt mit Biosortiment. Hier gibt es frisches Obst, Gemüse, Müslis, knusprige Brote, Fisch, Fleisch und eine Mittagstheke mit sehr gut aussehenden Salaten. Wir kaufen Taccos, Hackfleisch, Paprika, Gurken, Nudeln, Thunfisch und weiße Nektarinen. Das alles wird unser frühes Abendessen. Maya hat ziemlich starke Kopfschmerzen und irgendwie sind wir alle so faul, dass wir uns nur noch aufs Sofa lümmeln und zum ersten Mal nach vier Wochen den Fernseher anmachen. Auch so geht ein Abend rum.

 

14.08.2018

Wir haben alle gut geschlafen und auch Maya geht es heute Morgen wieder gut. In der Wohnung gibt es sogar zwei Badezimmer, so dass wir alle fast zeitgleich fertig sind. Aus dem Laden hatten wir gestern noch frisches Brot und Eier mitgenommen, so dass wir unser Frühstück direkt hier haben. Heute sind wir wieder unternehmungslustiger als gestern und stiefeln direkt nach dem Frühstück los in den Entertainment District zum CN-Tower. Der Fußweg dauert gute 15 Minuten und als wir am CN- Tower ankommen, stehen die Menschen davor schon Schlange. Wir sprechen kurz mit der Dame am Ticketschalter und sie empfiehlt uns, ein Ticket mit fester Uhrzeit zu kaufen. Dann wüssten wir, wann wir rein könnten und müssten nicht so lange warten. Gesagt, getan und als sie uns das Ticket ausdruckt sind wir überrascht. Die aufgedruckte Einlasszeit ist in einer Viertelstunde. Dafür lohnt es sich nicht mehr, weiter weg zu gehen, also warten wir und stehen dann ganz schnell in der Sicherheitskontrolle am Einlass. Sogar der Fotoapparat macht diese Mal keinen Ärger und wir werden alle durchgewunken. Mit dem Aufzug geht es nach oben zur Aussichtsplattform, von der man einen phantastischen Blick über ganz Downtown hat.

Da es heute wieder sehr heiß ist, liegt ein Teil der Stadt unter einer Dunstglocke, trotzdem fasziniert mich dieser Ausblick immer wieder. Zwischen den riesigen Hochhäusern sehen die Autos auf den Straßen wie kleine Spielzeugautos aus. Wir wechseln die Seiten und die Etagen und nach anderthalb Stunden haben wir alle genug geguckt. Mit dem Aufzug geht’s wieder nach unten und dann weiter durch die Straßen Torontos. Durch die Häuserschluchten zieht es uns zuerst ans Wasser, dann wieder bergauf zum Eton-Center.

In dieser riesigen Mall gibt es so viele Geschäfte und so viel zu gucken, dass man einen kompletten Tag darin herumstöbern könnte.  Und es gibt natürlich auch wieder „Bath&Bodyworks“, den Laden den ich schon in Montreal sehnsüchtig ohne Kerze verlassen habe. Das passiert mir nicht noch einmal und beim Verlassen des Ladens bin ich stolze Besitzerin einer nach Apfel und Herbst riechenden, 500 Gramm schweren, Duftkerze. Gegen Nachmittag macht sich der Hunger bemerkbar und in der John Street finden wir ein nettes Restaurant, das Tische und Stühle auf einer Art kleinen Terrasse bis auf den Bürgersteig raus aufgebaut hat. Wir bestellen Burger und Pommes, verschiedene Bowls und viel zu trinken. Sobald unsere Gläser leer sind, schenkt uns ein Kellner sofort wieder nach. Gehört zum Service und ist für uns bei der Hitze eine super Sache.

Wir sitzen fast anderthalb Stunden hier, essen und beobachten die vorbeigehenden Leute. Direkt gegenüber des Restaurants habe ich einen „Michaels“ erspäht. Da muss ich unbedingt noch rein und meinen Vorrat an Aufklebern für meinen Planer erweitern. In diesem Laden gibt es auf drei Etagen alles, was das Bastel-, Näh-, Back-, und Dekoherz begehrt. Ich könnt einen  zusätzlichen Koffer füllen, wenn ich alles, was mit gefällt, mitnehmen würde. Da unsere Koffer aber leider schon gut gefüllt sind, begnüge ich mich mit zwei Paketen neuer Sticker. Mittlerweile ist es bereits später Nachmittag und wir wollen noch zum Toronto- Schriftzug ein paar Straßenblocks entfernt. Als wir dort ankommen, steht die Sonne bereits tiefer und wirft ein wunderschönes, warmes Licht auf den Platz vor dem Schriftzug. Viele Leute tummeln sich hier und es ist gar nicht so einfach, ein Foto nur mit uns und „Toronto“ und ohne den ein oder anderen Touristen mit drauf zu bekommen. Irgendwann habe ich jeden von uns vieren einmal geknipst und unser Tagespensum scheint erreicht. Vom vielen Laufen und der Hitze sind wir ganz schön müde und wollen langsam nach Hause. Auf dem Rückweg holen wir noch beim Supermarkt etwas Obst fürs Abendessen raus, dann geht’s zur Wohnung. Maya und Liz schmeißen sich aufs Sofa und machen sich den Fernseher an, Mike guckt in sein Handy und ich begeistere mich für meine neuen Aufkleber. So vergeht auch dieser Tag wie im Flug und der Urlaub nähert sich langsam aber sicher seinem Ende.

 

 

15.08.2018

Unser letzter richtiger Tag in Toronto bricht an. Da Maya und Liz länger schlafen und wir nichts mehr fürs Frühstück im Haus haben, gehen Mike und ich nochmal los zum Bioladen. Auch heute scheint es wieder ziemlich heiß zu werden aber heute früh liegt noch eine angenehme Kühle zwischen den Hochhäusern von Downtown. Überall in der Stadt wird gebaut und so sitzen heute Morgen viele Bauarbeiter mit Kaffee und Sandwichs auf den Bordsteinkanten im Schatten und warten auf ihren Arbeitsbeginn. Die Stadt ist noch nicht so wuselig wie in ein paar Stunden und es hat fast etwas heimeliges, aus einer Wohnung zu kommen, Frühstück zu holen und sich nebenbei mit ein paar Leuten zu unterhalten. Ich könnte definitiv noch länger bleiben. Wir frühstücken in aller Ruhe und überlegen, was wir heute noch so anstellen können. Unsere Entscheidung fällt aus Aquarium direkt neben dem CN Tower. Wir faulenzen noch eine Weile und gegen Mittag machen wir uns auf den Weg. Bis zum Aquarium laufen wir etwa 15 Minuten und bei der Hitze kommt mir der Weg heute ganz schön lang vor.

Genau wie nebenan beim CN-Tower wartet auch vor dem Aquarium eine Menschenmenge auf Einlass, wir stellen uns also in die Reihe und warten mit.  Immer im Bemühen, einen Schattenplatz zum Warten zu erwischen, stehen wir eine knappe halbe Stunde an, ehe wir ins Aquarium rein dürfen. Dort ist es ganz schön voll aber das Gebäude ist klimatisiert und so ist es wunderbar kühl hier drin. Wir schieben uns mit den Massen an den verschiedenen Fischbecken vorbei, beobachten kleine und größere, unscheinbare und schön bunte Fische und fahren auf einer Art Fließband auf dem Boden durch einen Tunnel mit Haien, Sägefischen und riesigen Schildkröten.

 

Nach einer guten Stunde kommen wir bereits wieder im Ausgangsbereich an. Da der Tag noch jung ist, bummeln wir noch einmal durch die Straßen Torontos und sind von dieser Stadt immer wieder fasziniert. Zwischen riesigen, hochmodernen Glaskästen finden sich immer wieder alte Gebäude in roter Backsteinoptik, neben lauten, vielbefahrenen Straßen befinden sich kleine Parks und Grünflächen, die die Hektik der Stadt entschleunigen. Dieser Kontrast zwischen alt und neu, groß und klein, hell und dunkel macht den Reiz dieser Stadt für mich aus.

Am frühen Nachmittag kehren wir wieder beim gleichen Restaurant ein, in dem wir gestern schon gegessen hatten. Es hat uns dort so gut geschmeckt, dass wir alle einfach nochmal das Gleiche nehmen wie gestern auch schon. Und dazu wieder viel Kaltes zu Trinken. Wir sitzen wieder draußen auf dem Bürgersteig, beobachten das Treiben um uns herum und lassen unseren Urlaub Revue passieren. Fünf Wochen sind wieder viel zu schnell vergangen und wenn wir könnten, würden wir schon morgen wieder in ein Wohnmobil einziehen und einfach weiterfahren. Immer Richtung Westen. Leider ruft in wenigen Tagen wieder die Arbeit und zwar sehr laut und so bleibt uns nichts anderes übrig, als am frühen Abend nach Hause zu gehen, die Taschen endgültig zu packen, einzuchecken und die Wohnung sauber zu machen. Unseren letzten Abend in Kanada verbringen wir gemeinsam vor dem Fernseher und zappen uns durchs kanadische Fernsehprogramm.

 

 

 

16.08.2018

Die letzte Nacht in Kanada war super bequem und erholsam. Um 11 Uhr müssen wir aus der Wohnung raus sei , unser Flug geht aber erst um 21.30 Uhr heute Abend. Wir wussten von Anfang an, dass dieser Tag ein reiner Wartetag am Flughafen werden würde und da wir tatsächlich keine Lust haben, mit Sack und Pack durch die Straßen zu ziehen, lassen wir uns um 11 Uhr mit einem Taxi zum Flughafen bringen. Dort suchen wir uns erstmal was zu frühstücken und danach eine ruhige Ecke für die nächsten Stunden. Leider ist der Wartebereich des Flughafens in Terminal zwei vor dem Check-In nicht besonders ansprechend gestaltet und es sind keine Wartebereiche vorhanden, doch im Untergeschoss finden wir vier zusammenhängende Sitze und basteln uns mit den Koffern als Tisch eine recht bequeme Warteecke. Mit vielen Runden Uno und Wizzard vergeht die Zeit tatsächlich recht schnell und nachdem wir drei Stunden vor Abflug unsere Koffer loswerden und nur noch mit leichtem Gepäck unterwegs sind, zieht es uns nach der Sicherheitskontrolle in den Duty-free –Bereich. Hier gibt es Geschäfte zum Gucken und Anfassen und Maya kauft sich noch einen Pullover als Andenken an Toronto. Wir suchen uns noch etwas zu essen (natürlich bei Tim Hortons), verschwinden noch einmal auf die Toiletten und dann geht’s ab ins Flugzeug. Die ersten fünfeinhalb Stunden vergehen superschnell und wir schlafen oder dösen vor uns hin, danach geht’s für anderthalb Stunden in Island runter, wir steigen um und nach weiteren drei Stunden landen wir um ein Uhr mittags in Frankfurt. Im Landeanflug sehen wir das völlig ausgetrocknete Deutschland von oben und überall dort, wo sonst Wiesen und Felder sind, scheint uns die Landschaft in verschiedenen Brauntönen entgegen. So haben wir Deutschland noch nie gesehen. Auf unser Gepäck müssen wir nicht lange warten, auf den Mann vom Shuttleservice auch nicht und so sind wir zügig am Auto. Müde machen wir uns auf den Weg zur Autobahn, die letzten 200 Kilometer sind immer am Anstrengendsten. Maya und Liz schlafen bereits nach wenigen Kilometern tief und fest und Mike und ich versuchen und gegenseitig wach zu halten. Am späten Nachmittag stehen wir wieder vor der eigenen Haustür, Liz wird abgeholt und nach fünf Wochen haben wir wieder nur ein Kind. Den Rest des Tages versuchen wir uns wach zu halten, ich räum schon mal die Koffer aus, sortiere die Wäsche  und alles andere, was mir aus den Koffern entgegen kommt und um 19 Uhr ist unser Abenteuer Kanada endgültig beendet. 

Thank you for having us again, Canada.

 

 

 

 

 

 

 

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